Dunkles Schicksal
Kapitel 35
Arthur betrat die Bar in Prag. Es war nicht die gleiche Bar, in der er mit Merlin war. Nein, das hier war eine Bar, die nur ausschließlich von Vampiren besucht wurde. Sie war nach außen hin auch nicht als solche zu erkennen. Keine Überschrift mit der Aufschrift des Namens der Bar. Sie lag versteckt und im Gegensatz zu anderen Bars waren dort nur Vampire. Diese Bar war verrucht und dort hielten sich nur solche auf, denen man besser nicht nachts begegnete. Und wie immer war sie voll.
Nachdem Arthur dem Vampir am Eingang bewiesen hatte, das er kein Mensch war, ließ er ihn durch. Denn Menschen hatten dort keinen Zutritt. Es sei denn, sie waren die Snacks. Er blieb am Eingang stehen, die Bar war voll. Eine kleine Kapelle mit drei Vampiren spielten Musik, die Beleuchtung war eher dunkel, denn Vampire mochten kein helles Licht.
Als er sich auf die Bar zubewegte, so anmutig und elegant wie ein schwarzer Panter, denn er war ganz in schwarz gekleidet, sahen ihm viele nach. Sein langer Mantel trug er offen und ging ihm bis zu den Fußknöcheln, umschmeichelte ihn wie die Dunkelheit, die er ausstrahlte. Die Vampire sahen ihn an und machten Platz, so das er ungehindert zur Bar kam. Sie hatten alle seine Aura gespürt, dunkel und mächtig. Als er an die Bar kam, sahen ihn auch dort alle an, manche ehrfürchtig, andere mit Vorbehalt und wiederum andere neugierig. Es war selten so ein mächtiger Vampir hier. Der Barkeeper, natürlich auch ein Vampir kam zu ihm und fragte.
„Was willst du trinken?"
„Bourbon", sagte Arthur „Und nicht den billigen Fusel, den du den anderen andrehst."
Er nickte und schenkte ihm ein Glas ein, aus einer Flasche, die nicht im Regal stand. Er kam zurück und stellte das Glas vor ihn hin. Er lächelte, doch als er in Arthurs kalten Augen sah, verschwand es. Er meinte.
„Falls du noch etwas anderes trinken willst...", er zeigte mit dem Kopf in eine Richtung „Und etwas Spaß mit Menschen, dann in den hinteren Zimmern. Wir haben frische Ware, heute reingekommen."
Arthur knurrte nur und trank seinen Bourbon, der Wirt verschwand, widmete sich seinen anderen Gästen. Und es sah aus, als wäre er nicht unglücklich darüber. Es dauerte nicht lange, da standen drei Vampire um ihn. Sie hatten ihn die ganze Zeit beobachtet, seit er in die Bar kam. Einer fragte.
„Du bist neu hier, nicht wahr? Vielleicht sollten wir dir etwas Gesellschaft leisten."
Arthur schaute sie aus seinen blauen Augen an und ihnen entging nicht der rote Ring um seine Iris. Die drei sahen sich überrascht an, denn sie hatten noch nie einen Vampir mit so seltsamen Augen gesehen.
„Sehe ich aus, als bräuchte ich Gesellschaft?", sagte er kalt „Es wäre besser, ihr verzieht euch, ich bin nicht gut drauf."
„Nun, vielleicht sollten wir nach hinten gehen", meinte ein anderer „Das würde deine Laune verbessern."
Arthur machte einen verächtlichen Laut.
„An den Menschen saugen, an denen schon die halbe Bar nuckelte und fickte? Nein, danke...so was habe ich nicht nötig."
„Wo kommst du denn her?", wollte einer wissen.
„Von Nirgendwo", sagte Arthur und nahm seine Geldbörse. Sie war prall gefüllt mit Geldscheinen und er legte einen auf die Theke. Die drei machten große Augen, als sie das viele Geld sahen. Auch Vampire brauchten Geld, viele bestahlen ihre Opfer. Der Wirt schenkte nach, doch als er die Flasche wieder mitnehmen wollte, schnellte Arthurs Hand vor und hielt ihn am Handgelenk. Er schüttelte langsam den Kopf und der Vampir ließ die Flasche stehen.
„Dürfen wir?", fragte einer und griff nach der Flasche. Arthur schlug seine Hand weg.
„Nein, verzieht euch, bevor ihr es bereut."
Die drei verschwanden, doch behielten ihn im Blick. Dieser Vampir war allein und fremd hier und natürlich sehr stark, sie spürten das. Doch er war allein und sie zu viert, denn einer gesellte sich noch zu ihnen. Nach zwei Stunden verließ Arthur die Bar und stapfte durch den Schnee. Er lauschte, jemand verfolgte ihn. Böse grinsend steuerte er die Docks an, die um die Uhrzeit verlassen waren. Er verschmolz mit den Schatten, als er diese vier Vampire entdeckte, die ihm anscheinend folgten.
Arthur verließ die Schatten und ging weiter, als zwei der Vampire ihm den Weg verstellten. Er blieb stehen, dann sah er in die andere Richtung. Dort standen die anderen beiden. Einer sprach.
„Okay, Arschloch. Da du nicht sehr nett warst und deinen Whiskey nicht teilen wolltest...", grinste er „Kannst du uns ja dein Geld geben. Wir kaufen uns dann selbst, was wir wollen."
Er klang siegessicher und Arthur ballte die Fäuste. Er könnte davon fliegen oder die Zeit anhalten und verschwinden. Doch er wollte Blut sehen, er wollte töten, verstümmeln.
„Und wenn ich nicht will?", fragte er höhnisch. Er spielte mit ihnen.
„Dann wirst du das nachsehen haben. Wir werden dir so zusetzen, das du nicht mehr weißt, wer du bist."
Sie wollten ihn nicht töten, weil es verboten war, seinesgleichen zu töten. Er schon, denn er wollte sie töten. Idioten! Sie rannten in ihren Untergang, doch gut für ihn.
Arthur lachte. Es klang böse und amüsiert zugleich. Ja, das würde Spaß machen. Er stand so schnell vor dem jungen Vampir, der dazu gekommen war und riss ihm den Kopf ab. Und das mit einer Leichtigkeit und einem Knurren. Blut spritzte, als er den Kopf in den Händen hielt, während der Körper zusammensackte und begann sich zu verändern. Da er ein junger Vampir war, war bald sein Körper und sein Kopf, den Arthur den anderen zwei entgegen warf, leicht mumifiziert.
