Draco fühlte sich nach wie vor miserabel.
Es war früher Abend und er lag immer noch im Krankenflügel.
Selbstverständlich hatte Madam Pomfrey seine (ziemlich heftigen) Verletzungen sofort heilen können, aber der Schreck saß ihm immer noch in den Knochen.
Natürlich, er war nicht nur in ein Frettchen verwandelt worden, er war mehrfach aus ziemlicher Höhe auf Steinboden geschleudert worden - und für den kleinen Frettchenkörper war ein Sturz aus drei Metern Höhe nun einmal noch heftiger als für einen Menschen.
Moody hatte ihn zu Snape geschleift, während Draco schwindelte vor Schmerz. Sein ganzer Körper tat weh.
Die heftige Diskussion zwischen den beiden Professoren hatte er nur am Rande mitbekommen, so schlecht ging es ihm. Sie war aber auch recht kurz gewesen. Moody hatte versucht, Draco auch noch Strafarbeit von Snape aufbrummen zu lassen, aber sein Hauslehrer hatte bei Dracos Anblick eisig reagiert, war Moody über den Mund gefahren und hatte Draco eilig in den Krankenflügel gebracht.
Es war das erste Mal während seiner Schulzeit in Hogwarts, dass er Snape dankbar war.
Pomfrey hatte die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen, als sie ihn sah.
Snape hatte ihr eine Zusammenfassung dessen gegeben, was passiert war, die Heilerin hatte schockiert den Kopf geschüttelt und sofort begonnen, Draco zu heilen: angebrochene Knochen, beinahe herausgeschlagene Zähne, Blutergüsse.
Snape war gegangen und Pomfrey hatte Draco ins Krankenbett verfrachtet.
Seine Wunden waren magisch geheilt, seine Schmerzen weggezaubert worden.
Aber der Schock blieb.
Er zitterte unkontrolliert unter der Decke, bis die Schulheilerin ihm mehrere Beruhigungstränke gab.
Seine Freunde waren vor der Tür zum Krankenflügel abgewiesen worden, als es ihm noch so schlecht ging, denn natürlich waren sie ihm überallhin gefolgt. Soviel hatte er gerade noch mitbekommen.
Jetzt, gegen Abend, hatten sie ihn mittlerweile alle besucht: seine Jungs, Pansy und Millicent, Terence und natürlich Maira, seine feste Freundin. Alle waren zutiefst schockiert von Moodys Verhalten. Er hatte wohl doch nicht alle Besen in der Kammer, wie Draco es von seinem Vater gehört hatte.
Pomfey sagte, er solle kurz vor Sperrstunde zurück in sein Haus gehen. Sie würde ihm noch einen Schlaf- und Beruhigungstrank für die Nacht geben.
Seine Freunde hatten ihm Bücher und seine Lieblingsschokolade gebracht - die Sorte mit Karamell und Minze, sie war an einem Stand bei der Quidditch Weltmeisterschaft verkauft worden - und er versuchte sich mit beidem abzulenken.
Aber er konnte sich auf keins der Bücher konzentrieren und die Schokolade nahm er kurz in die Hand, legte sie dann aber wieder beiseite. Irgendwie wollte kein Appetit bei ihm aufkommen.
Er fragte sich, was es für Konsequenzen für Moody haben würde, dass er einen Schüler so gewalttätig angriff. So ein Mensch konnte ja wohl kaum auf Kinder und Jugendliche losgelassen werden!
„Kommen Sie", hörte er da, noch etwas weiter entfernt, Madam Pomfrey.
Die Heilerin hatte die Vorhänge rund um sein Bett fast vollständig zugezogen, um ihm ein bisschen Privatsphäre zu gewährleisten.
Im nächsten Moment war ihre Stimme schon bedeutend näher.
„Hier ist er."
„Danke, Madam Pomfrey."
Granger stand wohl genau hinter dem Vorhang.
Fast erschreckte es Draco, dass es ihn nicht wunderte, dass sie hier war.
