Ryan wandte sich in einer überraschten, ruckartigen Bewegung um, als die Tür hinter ihm plötzlich geöffnet wurde. Kendra wurde von einem Mann hereingeführt, der ihren Arm auf dem Rücken verdreht hatte.
„Aua! Sie tun mir weh!", protestierte Kendra lautstark.
Was um alles in der Welt tat sie hier? Hatte er ihr nicht gesagt, sie solle draußen warten?
„Mike, wer ist das?" Chris, der während ihres Gesprächs rücklings an seinem Schreibtisch gelehnt hatte, stieß sich davon ab und ging zu Kendra und dem anderen Mann hinüber.
„Ich hab sie vor der Tür gefunden. Wollte sich unbedingt in meine Angelegenheiten einmischen." Die Augen des Mannes blitzen wütend auf und wie als Beweis verdrehte er Kendras Arm noch ein Stück mehr, die mit einem leisen Wimmern in die Knie ging.
Ryan verschränkte die Arme und wartete ab, wie sich das entwickeln würde. Er hatte Chris' Zustimmung so gut wie in der Tasche gehabt, bevor Kendra und Mike aufgekreuzt waren.
„Und wie willst du das Problem lösen?", wollte Chris wissen.
„Ich könnte sie zu mir nehmen." Mike zog Kendra wieder nach oben und drückte ihren Rücken an seinen Oberkörper.
„Mhm", machte Chris.
Ryan spannte sich an. Das könnte er nicht zulassen, aber dann müsste er bereits jetzt zeigen, dass Kendra zu ihm gehörte und das könnte ihnen Probleme machen. Glücklicherweise wirkte auch Chris nicht allzu begeistert über den Vorschlag.
„Was genau hast du getan, Mädchen?"
„Ich hab doch schon...", setzte Mike an, wurde von Chris aber mit einem energischen Zischlaut zum Schweigen gebracht.
„Ich habe sie gefragt, nicht dich."
Kendra hob den Kopf. Ihr trotziger Blick blieb kurz an Ryan hängen, bevor er sich auf Chris richtete. „Er wollte ein junges Mädchen vergewaltigen."
Chris seufzte. „Ist das wahr, Mike?"
„So würde ich das jetzt nicht nennen", schnaubte der Mann, doch sein Griff um Kendras Arm lockerte sich so weit, dass sie sich aufrichten und ein kleines bisschen von ihm abrücken konnte. „Sie gehört zu mir und war high, vielleicht wirkte es deswegen etwas... komisch auf die junge Lady hier."
„Abgesehen davon macht man sowas nicht auf offener Straße!", fauchte Kendra.
„Da hat sie allerdings recht, Mike. Wir wollen ja keine Aufmerksamkeit auf uns ziehen", erklärte Chris. „Merk es dir fürs nächste Mal. Joker soll sich um sie hier kümmern."
Joker existierte also noch. Ryan bekam eine Gänsehaut. Schon als Chris und er noch Jugendliche gewesen waren und das erste Mal in Kontakt mit dieser Gruppe gekommen waren, hatte Joker sich darum gekümmert, unliebsame Gäste verschwinden zu lassen, aussagewillige Zeugen umzubringen und generell Auftragsmorde auszuführen.
Wenn Joker sich um jemanden kümmern sollte, bedeutete das, dass die Person ermordet werden würde. Der Name war eine bewusst gewählte Anlehnung an die fiktive Comicfigur.
„Chris, warte." Ryan trat einen Schritt vor.
„Was ist?"
Er hasste es, dass Kendra ihn in diese Situation gebracht hatte und so seinen gut überlegten Plan durchkreuzte, aber wenn er das jetzt nicht tun würde, könnte er sich das niemals vergeben. „Sie gehört zu mir."
Chris kniff die Augen zusammen. „Sie gehört zu dir?"
„Ja. Wir sind zusammen hier. Sie ist die Freundin, von der ich dir erzählt habe. Ich habe sie gebeten, draußen zu warten, aber sie hat ihren eigenen Kopf."
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Never Too Far
Dla nastolatkówAls Kendra O'Ryan im Rahmen ihres Studiums einen Praktikumsplatz als investigative Journalistin in Houston angeboten bekommt, beschließt sie, anzunehmen - egal, wo es hinführt. Doch wer hätte gedacht, dass sie dort ausgerechnet Ryan Tucker wiedertre...