„Da waren es nur noch drei", rief er sarkastisch „Na los, kommt schon. Ich will mich amüsieren."
Die zwei griffen mit einem Wutgeheul an. Es entstand ein Kampf, doch Arthur spielte mit ihnen. Er rammte seine Faust in den Körper des einen Vampirs und riss ihm sein Herz heraus. Er hielt ihm sein Herz vor seine Augen und zischte.
„Oh, sieh nur. Ist das dein Herz?", fragte er und biss hinein. Der Vampir gab gurgelnde Geräusche von sich, während er sich zusehends veränderte. Arthur gab ihm einen Stoß und warf sein Herz weg, wandte sich an die anderen beiden, die zögerten.
„Wer bist du", keuchten sie. Bei Gott, sie waren Meistervampire, über sechshundert Jahre alt und stark. Aber dieser Vampir, der so grausam war; er war mächtig und absolut bösartig.
„Euer Alptraum", sagte Arthur und ging auf sie zu. Sie wichen zurück und wollten flüchten, doch Arthur rief.
„Oh nein, nicht doch. Ich will noch mehr Spaß."
Sie flohen, doch Arthur erhob sich in die Luft und hatte sie schnell eingeholt. Er landete vor ihnen und packte blitzschnell zu, nahm sie aus ihrer Geschwindigkeit und warf sie zu Boden. Auch ihnen hielt er ihre Herzen vor die entsetzten Augen und biss hinein, saugte an ihnen, während sie langsam verfielen. Er sah verächtlich auf sie hinab und warf ihnen ihre Herzen vor die Füße.
„Versager", murmelte er.
Dann erhob er sich in die Luft und steuerte die reichen Vierteln an. Er landete in einem Park und ging auf Jagd. Als er fertig war, hinterließ er mehrere Leichen und eine blutige Spur. Einigermaßen befriedigt steuerte er sein Hotel an, der Morgen graute. Und doch war er so voller Wut, denn sein Gefährte war einfach verschwunden. Er ließ seinen Frust an dem Paar aus, das er im Park erwischt hatte. Seine Kleider waren voller Blut, als er sie in seinem Zimmer auf den Boden warf und ein Bad nahm.
Er lachte leise, als er sich in der Wanne zurücklehnte. Das war ein sehr amüsanter Abend gewesen. Das er vier Vampire tötete, störte ihn am wenigsten. Er dachte an seinen Meister, Alexej. Er wäre sehr stolz auf ihn gewesen.
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Merlin hielt es einfach nicht mehr aus. Sie waren seit vier Wochen in der Jagdhütte und er konnte nicht mehr bleiben. Auch auf die Gefahr hin, das er Arthur traf. Doch immerhin war er ein Jäger und nicht ganz schutzlos. Maria wollte mit zurück, doch er verbot es ihr.
„Und wenn er dich findet?", fragte sie „Er wird dich töten."
„Das Risiko muss ich eingehen, Maria. Nur kann ich jetzt nicht mehr hier bleiben. Ich muss sehen, was passiert. Und ich bin ein Jäger, schon vergessen. Ich kann mich selbst beschützen."
„Nimm mich mit, ich will nicht allein hierbleiben", sagte sie „Ich kann doch bei Carmen wohnen. Dort sucht mich niemand. Bitte, Merlin."
Er schaute in ihre flehenden Augen und nach einem Moment nickte er. Er wollte sie nicht vollkommen schutzlos zurücklassen. Es war besser, wenn sie in seiner Nähe war. Und ja, sie könnte bei Carmen bleiben. Da würde Arthur nie suchen, denn er wusste nicht, das die Mädchen befreundet waren.
Eine Stunde später waren sie unterwegs zurück nach Sevilla. Merlin fragte sich, was er dort vorfinden würde. Und er fühlte eine innere Unruhe in sich. Was würde passieren, wenn er Arthur traf?
Als sie nach Stunden am Nachmittag auf der Hazienda ankamen, waren dort die örtliche Polizei und sein Aufseher. Merlin stieg aus und half Maria, die ins Haus ging, nachdem er sie darum bat. Der Polizist kam auf ihn zu.
„Conte del la Vega, es ist gut, das ich mit ihnen sprechen kann."
„Was ist denn los?"
„Ich habe ihren Aufseher kontaktiert, der mir sagte, das sie einen Urlaub angetreten hatten."
„Das ist richtig. Wir sind gerade zurück gekommen. Ist etwas passiert?"
Er nickte.
„Einer meiner Polizisten fand eine Leiche, als er hier patrouillierte. Jemand hatte ihm den Kopf abgerissen und in dem Körper sämtliche Knochen gebrochen. Ich habe so etwas noch nie gesehen. So wie es aussieht, war das ein Landstreicher, der hier wohl dachte, das etwas zu holen war. Haben sie eine Ahnung, wer das vielleicht getan hatte?"
Merlin wurde es schlecht. Natürlich wusste er, wer diese Tat begangen hatte. Arthur. Lance hatte recht gehabt, das er hierher kam, um ihn zu holen. Der Landstreicher hatte das Pech auf ihn zu treffen. Er schüttelte den Kopf.
„Nein, ich war nicht da. Und auch sonst niemand. Das Personal hatte frei."
Der Polizist nickte.
„Gut, doch ich hoffe, das so etwas hier nicht einreißt. Wir haben zwar auch Morde zu verzeichnen, aber auf so grausame Weise noch nie. Ich bin für so etwas nicht bereit. Zwei meiner Leute hatten sich die Seele aus dem Leib gekotzt."
Merlin sah ihn an. Der Chef der Guardia Zivil, wie sie hier genannt wurde war ein stämmiger Mann mit kurz geschnittenem Haar, das in der Nachmittagssonne braun schimmerte. Er kannte ihn, denn er war bei offiziellen Anlässen immer da. Die Adligen versuchten mit den Führungskräften der Stadt gut zu stehen. Und sie hatten natürlich einen gewissen Status, so wie der Bürgermeister.
Merlin hielt sich seinen Bauch. Er fühlte in vielerlei Hinsicht, das es ihm nicht gut ging. Arthur war zum eiskalten Killer mutiert. Aber war er das nicht schon immer? Nein, nicht so. Er hatte getötet, aber nicht aus Spaß und auch nicht so grausam. Versuchte er gerade, ihn zu verteidigen? Merlin war verwirrt über seine Gedanken, die vollkommen durcheinander waren. Er hatte die Leiche nicht mehr gesehen, sie war schon abtransportiert worden. Doch er konnte sich lebhaft vorstellen, wie sie aussah. Vor seinen Augen tauchten die italienischen Banditen auf, die so ähnlich ausgesehen hatten. Immer noch verfolgten Merlin die toten, anklagenden Augen aus dem Kopf des Anführers, der ein Stück neben seinem Körper lag. Anscheinend war Arthur das diesmal nicht genug, er musste auch noch alle Knochen brechen. Was würde er noch tun?
