Dunkles Schicksal Kapitel 9

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Dunkles Schicksal


Kapitel 9



Arthur hatte mit seiner Annahme nicht so unrecht.

Merlin saß grüblerisch auf seiner Terrasse. Es war ein heißer Tag und er saß im Schatten seines gepflegten Gartens, dessen Schönheit er nicht sah. Er trank einen Schluck Eistee, während er in Gedanken war. Natürlich dachte er über das Gespräch mit diesem Vampir nach.

Er hatte ihm erzählt, das es Vampire waren, die nicht hier lebten. Russland... ja, das war weit weg. Er schüttelte den Kopf, denn er konnte es nicht glauben, das russische Vampire seine Eltern getötet hatten. Was hatten sie hier zu suchen, so weit weg von ihrer eigentlichen Heimat?

Sie wollten angeblich dem Winter entkommen, doch Merlin dachte sich eher, das es ihnen Spaß machte, in anderen Länder zu wüten und Familien auseinander zu reißen. Er erinnerte sich noch gut daran, wie seine Mutter lächelnd erzählt hatte, das sie heute Abend in die Oper gingen. Sie liebte das so sehr und sein Vater wollte ihr eine Freude machen.

Doch an diesem Abend hatte er sie ein letztes Mal gesehen, als sie sich im Foyer fertig machten, um zu fahren. Bis später hatte seine Mutter lächelnd gesagt und ihn auf die Wange geküsst.

Es gab kein später mehr. Sie kamen nie mehr zurück.

Und das alles, weil irgendwelche Vampire aus Russland sie töteten, indem sie beide aussaugten. Seine Eltern waren wunderbare Menschen gewesen. Adlige, die von der eigentlichen Gesellschaft abwichen, indem sie sich für mehr interessierten als nur für sich selbst. Ja, sie wahrten die höfliche Etikette, doch zu Hause waren sie seine Mutter und sein Vater. Und die Schicksale anderer Menschen waren ihnen nicht völlig egal.

Er nahm Luft. Nein, diese Vampire würden nicht entkommen, das hatte er sich geschworen. Geschworen am Grab seiner Eltern, in Gedanken, weil er seine weinende Schwester im Arm hatte. Maria nahm es sehr schwer, sie aß tagelang nichts und verließ nicht ihr Zimmer.

Wieder nickte er in Gedanken.

Ja, sie hatten viel Leid über seine Familie gebracht und sie würden das büßen. Er wusste, das es gefährlich war, vor allem wenn diese Vampire alt waren. Merlin wusste nicht, was es damit auf sich hatte, das sie stärker wurden, wenn sie alt waren. Eigentlich wusste er sehr wenig über sie. Sie waren untot und tranken Blut, man konnte sie mit einem Pfeil oder Pfahl ins Herz töten. Und Sonnenlicht war absolut tödlich. Aber das war es schon, was er über sie wusste.

Es war klar, das er nach Moskau reisen würde, seine Freunde reisten auch durch die Welt. Waren mal hier und mal dort. Noch eine Reise, dann würde er sich um das Problem hier kümmern. Arthur. Er war auch einer dieser Kreaturen, doch er sagte, das sie nicht alle gleich waren. Okay, er wollte nicht vorschnell urteilen, aber Fakt war eben, das er auch ein Vampir war, ein verdammt attraktiver Vampir, der Merlin in Versuchung führte.

Er musste dorthin reisen, sonst fand er keine Ruhe und seine Eltern auch nicht. Er wusste natürlich, das er vielleicht getötet wurde, aber das Risiko musste er eingehen.

Er stand auf und ging hinein. Er würde heute Abend aufbrechen, es reiste sich leichter, wenn es nicht so heiß war. Es war mörderisch am Tage zu reisen, zumindest im Moment, denn auch sein Pferd hätte mit der Hitze zu kämpfen. Er würde keine Kutsche nehmen, über die Straßen war es noch weiter und zu reiten? Ja, er konnte querfeldein reiten und im Freien übernachten. Er nickte wieder und ging hinein, um Maria das beizubringen. Er hatte schon eine Geschichte zurecht gelegt.

Sie saß in der Bibliothek und schrieb Briefe an ihre Freundinnen, die teilweise in anderen Städte lebten. Als er eintrat, sah sie auf und lächelte.

„Ist zu heiß draußen, nicht?"

„Ja...Maria, kann ich etwas mit dir bereden?"

„Sicher doch", antwortete sie und legte die Feder weg „Was ist los?"

„Ich muss eine Weile weg; geschäftlich und es wird dauern."

„Wohin?"

„Moskau."

„Moskau? Aber das ist in Russland. Was willst du denn dort?"

„Ich habe dort geschäflich zu tun, du würdest es nicht verstehen um was es geht. Aber es wird uns viel einbringen. Ich werde wohl sehr lange weg sein, der Weg ist weit und ich werde mich dort einige Zeit aufhalten. Es ist wichtig für uns, sonst würde ich diese Reise nicht antreten."

Sie nickte.

„Dann wirst du lange weg sein. Ja, ich verstehe, ist ja ziemlich weit weg."

Er kam näher.

„Wirst du klar kommen?"

Sie schaute ihn erbost an.

„Sicher, ich bin ja kein kleines Mädchen mehr. Natürlich komme ich klar, es wird nur sehr einsam sein ohne dich."

Er kam noch näher.

