Dunkles Schicksal
Kapitel 41
Sethos zog Merlin in Lances Haus, der immer noch unbeteiligt wirkte. Was immer er mit ansehen musste, war wohl so schrecklich, das er eine Zeit lang brauchte, diesen Horror loszuwerden. Es war spät und bald war Sonnenaufgang. Er war sehr schnell geflogen, doch in all der Zeit hatte Merlin kein Wort gesagt. Zu hören, was Arthur getan hatte und es zu sehen, war ein gravierender Unterschied. Und das aus der ersten Reihe, denn er saß nah genug, um in allen blutigen Einzelheiten alles mitzubekommen. Sethos wunderte sich nicht. Merlin war ein Mensch, dazu noch hochwohlgeboren und sicher aufgewachsen. Er mochte Vampire niedergestreckt haben, doch solche Grausamkeiten kannte er nicht oder besser gesagt, sah er noch nie. Und das ausgerechnet der Mann dies alles tat, denn er geliebt hatte, gab dem Ganzen einen gewaltigen Touch Horror.
Die Vampire sahen das anders. Natürlich waren Lance und Sethos, sowie alle anderen nicht begeistert, was Arthur getrieben hatte. Sethos kannte das. Er machte schließlich viertausend Jahre nicht nur einen friedlichen Ringelblumentanz und Kaffeekränzchen. Er hatte schon mehr verstümmelte Körper gesehen, als es jemals jemand sehen würde. Damals auf den Schlachtfeldern, als Breitschwerter, Lanzen und Äxte grauenhafte Verstümmlungen hinterließen. In allen Epochen und Länder hatte er in Kriegen gekämpft oder gegen seine Rasse, die durchgeknallt waren und Amok liefen. Und Psychopathen gab es nicht nur bei Vampiren, Menschen konnten auch grausam sein. Zudem waren sie Vampire. Blut gehörte zu ihrem Leben, das Elixier, das sie am Leben hielt. Der Anblick von Blut und was damit her ging, ekelte sie nicht an, wie es Menschen anekelte, die teilweise ohnmächtig wurden, wenn sie Blut nur sahen. Blut war ihre Droge zur Macht und natürlich fanden sie es nicht in Ordnung, wenn es verschwendet wurde. Wenn jemand nur verstümmelte und sich nicht daran labte.
Merlin war weiß im Gesicht, tiefe Ringe unter den Augen und noch immer Arthurs grausames Lächeln vor seinen Augen, als er den beiden ihre Innereien entnahm. Dazu kam die lange Einzelhaft, schlechtes Essen und wenig Schlaf. Und die Anspannung nicht zu wissen, wie das Ganze ausgehen würde. Das Arthur ihn ohne Reue ausgesaugt und ihn zu einem Vampir gemacht hätte, wäre nicht Sethos aufgetaucht. Das alles steckte in ihm, vor allem diese Folter. Das schmatzende Geräusch von Blut und Masse, wenn es mit der dicklichen, roten Flüssigkeit auf den Boden klatschte, die Schreie der Gequälten würde für immer in seinen Ohren hallen. Es war der blanke Horror. Er sprach nicht, registrierte alles nur am Rande. Merlin hatte sich komplett in sich zurückgezogen und die Alptraum Bilder folterten ihn. Lance kam ihnen entgegen, ein kleines Lächeln huschte über seine Lippen, als er Merlin sah. Verschwand aber wieder, als er bemerkte, in welchem Zustand er sich befand.
Sethos wirkte müde, als er sagte.
„Kannst du ihn in einem der oberen Schlafzimmer unterbringen? Er ist gelinde gesagt etwas neben der Spur. Das Ganze hatte ein blutiges Ende."
Er nickte und rief nach zwei seiner Menschen, die Merlin nach oben begleiteten und sich um ihn kümmern würden. Der Mensch hatte keine Einwände und ging schweigend mit. Die beiden betraten den Salon und Lance schenkte Sethos einen Bourbon ein, sich selbst Wodka. Sie tranken stillschweigend, bis Lance fragte.
„Du fliegst erst heute Abend zurück?"
„Ja, es ist zu spät", er seufzte „Und wenn ich ehrlich bin, brauche ich etwas Ruhe und Blut. Im Eiltempo von Sevilla nach Helsinki und wieder zurück und das mit Begleitung ist schon anstrengend. Dazu kommt noch, das ich dort aufräumen musste, nachdem ich einen Größenwahnsinnigen zur Strecke bringen musste."
„Einer der Jungs kann dir später Blut geben."
Er nickte. Sethos wusste, das Lance vor Neugier platzte, hielt sich aber aus Respekt zurück. Schließlich sagte er.
„Wir haben ihn. Er hat alle Vampire dort getötet, einschließlich Tatjana. Wir kamen zu spät, aber nicht für Merlin. Er war im Begriff gerade zu verschwinden, mit Merlin. Nicht auszudenken, wenn wir ihn verpasst hätten. Ich habe nicht lange herum gefackelt und Anchar hatte recht gehabt. Ohne sie hätte ich ihn nicht bezwingen können. Diese...Zeitgabe ist eine verflucht teuflische Gabe, damit konnte er locker Tatjana besiegen. Was er wohl auch tat und mir wahrscheinlich zum Verhängnis geworden wäre, ohne Anchar."
„Ihre Gabe ist ja auch nicht gerade zu verachten und auch selten", sagte Lance und schaute aus dem Fenster.
„Es gibt für alles einen Gegensatz. Sonst wäre vieles nicht ausgewogen. Das Gesetz der Natur", antwortete Sethos „Ich habe alle Spuren verwischt und natürlich hat er sich wieder mal ausgetobt. Die Werft glich einem Schlachthaus und Merlin hat es nicht gut verkraftet. Er ist traumatisiert."
