Dunkles Schicksal
Kapitel 63
Es war schon später Morgen, als die beiden Liebenden erschöpft eingeschlafen waren, nachdem sie sich geliebt hatten, als gäbe es kein Morgen mehr. Die dicken, dunklen Vorhänge hielten die für Lance tödlichen Sonnenstrahlen ab. Es herrschte eine angenehme, abgedunkelte Atmosphäre in dem Zimmer, das schon etwas gehobene Klasse hatte. Maria lag in Lances Arme gekuschelt und schlief tief und fest, so wie der Vampir, der ruhte.
Doch als die Sonne die letzten Strahlen auf den schönen Nachmittag warf und sich langsam bereit machte, dem Mond den Vortritt zu lassen, wachte Lance auf. Er schlug die Augen auf und war hellwach. Im Gegensatz zu Menschen, die meistens etwas schlaftrunken waren, bis sie richtig wach waren. Eine Eigenart von Vampiren, die schnell entscheiden oder flüchten mussten, sollten sie im Schlaf überrascht werden. Er sah auf den dunklen Schopf von Haaren, als er sich etwas bewegte.
Lächelnd beugte er sich vor und musterte das schöne Gesicht der Frau, die ihm alles bedeutete. Er hatte endlich Maria zur Seinen gemacht und ihre Liebesnacht war mehr als wundervoll gewesen. Zuerst ungeduldig, wild und heftig, hatte er sie später zart und liebevoll geliebt und all seine Liebe gegeben. Er küsste sie auf die Nasenspitze und auf die Augen. Sie regte sich und sagte mit immer noch geschlossenen Augen.
„Guten Morgen, Vampir. Wie spät ist es?"
Lance schaute zum Fenster. Er mochte es, wenn sie ihn so nannte. Er war einer, sicher, doch wenn sie es sagte, klang es wie eine Liebkosung.
„Noch Tag, vielleicht Nachmittag."
Sie blinzelte und lächelte leicht, was ihn veranlasste, sie wieder zu küssen. Ihre langen, schwarzen Haare kitzelten ihn, als sie sich umdrehte und ihren Kopf auf seine Brust legte. Der Vampir streichelte sie am Rücken, während sie sagte.
„Dann müssen wir noch liegenbleiben, denn du kannst noch nicht raus."
„Gehe ich in der Annahme, das meine kleine Hexe faul ist?", fragte er belustigt.
„Werde bloß nicht frech, Vampir. Du kannst ja gehen, mal sehen wie weit du kommst."
Er lachte und sie zog sich hoch und küsste ihn auf seine Lippen, knuffte ihn spielerisch. Er seufzte.
„Warum mussten wir so lange warten? Du weißt nicht, was diese Nacht für mich bedeutet. Ich habe so lange davon geträumt."
Sie kicherte und er fragte.
„Was?"
„Sehe es mal so. Damals war ich eine unschuldige Contessa und hatte null Ahnung von nichts. Dann war das doch viel besser, oder?"
„Ja, war es."
Nach einem Moment fragte er.
„Mit wie vielen Männern hast du geschlafen?"
Sie setzte sich auf und schaute ihn tadelnd an.
„Ist das wichtig? Du bist doch nicht einer von den Typen, die eifersüchtig auf die vergangenen Liebhaber sind."
„Nein, natürlich nicht. Das wäre Schwachsinn. Ich war nur neugierig."
Sie seufzte.
„Ich weiß es nicht, denn ich habe keine Liste geführt. Es war nur immer eine Nacht und dann nicht wieder. Es war nur Sex, sonst nichts; keine Gefühle. Wir achteten sehr darauf, denn wir wollten niemanden mehr verletzen. Wir waren am Anfang mit jemanden zusammen und als wir gingen, waren diese beiden Personen sehr verletzt. Merlin und ich entschieden, das wir es nur bei einer Nacht ließen, zumal wir viel unterwegs waren. Also frag mich nicht mehr, denn von den meisten weiß ich schon nicht mehr den Namen."
Lance zog sie in seine Arme und küsste sie, denn sie sagte das etwas unwirsch.
„Entschuldige, ich wollte dich nicht zornig machen. Du hast ja recht; vergiss es."
„Ich bin nicht zornig; es musste mal gesagt werden und ist Schnee von gestern. Es ist vorbei und vergessen. Was zählt bist du. Und sonst nichts", sie schaute ihn an „Na gut, wenn wir schon dabei sind, was ist mit dir? Gleiches Recht auch für mich zu fragen."
„Nichts, keine Affären. Ich war nicht in der Stimmung dazu, zumal ich jeden Morgen jede Menge Leichen von Arthur sah. Das reichte mir, bis ich und Noel beschlossen, miteinander zu schlafen. Sonst niemanden."
„Liebst du ihn?"
Er schüttelte den Kopf.
„Nein, ich mag ihn sehr. Er ist nett und lustig und wir hatten eine Übereinkunft. Keine Besitzansprüche und keine tiefen Gefühle. Es war auch nur Spaß, so wie du sagst."
Sie schüttelte etwas ungläubig den Kopf.
„Ich dachte nicht, das du auch mit Männer schläfst."
„Das dachte Arthur auch, natürlich tue ich das auch. Doch weibliche Gesellschaft ziehe ich vor. So hat jeder seine Vorlieben. Obwohl, ich tue beides gerne, wenn ich so drüber nachdenke. Warum? Stört es dich?"
„Nein, ich bin froh, das ich dich wieder gefunden habe."
„Heißt das, das wir nun offiziell zusammen sind?", fragte er. Maria schaute ihn an.
„Ich hoffe doch oder war das auch nur so eine Nacht Geschichte?"
„Nein", sagte er entrüstet „ Wie kommst du denn auf die absurde Idee. Du gehörst mir, Maria."
Sie verdrehte die Augen.