„Maria, deshalb hatte ich heute Morgen eine Verabredung mit Senior Mardena. Du wirst bei Carmen in der Stadt wohnen, solange ich nicht da bin. Ich denke, das du gerne mit Carmen zusammen sein möchtest, oder nicht?"

Merlin kannte sich zu gut, obwohl er noch nicht sicher war, das er reisen würde, hatte er doch schon für Maria vorgesorgt. Zumindest wäre er nicht losgezogen und hätte sie allein hier gelassen. Er wollte, das sie sicher war und gut versorgt, denn er würde lange weg sein. Also sprach er mit Carmens Vater heute Morgen, als er in der Stadt war. Er sagte zu ihm, das er noch nicht sicher war, doch eigentlich war klar, das er reisen würde. Unbewusst, obwohl er sich eigentlich noch nicht entschieden hatte, machte er alles klar. Soweit zu nicht sicher.

Sie nickte lächelnd, denn die Aussicht mit Carmen öfter zusammen zu sein, gefiel ihr. Zumal sie ein schönes Haus in der Stadt hatten mit großem Garten und was noch wichtiger war, in der Stadt. Manchmal war es doch sehr einsam hier draußen.

„Ja, das wäre wirklich toll. Ich mag auch ihre Eltern."

Merlin war erleichtert, das Carmens Vater sofort zugestimmt hatte, denn er wollte sie nicht alleine hier draußen lassen. Der Verwalter würde alles weiterführen, bis er nach Hause kam. Und Carmen freute sich auch, ihre beste Freundin bei sich zu haben. Aber er sagte.

„Aber keine Ausflüge in die Stadt am Abend und bleib bei Dunkelheit im Haus, hörst du?"

„Ja", sagte sie genervt „Ich verspreche es. Mein Gott, du tust ja gerade, als würden Monster in der Stadt leben."

„Nein, aber es gibt auch schlechte Menschen, Maria", antwortete er, obwohl sie mit ihrer Annahme ja nicht falsch lag.

„Und keine heimlichen Treffen im Garten mit diesem...Kerl oder anderen Kerlen."

„Das ist Geschichte, Merlin. Du kannst dich auf mich verlassen. Ich mag ein Mädchen sein, doch bin ich in der Lage, auch mal allein klar zu kommen. Und ich bin ja nicht allein, Senior Mardena ist ja da und Carmen, auch ihre Mutter. Und du wirst den Sommerball verpassen. Wirst du mir schreiben?"

„Sicher. Und Maria, halte dich von Arthur fern und andere seines Schlages. Ich will nicht, das er dich verletzt."

Und was den Ball anging, darauf konnte er verzichten. Und Senior Mardena hatte ihm versprochen auf Maria zu achten wie auf seine eigene Tochter. Wichtig war ihm nur, das sie nicht mehr in die Nähe von Arthur kam oder anderen seiner Spezies. Er hatte ihr nichts getan, aber könnte sich das nochmal überlegen. Außerdem war er ein Vampir und Blut seine Priorität, vielleicht könnte er sich nicht beherrschen oder sonst was. Merlin wusste ja eigentlich nicht viel über Vampire.

„Ich sagte schon, das ist vorbei", sagte sie bestimmt „Wann willst du aufbrechen?"

„Heute Abend und ich werde reiten, mit der Kutsche dauert es noch länger."

Sie nickte und stand auf, kam auf ihn zu und nahm seine Hände.

„Pass auf dich auf, Merlin. Ich will dich nicht auch noch verlieren."

Er zog sie in seine Arme.

„Versprochen und ich werde zurückkommen."

Das war nicht garantiert, doch er wollte zurückkommen, allein schon wegen Maria. Er ließ sie los und nahm ihre Hand.

„Alles klar dann?"

Sie nickte.

„Dann gehe ich mal packen, wann fahre ich in die Stadt?"

„Senior Mardena wird um sechs eine Kutsche schicken."

Maria lächelte.

„Okay, dann muss ich mich beeilen. Bis später."

Sie küsste ihn auf die Wange und verließ das Zimmer. Merlin schaute ihr nach, froh darüber, das sie es nicht so schwer nahm und das sie gerne zu Carmen ging. Er hätte keine Ruhe gehabt, wenn sie allein auf der Plantage geblieben wäre. Merlin wusste, das es für ein junges Mädchen hier draußen sehr einsam war, aber Maria lebte gerne hier. Es war und ist ihr Elternhaus. Merlin verließ die Bibliothek und begann mit seinen Reisevorbereitungen.


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Am frühen Abend verabschiedete sich Maria von Merlin und sie war bemüht nicht zu weinen. Er lächelte, den sie weinte bei Abschiede meistens. Wahrscheinlich wollte sie ihrem großen Bruder zeigen, das sie erwachsen geworden ist. Merlin hatte alles mit seinem Verwalter geregelt. Er war im Moment beschäftigt, die Orangenernte hatte begonnen. Merlin hatte seine Sachen gepackt, nicht viel. Was er eben auf dieser Reise brauchte. Ein Zelt und Dinge für im Freien zu schlafen und natürlich Geld. Er würde Dörfer aufsuchen, dort konnte er auch essen und Proviant einkaufen und vielleicht ab und zu ein Zimmer nehmen.

Er kam die Treppe herunter, gekleidet in einfachen Hosen, Hemd und einen langen Mantel. Er war dunkelgrau und würde ein wenig den Regen abhalten. Maria stand im Foyer und lächelte, als sie seine Hände nahm.

