Dunkles Schicksal Kapitel 61

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Dunkles Schicksal



Kapitel 61



So, es geht weiter. Freue mich wie immer über eure Gedanken. Danke. LG Pendragon100



Merlin kam langsam näher und schlich an der Mauer entlang. Als er Stimmen hörte und ein Lachen, blieb er einen Moment stehen. Diese Männer sprachen mit jemand, anscheinend hatten sie den Vampir gestellt. Merlin wusste, das Arthurs Clan wohl nicht die einzigen Vampire in Mailand waren, doch konnte es sich hier vielleicht um einen Vampir handeln, der zu Arthurs Clan gehörte. Noel oder sogar Lance. Er würde nicht zulassen, das sie Noel etwas taten. Er kannte keinen Vampir, der so menschlich war wie Noel. Er tötete auch, aber schien es nicht gerne zu tun, unter anderem war er sehr nett und Merlin hatte ihm viel zu verdanken.

Doch als er vorsichtig um die Ecke in die dunkle Gasse sah, erstarrte sein Blut in seinen Adern. Denn der Vampir, der im trüben Schein der Laterne stand, war kein anderer als Arthur. Und er war verletzt, denn so wie er dort stand, aufrecht und grinsend und arrogant, sah Merlin doch, das er Schmerzen hatte. Als er sich etwas drehte, fielen ihm die drei Pfeile auf, die in seinem Rücken steckten.

Arthur? Wie war das denn möglich? Merlin kannte nach Sethos niemand, der so mächtig war wie Arthur. Seit er Blut von Sethos bekam, war seine Macht potenziell gestiegen und auch seine Fähigkeiten. Und doch hatten ihn Jäger erwischt. Es war ja nicht so, das er unbesiegbar wäre; schließlich hatte Merlin ihn auch schon mal erwischt. Aber damals war er noch nicht so stark wie jetzt. Anscheinend war er wirklich ein Trottel, wenn er sich von denen töten ließ.

Was machte er nur die letzte Zeit für einen Scheiß? Und jetzt das hier? Merlin wollte nicht daran denken, wenn er nicht durch reinen Zufall in der Nähe gewesen wäre, was passiert wäre. War es Zufall? War es Zufall, das er sich hierher verirrte? Oder war es Schicksal? Er wusste es nicht, doch anscheinend hatte das Schicksal andere Pläne, als Arthur hier den Tod durch Jäger erleiden zu lassen.

Merlin wusste, das es Silberpfeile waren, denn andere würden ihn nicht so schwächen und er war schwach, denn er schwankte. Sie würden ihn töten; für immer und ewig. Denn wäre es nicht so, dann wären die drei Jäger schon Geschichte, doch wahrscheinlich war Arthur zu geschwächt, um sich in irgendeiner Form zu wehren.

„Fahr zur Hölle", hörte er Arthur rufen, als der Jäger näher kam.

„Du zuerst", sagte der Angesprochene.

Merlin zuckte zurück und lehnte sich an die Mauer. Sein Herz raste und er ballte seine Fäuste. Sie würden ihm das Einzige nehmen, für das er noch lebte. Arthur. Auch wenn der Vampir auf seinem arroganten Macho Trip war, würde Merlin es nicht ertragen, wenn er nicht mehr wäre. Was hatte er dann noch? Was hatte er dann noch für einen Grund unsterblich zu sein? Keinen. Alles würde in seinen Augen sinnlos werden.

Natürlich könnte er so weiterleben, von einer flüchtigen Bekanntschaft zur Nächsten, doch niemand würde Arthur nur annähernd nah kommen. Niemand mehr könnte in seinem Herzen so eine Aufruhr erzeugen, wie dieser arrogante und doch schöne, anziehende Vampir. Er würde noch in tausend Jahren nach dem suchen, was er heute hier verlieren würde. Nein, wenn Arthur starb, dann würde sein Herz mit ihm sterben. Vielleicht würde er ein verbitterter, bösartiger Hexer werden, der es nicht ertragen konnte, Arthur hier sterben zu sehen und er würde bösartig durch die Welt ziehen. Ein Horrorszenario. Nein, er würde das nie und nimmer zulassen.

Wenn er eines mit Sicherheit wusste; Arthur war und würde immer seine einzige Liebe sein. Jeder, der nach ihm kam, konnte Arthur nicht das Wasser reichen, auch wenn der sture Trottel im Moment doof spielte und niemanden mitspielen ließ. Das er starb, kam nicht in Frage, in keinem Fall. Das mit ansehen oder tolerieren wäre, als würde sich Merlin selbst töten. Wenn sie auch nicht zusammen waren, hatte er doch die Gewissheit, das Arthur dort draußen in der Welt war. Ohne ihn war alles sinnlos. Doch Merlin wollte die drei Jäger nicht unbedingt töten. Er hatte es nicht so mit dem töten, es sei denn, es war unvermeidlich. Doch um Arthur zu retten, würde er es tun, wenn es sein musste. Er würde alles für ihn tun. Trotz allem...Trotz allem.

Arthur war und würde immer seine tragische Liebe sein. Das sagte ihm sein schmerzendes Herz laut und deutlich.

Obwohl er der Meinung war, das die Jäger schon hilfreich waren, wenn man bedachte, das viele Vampire grausam waren. Viele hatten den Tod verdient, doch er wollte jetzt nicht darüber nachdenken, ob diese Art der Anschauung richtig war. Wer durfte schon über Leben und Tod entscheiden? Ja, Vampire und er selbst hatten die Möglichkeit dazu, so wie jeder Mensch, der morden konnte. Aber die, die es nicht waren, nicht nur und ein Teil Menschlichkeit hatten, verdienten den Tod nicht. Sie waren nicht schlechter, wie manche Menschen auch und Menschen konnten sehr bösartige Dinge tun. Das wusste Merlin aus eigener Erfahrung. Doch Jäger machten da keine Unterschiede. Vampir war Vampir und selbst Merlin hatte es damals auch so gesehen. Sie kannten sie ja nicht näher, so wie Merlin.

