„Ich bin dran." Langsam wurde er wieder müde, aber diese Frage wollte er unbedingt noch gestellt haben. Er rollte sich wieder auf die Seite und stützte sich mit einem Arm ab. „Stehst du auf Luke?", fragte er geradeheraus. Normalerweise hätte sie ihn damit aufgezogen, ob er eifersüchtig wäre – was er definitiv war – aber nicht heute Nacht.
„Nein." Auch Kendra rollte sich wieder auf die Seite, um ihn ansehen zu können. "Ehrlich gesagt dachte ich es am Anfang und ich glaube, ich wollte es auch. Ganz ehrlich, ich glaube, ich habe mir manchmal eingeredet, etwas für ihn zu fühlen." Für einen Augenblick wirkte sie, als würde sie etwas ergänzen wollen, tat es dann aber doch nicht.
„Weshalb?"
„Dir kann doch nicht entgangen sein, dass er unfassbar gut aussieht, charmant und humorvoll ist..."
„So wie ich", konnte er es sich nicht verkneifen, zu erwidern.
„Natürlich." In ihrer Stimme lag ein ironischer Unterton.
Na gut, dann nicht. „Du hast also keine Gefühle für ihn?" Innerlich jubelte er, auch wenn sie ihm gerade indirekt ebenfalls einen Korb gegeben hatte. Aber daran konnte man ja noch was ändern. Vorausgesetzt, er wollte das wirklich.
„Nein. Aber abgesehen davon, habe ich in den letzten drei Wochen viel zu viele meiner Prinzipien über Bord geworfen."
„Wie meinst du das?"
„Ich hatte ein Date mit ihm, obwohl ich mir immer vorgenommen habe, nur Christen zu daten, weil ich mir niemals vorstellen könnte, einen Nicht-Christen zu heiraten. Aber jemanden zu daten oder mit jemandem zusammen zu sein, ohne die Absicht, ihn zu heiraten, finde ich nicht fair."
„Interessanter Ansatz." Das fand er wirklich. Es kam dem sehr nahe, was Sawyer ihm erzählt hatte. „Zweites Prinzip?"
„Mich nicht in der Öffentlichkeit bis auf die Unterwäsche ausziehen."
Er lachte leise. „Das ist gut, das sollte ich übernehmen."
„Ah ja?" Sie stützte sich mit ihrem Arm auf dem Bett ab und richtete sich halb auf. Ihre ewige Neugier war auch jetzt nicht zu verbergen.
„Oder vielleicht eher, mich in der Öffentlichkeit nicht ausziehen zu lassen", konkretisierte er.
Stöhnend warf sie sich auf den Rücken. „Ich dachte schon, du würdest das ernst meinen und jetzt eine schön peinliche Geschichte erzählen, aber nein..."
„Ich kann dir eine schön peinliche Geschichte erzählen." Er machte ihren Tonfall nach, und soweit er das im Dunkeln erkennen konnte, entlockte er ihr damit tatsächlich ein Lächeln.
„Sehr gerne."
„In Ordnung. Also, da gab es einmal eine wunderschöne, junge Frau, die die Straße entlang spazierte, auf der ich gerade... joggte", schmückte er ein wenig aus. „Ich kam auf die wundervolle Idee, sie mitten auf der Straße zu küssen und sie wirkte mehr als begeistert von der Idee und hat begonnen, mir das T-Shirt auszuziehen."
„Wieso habe ich das dumme Gefühl, dass du von unserer Begegnung in Houston erzählst?"
„Weil ich von einer wunderschönen, jungen Frau erzählt habe?", erwiderte er mit einem neckenden Tonfall. Erst dann begriff er, was er gesagt hatte. Wollte er wirklich so offensiv sein? Wenn sie einmal um seine Gefühle wusste, gab es kein Zurück mehr und er war sich nicht sicher, ob er schon bereit dazu war, zu seinen Gefühlen zu stehen.
Kendra antwortete nicht. War es ihr peinlich, wie er sie bezeichnet hatte? Empfand sie es als schleimerisch? Unangebracht? Vermutlich war es das alles, aber vor allem noch etwas ganz anderes: wahr.
DU LIEST GERADE
Never Too Far
Roman pour AdolescentsAls Kendra O'Ryan im Rahmen ihres Studiums einen Praktikumsplatz als investigative Journalistin in Houston angeboten bekommt, beschließt sie, anzunehmen - egal, wo es hinführt. Doch wer hätte gedacht, dass sie dort ausgerechnet Ryan Tucker wiedertre...
