73. Kapitel

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Agent Tony Greene klingelte an der Haustür und trat dann einen Schritt zurück.

„Der Kollege sagte, Tucker hätte das Haus nicht verlassen, seit er vom Dienst zurück ist", sagte Derreck leise.

Tony nickte und begann ungeduldig, auf den Ballen zu wippen. „Das heißt, er öffnet uns nicht?"

„Sieht so aus." Derreck zuckte die Schultern. „Wir könnten uns natürlich einen richterlichen Durchsuchungsbeschluss holen. Oder wir hören jemanden da drinnen um Hilfe schreien und stellen dann fest, dass wir uns leider doch geirrt haben. Aber wo wir dann schon mal in der Wohnung sind, können wir uns gleich umsehen und ein nettes Gespräch mit Josh Tucker führen."

Tony sah zur Straße. „Gibt es einen anderen Weg aus dem Haus, den unser werter Herr Kollege nicht im Blick hat?"

Derreck trat einige Schritte zurück und musterte das Haus in der Avington Lane, Whitingham, stirnrunzelnd. „Es sieht nicht so aus. Du denkst, dass er nicht mehr hier ist?"

„Ich denke, andernfalls würde er uns öffnen. Josh Tucker hat keine Angst vor dem FBI."

„Auch wieder wahr."

Tony und sein Partner begannen, um das Haus herum zu laufen. Seit zwei Stunden waren sie wieder in Whitingham, nachdem ihr Chef die direkte Verfolgung der beiden Flüchtigen jemand anderem übertragen hatte.

Vor allem war jetzt die IT-Abteilung gefragt, die Aufnahmen unzählbar vieler Überwachungskameras durchzugehen und so nach Kendra und Ryan zu suchen.

Sie hatten sie vor anderthalb Wochen in Kansas City verloren und die Kollegen in Kanada, die das Haus in Yellek überwachten, hatten die beiden noch nicht gesichtet. Vermutlich hatte Ian Jacobs Josh Tucker und Mark O'Ryan verständigt, nachdem er dem FBI die Koordinaten der Safehäuser der Ex-Agenten besorgt hatte und die hatten daraufhin Kontakt zu ihren Geschwistern aufgenommen.

Das letzte Mal, dass Ryan und Kendra gesichtet worden waren, war vor zehn Tagen in West-Indiana gewesen. Kollegen vor Ort waren gerade dabei, die kleine Stadt St. John zu durchkämmen und die Bürger nach Hinweisen zu befragen.

Doch spätestens, wenn die Namen John und Tate Miller fielen, kamen sie nicht weiter. Die beiden jungen Männer, die anscheinend mit den Flüchtigen geredet hatten, waren wie vom Erdboden verschluckt. Dass sie Komplizen von Kendra und Ryan waren, bezweifelte Tony allerdings aufgrund der Aussagen der Besitzerin der Gaststätte, in der Kendra und Ryan die Nacht verbracht hatten. Es hatte anscheinend eine Auseinandersetzung gegeben, aber da waren seine Kollegen dran.

Bei Landon Gray Sheppard waren sie auch nicht viel weiter gekommen. Er hatte nur argumentiert, was bis jetzt alle von Ryans und Kendras Freunden gesagt hatten: Dass er den beiden keinen Mord zutrauen würde. Wobei, wenn Tony eine Andeutung des angehenden Soldaten richtig deutete, bezog sich diese Aussage nur auf Kendra. Landon Gray Sheppard hatte nie ausdrücklich gesagt, dass er Ryan Tucker keinen Mord zutrauen würde. Das war schon einmal ein Fortschritt.

Nun waren sie wieder in Whitingham und hatten geplant, mit weiteren Freunden der beiden und zum wiederholten Mal mit der Familie zu sprechen. Tony zweifelte nicht daran, dass zumindest Mark O'Ryan und Josh Tucker ganz genau wussten, wo sich ihre Geschwister aufhielten.

„Kein offenes Fenster, keine Hintertür. Entweder er ist noch drin oder er ist durch die Wand gegangen", verkündete Derreck.

„Oder unser Mann hat nicht gut genug aufgepasst", ergänzte Tony. „Tucker hat keinen Dienst, also wo könnte er sein?"

„Bei Mark und Neela O'Ryan?"

„Oder bei Henry."

„Oder bei Rebekka. Im Prinzip kommen also alle Geschwister in Frage."

Never Too FarWo Geschichten leben. Entdecke jetzt