„Oh man, komm mir jetzt nur nicht mit dem Besitzanspruch Mist. Ich hoffe, wenn ich mich mit Männer unterhalte, das du nicht so ausflippst wie Arthur. Ich bin immer noch ich und gehöre nur mir selbst. Ist das klar? Komm mir nicht andauernd mit „du gehörst mir". Das nervt. Ich gehöre dir, aber sag es nicht bei jedem Satz und erst recht nicht vor Leuten. Das hört sich ja an, als hättest du mich gekauft."
„Okay, ich sag es nur einmal die Woche", schmunzelte er. Sie schaute ihn erbost an, doch dann lächelte sie.
„Verrückter Vampir", und küsste ihn.
„Das Zimmer ist verwüstet, das Bild fiel die letzte Nacht herunter. Und die kleine Lampe von dem Schreibtisch", sagte er, als er sich in dem Zimmer umsah.
„Das ist meine Magie", erklärte sie „Wenn es besonders heftig ist, dann habe ich sie nicht mehr so hundertprozentig im Griff", sie lachte „Merlin hat einen großen Verbrauch an Spiegeln. Meistens sind sie von oben nach unten gerissen und er muss sie ersetzen."
Er zog sie näher an sich.
„Mein Mädchen ist eine Hexe. Ich kann es immer noch nicht fassen", sagte er kopfschüttelnd „Und ich dachte, so etwas gibt es nicht."
„Es waren auch Hexen, die Arthur gerettet hatten. Damals, als er so lange fort war und Sethos so ein Geheimnis daraus machte."
Serena sagte zu ihr, das sie mit Freunden darüber reden konnte. Ansonsten wollte sie bedeckt bleiben. Lance war mehr als ein Freund. Er war der Mann, den sie liebte und an ihrer Seite würde er auch ihren Clan kennenlernen.
„Hexen haben Arthur geheilt? Mit Magie?"
„Ja und Sethos auch. Er war in Arthurs Kopf. Serena hatte den Zauber durchgeführt; er war schwierig und gefährlich."
„Serena?"
„Ja, sie ist die Anführerin unseres Clans. Auch Hexen gehören zu einem Clan und wir waren fünf Jahre dort in Ausbildung für Magie. Danach reisten wir viel, kamen aber immer wieder zu unserem Clan zurück."
„Und wieso habt ihr Magie? Die hattet ihr früher nicht."
Sie seufzte.
„Das ist eine lange Geschichte und ich erzähle sie dir irgendwann mal. Merlin wird nicht begeistert sein, das du es weißt. Er möchte nicht, das Arthur es weiß, doch ich hatte gestern Abend keine Wahl. Sie hätten uns beide getötet."
„Dann sagen wir es ihm nicht. Ganz einfach", nickte Lance grimmig „Er macht ja auch immer große Geheimnisse um vieles oder schreit mich an, das es mich nichts angeht. Dann habe ich jetzt auch ein Geheimnis. Es liegt an Merlin, ihm das zu sagen. Da mische ich mich nicht ein. Okay, Merlin ist dann ein..."
„Hexer", vervollständigte sie seine Frage „ Denn er kann keine Hexe sein, weil er auch so imposante Teile hat wie du?", sagte sie schmunzelnd.
„Imposant", grinste er „Das hört man doch gerne."
Sie knuffte ihn.
„Also, eine gewisse Arroganz ist euch allen angeboren, was? So wie du dich aufplusterst."
Er lächelte sie schelmisch an, doch wurde ernst, als er antwortete.
„Nun ja...Warte mal? Du hast Merlins imposante Teile gesehen?"
Sie lachte, weil er es so entrüstet gesagt hatte. Schließlich war er ihr Bruder und so etwas war in der Regel nicht üblich. Zumindest in dieser Zeit achtete man sehr auf Anstand und so waren sie erzogen worden. Privat und Intimsphäre waren angesagt, obwohl die Geschwister das schon lockerer sahen. Doch getrennte Zimmer waren für sie selbstverständlich.
„Nein, natürlich nicht. Aber wir hatten oft die gleichen Männer, die mir das gesagt haben, das er sehr gut gebaut ist. Nach Merlin kamen sie zu mir."
Lance warf sich auf sie und küsste sie, sagte leise.
„Oh, du bist ja so eine kleine, verruchte Hexe. Aber ich muss gestehen, das gefällt mir. Viel besser, als ein schüchternes Mädchen, das rot wird."
„Das glaube ich dir sofort, wenn ich an die letzte Nacht denke. Was du alles gesagt hast, würde ein unschuldiges Mädchen erschrecken", sie kicherte „Rot werde ich schon lange nicht mehr. Nicht bei diesem Lebenswandel."
Sie machte sich los und er ließ sie sich wieder aufsetzen, legte einen Arm um sie. Lance wechselte das Thema.
„Jetzt verstehe ich das auch alles, was Arthur mir erzählt hatte. Ich dachte, das er verrückt wird. Das war alles Merlin auf dem Ball, ja? So eine Art Rache."
Sie nickte und er lachte fast boshaft.
„Köstlich. Vor allem wie er auf der Tanzfläche lag. Ich kann mich dort nicht mehr blicken lassen, aber das war es wert. Dann hat er ihn auch mit Magie gerettet. Die Flammen und das alles. Was hatten denn die Jäger?"
„Och, nichts Besonderes. Nur eine Menge dicke, große Spinnen krabbelten auf ihnen herum", antwortete sie amüsiert.
Lance lachte und meinte.
„Eigentlich ist es nicht zum Lachen, wenn ich bedenke, wie knapp es war. Arthur ist im Moment...", er seufzte „Ich weiß auch nicht. Gestern Abend habe ich ihm eine geknallt, nachdem er so unverschämt zu Merlin war."
„Du hast ihn geschlagen?", fragte sie überrascht. Er seufzte wieder.
„Die letzte Zeit öfter, das mir die Hand ausrutscht. Er legt es wirklich darauf an; ich war so verdammt wütend auf ihn. Allein schon, das er aufgetaucht ist. Manchmal kommt es mir so vor, als werden die beiden magisch angezogen. Merlin war da, als er in Gefahr war und dann taucht er fünf Stunden früher als normal auf. Er war nie so früh zu Hause."
