Die ersten Schultage nach den Ferien verbrachte Draco mit viel Training für Quidditch. Das nächste Spiel, Slytherin gegen Ravenclaw, stand bevor. Also trainierte er auf dem Besen mit seiner Mannschaft, aber auch mit Theo und Blaise im Fitnessraum, wo sie Muskelaufbau betrieben.
Als sie schließlich gemeinsam unter der Dusche standen, kamen sie wieder einmal auf das Thema Mädchen.
„Hat Lynn sich eigentlich wieder beruhigt?", fragte Blaise.
Draco verdrehte leicht die Augen.
„Ja, so einigermaßen. Ich werde wohl demnächst darauf achten müssen, mehr mit ihr zu reden."
Lynn war ziemlich sauer auf ihn gewesen, als sie aus den Ferien nach Hogwarts zurückgekehrt war. Sie war zickig und abweisend und wurde richtig wütend, als sie merkte, dass Draco gar nicht verstand, was mit ihr los war.
Schließlich schleuderte sie ihm entgegen, dass sie es ein Unding fand, dass er sich vor den Weihnachtsferien weder erkundigt hatte, wo sie die Ferien verbringen würde, noch nach einem Treffen in der freien Zeit gefragt und er ihr auch keine einzige Eule geschrieben hatte.
Als Draco dann noch herausrutschte, warum sie ihm nicht einfach eine Eule geschickt hatte, ließ sie ihn mit einem gezischten „Du bist ein Arschloch, Draco Malfoy" stehen. Sie hatten danach zwei weitere Tage gebraucht, um sich einigermaßen wieder zusammen zu raufen.
„Vielleicht möchte sie auch einfach wieder mehr Zeit mit dir verbringen", sinnierte Blaise. „Oder überhaupt mehr in deinen Alltag integriert werden."
Nach einer kurzen Pause setzte er hinzu: „Wie wäre es, wenn wir drei uns mal alle zusammen mit unseren Freundinnen treffen?"
„Blaise, du hast doch gerade gar keine Freundin", stellte Draco mit einem lachenden Unterton fest.
Blaise, dem der Schaum über den Körper lief, machte eine wegwerfende Handbewegung.
„Gib mir noch ein paar Tage, dann sieht das schon wieder anders aus."
Draco und Theo lachten. Woher nahm Blaise bloß sein Selbstbewusstsein?
Tatsächlich baggerte er seit Beginn der Unterrichtszeit ziemlich an Lisa Turpin aus Ravenclaw herum.
„Was meinst du, Theo?", fragte Blaise.
Theo war gerade dabei, seine Haare einzuschäumen.
„Ja, warum nicht? Ich kann Cho fragen."
„Wollen wir das dann wirklich demnächst machen?", fragte Draco. „Ich muss echt viel trainieren für das Spiel gegen Ravenclaw..."
„Apropos Quidditch", meinte Theo. „Ich bin gespannt, wie du dich gegen Cho schlägst."
Draco, der sich gerade den Schaum vom Körper spülte, sah irritiert auf.
„Was?"
Theo erwiderte seinen Blick überrascht.
„Wusstest du nicht, dass Cho seit diesem Jahr Sucherin für die Ravenclaw-Mannschaft ist?"
„Was? Nein, das wusste ich nicht."
Bisher hatte lediglich das Spiel Gryffindor gegen Hufflepuff statt gefunden, Draco hatte sich noch gar nicht mit dem Team der Ravenclaws befasst.
„Achso, ich dachte, du wüsstest es. Es war erst nicht ganz sicher, ob sie zu Beginn des Schuljahres an den Auswahlspielen teilnehmen kann, sie hatte sich den Knöchel übel verletzt, aber es ist alles rechtzeitig verheilt."
Draco zögerte.
„Theo, dir ist aber klar, dass ich beim Spiel keine Rücksicht darauf nehmen werde, dass sie deine Freundin ist? Ist das ok für dich?"
Theo grinste.
„Na hör mal! Was glaubst du, ist mir wohl wichtiger? Unsere Quidditch-Mannschaft und ihr Erfolg oder ein Mädchen?"
