45. Kapitel

82 12 16
                                        

Ryan nahm die Landkarte, auf der ihre Route eingezeichnet war, und rollte sie zusammen.

„Alles klar soweit?", wollte sein Bruder wissen, der in der letzten halben Stunde, die die beiden Polizisten mit ihnen den Plan durchgegangen waren, ungewohnt angespannt gewirkt hatte.

Ryan fragte sich nur, ob Josh sich wirklich Sorgen um ihn oder nicht viel mehr um Kendra machte...Die Art wie er immer wieder zu ihr sah, verriet mehr als Josh sich vermutlich bewusst war.

„Ja", antwortete Ryan auf die Frage seines Bruders und stand als letzter von den Stühlen rund um den Esszimmertisch auf.

„Was machen wir, wenn jemand herausfindet, wohin wir wollen?", schaltete Kendra sich ein.

Brooklyn runzelte die Stirn. „Das wird nicht passieren."

„Außer unserem ehemaligen Chef weiß niemand von diesem Haus", ergänzte Josh.

„Noch", sprach Ryan seine Gedanken direkt laut aus.

„Was meinst du?", wollte Brooklyn wissen.

„Es gibt mindestens drei Parteien, die uns verfolgen werden. Ich glaube nicht, dass es lange unentdeckt bleiben wird, in welche Richtung wir fliehen und den Einfluss des FBI sollten wir auch nicht unterschätzen."

„Unser Ex-Chef wird nichts verraten", versicherte Mark ihm.

„Hoffen wir, dass du recht hast." Ryan zuckte die Schultern.

„Habe ich. Okay, Kendra, wiederhole die wichtigsten Punkte", wandte Mark sich an seine Schwester.

„Wieso ich?", protestierte Kendra. Widerspenstig wie immer.

Ryan graute es davor, die nächsten Tage mit ihr verbringen zu müssen. Sie war stur, provokant und kampfeslustig und würde seine Flucht zu einem Albtraum machen.

„Kendra."

„Ist ja gut." Kendra warf Ryan einen vernichtenden Blick zu, als könnte er etwas dafür, dass sie die wichtigsten Punkte wiederholen sollte. „Wir rufen jeden Abend um zwanzig Uhr bei euch an."

„Wo genau?", hakte Mark nach.

„Immer bei jemand anderem."

„Und von wo?"

„Öffentliche Telefone, im Notfall von Ryans neuem Prepaid-Handy."

„Und mit euren Handy macht ihr was?"

„Ausschalten, Akku raus."

„In Ordnung." Mark wandte sich nun Ryan zu und nickte ihm zu, als Zeichen, das er jetzt mit dem Kreuzverhör dran war. „Was noch?"

„Wir bleiben immer zusammen. Sobald wir in einer Stadt ankommen, machen wir einen Treffpunkt aus, für den Fall, dass wir uns verlieren."

„Genau." Mark sah zwischen ihnen beiden hin und her. „Niemand erwartet, dass ihr Freunde werdet. Aber es ist wichtig, dass ihr euch aufeinander verlassen und einander vertrauen könnt, sonst bringt ihr nicht nur den anderen sondern auch euch selbst in Gefahr."

„Ich denke wir haben es verstanden." Ryan schulterte seinen Rucksack, den Mrs. O'Ryan mit Proviant für die Fahrt gefüllt hatte.

„In Ordnung", stimmte Mark zu. „Habt ihr das Geld?"

„Sicher verstaut." Ryan klopfte auf seinen Rucksack. Die O'Ryans, Brooklyn und Josh hatten zusammengelegt und ihnen genug Geld mitgegeben, mit dem sie bis über die Grenze nach Kanada kommen sollten.

„Okay." Mark stand auf, kam auf ihn zu und streckte ihm die Hand entgegen. „Danke, Mann."

Ryan bemühte sich, seine Überraschung zu verbergen. „Keine Ursache."

Never Too FarWo Geschichten leben. Entdecke jetzt