„Versprich mir vorsichtig zu sein."

„Natürlich, ich bin ja kein kleiner Junge und weiß mich zu verteidigen."

Sie lächelte wehmütig, er würde eine sehr lange Reise machen. Doch sie war alt genug um alleine klar zu kommen und sie war stolz, das Merlin ihr durchaus zutraute, das sie das konnte. Er beschützte sie immer, doch nun ließ er sie eine lange Zeit allein und sie würde ihn nicht enttäuschen.

„Sieh zu, das du genug zu essen hast und einen Platz zum Schlafen und schreib mir."

Er lächelte.

„Du hörst dich an wie Mutter."

Maria lächelte traurig, sie war auch immer so besorgt gewesen, wenn ihre Familie auf Reisen ging. Sein Vater musste auch manchmal reisen und das lief meistens so ab wie jetzt. Er zog sie in seine Arme, nicht sicher sie wiederzusehen und schluckte.

„Pass du auch auf dich auf und ich werde bald wieder hier sein."

Sie nickte und hatte Tränen in ihren Augen, als er sie los ließ. Merlin nickte ihr noch einmal aufmunternd zu, dann drehte sie sich um und verließ das Haus. Wenn sie jetzt nicht ging, würde sie nie gehen. Maria stieg in die Kutsche, ihr Gepäck war schon verstaut und lächelte Merlin zu, der am Eingang stand. Sie freute sich, Zeit mit Carmen zu verbringen und doch fiel ihr der Abschied schwer. Er nickte ihr lächelnd zu und hob die Hand, winkte als die Kutsche losfuhr. Merlin schaute ihr nach, bis sie nicht mehr zu sehen war. Das Maria in Sicherheit bei der Familie ihrer besten Freundin war, beruhigte ihn.

Er drehte sich um und begann sich für seine Reise fertig zu machen. Der Stalljunge führte seinen Hengst vor das Haus. Und etwas später kam Merlin heraus, seine Sachen schon auf seinem Pferd gepackt. Er sprach noch mit seinem Verwalter, ein guter Mann, dem sein Vater schon vertraute. Er hatte hier alles im Griff, ein älterer Mann, der wie Merlin schien schon ewig sein Anwesen verwaltete.

„Machen sie sich keine Sorgen, Senior. Ich kümmere mich um alles hier und ich wünsche ihnen eine gute Reise. Ihr Vater wäre sehr stolz auf sie."

Merlin nickte ihm zu und stieg auf sein Pferd. Er nickte seinem Angestellten wieder zu und drehte um, galoppierte zum Tor hinaus.

Seine lange Reise begann und war hoffentlich von Erfolg gekrönt.



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Merlin war in die Stadt geritten, er hatte am Morgen, als er sich mit Carmens Vater traf zuvor seine Waffen bereit gemacht, die er jetzt mitnahm. Und er zog seine schwarzen Sachen an und den grauen Mantel. Es war schon dunkel und er befestigte die Armbrust an seinem Sattel, steckte viele Pfeile ein und zwei Pfahle. Schwert, Messer waren selbstverständlich. Und natürlich eine Pistole. Vampire waren nicht die einzigste Gefahr da draußen, Menschen waren auch gefährlich. Er dachte an Arthurs Worte, das er Monster gesehen hatte und es Menschen waren.

Er schaute zum Himmel, an dem die Sterne langsam zu sehen waren und packte noch ein paar Dinge in seine Satteltaschen. Er schaute sich um, als er auf sein Pferd stieg, niemand war auf der Straße. Es war Abendbrotzeit und alle schon oder noch zu Hause. Merlin war in einem der normalen Vierteln, in denen die Menschen wohnten, die Arbeit hatten. Es lag nur durch eine Brücke entfernt von den Armenvierteln. Merlin stieg auf und trabte Richtung Stadtgrenze.

Er verließ die Stadt und ritt auf dem Weg Richtung Madrid. Es war eine klare Nacht und der Mond spendete ein wenig Licht, doch es war angenehm in der Kühle der Nacht zu reisen. In Gedanken versunken schreckte er hoch, als sein Hengst unruhig schnaubte. Merlin suchte die Gegend ab und kniff die Augen zusammen, als jemand auf einem Pferd mitten auf dem Weg stand.

Merlin griff nach der Pistole und ritt langsam weiter auf die Person zu. Von weitem konnte er nur sehen, das er dunkel gekleidet war und auch sein Pferd war dunkel, das unruhig auf dem Weg tänzelte. Und dann, als er nah genug war, riss er sein Pferd zurück, das den Kopf hochwarf und starrte ungläubig die Person an.

Das durfte doch nicht wahr sein. Hier mitten im Weg saß auf einem rabenschwarzem Pferd jemand, den er kannte und mit dem er überhaupt nicht gerechnet hatte. Und der ihn so mir nix dir nix anlächelte, als wären sie gute Freunde und hätten sich hier verabredet. Es war niemand Geringeres als...

Arthur.

Das war der verdammte Vampir. Was wollte er hier, ihm auflauern? Merlin ritt weiter auf ihn zu, seinen Arm lässig nach unten, in der er die geladene Pistole hielt. Er zögerte nicht, wäre ja noch schöner, wenn er Angst hätte. Lieber würde er sich seinen eigenen Pfahl in sein Herz rammen, bevor er dieser Kreatur Angst zeigen würde. Als er nah genug heran geritten war, fragte der Vampir lächelnd, schien sich wieder zu amüsieren.

