„Auf jeden Fall geht es mir verdammt stark auf den Sack", schloss Blaise seine Erzählung.
Er war zu Besuch im Manor.
Die Weihnachtsferien waren beinahe vorbei, in drei Tagen würde die Schule wieder los gehen, und Blaise hatte seiner Mutter im Streit mitgeteilt, dass er ein paar Stunden seine Ruhe haben wollte und war von Zuhause abgehauen mit den Worten, er wolle sich mit Draco treffen. Kurz darauf hatte dieser eine Eule von seinem Freund erhalten und Draco hatte so lange auf seine Eltern eingeredet, bis sie erlaubten, dass Blaise vorbei kam.
Nun saßen sie auf einer Bank auf dem Grundstück des Manor, weit vom Gebäude entfernt, in dicke Wintermäntel gehüllt und mit Schals um den Hals. Blaise trug eine schwarze Wollmütze, Draco hatte sich die Kapuze des Mantels tief in die Stirn gezogen. Er nahm einen großen Schluck aus der Flasche, die Blaise heimlich mitgebracht hatte. Das Getränk brannte in seinem Hals.
„Kann ich verstehen. Was willst du jetzt machen?"
Draco reichte Blaise den Feuerwhisky. Dieser nahm die Flasche an und drehte sie nachdenklich in den Händen.
„Ich habe keine Lust mehr, morgen den Tag bei meiner Mutter zu verbringen", sagte er. „Ich glaube, ich werde morgen schon zurück nach Hogwarts reisen anstatt übermorgen."
Er hob die Flasche an die Lippen und nahm, wie Draco zuvor, einen großen Schluck. Er verzog leicht das Gesicht dabei.
Es war das erste Mal, dass sie Feuerwhisky tranken, und im ersten Moment hatte Draco sich gefragt, warum zur Hölle man so etwas freiwillig in sich hinein kippte, aber mittlerweile hatte er sich schon ein bisschen an den Geschmack gewöhnt.
„Geht das denn einfach so?", erkundigte Draco sich.
„Klar", antwortete Blaise. „Ich kann von mir Zuhause aus ins Drei Besen flohen und dann zum Schloss laufen. Viel Gepäck habe ich ja nicht dabei."
Nachdem er einen weiteren Schluck getrunken hatte, nahm Draco ihm die Flasche ab, um ebenfalls zu trinken.
Blaise hatte wieder einmal Ärger mit seiner Mutter - ihr letzter Ehemann gehörte längst der Vergangenheit an, und kürzlich war ein neuer Mann bei ihr eingezogen, wovon Blaise aber nichts gewusst hatte, bis er für die Weihnachtsferien Zuhause angereist war. Und anscheinend war dieser neue Typ Blaise ziemlich unsympathisch. Es hatte heftige Diskussionen deswegen mit seiner Mutter gegeben.
„Weißt du", fuhr Blaise fort. „Sie kann soviele Typen haben wie sie will, sie soll nur mich da raus halten. Ich will mit denen nichts zu tun haben. Die denken immer, sie können sich benehmen, als seien sie mein Vater, mir Vorschriften machen und sich in mein Leben einmischen, oder sie behandeln mich wie lästigen Abfall, den sie eben ertragen müssen, weil es meine Mutter ohne mich nicht gibt. Meine Mutter soll mir einfach erlauben, in Zukunft in den Ferien in Hogwarts zu bleiben, so wie Theo auch. Dann hätten wir den ganzen Stress gar nicht."
Draco nickte zustimmend und trank aus der Flasche.
„Wenn du ab morgen wieder in Hogwarts bist, könnte ich vielleicht auch schon früher zurück", sagte Draco, und während Blaise ihm den Whisky abnahm, fuhr er fort: „Theo ist ja auch da, und dann hätten wir nicht nur ein, sondern zwei Ferientage zusammen, bis der Unterricht wieder los geht."
Blaise grinste und entblößte dabei seine schneeweißen, geraden Zähne.
„Ja! Das wäre bestimmt lustig! Weißt du was? Ich klaue einfach noch eine Flasche Feuerwhisky aus der Minibar meiner Mutter. Dann können wir uns mit dem Rest aus dieser hier zusammen betrinken."
Draco lachte bei der Vorstellung. Eigentlich war es gar nicht so witzig, aber der Alkohol schien seine Wirkung zu entfalten, ihm war etwas schummrig im Kopf und seine Fingerspitzen kribbelten, außerdem fühlte er sich merkwürdig gelöst.
