Als Kendra am nächsten Morgen aufwachte, war die Luftmatratze neben ihrem Bett leer. Müde richtete sie sich auf und rieb sich die Augen. Wie spät es wohl war? In ihrem Zimmer gab es keine Uhr und keinen Wecker, also tappte sie mit nackten Füßen zu ihrer Kleidung, die über einem der beiden Stühle hing.
Wo auch immer Chris' Leute die Anziehsachen aufgetrieben hatte, sie passten ihr recht gut. Eine der beiden Hosen, die sie bekommen hatte, war ihr etwas zu groß, sodass sie den Saum hochkrempeln musste. Aber immerhin hatte diese lange Hosenbeine, im Gegensatz zu den Shorts, die noch dabei lagen.
Kendra beschloss, sich schnell hier umzuziehen, zumal Ryan sowieso nicht da zu sein schien. Sie zog die blaue Jeans an, bevor sie ihr helles Nachthemd auszog. Auch zwei verschiedene Tops hatte sie bekommen, von denen sie das weiße wählte und noch ihre eigene Strickjacke darüber zog. Sie war wirklich dankbar, dass Chris neue Kleidung für sie und Ryan hatte auftreiben können, trug sie ihre eigenen Anziehsachen doch schon recht lange und hatte jetzt wieder eine Möglichkeit bekommen, sie zu wechseln. Ob es hier wohl auch eine Waschmaschine gab?
Als Kendra fertig war, machte sie ihr eigenes Bett und beschloss, zu sehen, ob es noch Frühstück gab. Auf dem Weg zum Gemeinschaftsraum, in dem sie gestern Abendbrot gegessen hatten, traf sie auf Chris.
„Morgen", nickte er ihr zu und wollte an ihr vorbeilaufen, doch sie hielt ihn am Ärmel zurück.
„Hi, Chris. Sorry, ganz kurz?"
Er neigte zustimmend den Kopf.
Sie ließ ihn los. „Hast du Ryan heute schon gesehen?"
„Er frühstückt gerade, soweit ich weiß."
„Im Gemeinschaftsraum?"
„Nein, im Esszimmer. Treppe hoch, erste Tür links."
„Okay, vielen Dank." Kendra schenkte ihm ein Lächeln, das jedoch ohne Erwiderung blieb.
„Kein Ding." Chris verzog keine Miene. „Passt die Kleidung gut?"
Kendra folgte seinem Blick und sah an sich hinunter. „Ja. Vielen Dank nochmal."
„Klar." Er zuckte lässig die Schultern. „Man sieht sich."
Kendra verabschiedete sich mit einem kurzen Winken, um nicht zu distanziert zu wirken, wenn sie einfach so weiterginge. Eigentlich war er doch ganz nett, stellte sie fest, während sie Chris' Anweisungen folgte und in den ersten Stock hinauf ging. Das Gebäude schien um einiges größer zu sein, als es gestern von außen den Anschein gehabt hatte.
Vom Flur im ersten Stock gingen zu beiden Seiten zwei Türen ab. Kendra klopfte an die erste Tür zu ihrer linken und trat ein. Sie war überrascht, nur Ryan und Luke gemeinsam an einem Tisch sitzen zu sehen, der um einiges kleiner war, als der im Gemeinschaftsraum gestern Abend. Auch hier gab es zusätzlich einen Tisch, auf dem das Büffet aufgebaut war. Wer das ganze Essen wohl kochte und auf den Tischen drapierte? Gab es eine Köchin? Oder waren Chris und Luke verheiratet und ihre Frauen taten das? Oder waren die Männer abwechselnd dafür zuständig?
„Guten Morgen."
„Morgen", grüßte Ryan knapp.
Hatte sie ein Gespräch der beiden unterbrochen? Sie wirkten seltsam angespannt, als hätten sie einander eigentlich noch mehr zu sagen gehabt, wollten ihre Konversation aber vor Kendra nicht fortführen.
„Hi, Kendra. Hast du gut geschlafen?", wollte Luke wissen, als Kendra sich neben Ryan an den Tisch setzte. Zwischen den beiden Männern, die an unterschiedlichen Seiten des quadratischen Tisches saßen, war ein Platz frei. Ob dort Chris gesessen hatte, oder brauchten die beiden einfach ihren Abstand voneinander?
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Never Too Far
Teen FictionAls Kendra O'Ryan im Rahmen ihres Studiums einen Praktikumsplatz als investigative Journalistin in Houston angeboten bekommt, beschließt sie, anzunehmen - egal, wo es hinführt. Doch wer hätte gedacht, dass sie dort ausgerechnet Ryan Tucker wiedertre...