Pomfrey lugte durch die Öffnung zwischen den Vorhängen.
„Miss Granger ist für Sie hier, Mr Malfoy."
Einen Augenblick starrten sie sich schweigend an, und erst nach ein paar Atemzügen begriff Draco, dass Pomfrey auf eine Reaktion wartete.
„In Ordnung", hörte er sich sagen.
Die Heilerin trat beiseite und Granger erschien stattdessen in der Vorhanglücke.
Draco starrte auch sie, wie zuvor Pomfrey, etliche Sekunden einfach an und sie starrte genauso stumm zurück, ehe sie sich mit einem Ruck in Bewegung setzte und auf das Krankenbett zuging.
„Was willst du?", blaffte er sie an, als sie sich auf den Besucherstuhl sinken ließ.
Überraschenderweise ließ sie sich absolut nicht provozieren. Ihr Blick huschte über sein Gesicht, beinahe wirkte sie besorgt dabei.
„Wie geht es dir?"
Die Frage klang so ehrlich interessiert, dass Draco jede unwirsche Erwiderung im Halse stecken blieb.
Ohne es zu wollen senkte er den Blick auf seine Hände, die auf der Bettdecke lagen.
Wie hell seine Haut war... Fast so weiß wie der Bettbezug.
Er machte sich immer mehr Gedanken über sein Äußeres und ihm wurde immer bewusster, dass sein Aussehen fast unnatürlich war - die extrem blasse Haut, das fast weiße Haar, das Grau seiner Augen. Zum ersten Mal fragte er sich allerdings, was Hermine Granger wohl über sein Aussehen dachte.
„Was interessiert es dich?", fragte er leise.
Nervös fummelte er am Rand der Decke herum.
Die Erinnerung an den Vorfall mit Moody kam wieder hoch und sein Herz schlug schneller.
„Es muss schrecklich gewesen sein."
Er schluckte.
Sie hatte den Satz geflüstert, klang nicht gehässig, sondern tatsächlich schockiert.
Draco fühlte sich seltsam verletzlich. Es ärgerte ihn, dass sie ihn so sah, irgendwie fragil und schutzlos. Trotz der Tränke hatte er den Schock immer noch nicht überwunden.
„Malfoy."
Er hob widerwillig den Blick, als sie seinen Namen sagte.
„Was willst du hören?", fragte er. „Du kannst dir sicher vorstellen, wie witzig es ist, mehrfach aus mehreren Metern Höhe auf den Boden zu knallen. War sicher eine tolle Show für Potty und das Wiesel."
An ihrem schuldbewussten Blick sah er, dass er Recht hatte.
„Es war nicht richtig, was Professor Moody gemacht hat", sagte sie und überraschte ihn damit einmal mehr. „Gewalt ist nie eine Lösung, und erst recht sollte keine Lehrkraft so etwas mit einem Schüler machen."
„Vielleicht wird es ein Nachspiel haben", meinte Draco, der immer noch nicht fassen konnte, dass sie so offensichtlich auf seiner Seite war. „Wenn mein Vater davon erfährt..."
Bedächtig nickte sie.
„Ja, du hast Recht. Über so etwas sollten deine Eltern informiert werden."
Draco musste an ihre Konversation während der Quidditch Weltmeisterschaft denken. Genau wie damals unterhielten sie sich auch jetzt so... normal.
Eigentlich sollte er gar nicht mit ihr reden.
Nein, er sollte nicht mit ihr reden.
Und erst recht sollte er sie nicht anstarren. Er sollte ihr Erscheinungsbild nicht in sich aufsaugen.
Himmel, ihre lockigen Haare waren eine Katastrophe, sie war altklug und ein Schlammblut!
Und trotzdem musste er sie ansehen.
Warum, zur Hölle, fand er sie eigentlich so verflucht hübsch?
„Sonst verteidigst du doch immer die Lehrkräfte", brummte er.
