1. Kapitel

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August 2014

Mit einem provozierenden Grinsen in Richtung seiner Frau drehte Mark O'Ryan das Messer in seiner Hand.

„Jetzt gib schon her, ich kann das eh besser!" Neela McLucas griff nach dem Messer, doch Mark zog es zurück.

Er warf einen Blick auf die Hochzeitstorte. „Aber ich will auch."

„Meine Güte, ihr benehmt euch wie kleine Kinder." Josh, Marks Partner bei der Polizei und sein bester Freund, verdrehte die Augen.

„Hallo, Trauzeuge, sei bitte auf meiner Seite!", forderte Mark stirnrunzelnd. „Sie will mich nicht an die Torte lassen!"

„Mark, die Gäste warten schon." Seine jüngere Schwester Kendra drängte sich zu ihnen und versuchte ebenfalls, das Messer zu erhaschen, aber Mark hielt seinen Arm nach oben und war zum wiederholten Mal dankbar für seine Größe, mit der er die beiden Frauen überragte.

„Du bist unglaublich kindisch! Versuch doch wenigstens, dich wie achtundzwanzig zu benehmen!" Neela ließ den Rock ihres Hochzeitskleides sinken, den sie mit einer Hand festgehalten hatte, als sie zum Büffettisch gegangen waren, um mit dem Anschneiden der Hochzeitstorte das Kaffeetrinken zu eröffnen.

Mark lachte leise. „Es ist zu spät, um auszusteigen."

Es war, als würde er seinen Traum leben, seit Neela ihm vor gut zwei Stunden das Jawort gegeben hatte und jetzt seine Frau war.

Nach der kirchlichen Trauung waren sie auf den Hof seiner Eltern in Brendshire gefahren und würden den Nachmittag bis späten Abend hier feiern und anschließend die Nacht in ihrem kleinen Haus kurz vor Whitingham, der Nachbarstadt, verbringen. Am nächsten Tag würden sie dann losfliegen, auf Hochzeitsreise, nach Italien. Er spürte ein Kribbeln im Bauch als er daran dachte.

„Ich habe nicht so lange gewartet, um jetzt aufzugeben!" Neela knuffte ihn in die Seite. „Aber ich werde es dir ganz bestimmt nicht alleine überlassen, den Kuchen anzuschneiden. Du machst nur alles kaputt!"

„Da hat wohl jemand kein Vertrauen in mich." Er tat gekränkt und sah, wie Josh neben ihm erneut die Augen verdrehte. Das heute schien sowieso zu viel Romantik für seinen besten Freund zu sein.

„Das macht man traditionsgemäß sowieso zusammen, ihr beiden Kontrollfreaks!", mischte Kendra sich wieder ein, die in ihrer Rolle als angehende Journalistin eine Kamera um den Hals trug und jede von Marks und Neelas Bewegungen festhielt. „Ich brauche davon ein Foto!", erklärte sie bestimmt.

„Na gut", seufzte Mark gespielt theatralisch und ließ den Arm mit dem Messer sinken, sodass Neela daran kommen und es ihm aus der Hand nehmen konnte. „Wie hättest du es denn gerne?"

Kendra musste lachen. „Ihr schneidet einfach diese Torte an, so schwer kann das doch nicht sein! Hauptsache ihr macht das nicht zu schnell, damit ich schön viele Fotos bekomme", zwinkerte sie.

Mark sah seine Frau an, deren Wangen sich in dem Streit um das Kuchenmesser leicht gerötet hatten. Sie war für ihn die schönste Frau der Welt, aber sie heute so zu sehen, in ihrem wunderschönen weißen Hochzeitskleid, und zu wissen, dass sie sich tatsächlich für ihn entschieden hatte, war noch etwas ganz anderes.

„Dann lass uns das perfekte Foto erschaffen", flüsterte er Neela feixend zu, als er seitlich hinter sie trat und seine Hand auf ihre legte, die das Messer hielt.

„Dann musst du aber auch schön ruhighalten, und das dürfte dir schwerfallen", konterte Neela sofort und schenkte Kendra ein strahlendes Lächeln, während sie gemeinsam die Hochzeitstorte anschnitten.

Er lachte leise. „Du tust so, als wäre ich ein hyperaktives Kind."

„So gut wie jeder wird mir zustimmen, dass du genau das heute bist." Die Gäste begannen zu klatschen – warum auch immer, eine Torte anzuschneiden war jetzt wirklich nicht schwer – und Neela legte das Messer zur Seite, wandte sich zu ihm um und küsste ihn.

Never Too FarWo Geschichten leben. Entdecke jetzt