Dunkles Schicksal
Kapitel 74
Sethos erwartete Merlin auf dem Flughafen. Es war neun Uhr dreißig am Abend, als die Maschine aus New Orleans landete. Lässig in Jeans und Pullover mit einer schicken Lederjacke bekleidet lümmelte der ägyptische Vampir an einer Werbesäule, als Merlin aus dem Terminal für ankommende Flugzeuge heraus kam. Da er wusste, das Sethos auf ihn wartete, schaute er sich um und ging lächelnd auf ihn zu.
„Hey", sagte er.
„Hey", antwortete Sethos „Wie war dein Flug?"
„Zu lange."
„Beschwere dich nicht. Denk an die Schiffe früher. Die brauchten länger."
„Auch wieder wahr."
„Hast du schon ein Hotel reserviert?", fragte Sethos. Merlin nickte.
„Ja. Intercontinenal", sagte Merlin, während sie nach draußen gingen.
„Guter Geschmack. Ein etwas gehobenes Hotel."
„Warum nicht? Ich kann es mir leisten", antwortete Merlin, als sie in ein Taxi stiegen und er sein Hotel nannte.
Sie fuhren schweigend durch das nächtliche London in Richtung Park Lane und Merlin sah aus dem Fenster. Er war noch nie in London gewesen und sofort dachte er an Arthur. Arthur war hier geboren worden und hier in der Nähe von London starb er auch und wurde als Vampir wiedergeboren. Seltsamerweise fühlte er sich Arthur näher, jetzt da er in seinem Heimatland war und auch in der Stadt, in der er gelebt hatte. London hatte sich in der Zeit sehr verändert. Merlin konnte sich nicht vorstellen, wie diese Stadt vor achthundert Jahren ausgesehen haben musste.
„An was denkst du?", fragte Sethos neben ihm „Du bist so still."
Merlin seufzte.
„An Arthur. Er wurde hier geboren", antwortete er wahrheitsgemäß.
Sethos nickte.
„Ja und hier starb er auch. Anders hättest du ihn nie getroffen. Arthur wurde im zwölften Jahrhundert geboren und wäre schon lange tot."
„Ich weiß."
Nach einer Weile fragte Sethos.
„Willst du dein unsterbliches Leben lang vor ihm davonrennen? Ich weiß, das du ihn liebst; das du ihn immer lieben wirst."
„Das wird wohl nicht möglich sein", antwortete Merlin und sah ihn an „Aber ich werde versuchen ihn zu meiden. Und ja, ich liebe ihn. Ich sehe keinen Grund, das zu verleugnen, zumal das eh jeder weiß. Doch ich kann nicht mit ihm zusammenleben. Er hat mich tief verletzt und ich möchte das nicht wieder erleben. Manches kann man eben nicht ändern."
„So nachtragend? Du hast mir auch verziehen."
„Das ist etwas anderes, Sethos. Du hast es getan in dem Glauben, das er allein ist. Arthur hat es getan, obwohl er wusste, das er gebunden war und einen Gefährten hatte. Ich denke, das ist schon ein gravierender Unterschied. Ob ich etwas in gutem Glauben tue oder vorsätzlich. Das hat nichts mit nachtragend zu tun. Ich habe lange, sehr lange gebraucht, mein Leben einigermaßen wieder in den Griff zu bekommen, doch die Sehnsucht nach ihm wird wohl nie vergehen. Doch ich sehe keine andere Chance."
„Aber vielleicht hat er sich geändert."
Merlin lachte leise, es klang fast sarkastisch.
„Arthur? Bist du sicher, das wir von dem gleichen Arthur reden? Denn den, den ich kenne, würde sich nie verändern. Und...", er schaute aus dem Fenster „Es gibt noch andere Optionen."
„Mhm...Dante, nehme ich mal an", sagte Sethos „Er zeigte reges Interesse an dir. Das war nicht zu übersehen. Mich sah er abwertend an, die Nymphen desinteressiert, aber dich mit Respekt."
Merlin sah ihn an.
„Und wenn es so wäre?"
„Arthur ist an dich gebunden, für immer. Für ihn wird es keinen anderen Gefährten mehr geben. Vampire können sich nur einmal über das Blut binden. Für ihn ist es nicht so einfach wie für dich."
„Darüber hätte er sich Gedanken machen sollen, als er sich mit dir amüsierte", gab Merlin zurück.
„Dante? Im Ernst? Er ist ein Wolf." Es klang vorwurfsvoll.
Merlin sah ihn abschätzend an.
„Und? Du bist ein Vampir. Im Gegensatz zu dir schlägt sein Herz."
Sethos zog überrascht eine Augenbraue hoch. Merlin klang gereizt. Doch er antwortete.
„Mag sein, aber Wölfe sind schlecht einzuschätzen und eigentlich sehr wild. Ich denke..."
Merlin nahm Luft.
„Okay, du bist ein Vampir und du magst keine Lykaner, was auf Gegenseitigkeit beruht. Ich bin kein Vampir und zufälligerweise mag ich ihn. Und weißt du was? Wenn ich zurückkehre, werde ich mir von Dante die Seele aus dem Leib vögeln lassen", sagte er etwas aggressiv.
Doch Sethos blieb unbeeindruckt von seinen Antworten, auch wenn Merlin wohl schlecht drauf war. Er sagte.
„Das wird Arthur nicht gefallen."
Merlin fuhr sich an den Kopf und lachte kurz auf.
„Was? Denkst du wirklich, das mich das interessiert? Mir hat auch nicht gefallen, das du ihn über dem Tisch gevögelt hast. Also? Was willst du mir sagen? Es ist immer noch mein Leben, oder?"
Sethos öffnete den Mund, doch Merlin hob die Hand.
„Nein, sag nichts. Ich denke, wir sollten das Gespräch beenden, zumal dich das auch nichts angeht."
„Entschuldige...Du hast ja recht", gab Sethos zu und neigte leicht seinen Kopf und schwieg.
Im Hotel angekommen, checkte Merlin ein und sie betraten kurz darauf die luxuriöse Suite. Der Hexer stellte seine Reisetasche ab und drehte sich zu Sethos um. Seit diesem Gespräch im Taxi hatten sie nicht mehr geredet.
„Also gut. Hast du noch etwas herausgefunden?"
Sethos nickte, sagte aber.
„Ja, aber du bist müde von der langen Reise. Dazu kommt noch die Zeitumstellung. Ich denke, es ist besser, wenn wir morgen darüber reden."
Merlin nickte.
„Du hast recht. Wo wirst du wohnen?"