Lance drehte sich geschockt um, schaute ihn einen Moment ohne Worte an. Merlin war keiner der verweichlichen Adligen, die umfielen, wenn sie sich in den Finger schnitten. Doch wenn er so reagierte, dann wusste Lance, das es schlimm war.
„Er hat Tatjana getötet? Eine Ratsherrin?", er stöhnte gequält auf. Es war schlimmer.
Der ältere Vampir kam zwei Schritte näher und blieb vor dem Tisch stehen.
„Ja und sie starb nicht angenehm. Er hat sie bei lebendigen Leib ausgeweitet. Und noch ein anderer Vampir, der seine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. Die anderen wurden alle geköpft. Ich vermute alles Meistervampire. Arthur hat mit dieser Zeitgabe eine verflucht gefährliche Gabe für alle. Er kann jeden töten, der in seiner Zeitfalle sitzt, abgesehen davon wie alt und mächtig sie sind. Zumindest die Meistervampire hatten einen relativ angenehmen Tod, was man von den beiden nicht behaupten kann. Doch es ist vorbei und nicht rückgängig zu machen. Wir haben Merlin, lebend wenn auch etwas verstört und wir haben Arthur. Mission beendet mit einem blutigen Abschluss."
Lance schluckte und goss sich mehr Wodka ein. Am liebsten hätte er sich die Flasche an den Hals gehängt. Einen Moment sprachen sie nicht. Lance schaute auf sein Glas und sagte leise.
„Warum hatte ich damals in Rom solche Angst, das ich dies wieder erlebe?", sagte er, ohne den Blick zu heben „Als hätte ich in die Zukunft geschaut", er schüttelte den Kopf „Wann hört es jemals auf? Dieses scheiß ewige Leben wird zu einem Höllenritt. Verflucht wandeln wir über diese Erde, müssen sehen wie Freunde und Liebste dahinwelken und sterben. Und dabei sehnen wir uns auch nur nach etwas Beständiges. Etwas, was wir festhalten können. Doch alles löst sich in der Zeit auf und wir bleiben allein zurück."
Er schnaubte abfällig und trank mehr.
„Kein Wunder, das wir irgendwann alle durchdrehen."
Sethos schaute ihn mit ausdrucksloser Miene an. Er hatte den jungen Meistervampir noch nie so gesehen, aber von Arthur gehört, wie er sein konnte. Das er ewig jammerte und sein Leben nach Plan gestaltete. Das er Arthur weis machen wollte, das sie verflucht sind. So ein Schwachsinn. Sethos war auch lange allein, bis er seine Gefährtin fand, doch er sah seine Existenz nicht als Fluch. Zeit hatte einen andere Bedeutung für sie und man fand Gefährten nicht nach zwei Wochen. Manchmal musste man tausend Jahre warten, wie er. Sie waren dreitausend Jahre schon ein Paar, mit Höhen und Tiefen wie bei allem. Das passierte auch Vampiren, erst recht, wenn sie so lange zusammen waren, das Menschen das gar nicht begreifen konnten.
Menschliche Paare gingen sich schon nach einigen Jahren ihrer Lebensspanne auf die Eier. Sie hatten schon Probleme ein normales Menschenleben zusammenzubleiben. Nicht alle, aber viele. Was würden sie tun, wenn das über dreitausend Jahre wäre? Doch da er viel unterwegs war und Anchar auch nicht zu Hause sitzen blieb, sahen sie sich als fünfzig Jahre nicht. Für Menschen hörte sich das erschreckend an, doch für Vampire war das, als ginge der Mann morgens auf die Arbeit und kam am Abend zurück. Zeit war relativ.
„Arthur drehte nicht deshalb durch. Das weißt du genau", sagte er jetzt etwas vorwurfsvoll „Was soll denn das dumme Gerede jetzt? Arthur drehte nicht durch, weil er einsam war und die Schnauze voll hatte."
Und was sollte jetzt diese Weltuntergangsstimmung? Es war zwar noch nicht alles im grünen Bereich, aber deshalb musste man jetzt nicht am Boden zerstört sein. Und Sethos wusste, was Arthur meinte, als er von Lance erzählte und das er nach einem Plan lebte. Zwei Uhr dreißig Jagd, vier Uhr Heimkehr. Und das er ihm ewig Vorwürfe machte, das Arthur gerne lange ausging und sich amüsierte. Das er versuchte, ein einigermaßen normales Leben zu führen, soweit das möglich war. Und manchmal Risiken einging. Na und? Er war unsterblich. Fast. Einzig die Sonne würde nicht lange fackeln.
Sethos tat das auch, hatte es oft genug getan. Normal für Vampire, sie waren nicht anfällig für Verletzungen. Er hatte gerade ein Risiko auf sich genommen, indem er Arthur fand und all das vertuschte. Wenn man ihn damit in Verbindung brachte, wäre das sein Untergang. Doch Sethos tat es, weil er es für richtig hielt und dachte nicht weiter darüber nach. Tatjana war tot. Und weiter? Jeder war ersetzbar. Es war nur wichtig, das niemand je herausfand, wie sie den Abgang machte. Er wurde aus seinen Gedanken gerissen, als Lance weitersprach.
„Nein, aber hatte es nicht damit angefangen, das er Zuflucht in diesem scheiß Clan suchte, weil er einsam war? Und damit die ganze Scheiße angefangen hatte? Das ist es doch, was ich sagte. Wir sind einsam, suchen Gesellschaft, Freunde, Liebe. Doch wir können es nicht festhalten. Stattdessen traf er einen abartigen Psychopathen und damit nahm das Unglück seinen Lauf. Und sieh dir Merlin an. Seine Abscheu steht ihm ins Gesicht geschrieben. Der Mann ist geschockt. Ich sagte bereits, das wir auf seine Hilfe nicht hoffen können. Er ist ein Mensch und solch ein Anblick von Blut und Bösartigkeit setzt ihm zu."
