'Harry Potter hat in Hogwarts endlich die Liebe gefunden. Sein enger Freund, Colin Creevey, berichtet, dass der Trimagische Hogwartschampion fast ständig in Begleitung Hermine Grangers zu sehen ist, eines umwerfend hübschen muggelstämmigen Mädchens, das wie Harry zu den besten Schülern des Internats gehört...'
Draco hatte den Artikel, der vor ein paar Tagen erschienen war, aufgehoben. Warum, wusste er selbst nicht so genau. Geschrieben war er von dieser Kimmkorn, die bereits den Artikel über die Quiddtich-Weltmeisterschaft so reißerisch geschrieben hatte.
Der Artikel war eine Zumutung. Er drehte sich ausschließlich um diesen bescheuerten Potter. Sowohl Viktors Name als auch der von Fleur Delacour war falsch geschrieben. Diggory hatte Kimmkorn gar nicht erwähnt.
'...in Begleitung Hermine Grangers, eines umwerfend hübschen Mädchens...'
Umwerfend hübsch.
Dracos Magen zog sich schmerzhaft zusammen.
'Harry Potter hat in Hogwarts endlich die Liebe gefunden.'
Potter und Granger waren ein Paar, nun hatte er die schriftliche Bestätigung.
Und so sehr er sich innerlich auch wehrte, so sehr er es auch nicht wahrhaben wollte - es machte ihn zornig.
Ja, verdammt noch mal, es ärgerte ihn, dass Potter mit Granger zusammen war. Er hasste Potter nun nur noch mehr. Und es ärgerte ihn, dass Granger als „umwerfend hübsch" bezeichnet wurde. Er konnte es nicht richtig in Worte fassen, aber irgendwie hatte er bisher das Gefühl gehabt, der einzige zu sein, dem auffiel, dass die Gryffindor eben leider genau das war - hübsch. Gut, nun war es irgend so einer blöden Reporterin auch aufgefallen, eigentlich konnte ihm das egal sein. Aber irgendwie fühlte es sich für ihn so an, als würde diese dämliche Kimmkorn nun jeden mit der Nase darauf stoßen, dass Granger nicht einfach eine langweilige Streberin war.
Das alles konnte ihm herzlich egal sein - war es aber nicht.
Also ärgerte er sich darüber, dass Granger so abstoßend stark in den Mittelpunkt gerückt wurde und darüber, dass ihn das überhaupt interessierte.
„Ich weiß wirklich nicht, was das ist, das mit deinem Frauchen", sagte er leise zu Krummbein, dem hässlichen Kniesel-Mix.
Draco war eigentlich auf dem Weg in die Bibliothek gewesen, als er dem Kater begegnet war.
Nun saß er in einer der steinernen Fensterbänke des Schlosses, das Knieselchen neben sich. Das Tier rieb begeistert schnurrend seinen Schädel an Dracos Oberschenkel und schnurrte dabei so laut wie noch nie. Das Schnurren steigerte sich sogar, wenn Draco ihm den Rücken streichelte.
Das Schlimme war, dass Granger seit dem Vorfall vorm Zaubertrankunterricht sogar noch hübscher geworden war.
Die Gryffindor hatte den Schulvormittag im Krankenflügel verbracht, nachdem sie aus den Kerkern gerannt war. Selbstverständlich hatte die Schulheilerin, Pomfrey, den Zahnwuchszauber gestoppt und Grangers Zähne wieder schrumpfen lassen - allerdings hatte Pomfrey dabei offensichtlich nicht im Kopf gehabt, wie groß Grangers Zähne zuvor gewesen waren. Sie hatte sie auf eine kleinere Größe schrumpfen lassen als zuvor.
Und es hatte den gleichen Effekt wie bei Theo: Zwar war der Anblick der plötzlich „normal großen" Zähne ungewohnt, aber es sah eindeutig besser aus.
Anfänglich vermisste Draco Grangers großzahniges Lächeln beinahe - es gehörte einfach so sehr zu ihr. Aber es ließ sich einfach nicht leugnen, dass sie nun noch hübscher war als zuvor.
„Tut mir leid, Kleiner, aber ich muss los, Theo wartet in der Bibliothek auf mich."
Krummbein miaute protestierend, als Draco aufstand, sprang dann aber ebenfalls von der Fensterbank und folgte ihm.
„Schauen wir mal, ob dein Frauchen auch dort ist", sagte Draco leise zu dem Kater.
Natürlich war sie dort.
Sie saß an einem Tisch und lernte. Draco sah, dass Viktor in der Nähe an einem Bücherregal stand und die Buchrücken betrachtete.
Krummbein rannte zu Granger, und Draco suchte Theo - was nicht lange dauerte, er saß nur vier Tische von Granger entfernt und blätterte in einem Buch.
Draco wollte sich gerade zu ihm setzen, als er Potter entdeckte, der durch die Regalreihen schlenderte und seine Brille zurecht rückte. Offensichtlich suchte er ein Buch. Mit großer Wahrscheinlichkeit war er mit Granger zusammen hier. Von Weasley war wieder einmal nichts zu sehen. Nach wie vor schien er dem Traumpaar Potter und Granger aus dem Weg zu gehen.