„Ich habe hier Vampirfreunde. Ich werde bei ihnen wohnen. Wir sehen uns morgen Abend hier in dieser Suite."
Merlin nickte nur und Sethos ging ohne weitere Worte. Der Hexer war müde, er ging an die Bar und machte sich einen Brandy. In Gedanken schaute er aus dem Fenster über die Themse und das beleuchtete London. Er wusste eigentlich nicht, wieso er so aggressiv im Taxi reagiert hatte.
Arthur wird das nicht gefallen.
Er schnaubte abfällig und trank seinen Brandy. Danach zog er sich aus und nahm eine heiße Dusche. Etwas, was er an der Zukunft sehr schätzte. Erstens duschte er gerne und zweitens ging das viel schneller als ein Bad. Kein Aufwärmen von Wasser mehr und eimerweise in die Wanne schütten. Es lebe der Fortschritt.
Danach fiel er todmüde ins Bett und schlief gleich ein.
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Am nächsten Abend kam dann Sethos wieder. Merlin öffnete die Tür und setzte sich wieder an den Tisch, auf dem ein Abendessen stand. Steak mit Pilzen, Gemüse und Pommes Frites, dazu Salat und einen Pudding. Daneben ein Glas Rotwein. Sethos setzte sich ihm gegenüber und sah auf das Essen.
„Nicht typisch englische Küche."
„Nein, aber das ist der Vorteil, wenn man in solchen Hotels wohnt. Internationale Küche. Ich bin nicht so der Fisch Fan und die englische Küche klingt irgendwie...exotisch", lächelte Merlin und musterte Sethos. Er legte die Gabel hin und sah auf sein Essen, doch dann hob er den Blick.
„Sethos...Ich möchte mich entschuldigen. Ich war gestern wohl etwas; nun ja grantig zu dir. Das lag eigentlich nicht in meiner Absicht, denn ich bin dir sehr dankbar, das du uns hilfst."
Sethos winkte lässig ab.
„Es geht uns alle an, nicht nur die Hexen, Merlin. Und du hattest recht. Dein Leben und wie du es gestaltest, sollte dir überlassen sein. Ich habe mich zu sehr eingemischt und es tut mir leid."
Merlin lächelte und nahm wieder sein Besteck, begann weiter zu essen.
„Das du dich trotz was dir Arthur angetan hatte, dich jetzt doch wieder für ihn einsetzt?", fragte er nach einem Schluck Rotwein.
Sethos lächelte leicht.
„Wie du schon gesagt hast; es wird anstrengend eine Ewigkeit jemanden etwas nachzutragen. Auch ich habe darauf keine Lust. Arthur hat mir viel angetan, doch da es nicht an die Öffentlichkeit gelangt ist, wurde mein Ansehen nicht geschädigt. Außer für mich selbst. Ich muss mit der Schande leben, doch nicht für immer. Zumal du mir verziehen hast."
„Du Arthur anscheinend auch", sagte Merlin und aß ein Stück seines Steaks. Es schmeckte sehr gut. Sethos gab keine Antwort und so wechselte Merlin das Thema.
„Also gut. Was hast du noch herausgefunden?"
„Die Spur führt definitiv hier nach London. Hier sind auch die letzten Vermissten verschwunden. Ein Vampir und eine Hexe. So wie das aussieht, gehen diese Verbindungen des sogenannten Ordens bis in die höchsten Kreisen von Politik und Business. Mein Informant sprach von Leuten mit sehr viel Geld und Einfluss. Doch er weiß nicht, wer darin verwickelt ist. Alles findet sehr im Verschwiegenen statt und niemand sah oder hörte etwas oder beobachtete, wie sie diese Wesen eingefangen haben. Sollten sie sie auf der Straße erwischt haben, so verfügen sie über Mittel, das sie blitzschnell verschwunden waren, so das niemand etwas bemerkte."
„Das ist nicht viel", sagte Merlin. Sethos nickte.
„Ja. Das Beste wäre, wir würden einen erwischen. Jemanden, der dem Bund angehört."
„Dazu bräuchten wir einen Namen."
„Ja. Und es wird deine Aufgabe sein, jemanden zu finden, der darin verwickelt ist. Du musst sein Vertrauen gewinnen, vielleicht leicht andeuten, das du solche Wesen kennst und sie für abartig hältst. Nicht gleich, doch das überlasse ich dir und deinen Instinkten."
Merlin nickte.
„Also gut. Und wo finde ich diese Herren der angesagten höheren Gesellschaft?"
„Sie verkehren regelmäßig in den bekanntesten Clubs der sehr hochkarätigen Gesellschaft. Wenn sie auch andere entführen und weiß der Teufel mit ihnen anstellen, wollen sie doch nicht auf ihr menschliches Vergnügen verzichten. Wie nah du sie an dich heranlässt, bleibt dir überlassen, Merlin. Du weißt schon, was du tust."
Merlin, der inzwischen fertig mit seinem Abendessen war, stand auf und machte sich einen Brandy, Sethos einen Whiskey. Er reichte dem Vampir das Glas und sagte.
„Nicht jeder mag Männer; ich meine sexueller Art. Darauf willst du doch hinaus."
„Natürlich nicht. Das weiß ich auch. Dann eben nur eine Bekanntschaft, die sich mit der Zeit vertieft. Was auch immer. Das bleibt dir überlassen."
Merlin nickte und Sethos gab ihm ein Stück Papier.
„Das sind die angesagten Clubs der High Society."
Merlin überflog den Zettel. Es standen zwei diverse Clubs darauf, einer mit sehr exotischen Namen.
„Es sind keine speziellen Clubs", sagte Sethos „Ich meine, die sexuell orientiert sind. Bei solchen Clubs und ihren Gästen, die sehr betucht und mächtig sind, ist es egal, wen du mit nach Hause nimmst. Da fragt niemand nach und diesen Leuten ist es auch egal, was andere denken. Sie sind zu reich und haben genug Einfluss, das es ihnen am Arsch vorbeigeht, was andere denken. Du wirst also auf alle sexuellen Schichten treffen."
Merlin grinste.
„Nun, da ich ja auch nicht gerade arm bin, passe ich dazu. Und ich habe mit beiden Geschlechter keine Probleme."
„Wie das? Ich dachte eher, das du nur auf Männer stehst. Da du ja kein Vampir bist, lag das nahe."
Merlin grinste.
„Frag Serena."
Sethos hob überrascht eine Augenbraue.
„Im Ernst?"
Merlin zuckte die Schultern.
„Ja, es einfach so passiert, nach einer heißen Hexenparty. Und es war überraschend gut, also taten wir es öfter. Ein kleines, unkompliziertes Arrangement zwischen uns beiden", er seufzte „Ich wünschte, alles wäre so einfach."