„Ist wie bei Merlin. Er sagt, das es ihm in den Fingern juckt, wenn er Arthur sieht. Und du hast recht. Für das, das sie sich aus dem Weg gehen wollen, treffen sie ziemlich oft zusammen."
Lance nickte nachdenklich, denn er dachte an den peinlichen Abend mit Merlin und Arthur, der wieder mal so trottelig war.
„Klar", sagte er „Das erklärt natürlich wieder sein trotteliges Verhalten gestern Abend. Das war Merlin gewesen, nicht wahr?"
„Genau. Dieser idiotische Vampir hat es mal wieder darauf angelegt. Merlin war zuerst zornig; zu Hause wirkte er eher niedergeschlagen."
Lance wollte etwas sagen, doch beide sahen zum Fenster, als die Sonne sich langsam verabschiedete und es dunkler im Zimmer wurde. Maria wollte noch nicht gehen. Am liebsten würde sie ein paar Tage hier mit Lance im Zimmer bleiben. Doch Merlin würde sich Sorgen machen, wenn sie so lange nicht nach Hause kam. Sie war zwar alles andere als schutzlos, doch trotzdem würde er sich fragen, wo sie ist. Sie seufzte wieder.
„Wir müssen bald los. Merlin wird sich fragen, wo ich bin. Er macht sich ja nicht mehr so viele Sorgen um mich, doch trotz allem würde er sich sorgen."
„Kein Wunder, das er sich nicht mehr so viele Sorgen macht. Wer mit Leichtigkeit vier mächtige Meistervampire erledigt, über den würde ich mir auch keine Sorgen mehr machen. Du bist gefährlich."
„Ach was. Nur wenn man mir mein Blut aussaugen will, dann werde ich grantig."
„Hhm...", sagte er nachdenklich „Kann ich fast verstehen, das sie wild darauf waren. Dein Blut ist wie Schokolade für mich."
Sie schaute ihn an.
„Das sagte Merlin auch. Arthur hatte mal zu ihm gesagt, das sein Blut der reinste Nektar wäre."
„Das stimmt."
„Nun...", sagte sie nachdenklich „Das sagte auch Serena. Hexenblut scheint eine Delikatesse zu sein; deshalb vertragen sich Hexen und Vampire normalerweise nicht so. Sie sind heiß auf unser Blut."
„Bin ich auch, aber jetzt auf etwas anderes."
Ohne weitere Worte rutschte er wieder zurück in eine liegende, seitliche Position und zog Maria mit sich nach unten, nah an sich. Er bewegte sich leicht hinter ihr und knetete ihre Brustwarze. Sie schloss seufzend ihre Augen, fühlte seinen harten Schwanz an ihrem Hintern. Lance bewegte sich mit seinem Unterleib, rieb sich an ihr, während er ihren Nacken küsste.
Und Maria stöhnte auf, als er von hinten in sie eindrang und sich tief in ihr vergrub. Er liebte sie zärtlich und langsam, küsste sie, als sie den Kopf drehte. Es war so gut, sich in ihrer nassen Wärme zu vergraben.
„Du fühlst dich wunderbar an", wollte er ihr mitteilen.
Maria sagte nichts. Sie genoss ihn groß und präsent in sich. Sein kühles Geschlechtsteil, das sanft in sie stieß und langsam schneller wurde. Er würde wieder in ihr kommen; sie hatte seine Nässe zwischen ihren Schenkeln gespürt und sie mochte das, das Lance sie mit seinem Sperma füllte. Angst für eine ungewollte Schwangerschaft brauchte sie bei ihrem zukünftigen Gefährten nicht zu haben. Vampire hatten einen starken Samenerguss und das jedes Mal, wenn sie kamen, denn sie regenerierten sich sofort. Doch die Zellen waren abgestorben. Vampire waren zeugungsunfähig.
Beide stöhnten auf, als sie zusammen ihre Erlösung fanden und ihre Scheide sich zusammen zog und alles aus Lance zog. Maria schloss ihre Augen, genoss das er Spuren in ihr hinterließ. Er küsste sie auf ihren Nacken; kleine zarte Küsse.
„Jetzt müssen wir leider aufstehen, kleine Hexe", sagte er nach einer Weile. Sie drehte den Kopf und zog ihn hinunter, küsste ihn und sagte an seinen Lippen.
„Ich will nicht, aber es wird uns nichts übrig bleiben."
Er lächelte und zog sich aus ihr zurück, was sie mit einem Knurren registrierte. Amüsiert stand er auf und suchte seine Kleider zusammen, als sie zähneknirschend aufstand. Mit einer Handbewegung flatterten ihre Kleider zu ihr und er sagte entrüstet.
„Na toll, ich konnte meine Sachen suchen gehen."
Maria warf ihm einen Handkuss zu und meinte dann vorwurfsvoll.
„Du bist ja auch kein Hexer, sondern ein Vampir, der verrückt nach meinem Blut ist. Du hast meine Unterwäsche zerrissen", stellte sie vorwurfsvoll fest.
„Ich kauf dir Neue", antwortete er „Und was dein Blut angeht; es ist nicht nur das. Das weißt du."
Sie sah zu ihm, während sie sich anzog.
„Ja, weiß ich, aber du musst zugeben, das es ein angenehmer Bonus dazu ist."
„Mit Sicherheit."
Als sie endlich angezogen waren, was etwas länger dauerte, weil sie sich immer wieder küssten, griff Lance an ihren Hintern.
„Macht mich richtig an, das du keine Unterwäsche trägst. Vielleicht sollte ich..."
Er sprach nicht weiter, zog sie an sich und beugte sie mit sanfter Gewalt über den Tisch, riss ihre Kleider hoch, öffnete seine Hose und drang forsch und schnell in ihre von seinem Sperma nasse Spalte ein. Sie schrie leise, als er sie heftig über dem Tisch nahm und sich fast freien Lauf gab. Er konnte nicht genug haben und erfreute sich daran, das sie seine wilden, heftigen Stöße parierte und nicht verletzlich war.