„Das stimmt", bestätigte sie. „Aber Professor Moody macht Dinge, die einfach nicht ok sind. Er hat heute im Unterricht-"
Draco erfuhr nicht, was Moody im Unterricht getan hatte, denn Grangers Magen knurrte so laut, dass sie peinlich berührt abbrach.
Abrupt fiel Draco wieder ein, was ihm an Granger aufgefallen war.
„Sag mal, warum isst du eigentlich nichts?"
Überrascht sah sie ihn an, eine Hand dabei auf ihren Bauch gepresst.
„Was? Wie kommst du darauf?"
„Naja, es fällt eben einfach auf, dass du seit gestern Abend bei den Mahlzeiten das Essen nur böse anstarrst", sagte er ausweichend.
„Ich habe gegessen", behauptete sie und erneut knurrte ihr Magen.
Er zog die Augenbrauen hoch.
„Wie oft soll ich dir noch sagen, dass du eine miserable Lügnerin bist, Granger?"
Sie sah ihn beinahe trotzig an.
„Ich habe heute Morgen ein Sandwich gegessen, was ich noch von Zuhause für die Fahrt mit hatte. Und heute Mittag einen Schokofrosch, den ich im Zug gekauft habe."
Er lachte humorlos auf.
„Wow, ein altes Sandwich und ein Schokofrosch, klingt nach einer richtig ausgewogenen Ernährung", schnaubte er. „Was ist das, irgendeine bekloppte Muggel-Diät oder so?"
„Mach dich nicht lächerlich, natürlich nicht", fuhr sie ihn an. „Aber ich habe meine Gründe, nichts mehr aus der Küche von Hogwarts zu essen."
„Ach ja?", witzelte Draco. „Hast du den Zorn der Elfen auf dich gezogen und sie wollen dich jetzt vergiften?"
Sie riss Mund und Augen auf.
„Du wusstest es!", rief sie aus. „Du wusstest, dass Hauselfen das Essen zubereiten!"
Er blinzelte irritiert.
„Häh? Na logisch sind es Elfen. Was denkst du denn, wo das Essen herkommt? Aus dem Nichts? Das kochen die Elfen und dann schicken sie es mit einem Zauber von der Küche hoch zu uns. Das machen unsere Hauselfen Zuhause genauso."
„Eure Elfen?", fragte sie schrill. „Ihr habt mehrere Hauselfen? Ihr hattet nicht nur einen?"
Sie wirkte furchtbar aufgewühlt und Draco verstand nicht, warum.
„Natürlich haben wir Hauselfen", antwortete er. „Jede Reinblutfamilie hat welche - naja zumindest jede, die etwas von sich hält. Selbst nicht ganz so gut betuchte Familien haben zumindest eine-"
„Das ist unglaublich!", unterbrach sie ihn. „Ist dir denn nicht klar, was das ist? Sklavenarbeit!"
Einen Moment war er sprachlos.
„Sklavenarbeit?", echote er dann.
„Ja!", entfuhr es ihr erzürnt. „Die Elfen arbeiten ohne Entlohnung! Sie haben keine Altersvorsorge! Keine Absicherung im Krankheitsfall!"
Wieder schwieg Draco einen Augenblick perplex.
„Aber es sind Hauselfen", sagte er verständnislos. „Sie sind eben Eigentum von-"
„Eigentum!", polterte sie los. „Sie sind Lebewesen! Wie kann ein Lebewesen das Eigentum eines anderen sein?"
„Ähm..."
„Ich fasse es nicht! Die ganze Tragödie um diese armen Geschöpfe geht noch tiefer, als mir eigentlich klar war!"
Wieder knurrte ihr Magen laut.
„Moment mal", sagte Draco. „Du willst mir nicht allen Ernstes sagen, dass du das Essen aus der Hogwarts-Küche verschmähst, weil es von Elfen gemacht wird, oder?"
„Natürlich!", fauchte sie. „Ich esse nichts aus Sklavenarbeit! Dann würde ich das ganze System ja unterstützen!"