„Unsere Mannschaft?", fragte Draco hoffnungsvoll und Blaise sagte gleichzeitig: „Sie ist nicht irgendein Mädchen."
„Natürlich unsere Mannschaft", antwortete Theo und zu Blaise sagte er: „Schon klar, sie ist meine Freundin, und sie ist hübsch und ich mag sie, aber unserem Haus oder unserer Mannschaft würde ich deswegen doch niemals untreu werden."
„Das höre ich gerne", grinste Draco.
Tatsächlich sollte Blaise Recht behalten.
Nur zwei Tage später hatte er sein erstes Date mit Lisa Turpin. Die Ravenclaw wirkte schwer beeindruckt davon, mit Blaise Zabini auszugehen, der so beliebt bei den Mädchen war und bisher fast nur Freundinnen gehabt hatte, die einen Jahrgang über ihnen waren.
Nur wenige Tage später organisierten sie das Gruppentreffen, was Blaise vorgeschlagen hatte.
Sie hatten alle dicke Mäntel angezogen, schützten sich mit Handschuhen, Schals, Mützen und Kapuzen, und stapften mit dicken Stiefeln durch den Schnee des Innenhofs.
Blaise hatte ein paar älteren Schülern Butterbierflaschen abgekauft, und sie hatten sich fest vorgenommen, sich beim nächsten Hogsmeade Wochenende ein paar auf Vorrat zu kaufen, denn das taten die Schüler der höheren Jahrgänge wohl auch alle.
Sie hatten alle gute Laune, nur Lynn wirkte irgendwie angespannt und fast ein wenig griesgrämig, fand Draco.
Sie verteilten sich auf einer niedrigen Mauer und einer Bank im Innenhof.
Lynn glitt auf Dracos Schoß, was diesem sehr gut gefiel, und er legte fest seine Arme um sie. Während Blaise die Butterbierflaschen für sie alle öffnete, begann Draco, Lynn zu küssen. Sie ging sofort darauf ein und Draco erwischte sich dabei, wie er hoffte, dass die vielen Diskussionen, die er in letzter Zeit mit seiner Freundin gehabt hatte, nun endlich ein Ende hatten.
Als Lynns Hände den Weg in sein Haar fanden, zog er sie wie immer möglichst unauffällig wieder daraus hervor und hielt sie dann fest, wobei er es so wirken ließ, als würde er beim Küssen einfach gerne ihre Hände halten, nicht so, als hätte ihm die Berührung nicht gefallen.
„Hey ihr zwei Hübschen, denkt an euer Bier."
Draco löste sich sanft von Lynn und sah zu Blaise, der gesprochen hatte.
Alle tranken bereits ihr Butterbier, nur zwei für Draco und Lynn standen noch unberührt neben Blaise auf der niedrigen Mauer.
Draco grinste, lehnte sich herüber und nahm sich die Flaschen. Als er eine davon Lynn hin hielt, sah er, dass sie Blaise einen überraschend tödlichen Blick zuwarf.
Warum hatte sie so miese Laune?
Blaise hatte locker den Arm um Lisa gelegt, während Lynn immer noch auf Dracos Schoß saß. Theo und Cho waren noch etwas verhaltener - sie saßen zwar nebeneinander, aber Theo hielt lediglich ihre Hand in seiner.
Es stellte sich heraus, dass die beiden Ravenclaw-Mädchen, Lisa und Cho, sich nicht ganz so gut kannten, obwohl sie im selben Haus waren. Vermutlich lag es daran, dass sie nicht im gleichen Jahrgang waren. Allerdings verstanden sie sich auf Anhieb ziemlich gut und Draco vermutete, dass sich eine Freundschaft daraus eintwickeln könnte, was tatsächlich eine Bereicherung wäre, denn so konnten sie sich unkomplizierter als Gruppe treffen, was zur Folge hatte, dass sie sich als Freunde mehr sahen. Insbesondere auf Blaise hatten sie aufgrund der vielen Freundinnen häufiger verzichten müssen.
Theo zündete sich schließlich eine Zigarette an. Er hielt die Schachtel freundlich in die Runde, aber alle lehnten ab, nur Draco konnte nicht widerstehen und rauchte ebenfalls.