Und es würde noch dauern, bis sie hier raus kämen.
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Arthur kam am Nachmittag aus seinem Zimmer. Er hatte gebadet und sich angezogen. Es würde noch dauern, bis es Sonnenuntergang war und er wollte die Zeit nützen, um mit Lance zu reden. Wenn sie auch gestern wieder einen heftigen Streit hatten, würde er ihm trotzdem zuhören. Er klopfte an Lances Tür, doch niemand antwortete. Arthur wusste, das Lance schon wach sein würde. Er klopfte wieder. Nichts.
Er drehte sich um, als Noel zwei Türen weiter aus seinem Zimmer kam.
„Noel, ist Lance schon oben oder ist er bei dir?"
Dieser zuckte die Schultern.
„Weiß ich nicht; ich bin noch nicht oben gewesen. Bei mir ist er nicht. Außerdem du Spaßkeks, ist die Sonne noch hell und warm am Himmel. Ich glaube nicht, das Lance sich sonnen möchte."
„Aber anscheinend ist er nicht da. Er antwortet nicht."
Noel kam näher und blieb neben Arthur stehen.
„Ich wollte auch zu ihm", sagte er und klopfte wieder. Keine Antwort.
Arthur reichte es, er öffnete die Tür und trat hinein, doch der Vampir war nicht da. Noel stand hinter ihm und trat jetzt beiseite. Das Zimmer wirkte aufgeräumt; das Bett unbenutzt.
„Komisch, sieht aus, als wäre er nicht nach Hause gekommen. Sein Bett ist unberührt. Seltsam, ist eigentlich gar nicht seine Art", meinte Noel.
Arthur warf ihm einen Blick zu.
„Die Sonne scheint, wie du so schön angemerkt hast. Er kann nicht draußen sein, es sei denn..."
„Was?", fragte Noel.
Arthur schüttelte den Kopf. Er klang besorgt.
„Du hast recht, das hier ist nicht Lances Art. Solange wir zusammen sind, ist er noch nie, noch nie zu spät gekommen oder gar nicht. Da ist etwas passiert. Lance ist übervorsichtig, was die Sonne angeht. Und Jäger sind in der Stadt. Er kennt sich mit ihnen nicht so gut aus, weil er nie Risiken eingeht."
„Du denkst, das..." Noel wollte es nicht aussprechen.
Arthur ging auf und ab. Gwaine kam ihm wieder in den Sinn. Auch Arthur und Lance waren unruhig in ihrer Unterkunft auf und ab gegangen, als Gwaine nicht nach Hause kam. Und später bestätigte ihnen ein Vampir, das er gesehen hatte, wie sie ihm aufgelauert hatten und ihn...
Nein, das wollte er nicht wieder durchleben. Das konnte nicht sein. Er hatte schon einen Freund durch Jäger verloren, nicht noch Lance, der einsige Freund, der ihm geblieben ist. Noel war auch sein Freund, doch mit Lance verband ihn so viel mehr. Sie waren schon beste Freunde, als sie zusammen in die Schule gingen. Damals, als sie noch Menschen waren und nicht wussten, was für ein Schicksal für sie bestimmt war. Ihn zu verlieren, würde Arthur den Rest geben. Panisch sah er Noel an, der genauso ausschaute. Die Tatsache, das Lance nicht so ein Vampir war, der sich gerne auf Risiken einließ, machte die ganze Sache noch schlimmer. Wer immer super pünktlich war und dann nicht kam; ein Horrorszenario.
„Lance ist zu schlau für die Jäger", meinte Noel, um sich Mut zu machen. Arthur fuhr ihn an. Die Sorge um ihn ließ ihn aggressiv werden.
„Das bin ich auch, aber diese Jäger sind keine Anfänger. Das sind Profis. Sie haben mich erwischt und das soll was heißen, auch wenn ich unaufmerksam war. Anscheinend waren sie mir schon lange gefolgt, ohne gesehen zu werden. Glaube mir, das sind echte Profis und sie werden noch in der Stadt sein. Schließlich bin ich ihnen entkommen und so wie sie aussahen, werden sie das nicht akzeptieren und es wieder versuchen. Und wenn Lance..." Er sprach nicht weiter.
Einen Moment sprach niemand, bis Noel das Schweigen brach.
„Wir müssen ihn suchen", sagte Noel, der sich auch Sorgen machte. Er mochte Lance, er mochte ihn schon immer, abgesehen davon, was sie zusammen taten.
„Ja, dann geh ihn suchen, du Idiot. Die Sonne scheint. Weit kommst du nicht als brennende Fackel. Wir müssen warten", antwortete Arthur aggressiv. Er machte sich Sorgen „Wann ist Sonnenuntergang?"
„In zwei Stunden."
„Scheiße", schrie Arthur und trat gegen einen Stuhl „Verfluchte Sonne."
Noel hob die Hände.
„Beruhige dich. Ich hol dir etwas zu trinken. Wir müssen warten, ob es uns gefällt oder nicht. Wir haben keine Wahl."
Er verschwand ohne Arthurs Antwort abzuwarten und ging nach oben. Vorsichtig öffnete er die Tür und trat hinaus, achtete dabei, in den Schatten zu bleiben. Im Salon wich er einigen Sonnenstrahlen aus, schnappte die Bourbon Flasche und eilte nach unten. Arthur ging immer noch auf und ab, als Noel ihnen Drinks machte. Gläser standen in jedem Zimmer.
„Ich schwöre, ich werde diese scheiß Jäger heute Nacht jagen und sie töten. Und wenn sie Lance etwas angetan haben, werden sie darum betteln zu sterben", sagte Arthur grimmig.
„Jetzt reg dich nicht auf. Wahrscheinlich gibt es eine plausible Erklärung dafür. Vielleicht wurde er aufgehalten und suchte irgendwo anders Schutz."
Arthur sagte nichts und trank seinen Bourbon. Er hoffte, das es so war.