„Auf Reisen?"

Wie zum Teufel wusste er, das er aufbrach nach Moskau? Beschattete er ihn? Dementsprechend fuhr er den Vampir an.

„Was geht dich das an? Verschwinde, bevor ich dir eine Kugel verpasse."

Arthur lächelte immer noch, unbeeindruckt von seiner Drohung.

„Das wäre weiter nicht so schlimm, doch meine Kleidung wäre dann voll Blut. Das wäre mir allerdings sehr unangenehm."

Merlin starrte ihn wortlos an, nicht sicher, ob er lachen oder schreien sollte. So ein Idiot! Seine Kleidung wäre voll Blut. Ist wohl seine einzigste Sorge, falls Merlin auf ihn schießen würde. Manchmal beneidete er den Vampir wirklich. Sie waren nicht so verletzlich wie Menschen. Er hatte recht, eine Kugel konnte ihm nichts anhaben, Menschen schon. Trotzdem wollte er wissen, was er hier zu suchen hatte.

„Was...willst du?", fragte Merlin kalt.

„Ich werde dich auf dem Weg nach Moskau begleiten."

Er sagte das so locker, als wäre das schon beschlossen. Merlin starrte ihn ungläubig an. Was ging denn jetzt ab? Er war sein Feind und wollte ihn begleiten? Er dachte wirklich, er hatte sich verhört. Arthur schaute ihn immer noch grinsend an, wahrscheinlich amüsiert über sein Gesicht, das er wohl gerade machte. Endlich reagierte er.

„Was!?"

Arthur wurde ernst. Er hatte natürlich Merlin beschatten lassen, um zu wissen wann er aufbrach. Im Gegensatz zu Merlin brauchte er nicht viel, außer Geld. Nahrungsschwierigkeiten würde er nicht haben, musste allerdings am Tag im Dunklen verweilen. Das hieße dann, das sie nachts reisten und tagsüber ruhten, aber das...das musste er seinem unerbittlichen Jäger jetzt beibringen.

„Du reist doch nach Moskau? Ich war mir eigentlich sicher, das du diese Angelegenheit nicht auf sich beruhen lässt. Habe ich recht?"

Merlin nahm Luft. Das er schlecht drauf war, wäre eine Untertreibung. Dieser Vampir war frech und unverschämt, dazu noch arrogant und machte sich anscheinend nichts aus seinen Drohungen. Welcher Vampir begleitete einen Jäger, der die Absicht hatte, ihm das Licht auszublasen? Endlich antwortete er.

„Ja, aber nicht in Begleitung eines Vampirs. Verschwinde, bevor ich meine Waffen an dir teste und ich habe verdammt viele dabei. Du solltest deine Existenz genießen, denn wenn ich zurückkomme, dann bist du der Nächste."

Arthur, der ziemlich unbeeindruckt von seiner Drohung war, spornte sein Pferd an und ritt neben ihn, so das er ihm gegenüber war. Merlin spannte den Hahn seiner Waffe. Sie würde ihn nicht töten, doch ihn eine Weile außer Gefecht setzen, hoffte Merlin. Und dann wären seine Befürchtungen, was das Blut auf seiner Kleidung angeht wahr. Diese Gedanken hallten sarkastisch in seinem Kopf.

Arthur schaute ihn jetzt ernst an und sprach eindringlich.

„Merlin, du hast keine Chance ohne mich an Alexej heranzukommen. Ich möchte dir helfen. Betrachte es als eine Kooperation zwischen Jäger und Vampir", doch jetzt lächelte er Merlin an und in seinen Augen waren grüne Schlieren zu sehen. „ Die einzige, die wohl jemals stattfinden wird ohne das einer als Leiche endet."

Merlin schaute ihn missbilligend an. Das war wohl ein Scherz?

„Du? Das ich nicht lache. Du hast doch etwas vor. Warum solltest du mir helfen wollen? Ich hätte dich beinahe getötet und was noch wichtiger ist...ich werde es noch tun."

Arthur antwortete, während er mit seinem Arm ausschweifte.

„Ja ich, siehst du hier noch jemanden? Ich kenne den Vampir, wir hatten eine...nun ja, eine gemeinsame Vergangenheit. Du hast wesentlich bessere Chancen mit mir", er lächelte „Du warst nicht annähernd an...beinahe, mich zu töten. Denkst du, das es so leicht wäre? Ich bin nicht einfach zu töten, aber du kannst es gerne wieder versuchen."

Merlin lachte bitter.

„Na klar. Ich soll mit einem Vampir reisen, der mir bei nächster Gelegenheit das Blut aussaugt? Wir sind alles andere als Freunde fürs Leben. Und ich denke, das es Dummheit wäre, wenn du es nicht versuchen würdest. Schließlich hättest du deine Ruhe, wenn ich ins Gras beiße."

Arthur nahm Luft, obwohl er das nicht brauchte. Er dachte an Lance, der wohl recht behielt, das Merlin ihn nicht mitreisen ließ. Er sprach weiter, etwas zornig. Denn er hatte sich das leichter vorgestellt. Was hatte er sich eigentlich vorgestellt? Das Merlin freudig ja gesagt hätte? Seine Augen färbten sich etwas grüner, was nicht Blut verursachte, sondern sein Gemütszustand.

