79. Kapitel

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Kendra versorgte sich noch vor dem Frühstück bei Mrs. Hawkins mit genügend Binden. Die Haushälterin versprach ihr auch, ihr beim nächsten Einkauf noch mehr mitzubringen, was Kendra ungemein erleichterte.

Außerdem bekam sie von Mrs. Hawkins Schmerztabletten gegen ihre Kopfschmezen und die Übelkeit, Nachwirkungen des gestrigen übermäßigen Alkoholkonsums. Kendra konnte sie allerdings immer noch nicht erklären, wie es dazu hatte kommen können, dass sie so viel getrunken hatte, obwohl sie sich doch nach der Sache mit Housron geschworen hatte, keinem Alkohol mehr anzurühren.

Beim Frühstück setzte sich Luke neben sie, die sie den am weitesten von Ryan entfernten Sitzplatz gewählt hatte. Ausnahmsweise aß auch Chris mit ihnen, den Kendra sonst nur selten zu Gesicht bekam. Er erkundigte sich sogar, wie es ihr ging, nach dem, was letzte Nacht passiert war. Kendra nutzte die Chance, alle Anwesenden darüber aufzuklären, dass ihre Erinnerungen äußerst lückenhaft waren.

Der Tag verstrich wie die meisten anderen in dieser Woche. Kendra las weiter in dem Buch, das sie von Mrs. Hawkins bekommen hatte und konnte Luke zu einigen Runden Cambio überreden. Aber das Kartenspiel machte ohne Ryan als weiteren Mitspieler nicht so viel Spaß, weswegen sie bald wieder damit aufhörten. Zu allem Übel hatte es gegen Mittag angefangen zu regnen, sodass sie nicht wieder in den Garten gehen oder einen Spaziergang machen konnte. Ihr fiel buchstäblich die Decke auf den Kopf.

„Mir ist langweilig", verkündete Kendra und legte den Kartenstapel vor Luke hin, damit er mischte und sah missmutig aus dem Fenster des Gemeinschaftsraumes. Der Regen prasselte unaufhörlich auf die Straße vor dem Haus nieder, ein Ende war nicht abzusehen.

Luke hob die Augenbrauen. „Das können wir beheben." Er nahm den Kartenstapel und mischte ihn durch. Seine Finger flogen, hoben einzelne Kartenstapel ab und legten sie woanders wieder hin.

Kendra war immer noch fasziniert von seiner Art zu mischen, die sie an die eines Trickbetrügers erinnerte, den sie in Houston auf der Straße gesehen hatte.

„Zieh eine Karte", forderte Luke sie auf.

„Einfach irgendeine?"

„Egal welche." Er hielt ihr den Stapel entgegen.

Kendra zog eine Karte, sodass er sie nicht sehen konnte. „Und jetzt?"

„Zeigst du mir die Karte."

„Herz drei." Sie reichte ihm die Karte offen zurück und er schob sie in den Stapel zurück und mischte erneut durch.

„In Ordnung. Aus wie vielen Buchstaben besteht die Karte?"

„Wie?"

Herz drei. Wie viele Buchstaben?", wiederholte Luke, während er begann, fünf unterschiedlich große Kartenstapel auf den Tisch zu legen.

„Acht Buchstaben zusammen."

„Ganz genau." Luke nahm die einzelnen Kartenstapel wieder zu einem einzigen zusammen. „Zieh acht Karten von diesem Stapel."

Kendra tat, was er ihr aufgetragen hatte. Dann zog Luke die nächste Karte und hielt sie ihr hin.

„Herz drei", verkündete er.

Überrascht nahm sie ihm die Karte aus der Hand. „Wie hast du das gemacht?"

„Tja." Luke grinste. „Das wirst du wohl niemals erfahren."

„Du willst es mir also nicht beibringen?", vermutete Kendra.

„Richtig. Aber ich kann dir was anderes zeigen." Luke ließ die Spielkarten in seiner Hosentasche verschwinden, stand auf und nahm ihre Hand.

Never Too FarWo Geschichten leben. Entdecke jetzt