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Als endlich die Sonne untergegangen war und die beiden sich fertig machten, um Lance zu suchen, hörten sie, als sie im Gang des unterirdischen Gewölbe standen, wie oben die Tür geöffnet wurde. Schritte erklangen und sie drehten beide den Kopf, als Lance die Treppe herunter kam. Überrascht blieb er stehen, als er die beiden sah.
„Ist etwas passiert?"
Noel und Arthur sahen sich nur an, dann stürmte Arthur auf ihn zu.
„Wo warst du?"
„Warum?"
Arthur fuhr sich durch die Haare; er war aufgewühlt.
„Warum? Ich habe mir Sorgen gemacht. Du bist nicht nach Hause gekommen. Es war Sonnenaufgang und du warst nicht da, abgesehen davon, das Jäger in der Stadt sind."
Lance ging weiter zu seinem Zimmer. Arthur sah ihm fassungslos nach, doch dann folgte er ihm.
„Lance?"
Lance blieb wieder stehen. Nicht aus Herzensgüte, aber er hörte einen verzweifelten Ton in Arthurs Stimme. Er hatte sich wirklich Sorgen gemacht. Etwas, was Lance nicht erwartet hatte; zumindest bei seinem jetzigen Gefühlschaos. Er drehte sich um.
„Ich war mit Maria zusammen; den ganzen Tag", sagte er jetzt „Es tut mir leid, wenn du dir Sorgen gemacht hast. Das war nicht eingeplant, sonst hätte ich Bescheid gesagt."
Arthur nickte.
„Ist gut. Ich hatte mir nur Sorgen gemacht. Aber ich bin froh, das du wieder hier bist."
Lance nickte und schaute ihn einen Moment an, dann drehte er sich um und wollte in sein Zimmer. Danach ein Bad nehmen und dann auf die Jagd gehen . Doch Arthur rief.
„Ich muss mit dir reden."
Er drehte sich wieder um.
„Jetzt?"
Er nickte. Lance wartete mit seiner Antwort, doch dann nickte er. Obwohl sie sich im Moment nicht gut verstanden, war er doch sein bester Freund und er konnte ihn nicht vollständig ignorieren. Eigentlich wollte er das auch gar nicht. Er war immer bestrebt gewesen, Arthur zu unterstützen, doch im Moment kam er nicht an ihn heran. Lance hatte sich immer Sorgen um den blonden Tausendsassa gemacht. Arthur ging sein Leben lang schon Risiken ein und später, als er starb und ein Vampir wurde, war es nicht besser.
Als Mensch ritt er wie der Teufel, ging Risiken ein, das er stürzte. Schwamm zu weit hinaus ins Meer und so weiter. Und als Vampir? Er dachte oft an die vielen Male, in denen er auf und ab gegangen war, weil Arthur wieder ein Wettrennen mit der Sonne spielte. Oder hinter Jägern her war, die er ausschalten wollte. Oft kam er auch nicht nach Hause, verbrachte den Tag irgendwo anders. Arthur war impulsiv, wurde leicht aggressiv und war unbeständig. Alles, was Lance nicht war und deshalb immer auf ihn achtete. Doch was hatte er jetzt vor? Reden? Über was?
„Na gut. Aber wenn du wieder blöd machst, dann..."
„Nein, werde ich nicht. Ich verspreche es."
Lance ging weiter und Arthur folgte ihm, bis er die Tür seines Zimmers schloss.
„Du und Maria habt..."
„Ja, sie ist meine Gefährtin. Noch nicht wirklich, aber bald."
„Ich freue mich für dich", sagte Arthur aufrichtig „Für euch beide."
Lance legte seinen Mantel ab und fragte.
„Nun, was willst du jetzt mit mir bereden?"
„Merlin."
Lance schaute ihn an. Was auch sonst? Um Merlin drehte sich Arthurs ganze Welt, ob er ihn beleidigte, verletzte oder reizte. Merlin war Arthurs Obsession. Sie konnten nicht zusammen sein, aber auch nicht ständig getrennt. Und sie konnten nicht loslassen, beide nicht. In fünfhundert Jahren würden sie immer noch gegenseitig hinter dem anderen her sein. Und leiden. So etwas hatte Lance noch nie erlebt.
„Was ist mit ihm?"
„Ich...", Arthur knetete seine Hände unruhig „Ich weiß nicht mehr weiter. Alle scheinen mich zu verurteilen, selbst mein eigener Clan. Ich kann nicht klar denken und mache Dinge, die ich eigentlich gar nicht tun will."
Lance schnaubte.
„Und das wundert dich wirklich? Arthur, so wie du dich aufführst, wirst du jeden in die Flucht schlagen. Und am Schlimmsten trifft es Merlin. Ich sage nur gestern Abend. Was ist nur in dich gefahren? Der Mann rettete dein Leben und du hast nur Hohn und Spott für ihn übrig gehabt. Was ist nur los mit dir? Du liebst diesen Mann. Und er rettete dich aus dem gleichen Grund und du sagst nicht mal ein armseliges danke?"
Arthur breitete die Arme aus; es sah hilflos aus.
„Aber er ist so abweisend und distanziert und das macht mich wütend. Was will er? Das ich vor ihm krieche und ihn anbettle? Das kann ich nicht. Du weißt, das ich vor niemanden krieche und bettle. Ja, mag sein, das ich arrogant bin, doch ich werde mich nicht so erniedrigen. Niemals."
Lance goss sich von seinem Wodka ein, zeigte mit dem Glas auf Arthur, doch der schüttelte den Kopf.
„Vielleicht brauchst du das gar nicht. Merlin wartet wohl darauf, das du vernünftig wirst. Was denkst du, warum er noch in Mailand ist? Maria sagte, das sie viel reisen, das heißt, das ihn nach dem Opernball eigentlich nichts mehr hier hält. Und trotzdem ist er noch hier. Und bestimmt nicht wegen mir. Was denkst du denn, warum?"
„Wegen mir?"
„Deine Auffassungsgabe spricht für dich, Arthur", sagte Lance spöttisch.