„Aber es sind Elfen", sagte Draco verständnislos. „Sie leben doch dafür, zu kratzbuckeln und-"
„Ich kann nicht glauben, dass du das sagst!"
„Es ist aber so", meinte er schulterzuckend.
„Aber doch nur, weil sie es nicht besser wissen!", rief sie aus. „Sie sind ungebildet und wissen nichts von ihren Rechten und-"
„Moment mal", unterbrach er sie. „Habe ich das wirklich richtig verstanden? Elfenrechte hin oder her, Granger... Du willst nichts mehr aus der Hogwarts-Küche essen?"
„Korrekt", bestätigte sie zornig und verschränkte die Arme vor der Brust.
Ihre Brauen waren unheilverkündend zusammengezogen.
„Granger, aber es gibt hier im Schloss nichts anderes."
Ihr Blick flackerte.
Sie schien zu wissen, worauf er hinaus wollte, schwieg aber.
Draco holte tief Luft.
„Gut, du willst das Hauselfen-Sklavensystem nicht unterstützen, meinetwegen", sagte er und musste sich dabei ein Lachen verkneifen, so lächerlich fand er die Vorstellung, Hauselfen als arme Sklaven anzusehen. „Aber was, bitteschön, willst du denn dann in Zukunft hier essen?"
Zornig starrte sie ihn einen Augenblick an, ohne zu antworten.
„Zugegeben", räumte sie dann widerwillig ein. „Das ist noch eine kleine Lücke in meiner Protestaktion."
„Kleine Lücke ist gut", schnaubte er. „Du wirst innerhalb weniger Tage wegen eines Schwächeanfalls hier im Krankenflügel landen."
Sie sah unzufrieden aus.
In die Stille hinein dröhnte das Knurren ihres Magens.
Er seufzte, dann griff er nach der Schokolade auf dem Nachttisch, die die Jungs ihm vorhin von seinem Vorrat gebracht hatten.
„Hier."
Um Diskussionen zu vermeiden, warf er ihr die Schokolade einfach zu, und sie fing sie instinktiv auf.
„Iss."
Überrascht sah sie die Schokoladentafel in ihrer Hand an.
Ja, es war ihre Lieblingssorte.
Ob sie begriff, dass es auch seine liebste Sorte war? Erinnerte sie sich noch daran, dass ein Unbekannter ihr mal eine Tafel heimlich in der Bibliothek hatte zukommen lassen?
„Das ist nicht nötig..."
Lautes Magenknurren.
„Oh, ich denke, es ist verdammt nötig", schnarrte Draco.
Sie zögerte, dann riss sie das Papier auf und brach sich ein Stück der Schokolade ab.
„Danke", murmelte sie.
Einen Augenblick saßen sie schweigend beisammen, während sie Schokolade aß.
„Also", durchbrach er schließlich die Stille. „Fassen wir noch einmal zusammen. Aus irgendwelchen Gründen meinst du, dass Elfen Sklavenarbeit verrichten-"
„Ich meine nicht nur, es ist eine Tatsache-"
„-und du willst das nicht unterstützen, also verweigerst du das Essen", fuhr er ungerührt fort, so als hätte sie gar nichts gesagt. „Dir ist aber bewusst, dass das keine Dauerlösung ist. Also bist du jetzt in einer Zwickmühle."
„Ja", gab sie sichtlich widerwillig zu, während sie sich mit finsterem Gesicht das nächste Schokoladenbruchstück in den Mund schob.
„Meinst du nicht", fuhr Draco fort. „dass es vielleicht effektivere Möglichkeiten gibt? Ich meine, wenn du hungerst, ist den Elfen ja auch nicht geholfen, insbesondere, weil du das sowieso allerhöchstens ein paar Tage durchhälst."
