Drachenbisse und Strafarbeiten

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"Nur noch zehn Wochen!"
Theo breitete hektisch weitere Bücher vor ihnen aus.
Sein braunes Haar war noch chaotischer als sonst, was vermutlich daran lag, dass er heute bereits mehrfach mit den Händen darin herumgewühlt hatte.
„Theo, beruhig dich", seufzte Blaise. „Du bist von uns allen doch am besten vorbereitet."
Theo warf ihm einen Blick zu, der Dämonsfeuer hätte einfrieren können.
„Am besten heißt aber nicht zwingend genug", sagte er pikiert und schlug demonstrativ ein Buch auf.
„Du weißt total viel, Theo", beharrte Blaise. „Andere haben sich nicht mal im Ansatz so viel mit dem schulischen Stoff beschäftigt wie du."
Er warf einen bezeichnenden Blick auf Greg und Vince, die am Ende des Tisches saßen und leise vor sich hin prusteten. Offensichtlich fanden sie es sehr amüsant, sich ihre Schreibfedern in die Nase zu schieben und zu schauen, wie lange sie darin feststeckten.
Draco, Blaise und Theo seufzten unisono auf.
„Wie auch immer", ergriff Theo wieder das Wort. „So gerne ich auch das Schuljahr über mit euch meine Freizeit verbracht habe, Jungs... Zehn Wochen sind nicht lang. Ich muss mich ab sofort aufs Wiederholen des Stoffes konzentrieren."
„Wozu?", fragte Blaise. „Du weißt doch sowieso alles."
Theo grinste geschmeichelt.
„Schaden tut es trotzdem nicht. Die Abschlussprüfungen sind wirklich wichtig. Ich hätte vor einem Monat mit dem Wiederholen beginnen müssen!"
Draco und Blaise tauschten einen Blick und Blaise zuckte resigniert mit den Schultern.
„Also", bestimmte Theo. „Wir fragen uns gegenseitig ab. Draco!"
Automatisch setzte Draco sich nach Theos strenger Ansprache gerader hin.
„Erklär mir die Anwendung von Diptam!"
„Ähm... Diptam wirkt Narbenbildung bei Wunden und Verletzungen entgegen, die durch einen schwarzmagischen Fluch erzeugt wurden. Die Diptam-Essenz wird auf die Wunde geträufelt."
„Gut. Blaise! Nenn Beispiele für Verletzungen magischen Ursprungs, bei denen Narbenbildung durch Diptam verhindert werden kann!"
„Äh... ähm... Ach klar, Verbrennungen durch Brandschutzzauber, Zersplintern beim Apparieren, wenn man es mit Silberpulver mischt auch bei Bissen durch Werwölfe...", begann Blaise aufzuzählen, aber Draco hörte nicht mehr hin, denn er sah, wie dieser Wildhüter, Hagrid, nervös etliche Bücher hinter seinem Rücken versteckte, während er mit Potter, Weasley und Hermine Granger redete.
Deutlich sah er, wie die drei Gryffindors immer wieder versuchten, hinter seinen Rücken zu schielen, er aber überraschend geschickt auswich.
Dann ließ er die Schüler an ihrem Tisch alleine.
Draco reckte den Hals, als der riesige Mann in ihrer Nähe vorbeipolterte, die Bücher nun fest an die Brust gedrückt.
Drachen.
Es waren Bücher über Drachen, die er da mit sich rumschleppte.
Dracos Blick schnellte zu Hermine Granger und ihren beiden dämlichen Freunden.
Weasley war kurz vom Tisch verschwunden, kam nun aber zurück und redete aufgeregt auf die beiden anderen ein.
„Bin gleich wieder da", murmelte Draco und erhob sich.
Rasch schlich er zwischen den Regalen zu den Gryffindors herüber.
Hinter dem Regal, das ihnen am Nähesten war, kam er zum Stehen und lauschte.
„Ron, bist du dir sicher?", hörte er Hermine Granger.
„Aber ja, ich habe nachgesehen. Hagrid hat Bücher über Drachen ausgeliehen!"
„Aber warum sollte er das tun?"
„Hagrid wollte schon immer einen Drachen haben", schaltete sich nun Potter ein. „Hat er mir schon bei unserer ersten Begegnung erzählt."
Draco zog die Augenbrauen hoch.
Drachen waren gefährlich, das wusste er. Das Zaubereiministerium stufte sie nicht umsonst in die Kategorie der gefährlichsten magischen Geschöpfe ein.
Er wusste auch, dass es gegen das Gesetz war, Drachen zu halten, es sei denn in eigens dafür vorgesehenen Reservoiren mit geschultem Personal.
„Aber das ist gegen das Gesetz!", sagte da auch Weasley. „Der Zaubererkonvent hat die Drachenzucht verboten. Mein Bruder Charlie arbeitet in einem Drachenreservoir. Er sagt, dieses Verbot macht absolut Sinn."
Die beiden Jungen diskutierten noch eine Weile weiter, bis Hermine Granger sagte: „Was in aller Welt hat Hagrid denn da vor?"
Ja, das fragte Draco sich allerdings auch.


Was da vor sich ging, erfuhr Draco nur wenige Tage später, tatsächlich durch Zufall.
Er ging während der Frühstückszeit am Gryffindor-Tisch vorbei, als er - dieses Mal nicht beabsichtigt - Gesprächsfetzen von diesen drei nervigen Gryffindors auffing.
„Wir schwänzen garantiert nicht den Kräuterkunde-Unterricht!"
„Hermine, wie oft im Leben sehen wir noch einen Drachen schlüpfen?"
Draco erstarrte mitten in der Bewegung und blieb stehen.
Was hatte Weasley da gesagt?
„Seid still!", flüsterte Potter und Draco begriff, dass der bebrillte Volldepp bemerkt hatte, dass sie einen unerwünschten Mithörer hatten.
Schnell ging Draco weiter.
Er würde die drei für den Rest des Tages gut im Auge behalten.
Da war gewaltig was im Busch.

A Death Eater's Tale Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt