„Das gibt es doch nicht", knurrte Tony wütend. „Da haben wir schon mal Zugang zu einem Peilsender am Auto der Verdächtigen und trotzdem schaffen sie es immer wieder, uns zu entkommen!"
Derreck sah von der Zapfsäule zu ihm hinüber und zuckte entschuldigend die Schultern. „Entweder sie haben immer zu optimalen Zeiten getankt oder ihr Auto besitzt einen mordsmäßigen Tank!"
„Schlechte Metapher", murmelte Tony. „Mit Morden hat mir das hier schon genug zu tun." Immerhin hatte es auch einen ihrer Kollegen erwischt.
Er knüllte den leeren Pappbecher in seiner Hand zusammen und warf ihn in einen Papierkorb.
Bei Mallory Hudson hatten sie schließlich herausgefunden, wie Kendra O'Ryan und Ryan Tucker aus dem Hotel geflohen waren.
Die junge Dame hatte solche Angst vor einer Anzeige gehabt, dass sie gestanden hatte, den Flüchtigen den Bedienstetenaufzug gezeigt zu haben. Allerdings hatte sie auch behauptet, nicht mit dem als Frauenheld verschrienen Ryan Tucker geschlafen zu haben, was weniger glaubhaft war. Es vermittelte lediglich den Eindruck, als wolle sie sich aus der Affäre ziehen. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Kaum hatten Derreck und er Mallory Hudsons Haus verlassen gehab, war wieder ein Anruf des anonymen Tippgebers eingegangen: Diesmal über keinen konkreten Aufenthalt, nein, sondern er hatte ihnen die Zugangsdaten zur Überwachung des GPS-Trackers zukommen lassen, den er am Auto der Flüchtigen befestigt hatte.
Bei einem nahe bei Liberal gelegenen Flugplatz hatten sie sich einen Hubschrauber ausgeliehen – wozu man nicht alles mit einer Marke Zugang bekam – und hatten so einiges an Strecke wieder gut machen können. Sie waren den beiden so nahe gewesen, auch noch, als die ungesehen von der Autobahn abgebogen waren. Damit hatten sie gerechnet und gehofft, dass Ryan und Kendra sich dann in Sicherheit wiegen und Fehler begehen würden. Immerhin hatten sie noch die ständigen GPS-Daten gehabt, mit denen sie die Flüchtigen eine Stunde später wieder aufgegabelt hatten. Und dann hatte ausgerechnet ihr Tank schlapp gemacht.
„Wir hätten früher auf die Tankanzeige achten müssen."
„Und was tun? Schon früher anhalten?" Derreck schüttelte den Kopf. „Nimm es nicht so schwer, Mann. Wir können sie jederzeit wiederfinden. Und denk dran – sie müssen die ganze Zeit mit dem Auto unterwegs sein und nachts immer Pausen machen, aber wir können uns die Zeit ganz anders einteilen, immerhin haben wir praktisch Zugang zu allen Ressourcen. Wir könnten fliegen, Bahn fahren, alles. Wir sind nicht diejenigen, die nirgendwo auffallen dürfen. Außerdem wird die Verstärkung in zwanzig Minuten eintreffen, dann sind wir auch noch in der Überzahl."
„Stimmt." Es waren nicht zu unterschätzende Vorteile. Aber dennoch war es Ryan und Kendra unerklärlicherweise bis hierher gelungen, auf keiner der Überwachungskameras der Tankstellen identifizierbar festgehalten zu werden. Das bedeutete, dass das GPS-Signal momentan ihre einzige Sicherheit war und das wiederum gefiel Tony nicht. Ihr mysteriöser Tippgeber könnte sie jederzeit in die falsche Richtung lenken.
„Wo sind die beiden jetzt?", wollte Derreck wissen.
Tony sah auf das Display seines Handys, das ihren Standpunkt und den der Flüchtigen anzeigte. „Sieht so aus, dass sie in Richtung Osten weiterfahren. Wir sind eine halbe Stunde hinter ihnen."
„Das ist einholbar. Besonders, wenn sie den Sender immer noch nicht entdeckt haben. Scheinbar sind sie doch nicht so schlau, wie uns die Kollegen versichert haben, die schon mal mit Tucker zu tun hatten."
„Vielleicht macht es ihn unvorsichtig, mit Kendra O'Ryan unterwegs zu sein", spekulierte Tony.
„Du glaubst also wirklich, dass sie ein Paar sind? Was ist mit Mallory?"
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Never Too Far
Teen FictionAls Kendra O'Ryan im Rahmen ihres Studiums einen Praktikumsplatz als investigative Journalistin in Houston angeboten bekommt, beschließt sie, anzunehmen - egal, wo es hinführt. Doch wer hätte gedacht, dass sie dort ausgerechnet Ryan Tucker wiedertre...