„Ist deine Freundin eigentlich in Hogwarts geblieben?"
Draco blinzelte.
„Keine Ahnung", gestand er wahrheitsgemäß.
Er hatte Lynn gar nicht gefragt und er bemerkte erst jetzt, dass er die letzten Tage vor den Ferien gar nicht mehr mit ihr geredet hatte.
Blaise lupfte leicht eine Augenbraue, schwieg aber dazu.
Stattdessen nahm er noch einmal einen großen Schluck Feuerwhisky.
„Also, was ist denn nun mit morgen?", hakte Blaise nach.
„Ich frage meine Eltern, ob es in Ordnung ist", versprach Draco.
Blaise nickte zufrieden.
„Gut. Ich kläre das auch mit meiner Mutter."
Plötzlich grinste er.
„Ich muss dann mal abchecken, ob Lisa über Weihnachten in Hogwarts geblieben ist."
Draco lachte. Ihm war ganz leicht im Kopf vom Alkohol.
„Du stehst auf sie."
„Ja." Blaise Schultern zuckten, als er leise lachte. „Sie ist wirklich total hübsch. Und hast du dir mal ihren Hintern angeguckt?"
Draco musste noch heftiger lachen.
„Ehrlich gesagt: Nein."
„Hast was verpasst", grinste Blaise.
„Ich merke schon", witzelte Draco. „Es fehlt dir, eine Freundin zu haben."
Blaise zuckte mit den Schultern.
„Ja, und? Das gebe ich offen zu. Es ist schön, eine Freundin zu haben, und Anastasia... Naja, wir haben uns gegen Ende viel gestritten, aber sie war schon heiß. Ich sag dir, was die mit ihrer Hand gemacht hat..."
Er machte eine vielsagende Handbewegung und sie brachen beide in Gelächter aus.
Draco bemerkte durchaus, dass der Feuerwhisky ihre Zungen lockerte und auch ihre Fantasien anregte.
Es kam ihm in diesem Moment so vor, als seien sie total erwachsen, wie sie hier so saßen, heimlich Feuerwhisky tranken und über Mädchen und Sex redeten.
Denn ja, darauf kam das Gespräch als nächstes. Sie waren beide einfach total neugierig darauf, wie es wohl sein würde, mit einem Mädchen zu schlafen.
Schließlich gingen sie zum Manor zurück. Der Schnee knirschte unter ihren Stiefeln und sie alberten herum, schubsten sich gegenseitig beim Gehen und lachten fast ununterbrochen.
Dracos Fingerspitzen kribbelten angenehm, seine Füße fühlten sich seltsam leicht an, sein Kopf schien sich irgendwo in den Wolken zu befinden.
Im Manor reiste Blaise mit Flohpulver zurück nach Hause. Den Whisky ließ er bei Draco, welcher ihn in seinem Koffer ganz unten versteckte.
Dann ging er duschen. Er würde seine Eltern gleich morgen früh wegen der Rückreise nach Hogwarts fragen, jetzt traute er sich nicht, er hatte Angst, sie würden bemerken, dass er angetrunken war.
Unter der Dusche lehnte er sich seufzend an die Wand, schloss die Augen und genoss es einen Augenblick, wie das warme Wasser über seine von der Kälte gerötete Haut lief.
Als er sich schließlich einseifte, schweiften seine Gedanken wieder zu Mädchen und intimen Dingen, die man mit ihnen machen konnte. Immer häufiger dachte er an die Bilder, die er letztes Schuljahr in Terence' Buch gesehen hatte, und waren sie ihm zu diesem Zeitpunkt noch befremdlich vorgekommen, konnte er sich mittlerweile schon recht gut vorstellen, diese Dinge auch zu tun.
Natürlich kam die körperliche Reaktion sofort, was ihn aber nicht wunderte, das passierte gefühlt mittlerweile sowieso andauernd, er musste schon ständig aufpassen, dass es dadurch nicht zu peinlichen Situationen kam.
Aber hier, alleine unter der Dusche, musste ihm nichts peinlich sein.
Er konnte sich also in Ruhe damit befassen, wieder einmal Druck abzulassen.
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A Death Eater's Tale
FanfictionJeder kennt sie - die Geschichte vom Jungen, der überlebte. Auch Draco Malfoy muss in seinem Leben immer wieder feststellen, dass die Geschichte dieses Jungen Einfluss auf seine eigene Geschichte hat. Auch wenn er es anfänglich nicht bemerkt und spä...