Er lachte bitter.
„Wir haben im Laufe unseres unsterblichen Lebens öfter Leichen gesehen. Und wir kennen den Anblick von Blut. Es ist normal für uns, während Menschen sich angewidert abwenden. Sie wissen nicht, das der Hunger nach Blut auch ein Fluch sein kann."
Sethos sah ihn an, doch Lance war so im Selbstmitleid gefangen, das ihm entging, das er langsam zornig wurde. Sethos war müde und eigentlich dauerte es lange, bis ihn etwas zornig machte. Wenn man so lange lebte, wurde man gegenüber vielen Dingen gleichmütig, doch Lance mit seinem Gejammer erweckte in ihm seinen Zorn. Und das war gar nicht gut, vor allem wenn er Hunger hatte und müde war. Er konnte Arthur verstehen, das er manchmal vor ihm flüchtete. Er konnte jemanden in eine Stimmung treiben, das man sich freiwillig in die Sonne stürzte.
„Bist du jetzt fertig?", fuhr er Lance an „ Es muss nicht einsam bleiben. Doch erzwingen kannst du es auch nicht. Sieh uns beide an, Anchar und mich. Und ich sage dir, ich habe verflucht lange auf sie gewartet, doch es hatte sich gelohnt. Und du hast vielleicht mit Maria eine Chance."
Lance lachte wieder freudlos. Er wollte es wohl auf die Spitze treiben. Na schön.
„So wie ich das sehe, hält diese Chance nicht lange an. Sie wird als alte Frau sterben. Und ich werde sie nicht dazu drängen, dieses beschissene ewige Leben anzunehmen. Sie hat die Möglichkeit, nach einem Leben Frieden zu finden."
Sethos knallte das Glas auf den Tisch. Es reichte ihm jetzt. Er war müde, abgespannt und hungrig und musste sich jetzt den in Selbstmitleid versinkenden Vampir anhören. Das Glas zersprang mit einem Klirren in mehrere Teile, als er so schnell vor Lance stand, das dieser verwirrt blinzelte und Sethos ihn grob an der Kehle packte und zudrückte.
„Du willst Frieden? Du willst deine so erbärmliche Existenz beenden? Dann brauchst du nur zu nicken und ich reiße dir deinen selbstgefälligen, in Selbstmitleid zerfließenden Kopf ab."
Lance starrte ihn erschrocken an. Sethos Augen waren in seinem Zorn noch eine Spur dunkler, fast schwarz. Er sprach weiter.
„Arthur hat vielleicht recht, wenn er sagt, das du ein Weichei bist. Nicht geschaffen für Herausforderungen, was? Du gehst immer auf Nummer sicher. Erst hinaus, wenn der Himmel schwarz ist und schon wieder zu Hause, wenn er immer noch Stunden schwarz ist. Bedacht darauf schnell zu töten und sich zu nähren. Nie ein Risiko eingehen und keinen Spaß haben. So warst du schon immer, während Gwaine und Arthur ihr Leben und später die Ewigkeit genossen. Du bist als Mensch so erbärmlich gewesen wie als Vampir."
„Gwaine ist tot", krächzte er.
„Ja, aber er lebte. Er suchte sich Spaß. Lachte, weinte, feierte und starb letztendlich. Kann passieren und er ist nicht der erste Vampir. Er war noch jung, ohne wirkliche Macht. Doch ich bin mir sicher, das er glücklich starb. Er hatte versucht, das Beste aus allem zu machen. Arthur ging auch Risiken ein und du hast nur immer genörgelt. Tu dies nicht, tu das nicht. Das ist zu gefährlich. Du kommst zu spät und so weiter. Du hast Arthur nur Vorwürfe gemacht, das er an Gwaines Tod schuld war, weil sie sich an diesem Abend getrennt hatten, da Gwaine eine Frau im Schlepptau hatte. Du...Du hast schön sicher im Hotel gesessen, während Gwaine starb, als er auf dem Weg ins nach Hause war. Und dann hast du Arthur niedergemacht, das er sich von Gwaine getrennt hatte, weil er Privatsphäre haben wollte. Du hast ihm die Schuld gegeben. Wenn ich das richtig überdenke, hast du ihn letztendlich in Alexejs Arme getrieben, als du ihn eiskalt einfach sitzen gelassen hast und verschwunden bist. Er war dein Freund und hatte gerade seinen Freund verloren und du tust nichts anderes, als noch auf ihm herumzuhacken? Und dann hast du Arthur in seiner Trauer allein gelassen, anstatt ihm beizustehen, wie es ein guter Freund tun würde. Er wäre nie nach Moskau gegangen, wenn du ihn nicht allein in Prag sitzen gelassen hättest, ohne dich noch einmal umzudrehen. Du bist einfach verschwunden. Ich an Arthurs Stelle hätte dir nie verziehen."
Er drückte fester zu und Lance wusste, das er mit einem Ruck seine Existenz beenden konnte. Und verflucht nochmal...Woher wusste er das alles?
„Nicke, damit ich dir deinen verdammten Kopf abreißen kann und du deinen so ersehnten Frieden bekommst, damit ich endlich ins Bett gehen kann."
Doch Lance hütete sich, zu nicken. Denn das war keine leere Drohung von dem ägyptischen Vampir. Er würde es tun. Sethos nickte grimmig und lockerte den Griff.
„Na sieh mal an, hängst wohl doch an dem bemitleidenswerten, verfluchten, ewigen Leben, was? Mag sein, das Merlin Arthur nicht mehr in die Augen blicken kann. Das verzeihe ich, denn er ist ein Mensch und die sind nicht wie wir, zumindest der Großteil nicht. Doch Arthur wird einen Freund brauchen. Also hör auf dir selbst leid zu tun und hilf ihm gefälligst. Und tu das, was ein Freund tut und zieh nicht wieder den Schwanz ein und überlasse Arthur sich selbst. Sei ihm der Freund, den er immer in dir gesehen hat und hör auf mit der Jammerei. Was bist du? Ein altes Weib? Oder doch das Weichei, das Arthurs Bestie so gut erkannt hatte?"