„Aber...Aber er geht mir aus dem Weg."
„Klar, würde ich auch tun, so wie du dich benimmst. Wie der letzte Arsch."
Arthur seufzte.
„Was soll ich nur tun, Lance. Irgendwie gleitet mir alles aus der Hand. Ich will doch nur, das er mich akzeptiert und nicht immer die Flucht ergreift, wenn ich komme. Und ich weiß nicht, wie ich es richten kann. In solchen Dingen bin ich nicht gut."
Lance sah ihn einen Moment an. War jetzt der Augenblick gekommen, in dem Arthur wieder anfing in normalen Maßstäben zu denken? Hatte das Erlebnis, das er beinahe starb doch etwas in ihm ausgelöst? Niemand wäre glücklicher als Lance, wenn endlich Normalität in ihr Haus einziehen würde. Doch es war wohl schwierig für Arthur, eine Brücke zu schlagen. Das war wirklich nicht sein Ding. Lance nahm wieder untypisch Luft.
„Ich würde sagen, versuche mit Merlin zu reden. Er wird dich nicht abweisen, wenn du das richtig machst. Unterlasse deine Arroganz und rede normal mit ihm; spricht euch aus. Und Arthur, du weißt, was Merlin will. Wenn du dich mit ihm einlässt, dann sind andere tabu. Du solltest darüber nachdenken, was du willst, bevor du dich entscheidest."
„Ich will Merlin."
Lance nickte.
„Gut, dann versuche es. Er kann nicht mehr sagen als nein, aber das glaube ich nicht."
„Aber ich kann ihn nicht finden. Es ist wie verhext. So groß ist Mailand auch nicht. Doch er ist nicht auffindbar."
Lance nickte nachdenklich und sah ihn an. Arthur wirkte verzweifelt. Und klar, verhext traf es so ungefähr. Maria sagte ihm, wenn Merlin nicht gefunden werden will, dann findet ihn niemand.
„Also gut, ich helfe dir", sagte Lance „ Ich werde Maria bitten, das sie ihn fragt, ob er einem Treffen zustimmt. Aber ab dann, falls er zustimmt, bist du auf dich gestellt. Vermassle es nicht noch einmal."
Arthur nickte.
„Danke, Lance. Es...Es tut mir leid wegen gestern. Ich wollte eigentlich nicht so..."
Er winkte ab.
„Schon gut. Verschwinde jetzt, ich will baden."
Arthur ging und Lance schaute noch lange die Tür an. War das ein Traum? Arthur schien vernünftig zu werden. Das erste vernünftige Gespräch mit ihm nach langer Zeit.
Vielleicht würde doch noch alles gut werden.
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Zwei Tage später saß Merlin in dem kleinen, aber schicken Salon und las ein Buch, als Maria schon spät herein kam. Sie hatte sich mit Lance getroffen und in einem Cafe geredet. Danach waren sie noch etwas spazieren gegangen, diesmal in der Stadt. Schauten sich Schaufenster an und hatten Spaß; fast ein normales Pärchen, das sich den Abend versüßte. Nur waren sie weit davon entfernt, jemals normal zu sein. Ein Vampir und eine Hexe. Allein, das sie schon ein Liebespaar waren, würde mancher Hexe die Haare zu Berge stehen lassen. Hexen hassten in der Regel Vampire und Vampire mochten sie zum Beißen gerne.
Eine ungleiche Liebe; wenn man es mal spaßig sagte, denn normalerweise bekämpften sie sich, wenn sie sich trafen. Wenn sie schon nicht normal waren, was das anging, was sie für Wesen waren, dann war diese Liaison noch weiter entfernt von normal.
Sie schüttelte den Kopf, als sie in den Salon trat.
„Du sitzt nur hier zu Hause. Warum gehst du nicht aus?"
Merlin sah von seinem Buch auf.
„Heute nicht", war seine kurze Antwort. Er lächelte sie an.
„Und hattest du Spaß?"
„Wenn du meinst, das wir im Bett gelandet sind, dann nein. Wir waren in einem Cafe und danach spazieren. Diesmal in der Innenstadt mit viel Licht und Leute."
Merlin sah sie verwirrt an, denn Maria hatte ihm den Vorfall mit den Vampiren und das Lance die Wahrheit wusste, noch nicht erzählt. Sie wollte abwarten, bis der richtige Zeitpunkt war. Merlin würde bestimmt ausrasten, aber sie beschloss es ihm jetzt zu sagen.
„Was meinst du damit?", fragte er. Diese Frage hatte sie erwartet und nahm Luft. Na gut, dann los.
„Es...", begann sie „Es gab vor drei Tagen einen Vorfall. Lance und ich waren in diesem kleinen Park am Ende der Stadt spazieren. Er war so nervig wegen Arthur und ich dachte, das ein kleiner, ruhiger Spaziergang ihm gut tut. Nur war er alles andere als ruhig."
Okay, sie hatte seine ganze Aufmerksamkeit, denn er legte das Buch weg und stand auf. Gemütlich ging er zur Bar, um sich einen Drink zu machen, während er sagte.
„Okay, rede weiter."
Sie nahm Luft.
„Wir blieben stehen und küssten uns und plötzlich tauchten vier fremde Vampire auf. Sie waren plötzlich da. Meistervampire sagte Lance mit sehr viel Macht; also schon älter."
Jetzt nicht mehr.
„Was wollten sie?"
„Och, nichts Besonderes. Sie überwältigten Lance, fesselten ihn an einen Baum und wollten mich vögeln und danach aussaugen."
Merlin, der gerade an seinem Drink nippte, verschluckte sich. Er hustete und ein Teil Brandy landete auf dem Boden, als er sich immer noch nach Luft schnappend umdrehte.
„Was?" Es klang piepsig.
Maria eilte zu ihm und klopfte ihm auf den Rücken, doch er schlug ihre Hand weg.
„Lass das, mir geht es gut."
Sie trat zurück und ließ ihm einen Moment Zeit. Schließlich drehte er sich um zu ihr.