Merlin wollte nicht zu Ende denken. Bitte nicht, flehte er in Gedanken.
Nachdem sich alle verabschiedet hatten, ritt Merlin in die Stadt. Er hatte seine Kampfmontur an und seine Silberwaffen dabei. Er war auf alles vorbereitet.
In Sevilla ritt er vor Arthurs Haus und band dort das Pferd fest. Als er die Stufen hoch ging, stand die Sonne tief. Bald würde sie untergehen. Er hoffte, Arthur nicht zu sehen, vielleicht schlief er noch. Doch eines machte ihm auf dem Weg in die Stadt stutzig. Der Chef hatte nur von einem Mord geredet. Es gäbe bestimmt mehrere, wenn Arthur Amok lief. Vielleicht hatte er die Stadt verlassen und er war froh, Maria jetzt in der Nähe zu haben. Er klopfte an und wenig später öffnete ein Mensch.
„Sie wünschen?"
„Ist Conte Lance DuLac zu sprechen?"
„Wen darf ich melden?", fragte der Mann höflich.
„Conte Merlin del la Vega. Und können sie mir sagen, ob Conte Arthur im Haus ist?"
„Nein, der Conte ist nicht in der Stadt. Bitte folgen sie mir."
Er führte Merlin, der sichtlich aufatmete in den Salon und sagte zu ihm.
„Warten sie hier bitte."
Lance schaute auf, als es klopfte und einer seiner Leute hinein kam.
„Senior, ein Conte del la Vega möchte sie sprechen. Er wartet im Salon."
„Was?"
Merlin war hier in Sevilla und hier im Haus? Wieso war er hier? Arthur war nicht da, zum Glück. Seit dem Angriff auf Lance ist er nicht wiedergekommen und niemand wusste, wo er war. Anscheinend hatte er Sevilla verlassen. Lance ließ ihn suchen, doch keine Spur von ihm.
„Sagen sie ihm, ich komme gleich."
„Aber Senior, die Sonne..."
„Ich werde acht geben."
Wenig später kam Lance in den Salon, hielt sich im Schatten, denn die Sonne schickte ihre letzten Strahlen durch die Fenster. Als er Merlin sah, blieb er in der schattigen Tür stehen.
„Merlin, was tust du hier?", fragte er und schaute zu den Fenstern „Verzeih, das ich nicht näher komme, die Sonne..."
Merlin nickte.
„Ich weiß, kein Problem. Ich hielt es dort nicht mehr aus. So abgeschieden von allem, keine Nachrichten. Ich musste kommen."
„Und Maria?"
„Sie ist in Sicherheit", antwortete er und musterte Lance.
Er hatte sich nie so sehr um ihn gekümmert. Lance war Arthurs Freund, doch er hatte nur Augen für den blonden Vampir. Jetzt, da er weiß, das Maria ihn liebte, schaute er sich Lance etwas genauer an. Er war, und Merlin hatte ein Auge für so etwas, ein wirklich attraktiver Mann. So ganz anders als Arthur, aber auch nicht zu verachten. Er hatte dunkelbraune Augen und fast schwarzes Haar, das er kinnlang trug. Merlin war sich sicher, das er viele Frauenherzen gebrochen hatte.
„Wo ist er?", fragte Merlin.
Die Sache mit ihm und Maria hatte Zeit. Sie hatten im Moment schlimmere Probleme. Lance seufzte und schaute wieder zu den Fenstern. Es wurde dunkler im Raum und die Sonne verabschiedete sich. Er kam näher und blieb vor Merlin stehen.
„Ich weiß es nicht. Nach dieser Nacht kam er im Morgengrauen nicht zurück."
„Und? Was passierte, als er aufwachte?"
Lance machte ein abfälliges Geräusch.
„Was denkst du denn? Er war wütend, was noch harmlos ausgedrückt ist. Er stürmte in mein Zimmer und suchte dich. Er...", Lance ging zur Bar „Er hat es an mir ausgelassen."
„Er hat dich verletzt?", fragte Merlin entsetzt. Lance schüttete Wodka und einen Brandy in Gläser, gab eines Merlin.
„Er hätte mich umgebracht, wenn ich kein Vampir wäre. Die Verletzungen waren alle tödlich. Er war...nicht Arthur."
„Das tut mir so leid, Lance. Ich weiß, er ist dein Freund."
Der Vampir winkte ab.
„Halb so schlimm. Es war nichts, was ich mit Blut nicht heilen konnte. Nur tat es mir mehr weh, zu sehen, was er war. Der Alptraum von Rom wiederholt sich. Und jetzt ist er verschwunden."
Merlin nickte nachdenklich.
„Wo würde er hingehen? Ich weiß, das er noch auf meiner Hazienda war, dort fanden sie eine furchtbar entstellte Leiche. Ein Landstreicher, der wohl einbrechen wollte, denn wir waren schon weg."
Lance seufzte wieder und strich sich durch sein Gesicht.
„Ich habe nicht umsonst gesagt, das du abhauen sollst. Wie du siehst, ist er sofort zu dir aufgebrochen. Nicht auszudenken, was hätte passieren können."
Er schaute Merlin an.
„Du musst verschwinden, denn wenn er zurück..."
„Ich gehe nirgends hin", unterbrach ihn Merlin „Ich werde mich nicht wie ein Feigling verstecken, das tat ich noch nie."
„Du hast auch noch nie mit so etwas zu tun gehabt", sagte Lance und kam näher, sprach eindringlich „Merlin, er ist nicht nur ein Vampir, der bösartig ist. Nicht einer, der tötet, um zu trinken. Er ist viel mehr. Er ist rasend, der Drang nach Blut, zu zerstören, zu töten ist übermächtig. Seine Opfer quälen und sich dabei amüsieren. Er ist wie Alexej, nur viel schlimmer mit seinen Kräften. Das Blut eines mächtigen Vampirs fließt durch ihn und diese Bestie verstärkt das noch. Du hast keine Ahnung, zu was er fähig ist. Wenn er dich findet, wird er dich zwingen, mit ihm zu schlafen und er wird dich im Rausch der Lust umbringen, wenn auch unbeabsichtigt."
