Am Tag der Ankunft der beiden anderen Schulen lag eine erwartungsvolle Stimmung in der Luft.
Wie vor einem Monat angekündigt endete der Unterricht früher, und kaum, dass Snape sie entlassen hatte, flitzten sie alle in ihre Häuser, um sich noch einmal im Spiegel zu betrachten und wärmere Umhänge anzuziehen, dann trafen sie sich wieder in der Eingangshalle und nahmen häuserweise Aufstellung.
Draco stand mit Pansy auf der einen und Theo und Blaise auf der anderen Seite relativ weit vorne, hinter ihnen standen Vincent, Gregory und Millicent, direkt vor ihnen Daphne Greengrass und Tracy Davies.
Draco hörte die Hauslehrer der anderen Befehle erteilen.
„Schön freundlich lächeln", quiekte Flitwick, denn die Ravenclaws hatten alle ein wenig geringschätzig die Nase gerümpft, einerseits, weil sie neben den Slytherins stehen mussten, andererseits vermutlich auch, weil sie erwarteten, dass die anderen Schulen sowieso unter ihrem Niveau waren.
„Also bitte, etwas leiser!", verlangte Sprout, da die Hufflepuffs ununterbrochen tuschelten.
Am Schlimmsten waren die Gryffindors, die neben den Hufflepuffs und somit gegenüber der Slytherins standen. Sie waren ein absolut chaotischer Haufen, die drängelten, die Köpfe reckten, lachten.
„Richten Sie Ihre Krawatte, Mr Weasley!", keifte McGonagall. „Und Miss Patil, nehmen Sie dieses lächerliche Ding aus den Haaren!"
Draco sah, wie das Mädchen verlegen eine Schmetterlingsspange aus ihrem langen, schwarzen Flechtzopf zog.
Snape schwieg eisig. Sein Blick war vorhin stumm über seine Schülerschaft hinweg geglitten. Sie hatten sowieso bereits still und ordentlich in Reihen dagestanden, aber trotzdem war der Blick seiner kohlschwarzen Augen an einzelnen Schülern hängen geblieben.
Vance Urquardt zog daraufhin seine Hände aus den Hosentaschen und Pansy knöpfte hastig ihre Bluse bis unters Kinn zu.
Schließlich kam Bewegung in die Menge.
„Erstklässler nach vorne", befahl Snape, als sie durch das Haupttor nach draußen gingen und auf der großen Treppe Aufstellung nahmen.
Dann warteten sie.
Als es fast sechs war, gab es Getuschel unter den Gryffindors. Offensichtlich wurden sie ungeduldig. Draco stand wie der Rest seiner Hauskameraden schweigend und wartend da.
Es war ein klarer, kalter Abend, der Mond, blass und wie aus Glas wirkend, war bereits über dem Verbotenen Wald aufgegangen.
Trotzdem war es noch hell, man konnte das Gelände gut überblicken.
Natürlich hatten sie im Vorfeld spekuliert, wie die anderen Schulen wohl anreisen würden. Mit dem Zug? Wohl kaum. Besen waren für die Strecke auch zu weit, Apparieren war auf dem Gelände von Hogwarts nicht möglich. Hatte man einen Portschlüssel eingerichtet?
„Ah!", hörte Draco plötzlich Dumbledore, der mittig auf der Treppe stand. „Da kommen unsere Gäste aus Beauxbatons."
Draco sah sich, wie alle anderen, verwirrt um.
„Da!", schrie plötzlich eine Sechstklässlerin aus Gryffindor, und im selben Moment sah auch Draco es: Da kam etwas auf sie zugeflogen.
„Das ist riesig", flüsterte Theo neben ihm.
„Ein Drache!", schrie eine Hufflepuff und der kleine Creevey rief: „Nein, es ist ein Haus!"
Beide hatten Unrecht.
Es war eine Kutsche.
Eine riesige Kutsche, so groß wie ein Haus, und sie flog, denn sie wurde gezogen von einem dutzend geflügelter Pferde, so groß wie Elefanten.