Er konnte nicht glauben, dass er mit ihr über so etwas redete. Bei Salazar, sie redeten hier über verfluchte Hauselfen! Die waren glubschäugig und nervig und eben nur dazu zu gebrauchen, Essen und den Haushalt zu machen. Sein Vater sagte stets, nur ein Hauself, den man nicht sah, war ein guter Hauself. Denn das war ihre Aufgabe: Alles erledigen, ohne dass man mitbekam, dass sie überhaupt da waren.
„Was meinst du?", hakte sie nach.
„Keine Ahnung", sagte er ehrlich. „Aber du bist eine einzige Person, du erreichst definitiv nichts, nur weil du alleine für dich in Hungerstreik gehst."
Sie sah ihn nachdenklich an.
„Du hast Recht", bestätigte sie.
„Vermutlich", tat er es schulterzuckend ab.
„Eine Person alleine kann nichts ausrichten...", murmelte Granger und starrte kurz ins Leere.
Dann lächelte sie.
Der Anblick löste ein merkwürdig warmes Gefühl in Dracos Bauch aus.
„Danke, Malfoy", sagte sie und er wusste plötzlich nicht, wo er hinsehen sollte. „Für die Schokolade und für die Anregungen."
Sie stand auf.
„Hier."
Sie hielt ihm die angebrochene Tafel Schokolade hin.
„Behalte sie", brummte er und klang dabei ein wenig unwirsch.
„Danke", sagte sie noch einmal und dann: „Gute Besserung."
Er sah ihr bewusst nicht nach, als sie ging.
Als Pomfrey ihn später entließ, gab sie ihm wie versprochen den Traumlos-Trank mit, worüber er froh war. Immer noch geisterten ihm die Bilder durch den Kopf von dem, was ihm durch Moody angetan worden war. Der Typ wirkte wirklich, als sei er vollkommen gestört. Dumbledore konnte unmöglich zulassen, dass so jemand hier an der Schule blieb! Andererseits... Draco kannte Dumbledore eigentlich gar nicht. Er sah den Schulleiter stets nur über die Ferne, und seine Reden zu Schuljahresbeginn und bei größeren Veranstaltungen waren die einzigen Momente, in denen er das Wort an sie richtete.
Draco nahm sich vor, seinem Vater vorm Zubettgehen einen Brief zu schreiben und den Vorfall zu schildern. Morgen konnte er ihn in die Eulerei bringen.
Auf den Gängen war verhältnismäßig wenig los, was daran lag, dass bald Sperrstunde sein würde und die meisten sich daher bereits in die Gemeinschaftsräume zurückgezogen hatten.
Ein leises Maunzen ließ Draco stehen bleiben.
Verrückt, aber er erkannte das Geräusch sofort und wusste, wer um die Ecke biegen würde.
Krummbein stolzierte, hässlich wie eh und je, mit erhobenem Schwanz auf ihn zu.
Draco ging in die Hocke.
„Knieselchen", sagte er.
Der Kater ließ sich genüsslich streicheln.
„Kommst du mit mir mit, Kleiner? Du kannst etwas Leckeres bekommen."
Als er sich wieder in Bewegung setzte, folgte ihm Krummbein auf Schritt und Tritt.
Schließlich huschte er ganz selbstverständlich in den Slytherin-Gemeinschaftsraum, nachdem Draco das Passwort gesagt und die Schlange die Tür entriegelt hatte.
Hier war es brechend voll. Leise Musik lief. Es wurde beisammen gesessen und Butterbier getrunken. Draco sah keine neuen Gesichter, die gerade Eingeschulten waren wohl auf ihren Zimmern. Auch aus dem zweiten Jahrgang war kaum jemand anwesend und aus dem dritten recht wenige.
In diesem Moment wurde Draco wieder bewusst, dass er nun wirklich zu den „Älteren" gehörte.
Krummbein verschwand mit zuckenden Schnurrhaaren in der Menge. Draco war sich sicher, dass er ihn später wiederfinden würde.
