„Wir sind dann mal weg, Mutter!", rief Draco ins Lesezimmer, wo seine Mutter auf ihrer Lieblingschaiselongue lag und las.
Er wartete keine Antwort ab, sondern stürmte mit Theo zur Tür und riss sie auf.
Sie trugen beide Jogginghosen, ärmellose T-Shirts und Laufschuhe.
Direkt nach dem Aufstehen waren sie in diese Kleidung geschlüpft, um Joggen zu gehen.
Draco lief mittlerweile sehr regelmäßig, Theo ebenfalls, aber zusammen machte es eben noch mehr Spaß, daher war Draco doppelt froh, dass Theo wieder bei ihm war.
Sie liefen bereits über das Gelände des Manor, vorbei an Springbrunnen und weißen Pfauen, die sie mit strengen Blicken begutachteten, bis sie zum Tor kamen, welches sich durch Elfenmagie für sie öffnete.
Sie joggten in den angrenzenden Wald, der Malfoy Manor vollständig umschloss und der selbstverständlich ebenfalls Dracos Eltern gehörte. Er war mit Muggelabwehrzaubern gesichert, so dass kein Muggel ihn jemals betrat, und mit anderen Zaubern gegen magische Eindringlinge, die nicht befugt waren, das Gelände zu betreten, versehen.
Es war ein herrlicher Sommertag, sonnig und warm, aber nicht zu warm, da es noch relativ früh war, und das Joggen machte gleich doppelt so viel Spaß.
Nach einer halben Stunde im Wald erreichten sie wieder die Tore des Manor, aber das Wetter war so schön, dass sie den Besenschuppen öffneten, in dem ein knappes Dutzend Rennbesen verschiedener Marken und Kategorien zu finden waren. Sie schnappten sich jeder einen Nimbus 2001 und sausten in die Luft.
„Wuhuuu", hörte er Theo rufen, als sie besonders gewagte Loopings machten.
„Oh man", seufzte Theo dann. „Ich wüsste zu gerne, wie der neue Besen fliegt."
„Der Feuerblitz?", fragte Draco.
„Ja. Mein Vater wollte mir keinen kaufen. Er sagt, Fliegen ist Schwachsinn, ich soll mich auf die Unterichtsinhalte konzentrieren und nicht auf mein Vergnügen. Er verbietet mir auch, mich für die Schulmannschaft zu bewerben."
„Scheiße", sagte Draco aus vollstem Herzen. „Das tut mir leid. Ich würde es cool finden, wenn du auch in der Mannschaft wärst. Oder Blaise oder Greg oder Vince."
Sie stiegen höher.
„Ich wollte auch einen Feuerblitz", fuhr Draco fort. „Vater sagt, er kauft mir einen, aber für hier, nicht für die Schule. Da sollen wir beim Nimbus 2001 bleiben. Er darf jetzt wohl keine Besen mehr sponsorn."
„Weil er nicht mehr im Schulbeirat sitzt?"
„Ja", bestätigte Draco und knirschte mit den Zähnen.
„Ärger dich nicht", tröstete Theo, während sie sich Seite an Seite noch höher schraubten. „Potter ist eben ein Arschloch. Dem hat es schon aus Prinzip Freude bereitet, dafür zu Sorgen, dass dein Vater den Posten verliert."
„Ich hasse diesen Kerl", knurrte Draco aus vollstem Herzen.
„Denk nicht an den Blödmann", lachte Theo. „Sturzflug - jetzt!"
Sie ließen sich gleichzeitig samt Besen fallen, versuchten sogar noch zu beschleunigen, und Draco lachte, als ihm der Wind um die Ohren pfiff und sein Haar zerzauste.
Der Boden kam mit rasanter Geschwindigkeit näher - und Draco erkannte eine winzige Gestalt.
Erst wenige Meter vor dem möglichen Aufprall bremsten sie ab und lenkten ihre Besen wieder in die Waagerechte.
„Master Draco", quiekte die kleine Gestalt. „Das sah aber sehr gefährlich aus!"
„Ach, verzieh dich", schnarrte Draco in Richtung des Hauselfen.