Merlin schaute ihn geschockt an. Jedes Wort von Lance schnitt in sein Herz und ließ es bluten. Er könnte schreien und wieder verspürte er den Drang etwas zu zerstören.
„Was können wir tun?"
Lance schüttelte den Kopf.
„Ich weiß es nicht und ich komme nicht gegen ihn an. Außerdem weiß ich nicht, wo er ist. Es wäre besser, wenn du nicht zu deinem Haus reitest."
„Tu ich ja nicht. Ich habe mich in ein Hotel eingemietet", antwortete Merlin „Hier in der Stadt. Ich kann da draußen nicht untätig herumsitzen und nicht zu wissen, was los ist, macht mich rasend. Ich bin vorbereitet, habe all meine Waffen bei mir."
Lance schaute ihn einen Moment an, dann fragte er.
„Und bist du auch vorbereitet, ihn zu töten, wenn es nötig ist? Deine Silberklinge in sein Herz zu stoßen?"
Merlin sah ihn entgeistert an.
Gute Frage. Er hatte noch nie ansatzweise an die Möglichkeit gedacht, Arthur zu töten. Allein der Gedanke daran verursachte in ihm Krämpfe. Er soll den Mann, den er so liebte, töten? Lance schaute ihn wartend an.
„Ich...Ich...weiß es nicht", stammelte er.
„Dann wird er dich töten und glaube mir; er wird keine Schwierigkeiten damit haben."
Merlin schaute ihn grimmig und vorwurfsvoll an.
„Du würdest deinen besten Freund töten? Das...glaube ich nicht."
„Nein, ich will es nicht tun, doch wenn Arthur nicht zu retten wäre, würde ich es tun. Es ist unverantwortlich, ihn auf die Welt loszulassen.", sagte Lance ernst.
„Wir sollten ihn retten, Lance und nicht töten", antwortete Merlin verzweifelt.
„Ich weiß nicht, ob das möglich ist", antwortete der Vampir leise „Vielleicht hat Alexej ihn endgültig gebrochen, selbst in der Hölle feiert er seinen Triumpf über Arthur. Verflucht soll er sein."
Merlin begann auf und ab zu gehen. Er winkte mit der Hand ab.
„Nein, ich werde ihn nicht aufgeben. Und ich kann ihn nicht töten, selbst wenn er mich tötet...ich kann nicht."
„Dann mögen uns die Götter beistehen. Du bist der Einzige, der ihn töten kann, denn du kommst nah genug an ihn ran."
Merlin sah ihn entsetzt an.
"Ich soll ihn im Bett töten, wenn er abgelenkt ist?", er schüttelte entschieden den Kopf "Nein, auf keinen Fall."
„Nein", sagte er wieder und schüttelte den Kopf „Ich bin der Einzige, der ihn nicht töten kann, Lance. Ich kann nicht, verstehst du das denn nicht? Ich liebe ihn. Ich würde mich selbst töten, wenn ich das tue. Er ist der Sinn meines Lebens. Lieber sterbe ich."
Und da war sie, die einzigartige Liebe, die beide so schmerzlich in ihrem unsterblichen Leben vermisst hatten. Arthur hatte sie gefunden, doch dunkle Schatten lagen über dieser Liebe. Schatten, die so dunkel und böse waren, wie sich niemand vorstellen konnte. Arthur hatte einmal gesagt, sie seien verflucht. Lance pflichtete ihm langsam bei. Sie waren verflucht, einsam durch die Ewigkeit zu wandeln und die zu verletzen, die sie liebten.
„Was ist mit Maria?"
Merlin drehte sich um.
„Sie weiß alles. Wir haben geredet und das war wohl nicht zu verhindern. Sie weiß, das ich Arthur liebe und das ihr Vampire seid."
Lances Gesicht bekam einen geschockten Ausdruck.
„Sie weiß, das Arthur und ich Vampire sind?"
Merlin lächelte flüchtig, anhand seines Gesichtsausdrucks. Er kam nickend näher, blieb vor Lance stehen und sah ihn prüfend an.
„Ja und auch, das euch beide wohl mehr verbindet, als ich wusste. Sie hat mir alles erzählt. Heimliche Treffen, unerlaubte Küsse und Liebesschwüre."
Merlin sagte das todernst mit zusammengekniffenen Augen und Lance wand sich sichtlich. Anscheinend hatte er einen gehörigen Respekt vor Merlin oder auch Angst, das er gegen ihre Verbindung wäre.
„Ach...ja?"
„Ja und wir beide werden das noch regeln, doch jetzt haben wir andere Sorgen. Wir müssen Arthur einfangen."
Regeln? Wie? Lance versuchte Merlin einzuschätzen. Wie wollte er das regeln? Mit seinen Silberwaffen? Würde er in einer Reglung sehen, das er ihm sein Herz mit seinem Schwert zerfetzte? Damit wäre das Problem gelöst. Oder mit den todbringenden Silberpfeilen? Nun, zumindest hatte er noch eine Galgenfrist. Und Maria? Wie hatte sie reagiert, als er ihr erzählte, das er ein Vampir ist?
„Was...Wie nahm sie es auf?", fragte er zögerlich.
„Nun ja, sie machte nicht gerade freudige Luftsprünge, wenn du weißt, was ich meine."
Scheiße! Das war nicht gut.
Merlin seufzte.
„Ich gehe ins Hotel, ich muss nachdenken und ein Bad nehmen. Ich bin sofort zu dir aufgebrochen. Wir müssen ihn finden. Wo kann er sein? Du kennst ihn besser, als irgendjemand. Du musst herausfinden, wo er ist und wie wir ihn einfangen. Ich melde mich wieder."
Mit diesen letzten Worten verließ Merlin das Haus. Lance stand noch eine Weile im Salon und starrte vor sich hin. Alles lief aus dem Ruder. Arthur verschwunden und Maria? Sie würde ihn hassen, für das was er war. Wahrscheinlich war sie angewidert oder hatte Angst vor ihm. Und wieder kam er zu der Erkenntnis, das Arthur recht hatte.
Sie waren verflucht.
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Flinn und die drei anderen, die er mitgenommen hatten, betraten das Hotel in Sevilla, in dem sie Zimmer gebucht hatten. Unauffällig hatten sie Nachforschungen angestellt. Doch noch waren sie nicht sehr weit gekommen. Niemand in den Vierteln kannte einen Merlin oder Arthur. Flinn betrat zornig das Zimmer. Sie waren frustriert. Er sagte.