„Du überraschst mich immer wieder, Merlin."
Sethos trank aus und stand auf.
„Ich werde in der Nähe bleiben. Wenn du etwas weißt, ruf mich an. Ansonsten wünsche ich viel Glück und gute Jagd."
„Du gehst schon?"
Er nickte.
„Es ist besser, das man mich nicht mit dir sieht, obwohl ich nicht wie ein Vampir aussehe. Diese Leute sind sehr misstrauisch. Wir bleiben telefonisch in Kontakt oder treffen uns an ruhigen Plätzen. Nicht mehr hier im Hotel, denn solltest du wirklich Kontakt haben, werden sie dich überwachen. Also sei vorsichtig."
Merlin nickte und Sethos ging zum Fenster, öffnete es. Er sah hinunter auf die kleinen Autos und Menschen, die beschäftigt durch London rannten. Merlins Suite lag im sechzehnten Stock. Sethos drehte sich um und nickte Merlin zu, er stieg auf das Sims und sprang hinunter. Merlin ging zum Fenster und sah, wie der Vampir zum dunklen Himmel aufstieg und schüttelte lächelnd den Kopf, murmelte.
„Verrückter Vampir."
Danach schloss er das Fenster und ging hinunter an die Bar. Er setzte sich an die Tresen und bestellte sich einen Brandy, hörte dem Klavierspieler zu. Bald hatte er Gesellschaft und unterhielt sich mit zwei Herren, die geschäftlich hier in London waren. Er selbst gab sich als Geschäftsmann aus, der sein Geld in Raffinerien und Öl stecken hatte. Beides gab den Leuten Gewissheit, das er nicht arm war.
Spät in der Nacht ging er zurück in sein Zimmer. Morgen würde er die diversen Clubs aufsuchen und seine Mission begann.
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In den nächsten zwei Wochen hatte er nicht sehr viel Glück. Er besuchte regelmäßig diese Clubs, die sehr gehoben waren und dementsprechend nicht günstig. Wie Sethos sagte, tummelten sich hier hochkarätige Finanz und Wirtschaft. Merlin bekam sehr schnell Kontakt, wenn er an den Tresen saß. Von Frauen und Männer, doch er ließ sich auf nichts ein. Noch nicht, denn er hatte noch nicht gefunden, nach was er suchte.
In der dritten Woche an einem Samstag betrat er den Club mit dem Namen Lifetime um zehn Uhr Abends. Bekleidet in einem dunkelgrauen Anzug mit stahlblauen Hemd, von einem bekannten Modedesigner, schlängelte er sich durch den sehr gut besuchten Club bis an die Bar. Dort stand gerade ein Pärchen auf und so setzte er sich auf einen der freien Hocker. Nachdem er sich einen Brandy bestellte, sah er sich um.
Die Musik spielte heute Oldies und dementsprechend waren viele auf der Tanzfläche, teils normale Pärchen, teils auch andere. Sethos hatte recht. In so einem Club, in dem der Brandy fünfundzwanzig Pfund kostete und gerade mal den Boden des Glases bedeckte, war es wohl egal, wie man sexuell orientiert war. Es dauerte nicht lange, als sich ein blonder Typ sich neben ihn setzte und sich etwas bestellte, in einem hohen Glas mit Schirmchen und bunten Federn und giftgrün war. Wohl einer der vielen Cocktails, die angeboten wurden. Er schaute Merlin an und lächelte.
„Hallo. Dich habe ich hier noch nie gesehen."
„Ich bin auch nur geschäftlich in der Stadt", antwortete Merlin.
„Nett, dich kennenzulernen", antwortete die blonde Schönheit „Ich heiße Lian Malcolm", er lachte kurz „Normalerweise spreche ich nicht so direkt Leute an, aber du bist mir gleich aufgefallen", sagte er bedeutend und musterte Merlin.
„Merlin del la Vega", stellte sich Merlin vor. Lian sah ihn überrascht an.
„Spanisch oder Mexikanisch?"
„Spanisch."
„Mein Kompliment. Dein Englisch ist fast ohne Akzent. Nur ein klein wenig."
„Danke sehr."
Lian bestellte noch etwas zu trinken, auch für Merlin, der sich bedankte.
„Was machst du beruflich?"
„Öl und Raffinerie."
Er lachte kurz.
„Profitables Geschäft in dieser Zeit. Ich bin in der Werbebranche...Chefdesigner. Wenn du mal gute Werbung brauchst, weißt du ja wo."
Merlin winkte ab.
„Nein danke. Ich denke, das ich das nicht brauche."
„Natürlich nicht. Wer kommt heute noch ohne Öl aus", lächelte Lian „Verheiratet?"
Merlin schmunzelte. Er wollte wohl seine Chancen ausrechnen, denn es war nicht zu übersehen, wie er orientiert war. Na gut. Merlin beschloss, seine Karten auf den Tisch zu legen.
„Nein. Und nebenbei bemerkt, interessieren mich Frauen eher weniger, wenn du weißt, was ich meine."
Das strahlende Lächeln seines Gegenübers, der wirklich sehr gut aussah, bestätigte ihm, was er sich schon dachte. Ja, Lian war attraktiv. Blonde Haare, die er kinnlang trug, eine hübsche Bräune aus dem Sonnenstudio, sowie einige Muskeln, ließ Merlin vermuten, das er regelmäßiger Kunde in einem Sonnenstudio und Fitnesscenter war. Er sagte amüsiert.
„Direkt auf den Punkt getroffen, dann kann ich mir ja weitere Fragen sparen."
„Das war der Plan", antwortete Merlin und schenkte ihm ein Lächeln „Kommen wir zu anderen Dingen."
Lian musterte ihn und schien mit dem was er sah zufrieden zu sein.
„Okay, dann kann der Abend beginnen und wir werden sehen, wie er endet. Wie wäre es als erstes mit einem Tanz?"
Merlin nickte und stand auf. Er zog sein Jackett aus und hängte es über den Barhocker. Da er sein Hemd am Hals etwas offen trug, sah man das silberne Pentagram, das an einer silbernen Kette hing und teuer aussah. Etwas, was ihm Serena zu seinem hundertsten Geburtstag geschenkt hatte und aus Weißgold bestand. Lian schaute darauf und fragte.
„Du bist doch nicht einer, der so etwas benutzt?"
„Was?"
„So ein Pentagram. So etwas benutzen Hexen."