„Ich könnte das Gleiche sagen, das du mir bei nächster Gelegenheit einen Pfahl durch mein Herz rammst", antwortete Arthur hart „Aber ich werde dich nicht anrühren. Du brauchst mich, wenn du Alexej stellen willst, glaube mir. Dazu kommt, das ich mich gut in Moskau auskenne und auch ihre Verstecke kenne und die Geflogenheiten der russischen Vampire. Ich könnte dir wirklich hilfreich sein. Also...", er machte ein entschlossenes Gesicht „Können wir unsere Angelegenheiten jetzt mal zurückstellen und darüber hinwegsehen?"

Merlin schaute ihn einen Moment an. Was er sagte...ja, das konnte sehr hilfreich sein. Und er hatte Merlin das Leben gerettet, eigentlich zwei Mal. Das wäre unsinnig, wenn er ihn danach töten wollte, das hätte er beim ersten Mal auch tun können. Doch was anderes machte ihm Sorgen.

„Woher weiß ich, das du nicht mit dem anderen Vampir unter einer Decke steckst? Ich weiß ja nicht, wie du zu anderen Vampiren stehst, erst recht wenn du ihn kennst."

Arthur grinste.

„Gar nicht. Du musst mir schon vertrauen. Ich kann dir nur sagen, das Alexej auch nicht mein Fall ist. Im Grunde genommen unterscheiden wir uns nicht so sehr von Menschen. Es gibt Vampire, die wir mögen und welche, die wir nicht mögen und Alexej gehört zu denen, die ich nicht mag."

Merlin lachte.

„Vertrauen? Das war wohl der Witz des Tages. Du bist ein verfluchter Vampir."

Arthur grinste wieder.

„Und deine Eintrittskarte in Alexejs Reich. Du wirst ihn niemals finden, wenn er nicht gefunden werden will. Und Menschen kommen gar nicht an ihn heran, denn...", er wurde ernst „Sie sind tot, bevor sie ihn überhaupt sehen. Du hast keine Ahnung von diesem Vampir. Du denkst, ich wäre ein Monster? Wenn du Alexej jemals kennenlernst, wirst du eine andere Definition haben, was ein Monster ist."

Merlin schaute ihn immer noch etwas fassungslos an, doch war er hin und her gerissen. Natürlich wäre er eine Hilfe, wenn er sich dort gut auskannte und die Vampire von früher kannte. Er war noch nie in Moskau gewesen, wusste nichts davon. Die Stadt war groß und er fremd. Doch mit einem Vampir zu reisen, den er eigentlich töten will, fand er genauso seltsam und er suchte unbewusst nach Ausreden.

„Ich reise am Tag. Das wird für dich eine kurze Reise, Vampir."

„Wirst du nicht. Nicht wenn ich mitkomme."

Er kannte Merlin ein wenig und er musste ihn provozieren. Er wusste, das Merlin ihm gegenüber niemals zugeben würde, das er Angst hatte. Auch in der Nacht als er Merlin am Hals hatte, zeigte er ihm nicht seine Angst, obwohl er wusste das er sterben würde. Doch Arthur hatte sie gerochen. Er hatte Angst gehabt, aber niemals gezeigt. Nun gut.

„Was ist? Angst vor dem so bösen Vampir?", spottete Arthur.

Merlin schnaubte abfällig.

„Nein."

Arthur lächelte siegessicher.

„Na also, dann wäre das geklärt. Wollen wir dann los? Die Nacht dauert nicht ewig", antwortete er locker und drehte sein Pferd um.

Merlin schaute ihn ungläubig an. Was zum Teufel hatte er nur vor? Er glaubte nicht einen Moment daran, das er ihm helfen wollte. Aber was war dann der Grund? Ihn töten? Das hätte er zweimal haben können, einmal mit ihm selbst und einmal durch die Halunken. Nein, das war es mit Sicherheit auch nicht.

Andererseits war er aus der Stadt und aus Marias Reichweite. Merlin hatte sich schon Gedanken gemacht wegen dem Sommerball. Sie hätte ihn dort mit Sicherheit getroffen und vielleicht hätte Arthur wieder angebandelt. So war er weit genug von ihr weg. Allein das war schon ein Grund zuzustimmen.

Arthur beugte sich etwas vor zu ihm, anscheinend war Merlin noch nicht so überzeugt.

„Ich weiß, das du mir nicht vertraust und das du mich hasst. Aber trotzdem werde ich das Risiko eingehen. Du auch...Jäger?"

Merlin lenkte mit der folgenden Aussage ein und Arthur wusste, das er gewonnen hatte.

„Ich werde dich töten, wenn ich merke, das du das ausnützt. Das werde ich so oder so."

„Ja, ja...ich weiß", es klang beiläufig desinteressiert, fand Merlin „ Aber können wir das verschieben bis wir wieder da sind? Wenn du Alexej und seine Bande getötet hast, kannst du dich ganz auf mich konzentrieren. Hat doch etwas, oder?"

Merlin schüttelte den Kopf, er konnte das nicht begreifen.

„Du tickst doch nicht ganz richtig. Sprichst über deinen Tod als wäre das ein Spaß."

Arthur grinste.

„Kann passieren nach etlichen Jahrhunderten, denn der Tod hat nach Ewigkeiten seinen Schneid verloren. Haben wir einen Deal?", wollte er jetzt wissen.

Merlin ging wieder schnell das für und wieder durch. Aber ausschlaggebend waren die Fakten, das er Maria fern war und er sich in Moskau gut auskannte. Er nickte.