„Wenn diese missratene Ratte gelogen hat, was Sevilla angeht, werde ich ihn aufspüren und dann seinen mickrigen Schwanz höchstpersöhnlich und langsam abschneiden und ihn vor seinen Augen in einzelne Teile schneiden, die er dann aufessen muss."
Einer seiner Leute lümmelte sich auf das Sofa des schicken Hotels. Tatjana war bösartig und hinterhältig, doch ließ sich nicht lumpen, wenn ihre Leute auf Mission waren. Alle mit genügend Mitteln ausgerüstet, konnten sie sich auch in gehobenen Kreisen aufhalten.
„Vielleicht suchen wir an der falschen Stelle", meinte er, als er eine Zeitung durchblätterte. Flinn drehte sich um nach ihm.
„Wenn du etwas zu sagen hast, dann sag es!"
Er legte die Zeitung auf den Tisch und setzte sich auf.
„Also, wir haben in den Elendsvierteln gesucht, in den Arbeitervierteln und selbst in den kriminellen Vierteln. Niemand kennt ihn oder nur eine Spur von ihnen. Wenn ich davon ausgehe, wie alt dieser Vampir ist, wird er wohl vermögend sein."
„Verdammt, komm auf den Punkt!", schrie ihn Flinn an. Er war wirklich angepisst. Nils sah auf zu ihm.
„Wie gesagt, wir haben überall nachgeforscht, nur nicht bei den Adligen. Und hier gibt es genug. Was wäre denn, wenn die beiden zum Adel gehörten."
„Arthur ist nicht adlig geboren. Diese Ratte kommt aus dem Arbeiterverhältnis, laut Tatjana. Alexej muss so etwas mal erwähnt haben."
„Mag sein, aber was kann man mit Geld nicht alles kaufen? Vielleicht auch einen Adelstitel oder man legt einen um, der einen Titel besitzt. Wenn du mich fragst, sie sind dort zu finden, denn alles andere haben wir durch."
Flinn kniff die Augen zusammen und sah Nils nachdenklich an. So unrecht hatte der Kerl nicht. Er hatte nicht an die gehobene Gesellschaft gedacht, weil er es für unmöglich hielt, das Arthur sich in diesen Kreisen aufhielt. Er begann im Zimmer herum zu laufen, seine Arme hinter seinem Rücken verschränkt. Flinn führte die kleine Gruppe an und so wie Alexej verbarg er unter seiner Attraktivität ein grausames Wesen. Vampire waren nach der Verwandlung anmutig und elegant und auf eine gewisse Weise anziehend, unwiderstehlich. Selbst die nicht gutaussehenden Vampiren unter ihnen, hatten ein gewisses Flair. Doch Flinn war von Geburt an gutaussehend. Tatjanas Mannschaft fast ausschließlich, sie mochte keine hässlichen Vampire. Ab und zu nahm sie Flinn mit in ihr Bett, der wie viele andere, sich mit beiden Geschlechtern amüsierte. Doch auch wenn er Tatjana fickte, war sie nicht zu unterschätzen. Sie würde ihn zur Rechenschaft ziehen wie jeden anderen. Er fing an, das Ganze durchzuspielen.
„Nehmen wir mal an, du hast recht. Dann sollten wir uns dort Informationen beschaffen."
„Ja, nur mit dem Unterschied, das die Adligen nicht über sich auspacken, erst recht nicht gegen Fremde", wandte Nils ein „Ich weiß es, denn ich komme aus so einer Familie."
„Dann werde ich mir eine der Tanten von ihnen schnappen", Flinn grinste „Im Bett sind alle gesprächig."
Nils grinste.
„Zufällig hörte ich, das eine Contessa zu einem kleinen Empfang einlädt, angesichts ihres Geburtstages. Es dürfte nicht schwer sein, sich eine Einladung zu besorgen. Menschen sind ja so manipulativ."
Flinn grinste grimmig. Der Kerl gefiel ihm. Er hatte Nils das erste Mal dabei, weil er eine Chance wollte. Und wie es aussah, war er nicht auf den Kopf gefallen. Bei Tatjanas Truppe gab es so etwas wie eine Rangordnung. Nils als relativ junger Vampir musste ganz unten anfangen und sich hocharbeiten. Er fragte Flinn, ob er mit ihm kommen konnte und dieser gab ihm eine Gelegenheit sich zu beweisen.
„Ja und ich werde mir dort eine suchen, die die meisten ablehnen würden, weil sie älter oder hässlich ist. Dafür wird sie umso intensiver auf mich reagieren."
„Du willst so eine Alte ficken?", fragte Sven angewidert. Selbst Vampire hatten Sinn für Schönheit und Anmut.
„Tatjana will Ergebnisse und ich ficke lieber eine hässliche Tante, als ihren Zorn auf mich zu ziehen. So machen wir es. Wann soll das stattfinden?"
„Morgen Abend", antwortete Nils „In der Calle Granada, gehobene Gegend."
Flinn nickte und sagte.
„Okay, verschwindet jetzt. Es ist bald Sonnenaufgang."
Alle erhoben sich und wollten zu ihren Zimmern, doch Flinn hielt Sven am Arm fest. Er raunte.
„Du nicht. Ich muss entschädigt werden für dieses Opfer. Was hältst du davon, wenn ich dir die Seele aus dem Leib ficke, Sven?"
Dieser grinste und fing an, sich zu entkleiden.
„Sehr viel."
Flinn öffnete seine Hose, er war schon hart. Er griff nach Svens Kopf und zwang ihn mit sanfter Gewalt auf die Knie.
„Dann beweise es", sagte er und steckte Sven seinen Schwanz in seinen Mund und dieser stöhnte.
Ja, er würde entschädigt werden.
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Der Empfang war so langweilig, wie Flinn sich das vorgestellt hatte. Es war eine kleine Party mit Klavierspielen und eine Contessa sang. Es hörte sich grauenvoll an, zumindest für Flinns feine Ohren. Flinn achtete nicht auf den grauenvollen Gesang und wie abgesprochen war er durch Manipulation auf das Fest gekommen. Und er wusste, er sah verflucht gut in der Abendgarderobe aus, denn die Damen warfen ihm Blicke zu und tuschelten, wer er wohl sei. Flinn gab sich als Aristokrat von Norwegen aus, der zu Besuch bei einem Conte war, den er so manipuliert hatte, als würde er ein guter Freund der Familie sein.
