Im Handumdrehen war Verteidigung gegen die Dunklen Künste das Lieblingsfach aller geworden.
Draco fand es zwar immer noch merkwürdig, dass Professor Lupin solch abgetragene Umhänge trug und nach wie vor fragte er sich, warum sein Körper so mit Narben übersäht war, aber an seinem Unterricht gab es wirklich einfach nichts zu meckern. Der Unterricht blieb spannend. Sie lernten die Rotkappen kennen, fiese kleine koboldähnliche Kreaturen, die überall auftauchten, wo Blut vergossen wurde, danach die Kappas, gruselige Wasserbewohner, die mit ihren mit Schwimmhäuten versehenen Händen gerne Menschen ertränkten oder erwürgten. Es war unglaublich interessant und der Professor erklärte alles so gut, dass man es sehr schnell verstand, außerdem geizte er nie mit Lob und Punkten.
Im ersten Unterricht bei Lupin nach der Stunde mit dem Irrwicht verhielt sich Theo allerdings seltsam. Er beteiligte sich viel seltener als sonst im Unterricht und wich dem Blick des Professors andauernd aus. Ein ähnliches Verhalten zeigte er in der dritten Stunde Verteidigung gegen die Dunklen Kunste, allerdings sagte er nach Beenden des Unterrichts zu Draco und den anderen: „Geht schon mal zum Mittagessen vor, ich komme gleich."
Draco machte sich nur zögernd auf den Weg zum Ausgang und als er sich noch einmal umdrehte, sah er, wie Theo zu Lupin nach vorne an den Lehrerpult ging.
„Sir?", hörte er Theo sagen. „Ich würde gerne auf Ihr Angebot zurück kommen."
Draco fragte sich, was für ein Angebot Theo meinen könnte und warum er sich so seltsam dem Professor gegenüber verhielt. Aber als sein Freund schließlich stark verspätet in die Große Halle kam, wollte er Dracos neugierige Fragen nicht beantworten. Was auch immer es da für eine ungewöhnliche Absprache zwischen Lupin und Theo gab, Theo war offensichtlich nicht bereit, darüber zu sprechen.
Allerdings entwickelte sich ein anderes Fach auf eine recht unangenehme Weise: Nach dem Unfall mit dem Hippogreif hatte der Wildhüter seinen Mut wohl verloren, denn schon in der nächsten Stunde wurde es sterbenslangweilig: Sie mussten Flubberwürmer pflegen. Flubberwürmer waren die wohl ödesten Lebewesen überhaupt, sie machten nichts anderes als fressen und schlafen. Ihre einzige Aufgabe während der Stunden bestand darin, die schleimigen Mäuler der Würmer mit Salatblättern zu stopfen.
Anfang Oktober kamen schließlich zwei Ereignisse, die Draco auf unterschiedliche Art und Weise aufwühlten: Erstens bekam er einen Brief von seinem Vater, in dem dieser ihm schrieb, dass der Fall mit dem Hippogreif im Zaubereiministerium wohl Wellen schlug. Draco war irritiert. Was hatte das Ministerium mit Hippogreifen im Unterricht zu tun? Es hatte sich Draco erschlossen, dass sein Vater sich bei der Schulleitung beschwerte, so dass Hagrid vielleicht entlassen wurde, aber was sollte es bringen, sich im Ministerium zu beschweren? Dieses konnte wohl kaum entscheiden, ob der Wildhüter gefeuert wurde oder nicht.
Das zweite aufwühlende Ereignis fand bei einem Quidditchtraining statt.
Draco hatte am Auswahlspiel teilnehmen können, aber er merkte tatsächlich, dass sein Arm noch etwas steifer und unbeweglicher war als sonst. Er spielte schlechter als sonst, aber immer noch besser als Harper aus der Zweiten. Terence spielte mindestens genauso gut wie Draco, aber er wollte ja definitiv auf die Reservebank, also konnte Draco sich erneut über die Position als Sucher freuen - und dieses Mal hatte er sich genauso beweisen müssen wie alle anderen auch, was ein gutes Gefühl war.
Beim Training schonte Draco seinen Arm nach wie vor, was auch Marcus guthieß. Der Quidditchkapitän meinte, es sei ihm lieber, Draco nahm sich beim Training zurück als dass er nachher Schwierigkeiten bei den echten Spielen hatte.
Beim heutigen Training legte Draco sich allerdings sehr ins Zeug - da heute ein zwar kühles, aber sonniges Wetter herrschte, waren einige Neugierige gekommen, um ihnen zuzusehen, und Draco entdeckte auch etliche hübsche Slytherin-Mädchen auf den Rängen, vor denen er natürlich perfekt spielen wollte. Also ignorierte er seinen Arm und spielte mit vollen Einsatz, denn bei den Mädchen waren sowohl Lynn als auch Lu Baddock dabei.