Sie hatten den Innenhof leider nicht für sich alleine.
In einer Ecke saßen zwei ältere Mädchen, die Draco nicht zuordnen konnte, und in diesem Moment betrat eine kleine Gruppe Hufflepuffs den Innenhof, unterzogen sie einer intensiven Musterung und suchten dann ein paar Bänke möglichst weit von ihnen entfernt als Platz für sich aus.
Draco zog gerade an der Zigarette und streichelte Lynn über den Rücken, als Malcolm, Lu Baddocks kleiner Bruder, in dicke Winterkleidung gehüllt, zusammen mit einem Freund auf sie zu kam.
Draco und seine Freunde grüßten den Erstklässler freundlich und dieser begann nach kurzem Zögern, sie über Quidditch auszufragen. Dabei war es eindeutig, dass er sie bewunderte - dafür, dass sie älter waren, dass Draco in der Mannschaft war, dass sie Butterbier tranken, Freundinnen hatten und Zigaretten rauchten.
Er konnte sich ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen, als er daran dachte, dass er selbst, als er in der Ersten war, die älteren Jungs ebenfalls bewundert und sich immer gewünscht hatte, genauso zu sein wie sie. Dass er offensichtlich dabei war, die Rollen zu tauschen und von den Bewunderern zu den Bewunderten zu wechseln, machte ihn nicht unerheblich stolz. Und dass es auch noch der kleine Malcolm war, der ihn so bewunderte, war natürlich doppelt und dreifach ein Pluspunkt, denn im Stillen hoffte Draco, Malcolm würde seiner großen Schwester erzählen, dass Draco Malfoy ein echt cooler Typ war.
Als die beiden Kleinen wieder gegangen waren, sprach Lynn das erste Mal Lisa Turpin an, die gerade lächelte, weil Blaise ihr etwas ins Ohr flüsterte, wobei seine Nasenspitze ihre Ohrmuschel kitzelte.
„Sag mal, Turpin", sagte Lynn. „Ich habe gehört, dass du kürzlich noch total verknallt in Cedric Diggory gewesen bist... Wie kommt es, dass du dann plötzlich Blaise datest?"
Blaise' Stirn legte sich in Falten, er sah Lynn leicht verärgert an, Cho zog die Augenbrauen hoch und auch Draco sah seine Freundin, die immer noch auf seinem Schoß saß, irritiert an.
Warum zur Hölle fragte sie so etwas?
„Naja, ich fand Cedric schon gut", gestand Lisa, sichtlich unangenehm berührt. „Aber da lief ja nichts, ich fand ihn nur echt süß, aber das ist nun auch schon eine Weile her..."
„Ach ja?", stichelte Lynn weiter. „Wie lange? Ein paar Tage?"
Lisa holte Luft, aber Blaise kam ihr zuvor.
„Du musst nicht darauf antworten", sagte er zu seiner Freundin und warf Lynn einen warnenden Blick zu, wie um zu verhindern, dass sie Lisa weiterhin ansprach.
„Naja, wenn es dich nicht stört, dass sie sich so schnell mit dir tröstet", meinte Lynn spitz.
Draco schob sie von seinem Schoß.
„Lynn...", murmelte er warnend.
„Was?", zischte sie.
„Du solltest nicht...", begann er, aber Lynn sprang auf.
„Kann ich dich mal alleine sprechen?", fragte sie in irgendwie zickigem Ton.
Ehe Draco antworten konnte, war sie bereits losgegangen.
Während Draco sich erhob, tauschte er einen raschen, leicht genervten Blick mit Blaise und Theo, ehe er seiner Freundin folgte.
Sie führte ihn vom Innenhof ins Gebäude hinein, ging aber nur ein kleines Stück den Gang hinunter.
„Du könntest ruhig ein bisschen mithelfen!", fuhr sie ihn an.
„Mithelfen? Wobei?", fragte Draco verwirrt.
„Dabei, Blaise wieder mit Anastasia zusammen zu bringen!"
Draco blinzelte.
„Was?"
Lynn holte tief Luft, es wirkte, als habe sie schon lange überlegt, mit ihm über diese Sache zu reden und nur auf den richtigen Moment gewartet.