Bei Merlin schrillten alle Alarmglocken und anscheinend war er heute Abend erfolgreich. Denn es war ja allgemein bekannt, das dies ein Pentagram war, doch Liam sprach nicht in der Vergangenheit oder belustigt. Und er wartete auf eine Antwort, etwas angespannt. Merlin lachte und griff nach dem Anhänger.
„Das ist wohl ein Witz, was? Sehe ich aus wie eine Hexe? So etwas gibt es doch nur in Bücher oder Filmen. Nein, das hatte mir mal ein Verflossener geschenkt, als ich Schluss machte. Er sagte, das es zu mir passt, denn ich wäre so mies wie eine Hexe. Was immer er auch damit meinte", sagte Merlin belustigt. Ein Glück, das er sich schnell so etwas ausdenken konnte.
„Du denkst, so etwas gibt es nicht wirklich?", fragte Lian nach.
„I wo", winkte Merlin ab „Du etwa? Glaubst du wirklich, es gibt solche Wesen?"
Lian sah weg und Merlin wusste, das er Kontakt hatte. Schließlich sagte er.
„Man kann nie wissen."
Merlin sah ihn einen Moment an, dann schubste er ihn an der Schulter.
„Gut, lass uns tanzen.Wir wollen uns doch amüsieren."
„Vielleicht später auch?", fragte Lian mit lustvollem Blick. Merlin lächelte.
„Wer weiß?"
Beide gingen zur Tanzfläche und sie spielten jetzt etwas Flottes. Merlin mochte die heutigen Tänze, die nicht so steif wie früher waren. Hier konnte man bei schnellem Rhythmus auf der Tanzfläche herum springen wie ein Verrückter und niemand störte das. Im achtzehnten Jahrhundert hätte man ihn, wenn er so getanzt hätte; auf den Bällen, die er früher mit Maria besucht hatte, diskret entfernt und ihm nahe gelegt, nicht wiederzukommen. Zumal er danach tagelang das Stadtgespräch gewesen wäre. Das hier gefiel ihm besser.
Lian schaute ihn lächelnd an, als sie sich im Rhythmus der Musik bewegten und in seinen Augen stand, was er beabsichtigte, heute zu tun. Merlin war das ja so klar. Lian wollte ihn und er dachte darüber nach, ob er dem nachgeben würde, denn der blonde Chefdesigner war schon heiß.
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Arthur betrat den Club, der ein sehr gehobenes Ambiente hatte. Seit zwei Tagen hielt er sich hier in London auf. Das erste Mal, seit er vor achthundert Jahren seiner Heimat den Rücken gekehrt hatte. Es war ja nicht so, das er nie zurück wollte; er kam nur nie dazu. Und vielleicht, weil es ihn an seine Familie und das Leben, das er verloren hatte, erinnerte. Doch London war nicht mehr das London, das er damals verlassen hatte. Nichts erinnerte mehr an die Stadt im zwölften Jahrhundert. Das hier war eine neue, fremde Stadt für ihn und trotz allem seine Geburtsstadt.
Es hatte zu regnen angefangen. Na, zumindest das Wetter war noch das Gleiche wie vor achthundert Jahren. Unbeständig und kühl, selbst jetzt im Sommer. Er hatte den Kragen seines langen, schwarzen Ledermantels hochgestellt, als er den Club betrat, nachdem er den Türsteher bezirzt hatte, der ihn nicht reinlassen wollte, weil der Club so voll war. Eine Menge Leute standen draußen und warteten für Einlass und alle hatten sich beschwert, als er sich vordrängelte und auch hineinkam, nachdem er dem bulligen Typ tief in die Augen geschaut hatte.
Mit enger, schwarzer, modischer Lederhose und weinrotem Seitenhemd schritt er durch die Menge und sah sich eher gelangweilt um. Die Blicke der Frauen, die ihm bewundernd nachsahen und tuschelten, sowie der Herren, teils interessiert, teils neidvoll und ärgerlich, weil ihre Frauen oder Freundinnen ihn mit den Blicken verschlangen, ignorierte er geflissentlich. Er würde sich wahrscheinlich noch heute Abend sexuell betätigen, doch Arthur hatte keine Sorgen, das er niemanden finden würde. So wie das aussah, würde ihn jetzt schon der halbe Club vernaschen wollen.
Er schritt die zehn Stufen zu der etwas erhöhte Plattform hoch, von der man auf die Tanzfläche sah. Mehrere Paare standen dort, lachten und sprachen, sahen ab und zu nach unten. Als zwei Paare beschlossen, sich den tanzenden Menschen anzuschließen, stellte er sich an das Geländer der kleinen Empore und schaute desinteressiert über die Tanzfläche. Einer der Kellner, den er zuvor angesprochen hatte, gab ihm einen Bourbon, den Arthur gleich bezahlte. Doch als er den Tanzenden zuschaute und einen Schluck trinken wollte, erstarrte er in der Bewegung.
Ungläubig starrte er in die tanzende Menge, die von zuckenden bunten Lichtern angestrahlt wurde. Denn dort unten tanzte Merlin. Ohne hinzuschauen stellte er fahrig seinen Drink auf einen der kleinen Tische, die dort standen und starrte unentwegt hinunter. Kein Zweifel; dort unten tanzte der Mann seiner Begierde. Merlin. In einer verdammt engen und verdammt sexy Hose mit einem stahlblauen Hemd, das sich wie eine zweite Haut an seinen für Arthur perfekten Körper schmiegte. Er trug sein Haar etwas länger und ringelte sich in dunklen, leichten Locken. Er tanzte mit einer blonden Schönheit, der aussah, als wäre er gerade aus einem Surfer Magazin entsprungen und der Merlin so eindeutig anlächelte, das Arthur unbewusst leise knurrte.
Das konnte doch nicht wahr sein? Und doch tanzte dort unten der Mann, den er schon so lange suchte. Immer noch ungläubig und mit sich kämpfend, das er nicht eine Fata Morgana sah, starrte er den Mann an, der ihm alles bedeutete. Aber es war keine Einbildung; dort unten tanzte Merlin. Sein Merlin. Sein totes Herz würde ein paar Takte aussetzen, wenn es noch schlagen würde.
Ohne das Paar aus den Augen zu lassen, ging Arthur langsam die Stufen der kleinen Empore herunter und bahnte sich einen Weg durch die Leute. An der Tanzfläche blieb er stehen und musterte Merlin, der sich elegant bewegte und nicht wie manche andere, die wie Hampelmänner wirkten. Anscheinend war er in die Musik und den Tanz versunken, sah ab und zu zu seinem Partner, der ihn ansah, als wollte er ihn hier auf der Tanzfläche vögeln.