Als er nach dem Training aus der Umkleidekabine kam, standen seine vier Freunde, die ebenfalls zugesehen hatten, mit Blaise' Freundin und ein paar anderen Mädchen zusammen.
Draco ging zu ihnen und wurde von allen begrüßt. Sein Blick glitt automatisch zu Lynn, die ihn anlächelte.
Draco lächelte zurück.
Gemeinsam schlenderten sie schwatzend zurück zum Schloss.
Draco fiel durchaus auf, wie Lynn sich immer wieder in seine Nähe schob und ihre Blicke trafen sich nun immer häufiger. Sie sendete so eindeutige Signale, dass Draco es plötzlich ganz leicht viel, sie einfach anzusprechen, als sie am Schloss angekommen waren.
„Hey", sagte er ihr, als sie wieder einmal neben ihm lief. „Gehen wir beide noch eine Runde über den Innenhof?"
Lynn lächelte, und da war sie wieder, diese Geste, die Blaise nachgeahmt hatte.
„Gern", sagte sie.
Als sie schließlich alleine waren, ohne seine Freunde und ihre Freundinnen, war Draco doch kurz angespannt. Mit den anderen zusammen war es irgendwie so locker gewesen, nur zu zweit wusste er plötzlich nicht, was er sagen sollte.
„Hast du deine Hausaufgaben schon fertig?", fragte er, um irgendetwas zu sagen und bereits im nächsten Moment kam er sich albern vor. Er war mit einem süßen Mädchen alleine, sie hatte offensichtlich Interesse an ihm, und er wusste nichts besseres als über die Schule zu reden.
„Nein, ich muss noch was für Astronomie machen", sagte sie.
„Wie hat dir das Training gefallen?", fragte er, in der Hoffnung, damit vielleicht ein bessere Themenwahl getroffen zu haben.
„Richtig gut! Du spielst klasse, Draco."
Dracos Brust schwoll vor Stolz an.
„Danke. Ich habe mich gefreut, dass du heute zugesehen hast."
„Wirklich?"
Sie wurde rot und schmunzelte.
Da der Innenhof zwar groß, aber nicht riesig war, hatten sie ihre Runde beinahe beendet.
Sollte er versuchen, sie zu küssen? Aber nein, dazu würde er noch nicht den Mut finden. Aber zumindest sollte er sie nach einem richtigen Date fragen!
„Hast du Lust, dich demnächst noch mal alleine mit mir zu treffen?", presste er heraus, ehe ihn der Mut verließ.
Sie blieb stehen und sah ihn an.
„Du meinst ein Date?"
Merlin, was war jetzt die richtige Antwort? Mit einem Ja blamierte er sich vielleicht, weil sie möglicherweise gar kein Date wollte, aber ein Nein konnte genauso die falsche Antwort sein.
Also entschloss er sich, bei der Wahrheit zu bleiben.
„Ja."
Sie strahlte, ihre Augen schienen zu funkeln.
„Super!"
Draco grinste, aber im nächsten Moment sank ihm sein Herz in die Hose.
Blaise hatte nur gesagt, er fragte die Mädchen nach einem Date, aber er hatte nicht gesagt, wohin er mit ihnen auf ein Date ging. Erwartete sie, dass er sofort eine Idee hatte?
Aber da redete sie schon weiter.
„Wollen wir uns beim ersten Hogsmeade Wochenende an Halloween bei Madam Puddifoot's treffen?"
„Gute Idee", sagte Draco sofort, erleichtert darüber, dass sie ihm so eine Lösung präsentiert hatte.
Sie gingen zusammen in den Kerker und dann in den Gemeinschaftraum. An der Treppe, die hinunter zu den Schlafsälen führte, verabschiedeten sie sich. Lynn zögerte einen Moment zu lange, bis sie ging, und Draco fragte sich, ob sie zur Verabschiedung irgendwas von ihm erwartet hatte.
Aber der Gedanke verschwand aus seinem Kopf, während er zu seinem Schlafraum ging. Er bekam das Grinsen fast nicht mehr aus dem Gesicht.
Er hatte ein Date! Mit einem echt süßen Mädchen, das auch noch ein Jahrgang über ihm war. Vielleicht hatte er bald endlich seine erste Freundin! Ein aufgeregtes Flattern breitete sich in seinem Bauch aus.
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A Death Eater's Tale
FanfictionJeder kennt sie - die Geschichte vom Jungen, der überlebte. Auch Draco Malfoy muss in seinem Leben immer wieder feststellen, dass die Geschichte dieses Jungen Einfluss auf seine eigene Geschichte hat. Auch wenn er es anfänglich nicht bemerkt und spä...