Es dauerte nicht lange, bis er sein Opfer auserkoren hatte. Es war eine Contessa, die ihm kecke Blicke zuwarf. Ein zwangloses Gespräch, das so begonnen hatte, entpuppte sich zu einer Flirterei mit zweideutigen Anspielungen. Ja, sie war scharf auf ihn und das war gut. Er ging sehr früh, so um elf Uhr am Abend und zurück in sein Hotel. Sie würde kommen.
Es dauerte nicht lange, als es klopfte. Er hatte seine Leute auf die Jagd geschickt und war allein. Als er die Tür öffnete, huschte sie hinein. Sie hatte ein Cape an und die Kapuze ließ nicht erkennen, wer sie war. Sie blieb im Zimmer stehen und strich die Kapuze zurück.
„Ich kann doch davon ausgehen, das sie Stillschweigen wahren werden?"
Er lächelte.
„Natürlich."
Sie war verheiratet und ihr Mann sah aus wie eine Tonne. Er aß unentwegt während dem Fest. Sie sah eigentlich gar nicht so schlecht aus, obwohl die besten Jahre schon an ihr vorbei geglitten waren, doch er konnte verstehen, das es ihr keinen Spaß machte, mit ihrem fetten Mann ins Bett zu steigen. Flinn war groß, schlank und gutaussehend und hatte die Unwiderstehlichkeit eines Vampirs. Er kam auf sie zu und riss sie mit sanfter Gewalt in seine Arme. Sie stöhnte auf, anhand seiner Leidenschaft, als er sie stürmisch küsste. Zufrieden mit sich selbst, sein Plan war schließlich aufgegangen, begann er mit seinen Verführungskünsten. Später lagen sie im Bett, sie in seinen Armen. Sie seufzte zufrieden, denn anscheinend hatte sie lange nicht mehr so guten Sex gehabt. Flinn lächelte vor sich hin.
„Es ist wirklich ein Segen, das du nach Sevilla kamst", sagte sie.
„Das denke ich auch. Ich wusste ja nicht, welche angenehme Gesellschaft ich haben werde."
Sie kicherte und küsste ihn auf die Lippen. Er hatte sie nicht gebissen, hielt sich zurück. Tatjana hatte ausdrücklich gesagt, sie sollten kein Aufsehen erregen. Der Tod einer Adligen würde das auslösen. Also hielt er sich zurück, er würde später auf die Jagd gehen, wenn sie gegangen war.
„Das können wir ja öfter machen, solange du da bist. Du bist wirklich unwiderstehlich und ich bin jetzt schon süchtig."
Er zog sie näher in seinen Arm und sie schloss ihre Augen. Gott, er roch fantastisch. Alles an diesem Mann war fantastisch. Wie er sich bewegte und aussah und im Bett einfach der Wahnsinn. Es wäre ihr unmöglich gewesen, ihn gehen zu lassen. Ihr Mann war wohl noch bei dem Empfang, schließlich hatte er noch nicht alles am Büfett ausprobiert. Sie hatte sich mit Kopfschmerzen zurückgezogen und war zu seinem Hotel geeeilt.
„Gibt es eigentlich viele Adlige hier in Sevilla?", tastete er sich heran.
„Es geht so. Die meisten sind verheiratet. Es ist schwer, jemanden zu finden, der es nicht ist. Mit Bürgerlichen treffe ich mich nicht so gerne. Es gibt ein, vielleicht zwei, die nicht gebunden sind, aber auch keine Anstalten machen, ein Abenteuer zu suchen. Außer vielleicht Arthur. Er mischt die adlige Damenwelt manchmal auf. Alle sind verrückt nach ihm, er sieht aber auch so was von fantastisch aus und ist sehr charmant. Doch die letzte Zeit hält er sich zurück, sehr zum Bedauern der Damen."
„Arthur?"
Sie nickte.
„Conte Arthur Pendragon", sie seufzte „Ein Traum von einem Mann, abgesehen von dir. Allein seine Augen sind eine Sünde wert."
Flinn grinste. Nils hatte recht. Der Bastard bewegte sich unter den Adligen.
„Und wer noch?"
„Da gibt es noch Conte Merlin del la Vega. Er lebt mit seiner Schwester außerhalb auf einer sehr schönen Hazienda. Er ist auch sehr attraktiv, doch noch nie hatte er mit jemanden angebändelt. Er lebt ziemlich zurückgezogen, ich sehe ihn meistens nur auf den Bällen. Wahrscheinlich geht er nur wegen seiner Schwester dorthin. Sie ist jung und möchte sich amüsieren."
„Sonst noch jemand, die solche Namen tragen?"
„Nein, Arthur scheint nicht von hier zu sein. Ich tippe mal auf England. Er ist vor zwei Jahren nach Sevilla gekommen. Merlin ist spanischer Adel, ich weiß nicht, wieso er so einen Namen trägt. Wahrscheinlich mochte ihn seine Eltern, beide tot. Sie starben unter merkwürdigen Umständen."
Wahrscheinlich Vampire. Deshalb war er ein Jäger geworden und Flinn glaubte, das es vielleicht Alexejs Vampire waren, da er die weite Reise nach Moskau tat. Ein Rachefeldzug? Das war sehr interessant und er musste das Tatjana schreiben. Flinn küsste sie. Er hatte sie gefunden, beide. Also hatte die Missgeburt nicht gelogen. Der Jäger war adlig; was für eine Überraschung und hatte eine Schwester? Flinn kannte gerne die Schwachpunkte der anderen. Er hatte sein Ziel gefunden und nun gut, der Sex war ja auch nicht so verkehrt gewesen. Diese unzüchtige Adlige neben ihm war kein Unschuldslamm.
„Wie sieht denn dieser Merlin aus?", wollte er wissen. Arthur kannte er von Moskau.
„Warum?"
„So aus Neugier, du sagtest, das er so attraktiv ist."
Sie seufzte.
„Nun, er ist groß, schlank und hat blaue Augen und fast schwarzes Haar. Irgendetwas an ihm ist geheimnisvoll. Auf Festen tanzt er fast nie und unterhält sich nur mit den Herren. Er hatte noch nie eine feste Beziehung mit jemanden, soweit ich weiß. Eigentlich umsorgt er nur seine Schwester und er ist sehr reich."
Bingo! Tatjana würde zufrieden sein.
Er beugte sich über sie und küsste sie verlangend, bis sie keuchend fragte.
„Nochmal?"
Er nickte, denn er war bester Laune.
„Oder musst du schon gehen?"
„Nein, mein Gemahl kommt nie vor Morgengrauen nach Hause und dann ist er meistens sehr betrunken. Wir haben Zeit."