Hundertdreißig Jahre. Hundertdreißig, verdammte, elende, nervtötende Jahre Suchen und hundertdreißig Jahre, in denen er Merlin nicht gesehen hatte und nun tanzte er dort, nur wenige Schritte von Arthur entfernt. Und für Arthur war er noch attraktiver, schöner, anziehender geworden, als jemals zuvor oder es überhaupt möglich war.
Er hatte ihn gefunden.
Langsam betrat er die Tanzfläche und ging auf das Paar zu, das in der Mitte tanzte.
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Merlin genoss das Tanzen nach der Musik, die rhythmisch war, aber nicht aufdringlich. Er hob die Arme und bewegte seine Hüften, so das die Augen seines Partners ihn musterten und er den Bewegungen von Merlins Hüften folgte. Wahrscheinlich sich schon ausmalte, wie sie sich unter ihm bewegen würden. Merlin hatte die Augen geschlossen, doch öffnete sie nun , um seinem blonden Tanzpartner zuzulächeln. Doch als er mit seinem Blick zu den Zuschauer am Rand streifte, erstarrte sein Lächeln, als wäre es eingefroren und er stockte in der Bewegung.
Ungläubig und geschockt sah er dem Mann entgegen, der sich einen Weg durch die tanzende Paare schlug und zielstrebig auf Merlin zukam, ohne den Blick von ihm zu lösen. Ernst kam er auf Merlin zu, wie ein wunderschöner Todesengel mit langem Mantel, der fast bis auf den Boden ging und Merlin irgendwie an das Wesen erinnerte, das er war. Vampir. Es war kein anderer als Arthur.
„Oh, so eine verfluchte Scheiße. Bitte nicht", sagte Merlin leise, doch konnte den Blick nicht von dem Vampir nehmen.
Wie er so anmutig und elegant auf ihn zukam, das Merlin so schmerzlich vertraut war. Und wie er so wahnsinnig gutaussehend und attraktiv in diesen modernen Kleider aussah; der lange, schwarze Ledermantel und Merlin wusste, das Arthur ihn gerne trug. Und diese verfluchte, enge Lederhose, dieses Hemd, das fließend um seinen Oberkörper lag, sein strohblondes Haar und makellose Haut, war er die Versuchung selbst.
Merlin war sich nicht bewusst, das er wie erstarrt inmitten der bewegenden Masse stand und dem Vampir entgegen sah, komplett überhörte, als Lian fragte.
„Was ist denn los, Merlin? Merlin?"
Nun stand Arthur fast vor ihm, warf dem blonden Mann einen eiskalten Blick zu und sagte.
„Verschwinde!"
Lian schaute ihn grimmig an.
„Wie bitte?"
„Ich sagte...verschwinde, bevor du es noch bereust", wiederholte Arthur drohend.
„Das soll wohl ein Scherz sein?", begann Lian „Ich werde bestimmt nicht verschwinden. Was bildest du dir ein? Ich werde dir Manieren beibringen. Such dir..."
Er verstummte, als Arthur ihm einen kalten, wütenden Blick zuwarf und sich auf ihn zu bewegte. Der verfluchte Vampir brachte es noch fertig, seinen Kontakt hier auf der Tanzfläche zu killen, deshalb rief Merlin dem blonden Mann zu.
„Ist schon gut, Lian. Wir sehen uns gleich an der Bar. Okay?"
Lian warf Arthur noch einen mörderischen Blick zu, dann verließ er die Tanzfläche. Arthur drehte sich um zu Merlin und kam auf ihn zu. Gerade wechselte die Musik und der Discjockey kündigte langsame Schmusesongs an. Auch das noch. Der Hexer wollte die Tanzfläche verlassen, doch Arthur zog ihn in seine Arme und beugte sich vor, flüsterte an Merlins Ohr.
„Tanz mit mir. Du willst doch hier keinen Aufstand machen?"
Merlin lief ein Schauer über seinen Rücken, als er Arthurs Lippen an seinem Ohr spürte und ihm so nah war. Nein...Nein...Nein. Er sah sich um. Die kleine Rangelei zwischen Arthur und Lian hatte schon Aufmerksamkeit erregt und noch immer musterten die Leute sie beide. Nein, ein Aufstand kam hier jetzt nicht in Frage.
„Also gut", zischte Merlin „Ein Tanz und dann verschwindest du."
„Oh komm schon, Merlin", sagte Arthur, während sie langsam tanzten „Ist das die richtige Begrüßung für deinen Gefährten nach hundertdreißig Jahren?"
„Ich betrachte dich nicht mehr als meinen Gefährten. Du bist frei und kannst tun was du willst."
„So wie du? Ich bin sicher, der blonde Möchtegern Idiot wartet schon sehnsüchtig auf dich."
„Das geht dich gar nichts an. Verschwinde aus meinem Leben."
„Ich denke nicht daran, denn ich bin gerade wieder in dein Leben getreten, mein Gefährte. Hast du mich vermisst?"
„Nein. Die Welt ist voll von schönen Männer, die ich flachlegen kann", antwortete Merlin bissig.
„Ach wirklich? Vielleicht sollte ich diesem blonden Typ nahe legen, das er gehen soll. Ich kann sehr überzeugend sein. Tödlich überzeugend."
Merlin sah ihn giftig an und bereute es sofort. Er sah in diese wunderschönen, blauen Augen, die ihn stetig an die stürmische See erinnerten und ein Schmerz zog durch sein Herz. Gar nicht gut.
„Wenn du ihn nur ansiehst; ich schwöre dir, ich werde vergessen, das wir uns jemals gekannt haben", drohte Merlin.
„Ist das eine Drohung?", fragte Arthur amüsiert.
„Ja...Ist es. Und verdammt nochmal keine leere Drohung. Du lässt ihn gefälligst in Ruhe oder du wirst es am eigenen Leib spüren", sagte Merlin aggressiv.
Arthur grinste ihn an und zog ihn enger an sich, doch Merlin sträubte sich, war angespannt. Doch der Vampir schloss einen Moment seine Augen, genoss es, endlich den Mann in den Armen zu halten, den er so lange schon suchte. Wie oft hatte er sich vorgestellt, Merlin so nah in den Armen zu halten. Unendliche Jahre hatte er nur von dieser Vorstellung geträumt und nun hielt er seine einzige Liebe in den Armen. Endlich.
Doch Merlin schien sich zu wehren, er war angespannt und sträubte sich. Arthur spürte das, als er mit seinem Mund über Merlins Wange streifte und dieser zurückzuckte, als hätte er sich verbrannt. Und der dunkelhaarige Mann zischte.
„Lass das gefälligst!"