„Bis Alexej und seine Bande tot sind."

Arthur nickte auch und wiederholte.

„Bis Alexej und seine Bande tot sind."

Merlin trieb sein Pferd an und Arthur schaute ihm triumphierend lächelnd nach. Er hatte es geschafft und Merlin war einverstanden, das er ihn begleitete. Diese Wette hatte Lance verloren. Und er schwor sich, das er die kampflose Zeit mit Merlin nützen würde. Er wollte Merlin mit so einer Macht, das er sich langsam fragte, ob er sich verliebt hatte. Und alles würde jetzt offen sein.

Er trabte neben ihn und schaute ihn an, doch Merlin sah nach vorne. Verdammter, kleiner, sturer, attraktiver Jäger. Ignorierte ihn einfach und Arthur lächelte vor sich hin.

Das würde Zeit brauchen und die hatten sie auf der langen Reise genug.


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Sie ritten eine Zeit lang schweigend nebeneinander und Arthur amüsierte sich, weil Merlin die Waffe schussbereit in seiner Nähe hatte. Er hatte die Wahrheit gesagt, das würde ihm nicht schaden, doch seine Kleidung mit Blut befleckt, bis sich die Wunde schloss. Das wäre in der Tat unangenehm.

„Ich denke, du kannst die Pistole wegpacken. Wenn ich dich töten wollte, hätte ich es beim ersten Mal getan oder zugesehen wie diese üblen Kerle es tun. Und auf Dauer ist es anstrengend, eine Pistole mit angespanntem Hahn in der Hand zu halten, oder nicht?"

Merlin antwortete nicht, doch Eins zu Null für ihn. Das hätte er wirklich tun können, aber tat es nicht. Es wäre unsinnig, wenn er jetzt die Absicht hätte. Aber er wusste einfach nicht, warum der Vampir ihm nichts tat und ihm nun seine Hilfe angeboten hatte. Er packte die Pistole weg und schaute den Vampir grimmig an.

„Denk nur nicht, das ich es wegen deiner Aussage gemacht habe. Ich kann dich immer noch töten."

„Ich habe auch schreckliche Angst", antwortete Arthur amüsiert.

„Sind alle Vampire Idioten?", fragte Merlin bissig.

Arthur lachte leise.

„Wie bei Menschen auch, Volltrottel und normale Vampire. Was erwartest du denn, wenn man ewig lebt? Manchen hat es das Gehirn ausgebrannt...nach einigen Jahrhunderten. So wie bei Alexej."

Merlin nickte leicht; er war wirklich neugierig wie alt Arthur war. Für Menschen war es unbeschreiblich, wie das wohl sein würde, wenn man Jahrhunderte überdauerte. Und er sah nicht älter als er selbst aus. Ja, das Ganze war vielleicht nicht so schlecht. Er würde mehr über Vampire erfahren und vielleicht auch, wo Arthur her kam. Für einen Jäger bekam er Informationen aus erster Hand und er fragte sich, was seine Jägerfreunde denken würden, das er mit einem Vampir reiste.

Er schüttelte den Kopf, nein, eigentlich wollte er nicht darüber nachdenken, was sie davon halten würden. Sie sprachen nicht mehr, doch nach Stunden hielt Merlin sein Pferd an und schaute zum Himmel. Es würde bald die Sonne aufgehen. Sie waren mitten in der Wildnis und Merlin schaute sich um.

„Was ist?", fragte Arthur.

Merlin schaute ihn etwas ungläubig an.

„Was ist? Die Sonne geht bald auf und du reitest seelenruhig hier neben mir. Hast du denn kein Zeitgefühl?"

Arthur lachte, denn Lance sagte das immer zu ihm.

„Und? Es ist noch Zeit."

Merlin stieg ab.

„Ich wundere mich, das es dich noch gibt. Scheinst das ja sehr locker mit der Sonne zu nehmen. Dahinten ist eine Höhle, wir werden dort rasten und ich muss etwas schlafen."

Arthur stieg ab, während er sagte.

„Ich spüre, wenn der Sonnenaufgang nah ist, so quasi ein Vampirsinn für die Gefahr. Aber ich freue mich sehr, das du auf mich achtest."

„Tue ich nur, weil du mir Vorteile bringst. Wäre das nicht so, würde ich mit dir sehr gerne in den Sonnenaufgang reiten", gab Merlin bissig zurück.

Er nahm sein Pferd und führte es in die Höhle. Arthur schaute ihm nach und lächelte, schaute zum Himmel, wo im Osten schon der helle Schein, der der Sonne voraus ging zu sehen war. Er nahm die Zügel und folgte Merlin in die Höhle. Es war spät, doch er wollte das ihm gegenüber nicht zugeben. Eigentlich hatte Lance recht, er forderte die Sonne immer heraus.

Nachdem sie die Pferde abgesattelt hattten, machte sich Merlin ein Lager. Er war müde, obwohl er sich sehr unwohl fühlte jetzt zu schlafen. Er traute Arthur nicht; er hatte versprochen, ihn nicht anzurühren. Doch Merlin wusste nicht, was ein Versprechen bei Vampiren galt. Er schaute zu, wie Arthur sein Lager auf der anderen Seite bereit machte und fragte.

„Musst du nicht trinken?"

Arthur drehte sich um und schaute ihn amüsiert an.