Noch immer hielt er ihn in einem eisernen Griff an der Kehle. Sethos Augen wurden schmal.
„Wenn ich jemals wieder sehe oder höre, das du herumjammerst und dich bemitleidest, was für hartes Leben du hast und Arthur mit nach unten ziehst, dann wird das, was er mit Tatjana getan hatte, dir wie ein sanftes Ende vorkommen. Haben wir uns verstanden?"
Er nickte hastig. Eine Drohung von Sethos sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wenn er ein Mensch wäre, hätte er sich jetzt in die Hose gemacht. Doch da diese Organe verkümmert waren, blieb ihm das erspart. Sethos ließ ihn los und drehte sich wortlos um. Doch an der Tür blieb er stehen und sagte, ohne ihn anzusehen.
„Diese Maria ist eine starke Frau. Eigentlich passt sie nicht zu dir, denn sie geht Risiken ein. Zum Beispiel lässt sie sich auf einen Vampir ein, ohne hysterisch zu schreien und beschützt ihren Bruder. Sie würde Merlin nie im Stich lassen, selbst für dich nicht. Es wäre schade, wenn ihr Gefährte ein jammender Scheißkerl wäre. Also mach was draus oder sehe dir den wunderschönen Sonnenaufgang an und mach deinem ach so elenden Leben ein Ende. Doch dafür müsstest du erst noch eine Stunde jammern, das du gleich verbrennst."
Er machte eine bedeutungsvolle Pause und fügte kalt hinzu, als er sich umdrehte und ihn ansah.
„Ich werde eine Weile weg sein...mit Arthur. Und ich hoffe, wenn ich mit ihm zurückkomme, das du entweder in Flammen aufgegangen bist oder mal darüber nachgedacht hast, was für ein Jammerlappen du bist. Vielleicht solltest du mal in den Kohlenminen arbeiten, damit du den Sinn eines schweren Lebens erkennst. Diese Menschen, die dort arbeiten, sind glücklicher als du und kämpfen jeden Tag ums Überleben. Kein schönes Haus, Geld und in der gehobenen Gesellschaft lebend klammern sie sich an ihr elendiges Leben, das nicht lange wärt, weil sie alle früh sterben. Denk mal drüber nach, was du eigentlich hast. Und solltest du immer noch der Meinung sein, das dein Leben scheiße ist, dann brauchst du nur zu nicken, wenn ich wiederkomme. Ich befreie dich von deinem Elend."
Dann ging er hinaus und nach unten. Lance stand wie erstarrt auf der Stelle und schaute geschockt drein. Er stand lange dort bewegungslos und musste das erst mal realisieren. Sethos hätte ihn ohne mit der Wimper zu zucken, getötet. Und was er sagte, hatte gesessen. Er hatte Lance niedergemacht, ihn gedemütigt, beleidigt und ihm mit dem Tod gedroht, doch er fühlte nur...Scham.
Niemand hatte jemals so mit ihm geredet. Natürlich hatten ihn Arthur und Gwaine früher aufgezogen mit seiner Vorsicht und Tages, beziehungsweise Nachtplänen, doch noch nie so. Sethos sprach Klartext und das erste Mal fragte er sich ernsthaft, ob er die Schuld an Arthurs Unglück trug. Und ja, Sethos hatte recht, denn nach oder während des Streites in Prag war er gegangen, ohne sich die Mühe zu machen, zu überdenken, was mit Arthur geschah. Damals war er so im Arsch. Bianca hatte ihn eine Woche vor Gwaines Tod verlassen und ihm an den Kopf geworfen, das er ein langweiliger, spießiger, jämmerlicher Scheißkerl wäre. Und er war am Boden zerstört gewesen. Aggressiv und übelgelaunt, ließ er an Arthur seinen Frust aus, den Gwaines Tod ausgelöst hatte.
Er lachte bitter auf, in Gedanken versunken. Ja, das Gleiche, was Bianca ihm an den Kopf geworfen hatte, als sie ging, hatte Sethos jetzt auch gesagt. Damals schrie sie ihn an.
„Du hast keinen Spaß, bist früher zu Hause als die Hühner und willst dich nicht amüsieren. Du jammerst nur herum und tust nichts. Du lebst nicht, du existierst nicht mal. Du bist ein nichtssagender Scheißkerl und ich bereue, dieses Jahrhundert an dich verschwendet zu haben."
Ja, das hatte sie zu ihm gesagt, als sie ging. Und nun wusste er, das sie recht hatte. Mit allem.
Und ja, er hatte Arthur vorgeworfen, das er allein Schuld daran hatte, das Gwaine starb. Das er ihn allein gelassen hatte und er gegen die Jäger keine Chance hatte, ohne ihn. Arthur, der ein innigeres Verhältnis zu Gwaine hatte, weil dieser auch gerne Spaß hatte und Risiken einging, war oft mit ihm unterwegs. Sie hingen immer zusammen und gingen auch zusammen aus. Arthur hatte ihn aus diesen blauen, traurigen Augen fassungslos angesehen. Und letztendlich hatte er sich wirklich die Schuld dafür gegeben. Aufgelöst und total konfus und tief in Trauer ließ ihn Lance stehen und verschwand auf nimmer Wiedersehen, ohne sich einmal umzudrehen.