„Auch Zeit für wirklich sehr verruchte Dinge?", fragte er an ihrem Ohr.
Sie schaute ihn an.
„Wie verrucht?"
„Ich könnte noch einen Freund dazu bitten. Interessiert? Wir könnten zu dritt Spaß haben."
Sie sah ihn überrascht an.
„Du...Du schläfst auch mit Männern?"
Er grinste.
„In Norwegen sind wir für alles offen und eine Abwechslung macht Spaß. Es wird dir gefallen von zwei Männern verwöhnt zu werden."
Sie lächelte, denn er hatte sie gut eingeschätzt. Sie war verdorben genug, an so etwas teilzunehmen. Wenn er bedachte, das sie ewig in fremden Betten zugange war. Und er setzte auch auf ihre Neugier, zwei Männer dabei zu beobachten. Und er hatte recht, als sie nickte.
„Ja, ruf ihn."
Und Flinn rief Sven, der alles andere als abgeneigt war, es mit Flinn und der Adligen zu treiben. Es würde eine interessante Erfahrung sein, auch für diese adlige Frau, die so gar nichts Adliges an sich hatte, eher etwas aus der Gosse.
Und das war genau das, was Flinn gesucht hatte. Eine willige Informantin und willig im Bett für seine verruchten Spielchen.
Doppel Bingo!
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Arthur war klar, das bald Vampirkrieger von der Gilde kamen, um den Mord an den vier Vampiren zu untersuchen. Es hatte sich unter Vampiren herumgesprochen, das vier ihrer Art an den Docks zu Tode gekommen waren und da ihre Herzen und Köpfe neben ihnen lagen, war es eindeutig ein Gewaltverbrechen gewesen. Zumal die vier von einem anderen Vampir gefunden wurden. Für Menschen wären die verschrumpelten Leichen ein Rätsel gewesen, genauso die verstümmelten Leichen in den Parks. Es war schade, das sie noch in der selben Nacht entdeckt wurden, von Vampiren, die dort jagten. Ansonsten hätte die Sonne die Beweise vernichtet. Sie hatten, so wie Arthur hörte, die Leichen verschwinden lassen, noch bevor die Menschen sie fanden. Typisch für ihre Rasse, keine Aufmerksamkeit zu erregen. Und natürlich war es Pflicht, das der Gilde zu melden.
Was die menschlichen Leichen anging, war das Sache von der Polizei in Prag. Doch der Tod der vier Vampire war eine Angelegenheit der Gilde und sie würden jemanden schicken. Arthur saß wieder in der Bar, als die vier stämmige Vampire hereinkamen. Sie waren alt und mächtig, Soldaten und Kämpfer der Gilde. Es wurde ruhig in der Bar, alle sahen sie an, als sie durch die Bar gingen. Viele tuschelten, denn sie trugen das Emblem der Gilde auf ihren Jacken. Ein silbernes Schwert mit roten Blutstropfen, das rot umrandet war. Es sollte bedeuten, das dieses Schwert der Gerechtigkeit zugute kam und zeigte, das die Blutschuld beglichen wurde, indem man den Vampir, der das tat hinrichten würde. Arthur stand auf und legte Geld auf die Bar. Langsam zog er sich zurück zu den hinteren Räume, noch bevor die vier zur Bar kamen. Es war Zeit zu verschwinden.
Er schlüpfte durch die Tür und ging durch die hinteren Räume, in denen sich Vampire sexuell mit Frauen und Männer betätigten, die alle glasige Augen hatten. Anscheinend standen sie unter Medikamenten oder waren traumatisiert. Andere tranken Blut von apathisch aussehenden Menschen, von denen manche nicht lebend herauskamen. Doch Arthur interessierte das nicht, er steuerte den Hinterausgang an und trat in einen Hof. Vorsichtig sah er sich um. Es war Zeit zu verschwinden; er hatte sich hier genug amüsiert.
Anmutig und routiniert erhob er sich in die Luft und gewann schnell an Höhe. Er steuerte die italienische Küste an. Mailand würde sein nächster Stopp sein. Unbewusst steuerte er diese Städte an, die er mit Merlin besucht hatte. Doch das bemerkte er nicht, die Bestie hatte keinen Sinn für Romantik. Er hatte zwischendurch in Prag Sex gehabt, schnell, hart, brutal und wild. Und diejenigen hatten das meistens nicht überlebt, eigentlich niemand. Die Bestie kannte keine Gnade.
Noch in der gleichen Nacht landete er in Mailand und suchte sich ein Hotel. Es war natürlich reiner Zufall, das es das gleiche Hotel war, in dem er mit Merlin übernachtet hatte. Zufall, sagte er sich. Eigentlich wohnte er immer dort, wenn er in Mailand war. Der Gedanke an seinen Gefährten weckte in ihm sein Begehren und das Verlangen, ihn zu nehmen. Die Bestie wollte ihren Gefährten, liebte ihn auf eine grausame Art. Obwohl er sich gebunden fühlte, eher aus Besitzanspruch, hielt er sich nicht zurück, auch andere zu ficken, bevor er sie tötete. Er hatte sich in Prag ausgetobt und es war Zeit für eine andere Umgebung. Der Mann hinter der Rezeption war freundlich und bemerkte nicht, wie Arthur seinen Hals anstarrte, mit dem Gedanken, seine Fänge in ihn zu schlagen. Er hatte Hunger und es war noch früh. Er würde jagen gehen und seine Gier nach Blut stillen, in jeder Beziehung.
Mailand würde sein nächster Spielplatz seiner Gelüste sein.
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Sethos kam über die Terrasse in sein Haus hinein. Er war gerade aus Helsinki gekommen, nachdem dort eine außerplanmäßige Versammlung angesetzt wurde. Er war sofort bei Sonnenuntergang am nächsten Abend nach Hause aufgebrochen. Sethos hielt sich nie länger als nötig dort auf. Anchar kam ins Zimmer und lächelte.
„Du bist wieder da. Schön", sagte sie und küsste ihn.
„Ja", sagte er in Gedanken und küsste sie flüchtig. Natürlich fiel ihr das auf und sie fragte.
„War es so schlimm? Oder hast du dich wieder mit Tatjana angelegt?"
Er nahm sich etwas zu trinken, bevor er mit ihr sprach. Sethos besprach alles mit seiner Gefährtin und sie hatte oft gute Ratschläge oder Einfälle. Anchar wartete angespannt, denn sie sah, das etwas vorgefallen war. Er drehte sich um.