„Entspanne dich. Das ist nur ein Tanz. Du stellst dich an wie bei einem ersten Date. Dabei habe ich dich schon so hart und tief gefickt, das du meinen Namen geschrien hast", sagte Arthur an seinem Ohr, was Merlin weitere Schauer über den Rücken rieseln ließ. Verdammter Blutsauger!
Er musste weg von ihm, so schnell wie möglich. Diese Nähe zu ihm, diese verfluchte Nähe ließ ihn weiche Knie bekommen. Er wollte sich in Arthurs Armen verlieren, wollte von ihm geküsst, gestreichelt und gevögelt werden. Doch das hieße, sich wieder in die offene Flamme zu stürzen, die ihn wieder verbrennen würde. Nein und nochmal nein. Nicht noch einmal. Er musste weg von ihm, weg aus seiner Nähe. Alles war gut, wenn zwischen ihnen beiden Tausende von Kilometer lagen.
Merlin schloss seine Augen, versuchte auszublenden, das er Arthur so nah an sich fühlte. Versuchte nicht in diese unendlichen, blauen Augen zu sehen oder auf seinen sinnlichen Mund. Versuchte nicht jedes, aber auch jedes Körperteil von Arthur an sich zu spüren. Arthur brachte so ziemlich jede Faser in seinem Körper zum schwingen, nur durch seine bloße Anwesenheit. Das Schlimmste daran war, das Arthur das nicht bemerkten sollte, wie sehr er auf Merlin wirkte.Verdammt! Verdammt...Verdammt...Verdammt.
Er hatte ihn gefunden. Merlin hatte mit allem gerechnet, doch nicht mit Arthur, der so verteufelt hartnäckig nach ihm suchte und ihn letztendlich gefunden hatte.
Du kannst nicht immer vor ihm flüchten. Irgendwann wird er dich finden, wenn du nicht daran denkst.
Das hatte Sethos gesagt und zum Teufel nochmal...Musste der ägyptische Vampir immer recht haben? Er war hier auf einer lebenswichtigen Mission und hatte vielleicht jemanden gefunden, der über diesen Orden Bescheid wusste. Was er nicht gebrauchen konnte, war jetzt ein Vampir, der seine Besitzrechte klarstellen wollte. Zumal es da nichts klarzustellen gab. Merlin betrachtete sich nicht als Arthurs Eigentum...Er war frei.
Der Tanz endete und Merlin wollte sich losmachen, doch Arthur hielt ihn fest.
„Lass mich los", zischte er leise.
„Oder?"
„Es wird unschön enden", antwortete Merlin.
„Noch einen Tanz."
„Nein."
Die Musik setzte ein, wieder so etwas Langsames. Merlin wollte gehen, doch Arthur hielt ihn weiterhin eisern fest. Merlin schloss seine Augen und murmelte.
„Cystern asumara."
Ein elektrischer Schlag ging durch Arthur, der unwillkürlich zusammenzuckte und Merlin aus einem Reflex losließ. Dieser nutzte seine Chance und verließ mit großen Schritten die Tanzfläche und steuerte auf die Bar zu, an der Lian auf ihn wartete. Er griff sein Jackett und sagte ernst.
„Verschwinden wir."
Lian legte genügend Geld auf die Bar, nahm sein Jackett und folgte Merlin zum Ausgang.
„Wer war das?"
„Jemand aus meiner Vergangenheit", sagte Merlin.
„Der Schenker des Amuletts?"
„Ja", log Merlin und sah sich um. Arthur folgte ihnen.
„Bist du mit dem Wagen da?", fragte er Lian.
„Ja, steht auf dem Parkplatz."
„Dann hole ihn, ich warte am Eingang."
Lian nickte und verschwand, während Merlin wartete, um Arthur aufzuhalten. Er traute ihm durchaus zu, das er seinen wahrscheinlichen Kontakt zu den Vermissten töten würde. Das wäre schlecht, sehr schlecht, da er endlich Erfolg hatte. Es dauerte nicht lange, da kam Arthur hinausgestürmt und auf Merlin zu. Drei Schritte vor Merlin blieb er stehen, weil dieser drohend die Hand gehoben hatte.
„Komm nicht näher...Ich warne dich."
Arthur breitete die Arme aus.
„Ich finde es wirklich verabscheuungswürdig, das du deine Hexenkräfte gegen mich einsetzt. Ich bin dein verdammter Gefährte und liebe dich. Was ist dein Problem, Merlin?"
„Du", rief der Hexer ihm zu „Lass mich endlich zufrieden. Es ist vorbei. Selbst für dich, der anscheinend nicht der Schnelldenker ist, sollte das klar sein. Lass mich endlich in Ruhe."
„Das kann ich nicht. Ich liebe dich."
Merlin lachte bitter.
„Ja, so sehr, das du dich von Sethos ficken ließest", rief Merlin zurück. Gott, jetzt fiel er auch noch in Arthurs Ausdrucksweise.
„Das war vor einer Ewigkeit."
„Du machst es dir sehr leicht", rief Merlin grimmig „Du sagst, es ist quasi verjährt und lass uns jetzt weitermachen. Nicht mit mir. Sehe ich denn so blöd aus? Das Ganze geht gut, bis du wieder den Drang hast, jeden zu vögeln oder gevögelt zu werden. Was ich ja nie durfte. Warum?", rief Merlin „War ich minderwertig gegenüber Sethos, das ich dich nicht vögeln durfte?"
„Es wird nie wieder vorkommen. Das alles ist irgendwie schief gelaufen", versprach Arthur „Ich liebe dich, Merlin. Ich verspreche dir, das es anders werden wird."
Merlin schnaubte verächtlich und musterte ihn, was er sofort bereute. Er war so schön, so verflucht schön und Bilder ihrer Nächte flackerten vor seinen Augen. Diese heißen, wilden, vor Leidenschaft triefende Nächte.
„Das kommt mir ja so bekannt vor...Ich werde es nie wieder tun", äffte er Arthur nach „Nein...Ich werde es nie wieder tun."
„Was?"
„Mich auf dich einlassen. Aber anscheinend geht das nicht in deinen untoten Kopf. Lass...mich...in...Ruhe!"
Ein elegantes, teures Auto hielt mit quietschenden Reifen vor dem Club und Lian rief durch das geöffnete Fenster.
„Merlin?"
Arthur schaute zu dem teuren Auto mit einem mörderischen Blick und dann schrie er Merlin an.
„Du steigst doch jetzt nicht wirklich zu dem Typ in das Auto? Das ist nicht dein Ernst."
Merlin grinste böse.