„Ist das dein Ernst?"
„Ja. Wieso denkst du, ich erzähle dir hier Märchen? Wäre doch idiotisch, oder?"
„Dann erzähl mal weiter und ich ahne schon Schlimmes."
Sie winkte ab.
„War gar nicht schlimm. Sie wollten mich und hätten nach mir Lance getötet. Das konnte ich nicht zulassen."
„Natürlich nicht. Lass mich raten? Du hast sie mit dem magischen Feuer verbrannt?"
Sie grinste.
„Jep und danach Lance mit einem Fingerschnippen von den Fesseln befreit. Du siehst, es ist eigentlich nichts passiert. War eine Sache von mehreren Minuten. Nur...", sie verzog das Gesicht „Lance hat alles gesehen und ich habe ihm gesagt, was wir sind."
Merlin starrte sie an, sagte nichts. Bis Maria genervt sagte.
„Jetzt sag doch was oder schreie herum."
„Scheiße", zischte er „Das ist das einzige Wort, was mir dazu einfällt."
„Ich hatte keine Wahl. Sie oder wir und es war ja klar, was ich tun würde. Ich wählte mich und Lance."
Merlin schnaubte.
„Natürlich. Alles andere kam nicht in Frage", er nahm Luft „Na toll, dann weiß es Arthur auch schon", sagte er etwas frustriert.
„Eben nicht", grinste sie „Er wird es ihm nicht sagen."
„Warum sollte er das tun?"
„Weil ich ihn darum gebeten habe und weil er es nicht sagen will. Unser Geheimnis ist sicher."
Merlin grummelte was und goss sich einen neuen Brandy ein, doch bevor er trank, drehte er sich um und schaute sie grimmig an.
„Sonst noch etwas, bevor ich trinke? Ich will hier nicht ersticken. Hast du noch irgendwelche Hiobsbotschaften auf Lager?"
Sie lachte.
„Eine, aber die wird dir gefallen, Arthur will dich sprechen."
Eine Bombe könnte keine größere Wirkung haben, denn Merlin erstarrte in der Bewegung und sah sie fassungslos an. Was kam jetzt?
„Wie bitte?"
Sie hob die Arme und ließ sie mit einem Seufzer wieder fallen.
„Komm schon, Merlin. Du hast mich sehr gut verstanden. Der Mann, den du liebst und ein kompletter Volltrottel ist, will dich sehen. Lance sagte, das er sich mit dir aussprechen will. Er scheint endlich zur Vernunft zu kommen."
„He? Das ist ein Witz, ja?"
Sie kam auf ihn zu.
„Nein, er will dich sehen und du sollst in ihr Haus kommen. Er will nur reden."
„Nur reden? Was soll denn der Spruch? Denkt er, das ich mit ihm eine Kuschelstunde mache?"
„Was bist du denn so grantig? Arthur lenkt ein und du reagierst mit Zorn?"
„Ich glaub nicht daran, das er einlenkt. Bestimmt macht er mir ein Angebot, so nach dem Motto...Wenn du mein Gefährte wirst, schlafe ich nur jeden zweiten Tag mit jemanden anderen", antwortete er sarkastisch „Arthur und aufgeben? Das passt nicht zu ihm."
„Du bist aber auch wirklich furchtbar", schimpfte Maria „Das wolltest du doch. Du wolltest, das er einlenkt. Und wenn er es nicht tut, dann kannst du ja immer noch verschwinden. Aber versuche nicht vorher schon die Katze im Sack verrückt zu machen. Hör dir doch erst mal an, was er zu sagen hat. Danach kannst du immer noch entscheiden, was du tust."
Ganz so einfach war das nicht, wie Maria das darstellte. Merlin war ihm aus einem bestimmten Grund aus dem Weg gegangen. Und genau aus diesem Grund wollte er auch nicht mit ihm reden, als er verletzt auf diesem Sofa wach wurde. Wenn Arthur ihn ansah, dann warf er alles, was er sich vorgenommen hatte, über Bord. Deshalb konnte er auch nie lange auf dem Ball in seiner Gesellschaft sein.
Jetzt trank Merlin erst seinen Brandy; den der brauchte er jetzt. Sollten all seine Wünsche jetzt in Erfüllung gehen? Sollte Arthur endlich einlenken? Er glaubte das nicht; das war zu einfach. Er war versucht nein zu sagen, denn er kannte Arthur. Er war niemand, der so leicht einlenkte, nicht er. Doch wenn er ablehnte, würde er wohl nie wissen, ob sie eine Chance hätten. Merlin war unsicher. Vampire kannten sich mit Spielchen aus. Und er wollte nicht Arthurs Spielball werden.
„Was jetzt?", fragte Maria „Treffen oder kein Treffen?"
„Ich weiß nicht", sagte er endlich „Das geht mir zu schnell. Die ganze Zeit war er ein arrogantes Arschloch und nun gibt er klein bei? Das ist nicht Arthurs Art, glaube mir, ich kenne ihn. Da steckt doch bestimmt etwas dahinter."
Maria verdrehte die Augen.
„Ach was. Du spinnst doch. Man könnte fast glauben, du hättest eine Paranoia."
„Bei Arthur wäre das nicht verwunderlich", meinte er.
Sie schüttelte den Kopf.
„Das denke ich nicht. Sieh mal, nach diesem Desaster im Park sind Lance und ich im Bett gelandet. Das war auch schnell und hatte sich gelohnt. Hör dir doch an, was er zu sagen hat. Wenn er dir dumm kommt, kannst du immer noch gehen. Doch du solltest nicht ablehnen."
Merlin lächelte grimmig.
„Das Problem dabei ist, das ich vielleicht nicht gehen will, egal was er sagt oder tut. Wenn ich ihn ansehe...", er seufzte „Ich weiß nicht, ob ich standhaft bleiben kann. Ich vermisse ihn so sehr und sehne mich nach ihm. Der Gedanke, das er so nah ist und doch unerreichbar, macht mich wahnsinnig."