Er entdeckte seine Freunde - die Jungs zusammen mit Pansy und Millicent - in einer Sitzgruppe beisammen sitzen. Bei ihnen saß, als einer der wenigen Zweitklässler, Malcolm mit einem Freund aus seinem Jahrgang.
„Da ist er!", rief der Kleine da auch schon aufgeregt, als er Draco entdeckte.
Kaum, dass er bei seinen Freunden ankam, wurde er von allen mit Fragen bestürmt - wie es ihm ging, was Pomfrey gesagt hatte...
Draco merkte, wie sehr ihn das Thema stresste, daher versuchte er es abzuwürgen.
„Naja, glücklicherweise stinke ich nicht dauerhaft nach Frettchen", versuchte er es witzelnd abzutun, und besonders Malcolm und sein Freund lachten. „Lasst uns ein anderes Mal darüber reden."
„Genau, Themenwechsel", bestimmte auch Theo, während er sich eine Zigarette anzündete. Er schien genau zu bemerken, dass Draco noch länger an diesem Thema zu knabbern haben würde.
„Ok", krähte Malcolm. „Erzählt mir noch mehr von der Weltmeisterschaft. Ich ärgere mich so, dass ich nicht dabei sein konnte."
„Du warst nicht da?", fragte Draco schockiert.
„Nein", seufzte Malcolm. „Ich hätte so gerne gesehen, wie England gewinnt. Und naja, Krum hätte ich auch so gerne mal fliegen sehen."
„Warte mal."
Draco flitzte die Treppe hinunter zu den Schlafsälen und holte den Miniatur-Krum und die Leckerchen für Krummbein.
Der Kniesel-Mix schien Draco heimlich beobachtet zu haben, denn kaum, dass er wieder bei seinen Freunden saß, sprang der Kater ihm auf den Schoß und bettelte um Leckereien.
Draco ließ den kleinen Krum über den Tisch laufen, wo er von Malcolm und seinem Freund bewundert wurde, und fütterte Krummbein währenddessen.
„Der ist so klasse", befand Malcolm und beobachtete fasziniert, wie Mini-Krum über Theos Zigarettenschachtel hinwegstieg.
Draco fasste den Entschluss völlig spontan und ohne darüber nachzudenken.
„Weißt du was?", fragte er und angelte nach Theos Zigaretten, um einen Glimmstängel aus der Packung zu ziehen, wobei er das protestierende „Hey!" von Theo ignorierte. „Ich schenke ihn dir."
Malcolms Kopf ruckte hoch und er starrte Draco ungläubig an, während der sich mit seinem Zauberstab die Zigarette anzündete.
„Ernsthaft?"
Draco, der gerade den ersten Zug genommen hatte, stieß langsam den Rauch aus den Lungen.
„Ernsthaft."
„Aber", meinte Malcolm. „der war doch bestimmt nicht billig."
Draco zog an der Zigarette und machte dann mit der Hand, in der er sie hielt, eine wegwerfende Handbewegung.
„Die Miniatur-Spieler gibt es nur auf den Weltmeisterschaften zu kaufen", blieb Malcolm stur. „Du wirst keinen neuen irgendwo herkriegen."
Draco zuckte gleichmütig mit den Schultern.
„Mach kein Drama draus, Malcolm", sagte er lässig und der Zweitklässler begann zu strahlen.
Genau genommen kam es Draco jetzt, nachdem er den echten Viktor Krum persönlich kennen gelernt hatte, albern vor, ihn als Spielfigur zu haben.
Himmel, ja, er hatte privat mit Viktor Krum geredet und dieser hatte sich sogar mit Vornamen vorgestellt!
„Wow, das ist so cool!", freute sich Malcolm. „Danke, Draco. Du bist der Beste!"
„Hör auf, Kleiner, Dracos Ego ist sowieso schon so aufgeblasen wie ein Knallrümpfiger Kröter bei Gefahr", witzelte Blaise. „Zu viel Honig ums Maul schadet ihm womöglich."
„Fick dich, Blaise", lachte Draco. „Und erzähl du mir nichts von aufgeblasenem Ego."