„Genau das werde ich tun und wage es nicht, mich aufzuhalten. Ich sag es nur einmal."
„Dieser Scheißkerl will dich nur ficken."
„Oh ja, das wird er und ich werde das genießen. So wie du es genossen hast", rief Merlin „Leb wohl, Arthur."
Merlin ging auf das Auto zu und Arthur rief.
„Merlin. Merlin...komm zurück. Wir müssen reden."
Merlin winkte ab und stieg zu Lian ins Auto, sagte zu ihm.
„Fahr los und schnell."
Lian gab Gas und Merlin drehte sich um. Da Leute vor dem Club standen, die noch hineinwollten, andere frische Luft schnappten, konnte Arthur sich nicht in die Luft erheben oder in Vampirgeschwindigkeit hinter ihnen her rennen. Wenn er auch so ziemlich alles falsch machte und sich nicht an Gebote hielt, tat er es doch, was die geheime Existenz seiner Spezies anging und würde seine Tarnung nie auffliegen lassen.
Obwohl sie ja nicht mehr so geheim waren. Merlin sah zu Lian, der durch das nächtliche London steuerte. Vielleicht war er die Antwort auf seine Fragen. Gott, er konnte jetzt keinen Vampir gebrauchen, der ihm überall auflauerte. Er hatte eine Mission; er musste seine Schwestern und die anderen finden.
„Was wollte der Typ?", fragte Lian „Er hatte eine ungesunde Gesichtsfarbe, wie eine Leiche."
Wenn Lian einer der Fanatiker war, der den Tod dieser Wesen wollte, würde Arthur auch noch seine Deckung auffliegen lassen. Denn normale Menschen würden nie Vampire kennen, denn meistens waren sie nach solch einer Bekanntschaft tot. Es sei denn, man gehörte auch zur Mythenwelt, so wie Merlin. Das Auftauchen dieses Volltrottels gefährdete die ganze Mission.
„Ich glaube, er ist süchtig geworden. Das habe ich mal gehört", log Merlin „ Spritzt sich harte Drogen."
Lian schüttelte den Kopf.
„Kein Wunder. So wie der aussieht, wird er wohl bald das Zeitliche segnen. Ich verstehe diese Typen nicht, die sich mutwillig selber umbringen. Hat wohl die Trennung von dir nicht verkraftet."
„Mag sein, ist nicht mein Problem. Wo fahren wir hin?"
„Zu mir", sagte Lian und sah Merlin an.
Merlin nickte.
„Gut."
Dann würde Lian an sein Ziel kommen und heute Nacht Merlin vögeln. Eigentlich wollte Merlin diese Bekanntschaft langsam angehen lassen, doch durch Arthur musste er seine Pläne ändern. Es war ja nicht so, das Lian nicht ansprechend war. Merlin hatte früher mit Maria zusammen überwiegend in den Clubs die Männer aufgesammelt und für eine Nacht gevögelt. Also war das hier nicht anders, außer das er, wenn er wirklich eine Spur war, diese Bekanntschaft vertiefen wollte.
Merlin nahm Luft und schaute aus dem Fenster. Nichts lief mal wieder wie geplant. Er hatte jetzt nicht nur ein Problem. Nein, jetzt hatte er zwei.
Die Mission und Arthur, denn er würde nicht aufgeben. Und Merlin konnte die Stadt nicht verlassen.
Na prima!
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Arthur sah dem Wagen wütend nach. Natürlich wusste er, das er Merlin jetzt unmöglich folgen konnte, da viele Leute hier draußen waren. Er ballte die Fäuste und hätte am liebsten seine Wut laut herausgeschrien. Eifersucht, Wut und auch Enttäuschung wechselten sich in einem Chaos der Gefühle in ihm ab. Das hier war so gar nicht abgelaufen, wie er sich das erhofft hatte.
Was hatte er sich erhofft?
Wenn er ehrlich war, dachte er einen Moment daran, das Merlin ihm alles verziehen hatte, denn einhundertdreißig Jahre waren eine lange Zeit. Doch sein Gefährte war grimmig, aggressiv und widerspenstig und so gar nicht erfreut, ihn zu sehen. Doch Arthur würde nicht aufgeben; er wollte Merlin zurückhaben.
Er stöhnte gequält auf, als er daran dachte, das dieser Scheißkerl Merlin in sein Bett ziehen würde und die Wut bekam wieder Oberhand. Oh...Er wollte diesen Kerl töten, ihm langsam die Haut abziehen und sich an seinen Schmerzen laben, doch Merlin hatte eindeutig klar gemacht, das dies nicht in Frage kam.
Und Arthur wusste nur zu gut, das er seine Drohung ernst gemeint hatte, denn er scheute sich nicht, seine Kräfte auch gegen Arthur einzusetzen. Wenn der Vampir eines gelernt hatte, dann das man sich nicht mit Hexen anlegen sollte. Maria hatte ihm das sehr eindrucksvoll bewiesen. Immer noch die Fäuste ballend stand er wie eine Statue da und schaute die Straße entlang, der Wagen schon längst verschwunden.
Nun gut. Heute hatte Merlin gewonnen, doch er würde nicht aufgeben und ihn wiederfinden. Und wenn er alle Hotels abklappern musste; er würde ihn finden.
„Hey? So allein?"
Er wand den Kopf und schaute die Frau an, deren besten Jahre schon vergangen waren und die sie mit sehr viel Schminke, Kleider, die zu jugendlich waren, wieder wettmachen wollte. Allein ihr platinblondes Haar tat schon in den Augen weh und stand ihr überhaupt nicht.
„Und wenn es so wäre?", gab er aggressiv zurück und musterte sie abschätzend.
Was wollte sie? Dachte sie wirklich im Ernst, das junge Männer noch auf sie abfuhren? Arthur hatte keine Lust auf ein idiotisches Gespräch. Er war in einer sehr aggressiven Stimmung und das würde ihr gar nicht gut bekommen.
„Ich könnte dir Gesellschaft leisten, mein Schöner", sagte sie mit einem Augenaufschlag und falschen Wimpern. Arthur schnaubte unwillig.
„Was willst du? Soll ich dich ficken?"
„Ähm...nun ja", sagte sie und grinste „Ich hätte nichts dagegen."
Arthur nahm ihre Hand und zog sie mit sich.
„Dann komm."
Sie folgte ihm kichernd und ungläubig, denn damit hatte sie wohl nicht gerechnet. Natürlich wusste sie, das so ein schöner Mann sich nicht mit einer Frau abgeben würde, deren besten Jahre hinter ihr lagen. Doch sie würde nehmen, was sie kriegen konnte und heute war wohl ihr Glückstag, denn dieser Mann war ein Traum.