Draco hörte einige „Ahs" und „Ohs", dann kamen die Pferde samt Kutsche krachend auf.
Kaum, dass das Gefährt stand, schwang die Tür auf und die größte Frau, die Draco jemals gesehen hatte, stieg aus.
Ihre hochhackigen Schuhe machten die Frau mit dem olivfarbenen Hautteint noch größer, als sie ohnehin schon war. Sie war sicherlich so groß wie der Wildhüter, Hagrid, schätzte Draco. Ihr glänzendes Haar hatte sie zu einem Knoten im Nacken gebunden, ihr Körper war von einem Kleid aus schwarzem Satin umhüllt. Als sie Dumbledore begrüßte, funkelten Ringe mit Opalen an ihren Fingern.
Nun stiegen ein paar Jugendliche aus der Kutsche, in etwa ein Dutzend Jungen und Mädchen, und Draco schätzte, dass sie alle ungefähr in der sechsten und siebten Klasse sein mussten. Sie waren in dünne, hellblaue Gewänder gehüllt und zitterten offensichtlich vor Kälte.
Neugierig stellte Draco sich auf die Zehenspitzen, er erhaschte aber nur einen flüchtigen Blick auf die Gruppe (auch die Schüler vor ihm reckten sich und versperrten ihm so die Sicht), ehe sie mit der großen Frau im Innern von Hogwarts verschwanden.
Wieder warteten sie.
Zum Glück dauerte es nur wenige Minuten, ehe Lee Jordan aus Gryffindor plötzlich brüllte: „Der See! Seht euch den See an!"
Auch Draco wandte, wie alle anderen, interessiert den Kopf.
Die Oberfläche des Sees blubberte, und sofort musste Draco mit Schreck an Kanja und seine Familie denken. Seit seinem missglückten Ausflug in die Unterwasserwelt hatte Draco keinen Kontakt mehr zu seinem Merrow-Freund gehabt, er wusste nicht einmal, ob Kanja sich noch mit ihm treffen durfte, aber als er sah, was durch die Oberfläche des Sees brach, wusste er, er musste demnächst Kanja mit seinem Muschelhorn rufen.
Zuerst war ein Mast zu sehen, dann schob sich ein imposantes Schiff immer mehr durch die Wasseroberfläche.
Draco tauschte rasche Blicke mit Theo und Blaise.
Wie zur Hölle war das Schiff in den See gekommen?
Das Schiff legte an, und massige Gestalten stiegen von Bord.
Kurz fragte Draco sich, ob Durmstrang nur Schüler hatte, die optisch mit Marcus Flint mithalten konnten, so massig wirkten sie auf den ersten Blick, aber als sie näher kamen, sah er, dass es ganz normale Mädchen und Jungen im Alter von sechzehn bis achtzehn Jahren waren - sie wirkten nur so massig, weil sie dicke Pelzmäntel trugen.
Angeführt wurden sie von ihrem Schulleiter, von dem Draco wusste, dass er Igor Karkaroff hieß. Er war ein alter Bekannter von Dracos Vater. Draco hatte ihn zwar noch nie gesehen, aber sein Vater hatte schon von ihm erzählt.
Karkaroff war hochgewachsen und schlank wie Dumbledore, den er händeschüttelnd begrüßte, aber sein weißes Haar war kurz und er hatte einen auffälligen Spitzbart.
„Willkommen in Hogwarts", hörte Draco Dumbledore sagen und dann Karkaroffs Stimme: „Viktor, komm, du solltest Hogwarts Schulleiter gleich kennenlernen."
Ein hochgewachsener Schüler mit breiten Schultern trat näher und schlug die Kapuze seines dicken Fellmantels herunter.
„Merlin", entfuhr es Draco.
Krum. Es war Viktor Krum.
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A Death Eater's Tale
FanficJeder kennt sie - die Geschichte vom Jungen, der überlebte. Auch Draco Malfoy muss in seinem Leben immer wieder feststellen, dass die Geschichte dieses Jungen Einfluss auf seine eigene Geschichte hat. Auch wenn er es anfänglich nicht bemerkt und spä...