„Ich fasse es nicht, dass du es offensichtlich nicht mitbekommst", sagte Lynn theatralisch. „Anastasia geht es total schlecht wegen der Trennung, sie heult sich die Augen aus, und Blaise hat nichts Besseres zu tun, als andere Mädchen zu daten!"
„Lynn", sagte Draco, möglichst ruhig. „Die beiden sind getrennt und Blaise hat eine neue Freundin, das ist alles."
„Was?", keifte sie. „Das sagst du einfach so? Das kann nicht dein Ernst sein!"
„Ja aber was erwartest du denn? Das ist nun einmal der Lauf der Dinge."
Sie schnappte empört nach Luft.
„Das ist nun einmal der Lauf der Dinge? Wie kannst du so etwas sagen? Anastasia ist total unglücklich!"
„Aber da kann doch Blaise nichts dafür!"
Das Gesagte war offensichtlich ein Fehler.
Lynns Gesicht verdüsterte sich noch mehr.
„Du bist so ignorant, Draco Malfoy", behauptete sie. „Du solltest Blaise so beeinflussen, dass er wieder mit Anastasia zusammen kommt und-"
„Moment", unterbrach er sie. „Erstens ist es nicht meine Aufgabe, Blaise zu beeinflussen, zweitens ist er einer meiner besten Freunde, und drittens-"
„Du willst es also einfach so hinnehmen, dass er eine gut funktionierende Beziehung hinschmeißt, ja?"
„Sie war nicht mehr gut funktionierend. Und ja, ich nehme die Trennung hin."
„Und Anastasia ist dir egal?", fragte Lynn ungläubig.
„Hey, komm", sagte er. „Blaise ist ein sehr guter Freund, außerdem hat er nichts Verwerfliches getan."
„Oh, und wenn ich mich hier und jetzt von dir trennen würde, würdest du es auch einfach hinnehmen?"
Draco zuckte mit den Schultern.
„Vermutlich ja."
Selbstverständlich war die Antwort ein Fehler. Lynns Augen füllten sich mit Tränen.
„Ich meine", fuhr er schnell fort. „man kann ja niemanden zwingen, mit jemandem zusammen zu sein. Aber ich mag dich schon sehr."
„Ich will dich nicht mehr sehen, Draco Malfoy!", fuhr sie ihn an und drehte sich auf dem Absatz herum, um ihn einfach stehen zu lassen.
Kurz überlegte Draco, sie zu rufen oder ihr nachzurennen, aber sein Stolz verbot es ihm.
Waren sie jetzt getrennt? Hatte sie gerade mit ihm Schluss gemacht?
Fast war der Gedanke ein klein wenig erleichternd und erst jetzt bemerkte er, wie ihn die Beziehung seit Ende der Weihnachtsferien irgendwie auch belastet hatte.
Ehe seine verwirrten Gedanken sich ordnen konnten, zuckte er aufgrund einer Berührung an seinem Bein zusammen.
Als er hinunter sah, erblickte er das hässliche Gesicht von Knieselchen, der sich an seinem Bein rieb und zu ihm aufsah.
Wie immer zauberte das Tier ein Lächeln auf Dracos Gesicht.
„Hey Kleiner..."
Er wollte sich gerade zu dem Kniesel-Mix hinunter beugen, als dieser ohne Vorwarnung losschoss - auf eine Gestalt zu, die gerade um die Ecke bog.
„Ach Krummbein, da bist du ja!"
Hermine Granger sah müde, abgekämpft und blass aus, Draco hatte sie noch nie in einem so schlechten Zustand gesehen.
Aber dann traf ihn die Erkenntnis, als Granger sich herabbeugte und das Tier liebevoll auf den Arm nahm.
Sein Herz raste, als ihm klar wurde, mit wessen Haustier er sich dieses Schuljahr angefreundet hatte.
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A Death Eater's Tale
FanfictionJeder kennt sie - die Geschichte vom Jungen, der überlebte. Auch Draco Malfoy muss in seinem Leben immer wieder feststellen, dass die Geschichte dieses Jungen Einfluss auf seine eigene Geschichte hat. Auch wenn er es anfänglich nicht bemerkt und spä...