„Diese Versammlung war außerplanmäßig. Es scheint etwas geschehen zu sein. In Prag fand man vier Vampire. Ihre Köpfe lagen neben ihnen, so wie auch ihre Herzen."
„Du lieber Himmel, weiß man denn..."
Er schüttelte den Kopf.
„Nein, keine Hinweise."
„Denkst du, das es Jäger waren?"
Wieder schüttelte er den Kopf.
„Nein, Menschen wären nicht in der Lage gewesen, so etwas zu tun. Die Köpfe wurden nicht abgeschnitten, sondern abgerissen. Und ihre Herzen hatte man nicht herausgeschnitten, sondern aus ihren Körpern herausgerissen. Menschen besitzen nicht solche Kräfte, zumal alle vier bis auf einen Meistervampire waren. Ein Jäger oder zwei hätten gegen vier keine Chance gehabt."
Sie nickte nachdenklich und nahm sich ein Glas Wein.
„Ein Vampir", schlussfolgerte sie „Oder mehrere."
Er nickte.
„Doch was mich so nachdenklich macht, ist warum mit so einer Brutalität? Es reichte nicht, ihnen die Köpfe abzutrennen, es musste auch das Herz sein. Wir fanden Bisswunden an den Herzen, anscheinend riss er sie aus ihren lebenden Körpern heraus, während sie das mitbekamen. Erst danach trennte er die Köpfe von ihnen."
„Du meine Güte", sagte sie entsetzt.
Er schüttelte wieder nachdenklich den Kopf.
„Irgendwas geht da vor. Ich habe das im Gespür. Selbst Tatjana verhielt sich ruhig, zu ruhig. Normalerweise lässt sie keine Gelegenheit aus, mich anzufeinden. Doch sie beachtete mich gar nicht, schien irgendetwas auszubrüten. Ich habe kein gutes Gefühl bei der Sache."
„Warum?"
Sethos sah sie an.
„All die Zeit ließ sie die Sache mit Alexej nicht ruhen. Und nun spricht sie es nicht mehr an. Ich weiß, das der Hund ihr Gefährte war. Ein offenes Geheimnis unter uns."
Anchar sah ihn überrascht und entsetzt an.
„Alexej war ihr Gefährte? Welche Frau würde sich mit so einem kranken Bastard einlassen?"
„Tatjana, sie ist nicht besser. Beide der Teufel in einer schönen Verpackung. Ich denke nicht, das sie Ruhe gibt, bis ihr Gefährte gerächt ist. Zumindest würde das jeder Gefährte machen, darin unterscheidet sie sich nicht. Ich würde auch denjenigen zur Stecke bringen, der dir etwas antun würde."
„Doch es war ein Segen, das du ihn getötet hast. Er war ein Monster."
„In diesem Fall...ja. Und was Tatjana angeht; Alexej würde sich nur mit jemanden einlassen, der seine Abartigkeiten teilt. Also ist sie genauso ein Miststück wie Alexej gewesen war. Wahrscheinlich folterten sie gemeinsam."
Anchar setzte sich auf das Sofa, angewidert sagte sie.
„Oh Himmel, wie abartig. Aber nochmal zurück zu den Leichen. Und du denkst, das ein Vampir das in Prag angerichtet hat?"
Er nickte.
„Es gab noch einige menschliche Leichen. Man fand sie in Parks und es war kein schöner Anblick gewesen. Irgendjemand scheint dort seine blutigen Gelüsten nachzugeben. Ich würde ja sagen, das es Alexej und seine Horde war, denn auch sie hatten die gleiche Handschrift. Doch der Clan existiert nicht mehr, samt Meister."
„Vielleicht haben ein paar überlebt", meinte sie. Er schüttelte den Kopf.
„Mit Sicherheit nicht und wenn, würden sie sich bedeckt halten. Ihr ganzer Clan war Ziel einer Ausrottung und sie sind nicht lebensmüde. Sie würden die Mörder auf ihre Spur locken. Nein, ich denke, von dem Clan oder einigen Überlebenden haben wir nichts zu befürchten. Wahrscheinlich sind sie in alle Winde verstreut und herrenlos. Du weißt, das Vampire ohne Clanzugehörigkeit vogelfrei sind. Sie haben keinen leichten Stand in der Gesellschaft. Sie haben zwar einen Ahnherr oder in ihrem Fall Ahnherrin, Tatjana, doch müssen sie zu einem Clan gehören. Wir müssen warten, bis die Untersuchungen abgeschlossen sind und ob er wieder zuschlägt."
Anchar stand auf und nahm sich noch Wein, als Sethos etwas aus seiner Tasche nahm. Es war ein Briefkuvert mit einem roten Siegel aus Wachs.
„Was ist das?", fragte sie.
„Ich habe ihn in der Gilde bekommen, aber noch keine Zeit gehabt ihn zu lesen. Jemand hatte ihn mit meinem Namen an die Gilde geschickt. Der Vorsitzende hatte ihn mir gegeben. Er war vor zwei Tagen angekommen. Außerdem wollte ich ihn sowieso erst zu Hause lesen, denn dort gibt es zu viele Ohren und Augen."
Selbst die Gilde wusste nicht, wo Sethos wohnte. Anweisungen und Briefe wurden in einem Postamt in einer anderen Stadt hinterlegt, die Sethos regelmäßig aufsuchte. Da er flog, war das keine große Sache. Er schätzte seine Privatsphäre und es hatte auch einen Hintergrund. Da er auch Feinde im Rat hatte, gab er ihnen keine Angriffsfläche, wie sein Haus oder seine Gefährtin. Obwohl Anchar, so gütig und zart wie sie auch war, auf keinen Fall zu verachten war. Sie konnte eine tödliche Waffe sein und ihre Fähigkeiten waren teilweise ungewöhnlich. Und sie war mächtig mit dreitausend Jahren und jeder tat Sethos leid, der sich mit ihr anlegte. Trotzdem blieb er im Verborgenen, denn seine Leute waren menschlich und sterblich.
„Und? Wo kommt der Brief her?"
Sethos las den Absender und schaute Anchar überrascht an, als er antwortete.
„Aus Sevilla, Spanien."
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Dunkles Schicksal
FantasyNach dem Tod seiner Eltern, die von Vampiren getötet wurden, wird der junge spanische Graf Merlin del la Vega zum Jäger. Sein Hauptmerkmal ist ein vermögender, hoch angesehener Vampir, den er für den Mörder seiner Eltern hält. Erbittert jagt er ihn...