„Sollte die Frage nicht heißen...hast du Hunger? Nein, habe ich nicht. Ich war jagen bevor wir aufgebrochen sind. Also kannst du beruhigt schlafen, ich werde dich nicht anrühren. Das sagte ich schon."

„Und was tust du?"

Arthur drehte sich wieder nach ihm um.

„Für einen Vampirjäger weißt du verdammt wenig über diejenigen, die du jagst. Also gut! Auch wenn ich tot bin, muss ich einige Stunden ruhen, muss danach nur im Dunklen verweilen. Und wenn der Jäger, der mein Reisegefährte ist nicht durchdreht, werde ich auch nicht als Asche aufwachen."

Merlin warf ihm einen vernichtenden Blick zu und legte sich auf sein Lager. Er nahm den Pfahl und den Dolch und legte ihn neben sich, murmelte etwas.

„Wie bitte?"

„Ich sagte, das du ein Idiot bist und komm mir nicht zu nah, sonst drehe ich vielleicht durch."

Arthur grinste und legte sich hin, doch er sagte noch.

„Ähm...und noch etwas. Ich werde aussehen als wenn ich tot wäre, während ich ruhe. Also keine Panik, wenn ich nicht reagiere."

„Du bist tot, falls du es noch nicht bemerkt hast", belehrte ihn Merlin grimmig.

„Ich meine, das Vampire in einen todesähnlichen Schlaf fallen und sie dann sehr ungeschützt sind und nicht aufwachen bis die Zeit gekommen ist", sprach Arthur weiter, ohne auf seinen Kommentar einzugehen.

„Soll das ein Wink mit dem Zaunpfahl sein, das du leichter zu töten bist?"

„Mein Freund sagte, das du die erste Gelegenheit dazu nützen wirst."

Merlin drehte sich um nach ihm, schaute ihn einen Moment an. Arthur traute ihm nicht, aber er musste ruhen, sowie Merlin schlafen musste. Sie kämen beide nicht weit ohne Ruhe, der Weg war anstrengend. Doch Merlin war ein Ehrenmann und würde sein gegebenes Wort nicht brechen, es sei denn, er griff ihn an.

„Du hast mein Wort, sowie ich Deines habe. Wir haben einen Deal. Also...ich stehe zu meinem Wort, kann sein das ich mich irre und ich morgen tot sein werde. Aber ich denke nicht, das du dein Wort brichst,Vampir."

„Nein, dann wäre das geklärt."

„Bis Alexej tot ist", antwortete Merlin „Gute Nacht."

„Besser guten Morgen, es ist Sonnenaufgang",sagte Arthur.

„Halt jetzt deinen Mund, Vampir und fall in deinen Schlaf, ich will schlafen."

Arthur grinste und legte sich hin, schloss seine Augen. Er ging in die Ruhephase, obwohl ihn Lance gewarnt hatte, es in Anwesenheit des Jägers zu tun. Aber aus irgendeinem Grund vertraute er Merlin.


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Merlin wachte als Erster auf. Er hatte nicht gut geschlafen, quasi immer mit einem offenen Auge. Dementsprechend fühlte er sich auch. Er sah auf die Uhr, es war früher Nachmittag und das helle Licht schien am Höhleneingang. Er schaute zu dem Vampir, der bleich da lag, wie ein Toter. Merlin schaute zu dem Pfahl und dachte wie leicht es jetzt wäre, ihn zu töten.

Doch er hatte sein Wort gegeben und sein Vater wäre nicht sehr stolz, wenn er dieses jetzt brechen würde. Er sagte immer, das es ehrenlos wäre, sein Wort nicht zu halten. Er seufzte und stand auf, kramte in seiner Tasche. Er brauchte jetzt einen starken Kaffee. Also stand er auf und ging nach draußen, kam mit Holz zurück. Er stapelte es und machte ein Feuer. Bald zog angenehmer Kaffeegeruch durch die Höhle. Merlin schenkte sich ein und stand auf, schaute wieder zu dem Vampir, der sich nicht bewegt hatte und auch nicht atmete. Er lag da wie tot.

Langsam ging er mit seinem Kaffee in der Hand zu ihm rüber. Einen Moment schaute er ihn an, dann bückte er sich neben ihn. Seltsam. Er konnte sich nicht vorstellen, das er bald wieder lebendig war, so wie er da lag. Merlin hatte schon Tote gesehen, sie unterschieden sich nicht von Arthur, nur das dieser wieder aufwachte.

Merlin streckte die Hand aus, zögerte, doch dann strich er ihm über seine Wange. Sie fühlte sich kühl an und sein Gesicht wirkte wie Marmor, wunderbare Haut und er strich mit seinem Blick über Arthurs Gesicht, seine ebenmäßige Wangenknochen. Er bemerkte, das er keinen Bartwuchs hatte, seine Haut glatt wie bei einem Baby und diese schönen geschwungenen Lippen. Er betrachtete sein goldblondes Haar, das immer noch gut frisiert war, er bewegte sich ja nicht im Schlaf. Merlin strich sachte durch das weiche Haar und nahm Luft.

Du lieber Gott, dieser Mann war schön. Ein anderes Wort fiel Merlin nicht ein. Und ein verdammter Vampir. Das Schicksal konnte grausam sein, denn er musste dieses schöne, attraktive Wesen töten, anstatt ihn zu küssen und so alles mit ihm anzustellen, was Merlins Fantasie hervorbrachte. In Gedanken versunken saß er über Arthur, als dieser die Augen aufschlug und...

