Es war komisch zwischen Ryan und ihr, seitdem er vorgeschlagen hatte, ein Pärchen zu mimen. Also hatte Kendra beschlossen, ihm, mit Mrs. Hawkins' Erlaubnis natürlich, in der Küche einen Kuchen zu backen. Sie nutzte den Tag, an dem Luke weg war und auch Chris sich nicht bei ihnen blicken ließ.
So könnten sie ungestört reden, etwas, was sie sich gleichzeitig wünschte, was ihr aber auch Angst machte, ohne dass sie sich erklären könnte, weshalb.
Am Nachmittag fand sie Ryan in ihrem Zimmer. Er saß an dem kleinen Tischchen und machte sich irgendwelche Notizen in einem kleinen Büchlein. Als sie das Zimmer betrat, sah er auf und klappte das Buch zu.
„Ist der für mich?" Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück und nickte mit seinem typischen, spöttischen Grinsen zu dem Kuchen in ihren Händen hinüber.
„Tatsächlich." Kendra setzte sich ihm gegenüber an den Tisch und stellte die Teller mit den Gabeln und den Kuchen darauf ab.
Überraschung zeigte sich auf Ryans Gesicht. Anscheinend hatte er nur einen Scherz gemacht und nicht wirklich damit gerechnet, dass sie ihm einen Kuchen backen würde. „Ich weiß gar nicht, wie ich dir danken soll. Das ist überwältigend", fiel er jedoch schnell wieder in seinen typischen Sarkasmus zurück.
„Ich kann den Kuchen auch mit Luke teilen." Kendra tat, als wolle sie wieder gehen.
„Bloß nicht." Ryan legte eine Hand auf ihre, damit sie nicht weg ging.
Ein warmes Kribbeln breitete sich in ihrem ganzen Arm aus. Kendra hoffte, es würde weggehen, aber es blieb, selbst als Ryan seine Hand zurück zog, weil sie sich wieder setzte.
„Ausnahmsweise", fiel auch sie in einen ironischen Tonfall. Sie brauchte gerade ganz dringend ein bisschen Ablenkung von... was auch immer das war, was sie fühlte. Und was war dazu besser, als in alte Gewohnheiten zu verfallen?
„Willst du irgendwas?" Skeptisch hob Ryan die Augenbrauen.
„Diesmal nicht. Aber wir können gerne sagen, dass ich einen Wunsch gut habe."
„Vergiss es." Ryan schüttelte entschieden den Kopf. „Am Ende willst du noch mal in die Innenstadt."
Kendra schnaubte. „Davon bin ich kuriert, keine Sorge."
„Das will ich schwer hoffen. Eine Frage habe ich allerdings noch."
Das spitzbübische Funkeln in seinen Augen verhieß nichts Gutes.
„Trägst du immer farblich abgestimmte Unterwäsche?"
Kendra schnalzte verärgert mit der Zunge und boxte ihm gegen den Arm. „Hör auf, das ist nicht fair."
Ryan lachte. „Fair vielleicht nicht, aber witzig."
„Du findest doch alles witzig, womit du mich aufziehen kannst."
„Stimmt. Erinnerst du dich zum Beispiel an diese eine Situation in Houston, wo du mich halb ausgezogen hast?"
„Wie könnte ich das vergessen?", knurrte Kendra. Er hatte das Thema erstaunlich lange nicht mehr zur Sprache gebracht, aber zu denken, er würde so etwas vergessen, wäre töricht gewesen.
„Wusste ich doch, dass dir sowas in Erinnerung bleibt." Spöttisch grinsend fuhr er sich über den Oberkörper, bevor er wieder ernst wurde. „Also, wofür ist der Kuchen? Gehst du noch mal mit Luke aus?"
Kendra unterdrückte ein Grinsen. „Ist da etwa jemand eifersüchtig?"
„Ich verstehe nur nicht, wie man einen Typen wie Luke jemand so gut Aussehendem, Charmantem wie mir vorziehen kann."
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Never Too Far
Novela JuvenilAls Kendra O'Ryan im Rahmen ihres Studiums einen Praktikumsplatz als investigative Journalistin in Houston angeboten bekommt, beschließt sie, anzunehmen - egal, wo es hinführt. Doch wer hätte gedacht, dass sie dort ausgerechnet Ryan Tucker wiedertre...