Glücklicherweise spielte Kimmkorns Artikel Draco aber auch zu. Potter hatte darin über seine verstorbenen Eltern geredet und gestanden, dass er abends häufiger wegen ihnen weinte. Natürlich konnte Draco es nicht lassen, sich darüber lustig zu machen. Und als Potter zwischen den Regalen näher kam, konnte Draco es sich einfach nicht verkneifen.
„Hey Potter, brauchst du ein Taschentuch?"
Der Angesprochene reagierte sofort, drehte sich in Dracos Richtung, hob die Hand - und zeigte ihm den Mittelfinger.
„Und seit wann gehörst du eigentlich zu den besten Schülern des Internats?", sprang Theo Draco bei, da er sofort verstand, worauf dieser anspielte. „Oder soll das eine Schule sein, die du zusammen mit Longbottom gegründet hast?"
Draco lachte nach Theos Aussage.
Potter verschwand genervt augenrollend hinter dem Regal, aber mit großer Wahrscheinlichkeit sah er noch, wie Theo und Draco zeitgleich ihre „Diggory" Anstecker antippten, damit „Potter stinkt" zu sehen war.
„So ein Idiot", stellte Draco fest.
„Ich verstehe nach wie vor nicht, warum niemand etwas dagegen unternimmt, dass er für das Turnier ausgelost wurde", meinte Theo. „Ich meine - magisch bindender Vertrag hin oder her... Ein Vertrag ist doch eigentlich nur gültig, wenn alles den vorher vorgegebenen Richtlinien entspricht. Erstens hat Hogwarts nun zwei Champions, und zweitens ist Potter noch minderjährig. Beides müssten doch eigentlich Gründe dafür sein, den Vertrag aufzulösen."
„Keine Ahnung", schnarrte Draco und ließ sich lässig neben Theo auf die Bank fallen.
„Oh, Draco, übrigens", sagte Theo. „Ich weiß, wir wollten zusammen lernen, aber ich muss gleich los."
Draco runzelte die Stirn.
„Los? Wohin?"
Theos Mundwinkel zuckten.
„Ach, nicht so wichtig."
„Theo...", sagte Draco langgezogen.
Nun grinste sein Freund richtig.
„Komm schon", fuhr Draco fort. „Du bist seit einiger Zeit ständig verschwunden und kein Mensch weiß, wo du dich herumtreibst. Also?"
Theo beugte sich verschwörerisch näher.
„Na gut. Ich wollte es eigentlich für mich behalten, weil ich noch nicht so genau weiß, was es zu bedeuten hat, aber ich verrate es dir: Ich treffe mich mit einer der Durmstrang-Mädchen."
„Wie?", hakte Draco verblüfft nach. „Schon seit einer Weile?"
Theo nickte bestätigend.
„Läuft da was?"
Vages Schulterzucken war Antwort.
„Komm schon, rede mit mir!"
„Bisher haben wir uns nur geküsst", antwortete Theo im Flüsterton. „Aber ich habe irgendwie das Gefühl, da könnte mehr gehen."
„Theo! Warum hast du das bisher nicht erzählt?"
Wieder ein vages Schulterzucken.
„Weiß nicht. Ich war mir erst nicht sicher, was da überhaupt los ist."
„Bist du verknallt in sie?", fragte Draco erstaunt.
„Nein, ich kenne sie eigentlich gar nicht, wir haben einfach rumgeknutscht. Mal sehen, was draus wird. Pass auf, ich verspreche, ich erzähle euch alles heute Abend auf unserem Zimmer, ok? Jetzt muss ich erstmal los."
Um Theo Glück zu wünschen, verhakte Draco seinen kleinen Finger flüchtig mit Theos - kurz darauf saß er alleine am Tisch.
Alleine lernen machte um einiges weniger Spaß als mit Theo oder seinen anderen Freunden zusammen. Außerdem nervte es ihn maßlos, dass Léonie, die attraktive Rothaarige aus Beauxbatons, sich zusammen mit ihrem Freund nur zwei Tische weiter hinsetzte und anstatt zu lernen, herumknutschte. Offensichtlich hatten die beiden sich wieder vertragen. Bereits nach einer knappen halben Stunde überlegte Draco daher ernsthaft, die anderen zu suchen und mit ihnen etwas zu unternehmen - da sah er Granger.
Mit einem großen Stapel Bücher auf den Armen ging sie die Tischreihen entlang, hielt an einem Regal, untersuchte die Buchreihen.
Verflucht ja, sie war hübsch.
Sie ist ein Schlammblut, sagte er sich. Sie hatte nicht einmal das Recht, hier zu sein. Ihre bloße Anwesenheit brachte die gesamte Zauberergemeinschaft in Gefahr.
Aber sie ist nun einmal ein umwerfend hübsches Schlammblut, flüsterte eine leise, hinterhältige Stimme in seinem Kopf.
Draco schnaubte.
Gut, dann war Granger eben hübsch. Aber nicht umwerfend hübsch. Nicht so hübsch wie die richtig attraktiven Mädchen, wie Lu. Oder Océane oder Léonie.
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A Death Eater's Tale
FanfictionJeder kennt sie - die Geschichte vom Jungen, der überlebte. Auch Draco Malfoy muss in seinem Leben immer wieder feststellen, dass die Geschichte dieses Jungen Einfluss auf seine eigene Geschichte hat. Auch wenn er es anfänglich nicht bemerkt und spä...