Er nickte geistesabwesend, als er in dieser verhängnisvollen Nacht in seiner Erinnerung schwelgte. Ja, Sethos hatte recht. Sie wollten von Prag nach Madrid reisen, doch dann passierte das mit Gwaine. Und Lance wurde sich das erste Mal mit grausamer Gewissheit klar, das Arthur niemals nach Moskau gegangen wäre, wenn er ihn nicht in seinem Schmerz und Trauer einfach allein gelassen hätte. Wäre Lance geblieben, wären sie nie nach Russland gegangen. Lance mochte das Land nicht, außer den Wodka, der von dort stammte.
Bewegungslos und wirklich in der Stimmung, sich in die Sonne zu stürzen, stand er fassungslos im Salon. Er war ein Weichei, ein Jammerlappen und hatte das alles seinem einzigen Freund angetan? Lance wollte nur noch sterben. Natürlich war er kein Gefährte für Maria. Seine starke Maria. Er war ein Arsch, ein kümmerlicher, versagender Freund und dachte wirklich über die Sonne nach. Doch das wäre feige, eine Flucht vor dem, dem er sich stellen musste. Wenn Arthur wirklich genesen würde, musste er mit ihm darüber reden. Und er musste wenigstens jetzt für seinen Freund da sein.
Er machte einen entschlossenen Gesichtsausdruck. Nein, diesmal würde er ihn nicht im Stich lassen. Und er würde der Freund sein, den Arthur in ihm sah. Die Vergangenheit konnte er nicht ändern, die Zukunft schon. In Gedanken, so voller Scham und Schuldgefühlen stand er immer noch bewegungslos an der Stelle, wo ihn Sethos verließ. Es schmerzte, die Wahrheit zu erkennen. Eigentlich wusste er es unbewusst immer, hatte es verdrängt, weil die Wahrheit zu schrecklich und beschämend war. Das würde er ändern.
Er stand immer noch dort und nun fühlte er realen Schmerz, als die Nacht dem Tag wich und sein Gesicht verbrannte, als die morgendliche Sonne in die großen Fenster schien. Ohne etwas zu sagen, flüchtete er mit seinem verbrannten Gesicht aus dem Salon und in die unteren Gewölben.
Er griff sich unten einen Blutbeutel und verschwand in seinem Zimmer.
Einen verbitterten Ausdruck in seinen attraktiven Gesicht.
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New Orleans...die Stadt im Süden von Louisiana, in einem Land jenseits des atlantischen Ozeans war eine vielschichtige, lebhafte Stadt. Abgesehen von den Einwohner, die sich auch in der Kategorie arm, normal und reich aufteilten, unterschied sie sich doch von den europäischen Städten. Gebräuche, Kulturen und anderes war dort oft fremdartig, was auch Touristen anzog und Geschäftsleute, die ein profitables Geschäft in Übersee witterten. Abgesehen von dem Wetter, das überwiegend sonnig war und die Tage lang, war es eigentlich nicht die erste Wahl der Vampire, dort zu leben.
Abgesehen davon, das sich Geschichten um diese Stadt rankten von Hexen, die früher im French Quarter ihr Unwesen trieben, bis die kirchliche Institution dem ein Ende machte und sie auf dem Scheiterhaufen verbrannte. Damals fielen viele Frauen und junge Mädchen diesen Machenschaften zum Opfer. Auch Gerüchte, das im Bayou, das eine angrenzende Sumpflandschaft und Wälder waren, Werwölfe sich herumtreiben würden. Angeblich hörte man ihr schauerliches Geheul in den Vollmondnächten. Es gab viele unheimlichen Geschichten um diese Stadt und manche kamen der Wahrheit sehr nah. Doch manche Touristen stürzen sich auf diese Geschichten, die eigentlich in ihren Augen Legenden waren, doch war in den Legenden nicht immer ein Fünkchen Wahrheit enthalten?
Nachdem Sethos am nächsten Abend aufgebrochen war, ohne sich von Lance zu verabschieden, flog er zu Anchar. Arthur war nicht aufgewacht und so machten sie sich sofort auf den Weg. Durch die Zeitverschiebung mussten sie in einer Höhle auf einem kleinen Atoll im Ozean eine Pause machen, doch jetzt landete Sethos etwas außerhalb in New Orleans. Anchar auf der einen Seite, einen gefesselten Arthur auf der anderen Seite. Es war früher Abend, die Luft roch nach Blüten und Gewürzen und es war angenehm warm. Anchar sah Sethos an.
„Bist du in Ordnung?"
„Warum?"
„Es war ein langer Flug."
Er schaute zu seinem Paket und dann zu ihr.
„Mir geht es gut. Vielleicht später etwas Blut."
Sie nickte und schaute sich um. Sie standen in einer Seitenstraße, ziemlich ruhig. Es war noch früh, der richtige Betrieb kam erst später.
„Wo wohnt Serena noch? Ich war lange nicht da, schätze ein Jahrhundert."
„Im French Quarter", antwortete er „Ich bin nicht weit davon gelandet. Doch es wird auffallen, wenn wir einen gefesselten Mann durch die Straßen schleppen."
Sethos begann die Fesseln zu lösen. Arthur war immer noch nicht bei sich, doch es würde nicht mehr lange dauern. Sein Hals fühlte sich schon besser an. Er warf die Fesseln weg und beide nahmen ihn in die Mitte und gingen los. Es sah aus, als würden sie einen betrunkenen Freund stützen und nach Hause bringen. Obwohl noch früh am Abend war auf den Hauptstraßen doch viel los. Touristen tummelten sich unter den Einheimischen und einige sahen ihnen verwundert nach. Manche grinsten und tuschelten, das manche einfach keinen Alkohol vertrugen.