Blaise zeigte ihm gelassen den Mittelfinger.
„Komm, Phil", sagte Malcolm zu seinem besten Freund. „Wir gehen in unseren Schlafsaal und gucken mal, was der Miniatur-Krum so alles kann. Danke noch mal, Draco. Echt total coole Aktion von dir."
Draco war sich ziemlich sicher, dass die beiden Jungs es nur so eilig hatten, zu verschwinden, weil in diesem Moment eine kleine Gruppe Mädchen zu ihrer Sitzgruppe kam, darunter auch Maira.
Draco erinnerte sich nur zu gut, dass es ihm in diesem Alter auch immer ein wenig unangenehm gewesen war, wenn die älteren Schüler rumgeknutscht hatten, und vermutlich befürchtete Malcolm, dass es gleich so kommen würde, dass Draco rumknutschte.
Kam es dann auch.
Aus Mangel an genügend Sitzplätzen zog Draco seine Freundin auf seinen Schoß - keine zwei Minuten später waren sie dabei, sich heftig zu küssen, wobei Draco es wagte, seine Hand ein Stück unter Mairas Rock gleiten zu lassen.
„Bei allen vier Gründern, sucht euch eine Besenkammer!", hörte Draco Theo lachend sagen und er hob seine freie Hand, ohne damit aufzuhören, Maira zu küssen, und zeigte blind den Mittelfinger in Theos Richtung.
Als sie sich irgendwann, eigentlich viel zu spät, schließlich war am nächsten Tag Schule, in den Schlafsaal zurückzogen, huschte Krummbein ihm ganz selbstverständlich hinterher. Ebenso selbstverständlich sprang er auf Dracos Bett und räkelte sich dort genüsslich.
Theo tätschelte dem Kniesel-Mix im Vorbeigehen den Kopf.
Draco war tatsächlich froh, dass das Tier hier war. Er hatte zwar den Traumlos-Trank, aber irgendwie war die Vorstellung beruhigend, dass Krummbein zumindest einen Teil der Nacht bei ihm verbringen würde. Bis eben war er abgelenkt gewesen, aber nun musste er wieder an seine schreckliche Verwandlung und die grauenhaften Schmerzen sowie den Schock denken.
Kurz fragte er sich, was seine Freunde wohl dazu sagen würden, wenn sie wüssten, wem der Kater gehörte.
„Guck mal hier... Hast du die gesehen...?"
Er lenkte seine Aufmerksamkeit auf Greg, der zusammen mit Vince auf dessen Bett saß. Die beiden hatten mehrere Zeitschriften auf dem Schoß und beugten sich tuschelnd darüber.
Auch Blaise schien dies nicht zu entgehen.
„Was macht ihr da?", fragte er und ging interessiert näher.
Theo, der gerade sein Oberteil auszog, sah herüber.
„Nichts", behauptete Greg hastig und versuchte, die Magazine hinter dem Rücken zu verstecken.
„Ehrlich, Jungs, wenn ihr irgendwas heimlich machen wollt, solltet ihr es nicht so offensichtlich vor uns in unserem gemeinsamen Zimmer tun", meinte Draco.
„Bei Merlin und Morgana, was ist das?", entfuhr es Blaise, der sich eine der Zeitschriften schnappte. „Verflucht, sind die heiß."
„Wer?", fragte Theo, während Draco neugierig näher ging.
„Gib das her!", verlangte Vincent, aber Blaise schien nicht einmal daran zu denken. Er blätterte rasch in der Zeitschrift.
„Bei allen Heiligen, wo zur Hölle habt ihr diese Zeitschriften her?", japste Blaise.
„Blaise, das ist nicht witzig, gib das her!", verlangte nun auch Gregory.
„Nein, es ist nicht witzig", bestätigte Blaise. „Fuck, wie soll man da nicht scharf werden? Seit wann guckt ihr euch sowas an?"
„Was denn?", fragte Theo und kam mit freiem Oberkörper näher.