Arthur zog sie grob mit sich und würde sie bei nächster Gelegenheit in einer dunklen Gasse vögeln und sich an ihr laben. Da er so wirklich mies drauf war, würde das ihr letztes, sexuelles Erlebnis sein. Selbst schuld; sie hätte ihn in Ruhe lassen sollen.
Etwas später kam er aus der dunklen Gasse und wischte sich den Mund mit einem Taschentuch ab. Er sah zum Himmel, der langsam hell wurde. Seine Zeit war um, er musste gehen. Nachdem er sich umgesehen hatte, erhob er sich schnell in die Luft und verschwand am Horizont.
Morgen Nacht würde er Merlin suchen.
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Merlin saß in der schicken, modernen Küche des Hauses, das Lian gehörte. Es war eines der Schickimicki Villen in einer gehobenen Gegend und auch so eingerichtet. Anscheinend verdiente er als Chefdesigner nicht gerade wenig. Lian schlief noch und so machte Merlin schon Kaffee und ein Frühstück.
Natürlich hatten sie beide zusammen geschlafen und Merlin musste zugeben, das es wirklich ein tolles Erlebnis war. Lian war kein Anfänger, wusste, was er wollte und für alles offen. Merlin mochte so etwas sehr. Keine Tabus; das war ihm immer recht.
Er hörte Lian kommen und spürte kurz darauf, wie ihn der junge Mann von hinten umarmte und Merlin einen Kuss in den Nacken gab.
„Guten Morgen."
„Nun ja, wenn du nach der Uhr gehst, ist es eigentlich kein Morgen mehr", antwortete Merlin lächelnd.
Lian lachte und gähnte herzhaft. Er war bekleidet mit einem Morgenmantel, darunter wahrscheinlich nackt, während Merlin sein Hemd trug und Unterwäsche.
„War ja auch eine Wahnsinnsnacht", sagte Lian und setzte sich an den gedeckten Tisch „Inklusive einem tollen Frühstück. Du überraschst mich."
„Warum?"
„Tja, die meisten sind schon weg, wenn ich aufwache und ich muss mein Frühstück selber machen", antwortete der blonde Mann „Hab wohl ein Glücksgriff mit dir getan. Schön, toll im Bett und kann kochen. Was will man mehr?"
Merlin lachte und schenkte ihnen Kaffee ein, setzte sich dann, nachdem er die frischen Brötchen aus dem Ofen nahm.
„Scheint ein lukrativer Job zu sein, den du da hast", sagte Merlin „Das Haus ist wirklich toll."
„Nicht nur", winkte Lian ab und nahm ein Brötchen „Meine Familie ist nicht arm. War sie noch nie. Das heißt, das unser Familienvermögen auch sehr beträchtlich ist. Mein Vater hatte einen hohen Posten in der Regierung, ist aber zurückgetreten. Meine Mutter ist schon tot. Und unser Vermögen haben wir Großvater zu verdanken...Gott hab ihn selig. Er hatte sehr früh in Computer Software investiert und ist damit steinreich geworden und somit auch seine Nachkommen."
„Ist ja toll."
Lian seufzte.
„Ja, denn man gewöhnt sich sehr schnell daran."
„Was ist mit dir, Merlin? Ich meine, du bist eigentlich viel zu jung, um so reich zu sein."
Merlin lachte. Wenn er wüsste, das er schon über hundert Jahre alt war. Doch er blieb vorsichtig.
„Meine Eltern sind tot; sie hatten einen Unfall. Also war ich gezwungen, so jung das Geschäft zu übernehmen."
„Keine Geschwister?"
Merlin schüttelte den Kopf.
„Nein, Einzelkind."
„Wie ich", sagte Lian und grinste „Wir haben viel gemeinsam. Jung, reich und homosexuell. Natürlich auch sehr gutaussehend."
Merlin lachte und sie sprachen noch über dieses und jenes, bis Lian ihn ernst ansah.
„Merlin; ich möchte dich wiedersehen."
„Ich dich auch", sagte der Hexer „Wäre doch schade, wenn wir uns aus den Augen verlieren würden."
„Find ich auch. Es war eine heiße, wahnsinnige Nacht und ich will das wieder."
Merlin nickte.
„Ja, war es."
Er sah auf die Uhr und seufzte.
„Ich muss jetzt gehen, habe heute Mittag noch einen geschäftlichen Termin."
„Natürlich", antwortete Lian und Merlin stand auf und zog sich an.
An der Tür zog ihn Lian noch einmal in seine Arme und küsste ihn, bis das Taxi draußen hupte. Merlin löste sich von ihm und öffnete die Tür, sah sich nach dem blonden Mann um.
„Du hast meine Nummer. Ruf mich an."
Lian nickte, dann ging Merlin nach draußen und stieg in das Taxi. Er schloss einen Moment seine Augen; er war müde, denn geschlafen hatte er nicht viel. Zumindest konnte er jetzt am Tag sicher sein, das Arthur ihm nicht auflauerte. Vor dem Hotel stieg er aus, nahm seinen Schlüssel und fuhr nach oben in seine Suite.
Dort angekommen ließ er ein Bad in die große Wanne ein und nahm sein Handy, tippte eine SMS.
Sethos. Habe wahrscheinlich Kontakt zur Zielperson. Weiß es noch nicht mit Sicherheit, aber bin sehr zuversichtlich. Näheres, wenn wir uns sehen.
PS: Arthur ist in der Stadt und hat mich gefunden. Komplikationen? Ja!
Merlin.
Merlin legte das Handy weg und zog sich aus, stieg wohlig stöhnend in das warme Wasser und schloss seine Augen. Er war müde und beschloss nach dem Bad ein wenig zu schlafen, denn da Arthur nun hinter ihm her war, musste er wachsam sein.
Es fehlte jetzt noch, das die ganze Mission scheitern würde, weil ein liebeskranker Vampir hinter ihm her war.
Als er sich in sein Bett legte, klingelte sein Handy einmal und Merlin nahm es vom Nachttisch. Eine SMS.
Verdammte Scheiße; was will er hier in London? Das ist sehr ungünstig. Melde mich, wenn der Tag zu Ende ist. Sethos.
Ja, das hatte sich Merlin auch schon gefragt.
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Dunkles Schicksal
FantasyNach dem Tod seiner Eltern, die von Vampiren getötet wurden, wird der junge spanische Graf Merlin del la Vega zum Jäger. Sein Hauptmerkmal ist ein vermögender, hoch angesehener Vampir, den er für den Mörder seiner Eltern hält. Erbittert jagt er ihn...