Die beiden gingen weiter, bis sie ziemlich am Ende, schon fast außerhalb des French Quarter auf ein großen Haus zugingen, das den typischen Baustil der Südstaaten wiedergab. Ein schöner Garten erwartete sie, als sie durch das Tor gingen, dessen Mauer das Haus vor neugierigen Blicken schützte. Ein Springbrunnen plätscherte vor sich hin, als sie die Stufen der Treppe hinaufgingen, die zu einer großen Terrasse führte, wie zu der großen weißen Eingangstür. Weiße Säulen zeugten von dem Baustil der südlichen Herrenhäuser. Das Haus war groß und hübsch, hatte einen romantischen Flair, zumindest empfand es Anchar so. Sethos klopfte an.
Sie hörten Schritte und nach einem Moment wurde die Tür geöffnet und eine junge Frau schaute sie an. Sie war Mitte zwanzig, hatte blondes, langes Haar und blaue Augen. Sie schaute sie neugierig an, runzelte allerdings die Stirn, als sie den bewusstlosen Mann sah. Er war verdammt gutaussehend, etwas was ihr sofort auffiel. Und auch das Paar, dessen Gesichter von einem anderem Land zeugten.
„Bitte?", fragte sie, nach dem ihre Musterung nur Sekunden gedauert hatte.
„Wir möchten zu Serena. Sie erwartet uns."
Alle sahen zu der geschwungenen Treppe, als zwei weitere junge Frauen herunter gepoltert kamen. Sie lachten und schrien sich etwas zu und warfen einen neugierigen Blick zur Tür. Doch dann verschwanden sie kichernd durch eine der Türen.
„Einen Moment bitte", sagte sie höflich.
Sie wusste, das alle drei Vampire waren. Ihre Gabe hatte ihr das gesagt und sie ließ nicht einfach drei Vampire in das Haus. Im Grunde genommen verstanden sie sich nicht so gut mit den Blutsauger. Ein anderes Mädchen kam aus einer Tür. Sie hatte etwas zu essen in der Hand und sie sagte.
„Thalia, kannst du mal Serena suchen?"
Das Mädchen nickte kauend und verschwand. Es dauerte nicht lange, da kam eine große, schlanke Frau auf sie zu und lächelte. Anchar hatte sie schon getroffen, doch immer wieder überraschte sie die Vampirin. Sie hatte langes, rotes Haar, das wie Feuer leuchtete und in leichten Locken über ihren Rücken fiel. Ihre grünen Augen schienen ein Eigenleben zu haben. Sie waren das Beeindruckendste in ihrem schön geschnittenen Gesicht mit hohen Wangenknochen und einem sinnlichen Mund. Keine Frage, diese Frau war schön und wenn sie das nicht wäre, würde ihre Ausstrahlung das wieder wett machen.
„Sethos, ich habe schon gewartet", sagte sie freundlich und musterte Arthur. Ihre Stimme klang rauchig, was sich sexy anhörte und unverkennbar einen Südstaaten Akzent in ihrem Englisch. Es klang faszinierend. Sie musterte den besinnungslosen Arthur.
„Ist er das?"
„Ja."
Sie nickte anerkennend.
„Schöner Mann, muss ich ihm lassen. Das ist das einzige Positive an euch Vampiren. Ihr seid alle, nun ja...die meisten sind so verdammt attraktiv. Untot aber attraktiv. Ihr seid spät dran."
„Es gab Komplikationen", meinte Sethos und schaute zu Arthur.
„Das sehe ich. Was hast du denn mit ihm gemacht?"
„Genickbruch."
Sie verzog das Gesicht.
„Autsch", sagte sie, während die junge Frau, die die Tür öffnete, scheu lächelte. Serena trat zurück und machte eine einladende Handbewegung.
„Kommt bitte alle herein."
Jetzt konnten die Vampire eintreten und spürten sofort diese Macht, die durch das Haus floss. Da sie unnatürliche Wesen waren, spürten sie solche Schwingungen.
„Es ist alles vorbereitet", sagte sie und führte sie zu einer Tür, die nach unten führte.
Der Keller vermutlich, doch er war größer und verzweigter, als es denn Anschein gab. In einem Raum ohne Fenster, indem ein Bett und ein Tisch standen, sowie andere Möbel, legten sie Arthur auf das Bett. Danach gingen sie hinaus und Serena schloss die Tür, wandte sich an die beiden Vampire.
„Keine Sorge. Wenn er aufwacht, kommt er nicht heraus. Das Zimmer hat ein starkes, magisches Wehr. Ich habe es verzaubert und er käme auch nicht heraus, wenn er ein Magier wäre."
„Gut zu wissen", sagte Anchar „Du würdest nicht wollen, das er rauskommt."
Sie glaubte das sofort. Sie hatte oft von Vampiren gehört, die diese Blutgier hatten und meuchelnd durch die Welt zogen, grausam töteten, bis die Vampir Gilde sie exekutierte. Sie kannten kein Erbarmen. Sie zeigte den beiden ihr Zimmer, das auch hier unten war, in einem anderen Gang. Verdammt, das war wie ein Irrgarten hier unten und Anchar staunte nicht schlecht. Sethos kannte das alles, denn er hatte hier mal gelebt. Serena und er hatten eine gemeinsame Vergangenheit, aus der eine aufrichtige Freundschaft wurde.
„Es tut mir leid, das es nicht so komfortabel ist, aber wir haben selten, eigentlich nie Besuch von Vampiren. Unsere Arten vertragen sich nicht so gut, mit Ausnahme von euch, sonst hätte ich euch oben untergebracht. Doch das wäre wohl nicht so gut für euch. Wir haben an die zehn Stunden Sonne."
„Es ist schön, vielen Dank. Wir sind nicht anspruchsvoll", sagte Anchar freundlich. Sie nickte.
„Dann herzlich willkommen in meinem Haus."
Dieses Haus gehörte Serena, schon seit Hunderten von Jahren. Ein Geschenk eines lieben Freundes, der einer anderen Art angehörte.