Bis vor Kurzem hatten seine Eltern meistens Dobby geschickt, aber der war ja von Potter befreit worden. Befreit! So ein Schwachsinn. Was sollte denn ein Hauself mit Freiheit anfangen?
Dracos Vater war wütend darüber gewesen, was Draco nicht verstand. Ein Elf glich doch sowieso dem anderen, es spielte also keine Rolle. Sie waren alle klein, nervig und hatten grauenhafte Stimmen.
„Master Draco, Sir, bitte verzeihen Sie, aber Tapsy kann sich nicht verziehen. Ihre werte Mutter schickt Tapsy. Sie und Mister Theodore sollen ins Haus kommen."
„Theo", korrigierte Dracos Freund. „Mister Theo, hörst du?"
Draco wusste, Theo mochte es nicht, mit seinem vollständigen Namen angesprochen zu werden.
Der Elf nickte eifrig.
„Ja, Sir."
„Wir kommen", sagte Draco genervt. „Und jetzt hau ab, du Nervensäge!"
„Ja, Sir, Master Draco, Sir."
Draco war sich sicher, er hätte dieser Kreatur einen Fluch auf den Hals gejagt, wenn er noch einmal „Sir" gesagt hätte, aber er verschwand mit einem leisen Ploppen.
Widerwillig brachten sie die Besen zurück und gingen zurück ins Manor.
Dracos Mutter war im Esszimmer.
„Draco, Theodore", begrüßte sie sie und Theo gab ein leises, unwilliges Geräusch von sich, traute sich aber offensichtlich nicht, bei Dracos Mutter seinen Namen zu korrigieren. „Wir wollen gleich Frühstücken. Ihr ward ja wirklich sehr früh unterwegs. Beeilt euch! Ach, und du hast Post, Draco."
Auf der langen Tafel, auf der durch die Hauselfen magisch bereits Geschirr und Besteck für vier Personen zu erscheinen begann, lag ein Brief.
Draco schnappte ihn sich.
„Theo, der ist von Blaise!", sagte er begeistert.
Gerade, als er den Umschlag öffnen wollte, wurde er ihm aus der Hand gerissen.
Seine Mutter hatte nur beiläufig mit dem Stab gewedelt und der Brief flog in ihre Hand.
„Hey!", machte Draco vorwurfsvoll.
„Erst duschen, dann essen, dann der Brief", bestimmte seine Mutter.
„Mutter!"
„Keine Widerrede. Und jetzt hurtig!"
Sie beeilten sich.
Im Rekordtempo verschwand Draco in seinem Bad und Theo im Gästebad. Fast zeitgleich waren sie fertig und stürmten die Treppe hinab, beide noch mit feuchtem Haar.
„Im Haus wird nicht gerannt", tadelte Dracos Mutter, die am Esstisch saß und Tee trank.
Draco verdrehte die Augen.
Hatte sie selbst nicht eben noch gesagt, sie sollten sich beeilen? Eltern wussten auch nie, was sie wollten.
Neben Theo ließ er sich an den Tisch sinken. Sein Bauch knurrte lautstark, als der Duft der frischen Brötchen ihm in die Nase stieg.
Theo prustete.
Seine Mutter warf Draco einen strafenden Blick zu, so als könnte er etwas dafür, dass sein Körper eben ganz normal reagierte.
Endlich kam nun auch sein Vater und setzte sich an den Kopf der Tafel.
Sie konnten frühstücken.
„Jungs, schlingt doch nicht so", tadelte Dracos Vater, während er mit dem Löffel in seinem Tee rührte.
„Ja, Sir", sagte Theo brav und Draco stöhnte gleichzeitig: „Ach, Vater!"
Dann, endlich, war das Frühstück vorbei und er bekam den Brief.
Theo neigte sich nah zu ihm, um mitlesen zu können.
„Vater!", rief Draco aus, als er die wenigen Zeilen überflogen hatte. „Theo und ich müssen in die Winkelgasse!"
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A Death Eater's Tale
FanfictionJeder kennt sie - die Geschichte vom Jungen, der überlebte. Auch Draco Malfoy muss in seinem Leben immer wieder feststellen, dass die Geschichte dieses Jungen Einfluss auf seine eigene Geschichte hat. Auch wenn er es anfänglich nicht bemerkt und spä...
