52. Kapitel

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Die Sorgen um Kendra und Ryan taten ihm nicht gut, stellte Josh fest, als er am späten Morgen in den Spiegel sah. Dunkle Schatten um die Augen sprachen von zwei langen, ruhelosen Nächten und die leeren Flaschen auf seinem Wohnzimmertisch von Abschottung und zu viel Alkoholkonsum. Er war wieder in alte Gewohnheiten zurückgefallen.

Josh nahm zwei Aspirin gegen die Kopfschmerzen bevor er sich in der Küche einen Kaffee kochte.

Aus dem Fenster konnte er auf die Straße vor seinem Haus sehen, wo seit gestern Morgen ein schwarzer BMW mit verdunkelten Scheiben stand. Dass man ihn überwachen lassen würde, damit hatte er gerechnet, nicht jedoch damit, dass das FBI Kendra und Ryan immer wieder so schnell würde aufspüren können. Wie gelang ihnen das?

Zu allem Überfluss hatte Brooklyn Hayes ihm vorhin telefonisch mitgeteilt, dass ihr offiziell der Fall entzogen worden war, und sie nichts weiter tun konnte, um Kendra und Ryan zu schützen oder ihre Unschuld zu beweisen. Ihnen schwammen buchstäblich die Felle davon.

Während er auf seinen Kaffee wartete, griff Josh nach seinem Handy, um zu sehen, ob er eine Nachricht von Kendra oder seinem Bruder hatte. Das war erwartungsgemäß nicht der Fall, hatte er ihnen doch selbst gesagt, dass sie Mark oder ihn am besten nur in Notfällen direkt kontaktieren sollten. Die Überwachung durch das FBI beschränkte sich sicherlich nicht nur auf den Wagen vor seinem Haus sondern würde sich auch auf seine Telefonate ausweiten.

Wenigstens hatte er die letzten zwei Abende die Benachrichtigung von Mark bekommen, dass die beiden sich bei einem seiner Geschwister gemeldet hatten und es ihnen gut ging.

Endlich war der Kaffee durchgelaufen und Josh goss sich eine Tasse ein. Die Milch ließ er im Kühlschrank und den Zucker holte er auch nicht aus dem Schrank. Heute brauchte er den Kaffee schwarz, immerhin musste er endlich richtig wach werden.

Brooklyn Hayes hatte ihn bereits gefragt, ob alles in Ordnung wäre und er wollte nicht riskieren, dass sie Mark gegenüber etwas fallen ließ. Sein Partner würde sofort auf der Matte stehen, immerhin wusste er bereits von dem letzten Mal als Josh sich betrunken hatte. Nachdem er Kendra geküsst hatte. Ob bald jemand anders sie küssen würde? Womöglich sein eigener Bruder?

Josh biss die Zähne zusammen und stellte seine nur halb ausgetrunkene Kaffeetasse mit zu viel Schwung auf der Arbeitsplatte ab. Es klirrte und das schwarze Getränk schwappte über den Rand.

„Ganz toll!", knurrte Josh, holte einen Lappen von der Spüle und wischte die Arbeitsplatte ab.

Er musste irgendwie auf andere Gedanken kommen, möglichst bevor er in einigen Stunden Dienst hatte und Mark wieder gegenübertreten musste.

Josh ging zum Kühlschrank, an dem ein magnetischer Block hing, auf dem er sich immer notierte, was er einkaufen musste. Er lächelte wehmütig als er sah, dass Kendra bevor sie nach Houston gegangen war mal wieder in Großbuchstaben NUDELN! darauf geschrieben hatte. Er mochte Nudeln nicht allzu gerne und hatte sie deswegen so gut wie nie zuhause, was Kendra jedes Mal ärgerte, wenn sie bei ihm Mittagessen wollte. Sie liebte Nudeln über alles.

Josh riss den obersten Zettel vom Block ab und steckte ihn zusammengefaltet in seine Hosentasche. Er nahm sein Portemonnaie und seinen Hausschlüssel, dann verließ er das Haus und ging zum Supermarkt.

Diese Untätigkeit machte ihn völlig fertig. Er konnte nicht einfach hier sitzen und nichts tun, während Kendra und Ryan vom FBI verfolgt wurden! Hätte er ISASP nur nie verlassen! Jetzt wäre es nützlich gewesen, einen Chef wie Ian Jacobs und die Befugnisse eines Geheimagenten zu besitzen. Aber der Geheimdienst würde ihn nicht wieder zurücknehmen, das hatte Ian vor zwei Jahren mehr als deutlich ausgedrückt.

Never Too FarWo Geschichten leben. Entdecke jetzt