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Serena war eine Hexe. Nicht irgendeine Hexe und auch keine von den Scharlatanen, die sich als Hexe bezeichneten, ohne wirkliche Macht zu haben. Sie war eine wirkliche Hexe und führte den Hexencover hier in New Orleans. Und sie hatte sehr viel Macht. Sethos hatte noch nie eine getroffen, die so mächtig war wie Serena. Diese jungen Mädchen waren auch Hexen. Sie lernten hier, ihre Macht einzusetzen und auch wie. Meistens waren es Mädchen, die Panik bekamen, als sie feststellten, das sie anders waren oder wurden aus Angst von ihren Familien verstoßen. Menschen neigten dazu, vor dem Angst zu haben, was sie nicht sachlich und mit Fakten erklären konnten.
Serena war alt, doch sah sie aus wie eine Frau, die achtundzwanzig war und sie war schön. Keine der üblichen Hexen aus der Fantasie der Menschen, die einen krummen Rücken hatten und eine riesige Nase mit Warzen im Gesicht. Sie lachte meistens über diese Vorstellung der Menschen. Und sie war sehr eng befreundet mit dem einzigen Vampir, den sie näher kannte. Sethos und natürlich mit Anchar.
Der ägyptische Vampir und sie hatten eine gemeinsame Vergangenheit. Denn Sethos rettete sie damals vor dem schrecklichen Tod auf dem Scheiterhaufen. Er war plötzlich aufgetaucht, als die Flammen schon brannten und die Menschen um den Scheiterhaufen schrien, immer das Gleiche „Tod der Hexe."
Sie hatte nichts Schlimmes getan, eigentlich nichts, doch ein verschmähter Liebhaber rächte sich, indem er sie an die Inquisition verriet. Damals im sechzehnten Jahrhundert starben viele Frauen auf dem Scheiterhaufen, oft nur Menschen, denen man mit Folter ein Geständnis erzwang. So wie sie auch und man wollte sie verbrennen. Doch dann kam dieser Vampir aus der Luft, tötete mit einem Schlag und ohne sie zu berühren den Inquisitor und den päpstlichen Vertreter, sowie einige der Schaulustigen, die boshaft diese Frau schreien hören wollten, wenn sie am lebendigen Leib verbrannte.
Alle rannten wie eine aufgeschreckte Tiermeute davon, schrien „Der Teufel. Das ist der Teufel und holt seine Tochter."
Idioten! Doch damals im sechzehnten Jahrhundert war der Glaube und der Aberglaube auf dem Höchststand. Doch auch jetzt noch, zweihundert Jahre später war es nicht viel besser. Serena bezweifelte, das sie einmal offen leben könnten, ohne Angst. Also taten sie das Gleiche, was auch die Vampire taten. Sie lebten im Geheimen. Tarnten sich, auch wegen der Vampire. Sie waren absolut feindlich gegenüber ihrer Art, bis auf die beiden, die ihre Gäste waren.
Sethos rettete sie aus den Flammen, noch bevor diese sie richtig erreichten und flog mit ihr davon. Erst später erfuhr er von ihr, das sie wirklich Magie hatte. Sethos flog zu seinem Haus in New Orleans, pflegte ihre Verbrennungen und wohnte eine Zeit lang dort. Ihre Freundschaft vertiefte sich mit der Zeit, auch die Tatsache, das er ihr Leben rettete. Doch bevor er wieder zu seiner Gefährtin aufbrach, das war siebzig Jahre später, schenkte er Serena dieses Haus. Und später kam er sie öfter besuchen, brachte auch seine Gefährtin mit. Ihre Freundschaft war etwas Seltenes und auch tief und Serena erklärte sich sofort bereit, ihm zu helfen.
Und Sethos wahrte das Geheimnis ihrer Existenz. Er würde sie nie verraten, denn Serena mag eine mächtige Hexe sein, doch wollte sie niemanden schaden. Außer man griff sie oder ihre Hexen an. Ihr Zirkel war klein, fünfzehn Hexen wohnten in dem Haus, doch alle sehr mächtig und unterschiedlich begabt, was ihre Magie anging. Und Serena lehrte sie, diese mit Kontrolle einzusetzen.
Und nun würde sie versuchen, diesem Böse in Arthur an den Kragen zu gehen. Serena wusste nicht, ob es wirklich möglich wäre, doch sie würde es versuchen. Die Kunst dabei war, dem Vampir nicht zu schaden. Wenn man nicht aufpasste, konnte man seine komplette Erinnerung löschen, so das er nicht mal seinen Namen kannte.
Doch Sethos wollte, nein, er musste es versuchen. Arthur war eine wandelnde, tickende Zeitbombe. Jede Instabilität seines Gemütes oder sonst etwas, könnte diesem Bösen in ihm jederzeit wieder die Tore öffnen. Und er wollte das nicht wieder auf die Welt loslassen, abgesehen davon, das Arthur wirklich ein Leben in Frieden verdient hatte.
Er hoffte nur, das er das noch hatte. Denn so wie sich Merlin verhielt, wollte er anscheinend so weit weg von Vampiren, wie er nur konnte. Er wusste, das Arthur ihn liebte, aufrichtig liebte und das würde den Vampir am Boden zerstören. Und das kam dann noch dazu, wenn er wirklich das Böse los bekam und vor Schuldgefühlen über seine grausamen Taten verzweifeln würde.
Sethos machte sich die größten Sorgen. Vielleicht würde Arthur nie wieder Arthur sein, sondern von seine schrecklichen Taten verfolgt und von seinem Gefährten verlassen, ein emotionales Wrack sein.
Vielleicht wäre es wirklich besser gewesen, ihn zu töten. Doch Sethos wollte nicht aufgeben.
Noch nicht. Aber sollte er sich nicht erholen, würde der ägyptische Vampir tun müssen, was er tun musste.