Draco hatte bereits begriffen, um was es ging.
„Lumos! Girls" stand in großen Buchstaben auf dem Magazin, das Blaise in der Hand hielt, und obwohl Draco nur das Cover sah, war ihm sofort klar, was der Inhalt der Zeitschrift war, denn das Titelblatt zierte eine junge, attraktive Hexe, vollkommen entblößt bis auf ein winziges, dunkelrotes Stück Stoff, das zumindest das verbarg, was zwischen ihren Beinen war.
Wie alle Fotografien in ihrer Welt war auch dieses Bild bewegt, und Draco konnte in Dauerschleife beobachten, wie die hübsche Frau einen Handkuss Richtung Kamera warf.
Mittlerweile war auch Theo bei ihnen, der nach einem einzigen Blick in die Zeitschrift Blaise diese aus der Hand riss.
„Fuck", entfuhr es auch ihm.
„Leute, lasst das", maulte Greg, als Blaise sich das nächste Magazin schnappte, während Theo einfach blätternd zu seinem Bett ging.
„Die gehören mir", protestierte Vincent schwach. Er schien zu begreifen, dass er eine Lawine losgetreten hatte, die er nicht mehr aufhalten konnte.
Draco setzte sich zu Greg und Vincent aufs Bett.
Er sah mehrere Ausgaben von „Lumos! Girls" sowie eines anderen Magazins.
„HexAppeal", stand auf diesem in Leuchtbuchstaben und Draco nahm gezielt eine Ausgabe mit einer attraktiven Brünetten auf dem Cover.
Er blätterte.
„Jungs, gebt Vince sein Eigentum zurück", maulte Gregory.
„Hey, Freunde teilen, oder nicht?", lachte Blaise, warf aber die Zeitschrift gehorsam aufs Bett zurück.
Draco blätterte flüchtig in der Ausgabe, die er in der Hand hielt.
In seinem ganzen Leben hatte er noch nie so viel nackte Haut beim anderen Geschlecht gesehen.
„Salazar, die sind echt heiß", murmelte er und hörte Blaise daraufhin lachen.
„Ich wusste nicht, dass Frauen so scharfe Unterwäsche tragen", kam es von Theos Bett.
Draco sah auf, als Theo zu ihnen kam und Vincent das Heft in die Hand drückte.
„Also, ich bin dann mal etwas länger im Bad", grinste er.
Sie lachten, wobei sie nicht sicher waren, ob Theo nur scherzen wollte oder es ernst meinte.
Später, als sie schließlich alle bettgehfertig waren und zu viel zu später Stunde endlich unter ihren Decken lagen, betrachtete Draco nachdenklich Krummbein, der am Fußende seines Bettes lag.
„Wie gut, dass du nicht reden kannst", flüsterte er. „Du hättest verrückte Geschichten über uns, die du deinem Frauchen erzählen kannst."
Der Kater stand langsam, fast wie in Zeitlupe, auf und kam zu Draco getrippelt.
Dieser drehte sich auf die Seite und hob leicht die Decke an. In Hogwarts schlief er stets nur in Boxershorts, und er mochte es, wie Krummbein sich an seiner nackten Brust zusammenrollte. Das Tier war angenehm warm und weich und gab Draco Sicherheit.
Er war sich sicher, dass es nicht nur der Traumlos-Trank war, der ihn diese Nacht beruhigte und die schreckliche Erfahrung vergessen ließ, die er durch Moody machen musste, sondern auch das leise Schnurren des Kniesel-Mixes, welches er als Vibrieren an seiner Brust spürte.
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A Death Eater's Tale
Fiksi PenggemarJeder kennt sie - die Geschichte vom Jungen, der überlebte. Auch Draco Malfoy muss in seinem Leben immer wieder feststellen, dass die Geschichte dieses Jungen Einfluss auf seine eigene Geschichte hat. Auch wenn er es anfänglich nicht bemerkt und spä...