„Vielleicht muss das nicht mehr sein. Vielleicht ist er vernünftig geworden, aber du wirst es nie herausfinden, wenn du jetzt ablehnst. Also? Was soll ich Lance sagen?"
Merlin dachte nach. Warum eigentlich? Was wollte er sich vormachen; natürlich würde er hingehen. Manchmal war er auch ein Idiot.
„Na gut. Morgen Abend in ihrem Haus. Aber sage Lance, das ich gehe, wenn er wieder so blöd macht. Und das ich keine Zuschauer möchte."
„Keine Sorge", winkte sie ab „Sie werden alle unterwegs sein; bis auf Arthur. Lance wird dafür sorgen, das ihr beide allein seid."
„Und du bist sicher, das Lance den Mund hält? Und nichts über uns sagt?"
„Ja."
Maria wusste, das Lance hielt, was er versprach. Eine Art an ihm, die sie sehr schätzte. Ihr Vampir war liebevoll und aufmerksam, dachte sehr vernünftig und blieb überwiegend ruhig, im Gegensatz zu Arthur. Dazu sah er noch sehr gut aus und war, wie sie inzwischen wusste, eine Offenbarung im Bett. Und sie liebte und vertraute ihm.
Merlin kam näher und blieb vor ihr stehen.
„Wie hat er reagiert, als du ihm gesagt hast, was du bist?", fragte er jetzt ruhiger, aber neugierig.
Sie lächelte.
„Zuerst war er geschockt, weil ich vier Meistervampire in Asche verwandelt habe; danach hatte er Angst", sie lachte „Okay, ich machte ihm etwas Angst. Ich fand das witzig, mit dem Feuer vor seinen Augen herumzuspielen."
Er grinste.
„Böse Hexe", tadelte er.
„Und dann hat er gesagt, er liebt mich, egal was ich bin und letztendlich haben wir uns die Seele aus dem Leib gevögelt. Die ganze Nacht. Es war ein aufregender Abend gewesen mit Gefahr, Drama, ein paar Leichen und unglaublichen Sex."
Merlin schüttelte den Kopf.
„Du bist unmöglich."
„Nein, ich bin eine Hexe, die man nicht reizen sollte; zumindest nicht so", grinste sie „Und jetzt nehme ich ein langes, heißes Bad. Und danach werde ich ins Bett gehen", sie seufzte „Leider allein. Gute Nacht, Brüderchen."
Sie hüpfte wie ein junges Mädchen aus dem Zimmer und die Treppe hoch. Merlin sah ihr grinsend nach. Nichts mehr ist übrig geblieben von dem scheuen Mädchen, das so leicht errötete, wenn ihr ein junger Mann auf dem Ball ein Kompliment machte.
Sie hatten sich verändert. Ja, aber Maria viel mehr als er. Sie genoss es wirklich eine Hexe zu sein und das sie nicht mehr schwach und hilflos war. Und sie genoss ihre Sexualität, was eigentlich nicht so üblich in dieser Zeit für junge Mädchen war. Auch wenn sie das nicht mehr war, sah sie dennoch so aus. Doch Merlin sah es jetzt als selbstverständlich, das sie ihr eigenes Leben lebte. Er genoss seine Macht auch, aber war oft nicht so unverschämt wie sie. Frauen eben, wenn er an das Haus voller Hexen in New Orleans dachte. Kein Wunder, das es dort immer rund ging und Mord und Totschlag war, wenn sie sich stritten. Er beneidete Serena nicht um die Führung.
Er drehte sich um und ging zurück in den Salon und wurde ernst. Morgen Abend würde er Arthur gegenüber stehen und sein Herz klopfte in seiner Brust. Konnte es wirklich wahr sein? Würde sich Arthur seinetwegen ändern? Er hoffte es so sehr und doch blieb da ein Zweifel.
Und sollte es wirklich so sein, würde er ihm nicht ohne Vorbehalt in die Arme stürzen. Er hatte ihm viel angetan und er würde nicht sofort nachgeben. Doch, wenn er ehrlich war, traute er sich nicht. Ja, gut. Er sagte jetzt, das er ihn zappeln lassen würde, doch Merlin wusste nur zu gut; wenn er ihm in diese schönen, blauen Augen sah, würde er schwach werden.
Und wieder einmal stellte er entsetzt fest, wie viel Macht dieser Vampir über ihn hatte. Er war ein mächtiger Hexer, gutaussehend, so das er keine Schwierigkeiten hatte, Bekanntschaften zu machen. Er hatte genügend Geld und Einfluss und könnte jeden haben, den er wollte.
Und doch, wenn er in Arthurs Augen sah und der Vampir ihn berührte, würde er das alles ohne mit der Wimper zu zucken aufgeben.
Diese Macht, die er über Merlin hatte, machte ihm Angst.
„Bloß nichts anmerken lassen", sagte er leise zu sich selbst „Sei stark und stolz."
Er kicherte.
Wem wollte er eigentlich etwas vormachen? Sich selbst?
Wieder lachte er vor sich hin und wenn ihn jemand sehen würde, der würde glauben, das er verrückt war. Er machte sich einen Brandy und schaute das braune Getränk an.
Ob es half, wenn er sich morgen richtig betrinken würde? Wahrscheinlich nicht, denn dann wurde er immer sehr anlehnungsbedürftig.
Er seufzte und trank einen Schluck. Daran zu denken, das er morgen ein Treffen mit dem Mann hatte, für den er sterben würde, ließ sein Herz rasen, wie bei einem Teenager, der sein erstes Date hatte. Scheiße, er konnte es drehen und wenden wie er wollte...
Er war diesem blonden, schönen, arroganten Vampir verfallen.
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Dunkles Schicksal
FantasiNach dem Tod seiner Eltern, die von Vampiren getötet wurden, wird der junge spanische Graf Merlin del la Vega zum Jäger. Sein Hauptmerkmal ist ein vermögender, hoch angesehener Vampir, den er für den Mörder seiner Eltern hält. Erbittert jagt er ihn...