Er würde ihn töten. Schnell und schmerzlos. Und es würde ihm keinen Spaß machen. Anchar legte eine Hand zart an seine Schulter, als er grübelnd im Sessel in ihrer unterirdischen Unterkunft saß. Sie wusste, was ihm durch den Kopf ging und was ihn belastete. Sie hatte selten gesehen, das er sich so an einen Vampir hing, so emotional. Arthur hatte etwas in ihm berührt. Doch sie wusste, das er tun würde, was nötig war, selbst wenn es ihm das Herz brechen würde.
Sie kannte ihn gut. Das sollte man auch meinen nach dreitausend Jahren.
„Es wird schon gutgehen", sagte sie leise.
Sethos nickte nur. Wie immer war ihm bewusst, das seine Gefährtin genau wusste, was ihm Sorgen bereitete. Sie verstanden sich ohne viel Worte. Er stand auf und küsste sie, lächelte.
„Wir werden sehen. Lass uns nach oben gehen, bevor es Tag wird. Serena hat etwas zum Essen für uns. Wir sollten ihre Gastfreundlichkeit nicht beleidigen."
Vampire nahmen nicht gerne Blut zu sich, wenn Außenstehende, also keine Vampire anwesend waren. Diese Blutnahrung hatte etwas Heiliges an sich. Vampire verehrten Blut. Es war Leben. Und es unter den Augen von Menschen einzunehmen, die keine Vampire waren, war gewöhnungsbedürftig. Denn es hatte für Vampire etwas Intimes. Sie nahmen meistens eng verbunden mit ihrem Spender dessen Blut in sich auf. Vampire hatten weniger Scheu, wenn sie mit ihresgleichen zusammen waren und noch weniger, wenn es Freunde waren. Dann war es fast selbstverständlich, wenn alle Blut tranken. Kompliziert und doch einfach.
Doch Serena machte es ihnen leicht, als sie in den schönen, gemütlichen Salon eintraten und sie lächelnd aufsah. Sie servierte ihnen körperwarmes Blut in Weinkelche, das den Anschein gab, das sie bloß zusammen etwas tranken und plauderten. Beide nahmen diese Geste wohlwollend an und Sethos war sich wieder sehr bewusst, das er Serena, eine wirklich mächtige Hexe und gutmütig, eines der besten Dinge war, die er in seinem Leben als Vampir getan hatte. Nicht alle, die Macht hatten, waren automatisch böse und Psychopathen. Es gab auch viele, die mit ihrer Macht umsichtig umgingen und zu helfen versuchten, so wie sie und auch diese anderen jungen Hexen im Haus.
Deshalb waren sie hier, um zu vermeiden, das sie verbittert wurden, weil Menschen sie verbannten und Angst hatten. Solche wurden oft böse und wollten sich für diese Schmach rächen. Doch Serena brachte ihnen bei, das nicht jeder das als gegeben sah, das sie anders waren. Das Menschen vor dem Angst hatten, was sie nicht rational erklären konnten und das es ihnen in den Genen lag, so zu reagieren. Und das sie ihre Macht nicht missbrauchen sollten. Allerdings war es etwas anderes, wenn sie angegriffen wurden und ihr Leben verteidigen mussten.
Das war die Ausnahme. Und Sethos wie alle anderen, auch Serena wussten, das diese Reglung so gut war. Niemand ließ sich abschlachten, weil er seine Macht nicht einsetzen wollte oder durfte.
Sie lächelte, als sie ihnen die Kelche gab und sagte freundlich.
„Ich weiß ja, das ihr eurer Dinner gerne allein zu euch nimmt. Doch ich denke, obwohl ich nicht zu euch gehöre, das es in Ordnung ist. Sethos war eine gewisse Zeit lange hier und ich kenne mich mit den Gepflogenheiten der Vampire aus", sie hob ihren Kelch der mit Wein gefüllt war „Wenn ich auch keiner bin", fügte sie hinzu „Nochmal willkommen. Ich freue mich, auch wenn der Anlass weniger erfreulich ist."
Nein, sie war kein Vampir. Sie war eine Hexe und unsterblich und mächtig. Etwas was es eigentlich nicht geben sollte. Doch waren Vampire nicht auch ein Hirngespinst der Menschen? Und doch existierten sie, heimlich unterwanderten sie die Menschen, die keine Ahnung von ihnen hatten, das sie wirklich existierten. Sethos und auch Serena wussten, das es vieles gab, was Menschen für unmöglich hielten.
Die Mystenwelt war vielseitig und oft kannten sich die einzelnen Arten nicht untereinander und würden sich vielleicht auch nicht vertragen. Deshalb lebten sie meistens unter sich und geheim. Doch Sethos hatte in den über viertausend Jahren schon alles gesehen und wusste, das es so war. Doch man sollte keine schlafende Hunde wecken. Ein Krieg unter den mystischen Bewohner in einer Menschenwelt würde verheerende Auswirkungen haben.
Also ließ Sethos es auf sich beruhen, hatte nur engeren Kontakt mit Serenas Hexenzirkel, das er für sich behielt. Sie war eine Freundin.
Doch Legenden, wie das unheimliche Wolfsgeheul im Bayou, fachte die Fantasie von Menschen an, die das lediglich spannend und aufregend fanden.
Niemand dachte im Ernst daran, das es vielleicht der Wahrheit entsprach. Und das war gut so. Niemand glaubte auch an Hexen oder Vampire, bis auf einige Eingeweihte.
Und so sollte das auch bleiben. Es lebe die Legende.
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Dunkles Schicksal
FantasyNach dem Tod seiner Eltern, die von Vampiren getötet wurden, wird der junge spanische Graf Merlin del la Vega zum Jäger. Sein Hauptmerkmal ist ein vermögender, hoch angesehener Vampir, den er für den Mörder seiner Eltern hält. Erbittert jagt er ihn...