Er sprang in Vampirgeschwindigkeit auf und stand ein Augenzwinkern später an der gegenüberliegenden Wand. Merlin war so erschrocken, das er zurücksprang und sein Kaffee über ihn schwappte. Er stand auf und sah ärgerlich an sich herunter.

„Na klasse. Ich hätte ihn lieber getrunken."

„Was...Was hattest du vor?", fragte Arthur misstrauisch.

„Nichts, ich wollte sehen ob du wach bist. Der scheiß Kaffee, der jetzt an meinem Hemd hängt ist fertig. Falls du so etwas trinkst", antwortete er sauer und schaute ihn an.

„Denkst du wirklich, ich hätte so lange gewartet dich zu töten, wenn ich das gewollt hätte? Dann wärst du schon lange Asche."

„Tut mit leid. Ich schätze, ich bin es nicht gewöhnt, das jemand neben mir ist, wenn ich aufwache. Und erst recht kein Jäger."

„Ich denke, du hast einen Freund."

Arthur kam näher.

„Ja, aber wir schlafen nicht zusammen. Er...Er ist nur mein bester Freund."

Merlin zog sein Hemd aus und Arthur schaute ihn an. Er war schlank, wenig Haare auf der Brust und fast so weiß wie er selbst. Nur sein Gesicht und seine Arme waren von der Sonne gebräunt. Arthur schluckte und schaute weg, am liebsten würde er ihn packen und mit ihm den praktischen Teil des Kamasutras durchgehen. Als Merlin ein frisches Hemd angezogen hatte, goss er sich wieder Kaffee ein und sah Arthur an, der nickte. Er reichte ihm einen Becher rüber, während Arthur zum Höhlenausgang schaute.

Die Sonne fühlte er in seinem Inneren, das ihn warnte zu nah an den Ausgang zu gehen. Merlin folgte seinem Blick und er war neugierig.

„Vermisst du sie?"

„Die Sonne?", fragte Arthur und setzte sich ihm gegenüber. Er schüttelte den Kopf.

„Nein, ich habe vergessen wie es sich anfühlt. Für mich ist sie jetzt mein größter Feind. Ich habe auch vergessen, wie die Welt am Tag aussieht. Einige Fetzen sind noch übrig, aber die Nacht gehört mir. Wir sind Kreaturen der Nacht und ziehen einsam durch die Jahrhunderte."

„Ist ja fast rührselig", sagte Merlin sarkastisch „Ich habe leider die Taschentücher vergessen."

Arthur schaute ihn böse an.

„Ich sagte schon mal; du hast keine Ahnung. Urteile nicht über etwas, was du unmöglich nachvollziehen kannst", machte er Merlin an „Du mit deinem armseligen Leben, das gerade mal siebzig Jahre dauert, wenn du Glück hast. Du weißt nicht annähernd, was es heißt Jahrhunderte zu durchwandern und alles hinter dir zu lassen, was sterblich ist."

„Dann steh doch auf und gehe etwas in der Sonne spazieren, wenn dir das alles zuviel ist. Und jammere mir nicht den Kopf voll, wie einsam dein Leben ist", er hob einen Finger „Oh...stimmt ja, du lebst ja nicht."

„Hättest du wohl gerne, was? Du bist ein Arsch und so voller Vorurteile."

„Ehrlich? Ja, dann hätte ich endlich Ruhe, wenn du da draußen bruzzeln würdest."

Arthur stand auf, seit sie zusammen ritten, stritten sie nur wie ein altes Ehepaar. Merlin hatte nicht ein freundliches Wort für ihn, dementsprechend war Arthur drauf. Er fuhr ihn an, wollte ihn auch verletzen.

„Du hättest keine Ruhe. Erst wenn du uns alle vernichtet hast. Einmal Jäger, immer Jäger. Du denkst, du bist der Erste, den ich treffe? Weit gefehlt, mein Lieber, nur die anderen atmen nicht mehr."

Merlin stand auf und warf ihm einen zornigen Blick zu.

„Soll ich mich jetzt geehrt fühlen, das ich es noch tue. Du bist ein..."

„Was?"

„Ein arroganter Vollidiot", sagte Merlin sauer und stampfte auf den Ausgang zu mit den Worten.

„Kannst mir ja folgen, wenn du dich weiter unterhalten willst", und ging nach draußen. Arthur schaute ihm grimmig nach und rief.

„Scheiß Jäger! Ich hätte dich diesen Kerlen überlassen sollen."

Er fuhr sich durch die Haare, denn Merlin wich ihm aus, indem er in den sonnigen Nachmittag ging. Und er konnte nicht dorthin. Der erste Tag lief nicht wie erwartet. Aber was hatte er eigentlich erwartet? Merlin hasste Vampire, sie hatten ihm viel genommen. Er würde sich nicht nach einem Tag freundlich zeigen.

Arthur hatte keine Geduld. Zumindest lebte er noch nach seiner Ruhephase und Lance hatte auch damit unrecht. Merlin gab sein Wort und er war ein Ehrenmann. Und Arthur wollte ihn und je abweisender er war, um so mehr zog es ihn zu ihm.

Geduld. Er musste Geduld haben und sich langsam herantasten. Merlins Vorurteile, was Vampire anging war tief verwurzelt. Er seufzte und setzte sich wieder. Er musste hier verweilen bis die Sonne unterging, dann würden sie weiterziehen.

Dunkles SchicksalWo Geschichten leben. Entdecke jetzt