Denk nach, Merlin, ermahnte er sich selbst. Er hatte nicht viel Zeit.

Okay, er musste handeln und dachte fieberhaft nach. Sicher, sie zu töten wäre ein Klacks für ihn, doch das wollte Merlin vorerst vermeiden. Er dachte an Maria und an den Kerl, der schreiend davonlief, damals in der Taverne und er nickte grimmig. Ja, das war möglich. Sie sagte ihm nicht, was sie getan hatte. Aber Merlin dachte sich das schon. Sie war eine mächtige Hexe und hatte ihm etwas in seinen Kopf suggestiert. Etwas, was Panik in ihm erzeugte und er schreiend weggerannt war.

Merlin schaute wieder vorsichtig um die Ecke. Er wollte nicht, das Arthur ihn sah, wenn er seine Magie anwendete. Der Jäger hatte Arthur fast erreicht, der mit geschlossenen Augen seinen Tod erwartete. Merlin streckte die Hand aus und sagte leise.

„Fuego allegro!"

Plötzlich stand das glänzende Silberschwert des Jägers, der kurz davor war, Arthur zu erreichen in Flammen. Blaue Flammen züngelten um die Klinge und arbeiteten sich weiter zu seiner Hand vor. Das Gleiche passierte mit den Armbrüsten der anderen zwei, die alle entsetzt auf ihre brennenden Waffen sahen. Der Jäger schrie überrascht und in einem Anflug von Panik auf.

„Verdammt...Was zum Teufel..."

Die anderen beiden schrien panisch auf und Arthur öffnete die Augen, als der Jäger sich nach seinen Kollegen umsah. Seine Augen weiteten sich in völligen Unglauben. Was er sah, konnte er nicht fassen. Die Waffen der Jäger brannten und leckten jetzt über die Hände der Menschen, die sie fallen ließen, als hätten sie glühendes Eisen in der Hand. Selbst auf dem Boden, als sie scheppernd aufschlugen, brannten sie weiter und verformten sich, angesichts der Hitze. Auch ihre Dolche, die noch an ihrer Seite im Schaft steckten, fingen an zu brennen und sie warfen sie entsetzt zu Boden, so wie die Silberpfeile in den Köchern. Alle Waffen brannten in unnatürlichen, bläulichen Flammen, die eine wahnsinnige Hitze erzeugten. Denn das war kein gewöhnliches Feuer; es war magisch.

„Was passiert hier?", schrie der Anführer der Jäger und sah zu Arthur.

„Bist du das?"

Er wusste, das Vampire Fähigkeiten hatten, unter anderem Feuer. Doch das Feuer der Vampire, die diese Fähigkeit hatten, war gewöhnliches Feuer. Und Arthur hatte diese Fähigkeit nicht. Alexej hatte diese Fähigkeit, was ihm nicht viel genützt hatte, als Sethos gekommen war. Und Tatjana, das wusste Arthur. Und trotzdem waren beide tot.

„Nein, ich weiß nicht, was das bedeutet", sagte Arthur keuchend und verwirrt, als er die Waffen anstarrte.

Er schwankte und lehnte sich seitlich etwas an die Mauer. Er war so verflucht schwach und er hasste diesen Zustand. Denn jetzt war er mehr als verletzlich; er schwebte in Todesgefahr. Und er war nicht mehr in der Lage, das zu ändern. Aber irgendetwas ging hier gerade vor; etwas...was man nicht erklären konnte.

Arthur stöhnte leise. Er hatte wahnsinnige Schmerzen und bald würde er umkippen. Mit seiner letzten Kraft lehnte er seitlich an der Mauer, die ihm ein weiteres Entkommen unmöglich machte. Die Straße war hier zu Ende und sein Leben wahrscheinlich auch. Und noch immer verlor er Blut und war bald ausgeblutet. Doch ein kleiner Hoffnungsschimmer klomm in ihm auf. Vielleicht kam er doch noch davon, doch er bezweifelte, das er es bis nach Hause schaffte. Wahrscheinlicher war, das er zusammenbrach und die Morgensonne sein Verhängnis wurde. Wie er es auch drehte, es sah nicht gut aus; selbst wenn er den Jäger entkommen könnte.

Merlin schmunzelte und streckte wieder die Hand aus.

„Tarantula geso mato ran", sagte er wieder leise. Oh, er war gemein. Doch den Mann anzugreifen, den er liebte, ließ seine dunkle Seite in ihm an die Oberfläche kommen.

Jemand, der ihn sehen würde, würde bemerken, das seine Augen etwas dunkler wurden, wenn er seine Hexenkräfte aktivierte. Das war normal bei Hexer und auch Hexen und das einzige verräterische Zeichen, das sie als das enttarnen würde, was sie waren. Wenn es Vampirjäger gab, dann gab es auch Hexenjäger. Serena erzählte ihnen, das auch sie aktiv waren. Nur war es wesentlich schwieriger, eine Hexe zu enttarnen, als einen Vampir.

Hexen waren immer noch, was Menschen anging, ihnen gleich. Nur mit dem Unterschied, das die Mächtigen unsterblich waren und man sie nur enttarnen konnte, wenn man sie beim Hexen erwischte. Vampire waren viel zu blass für Menschen und sie bewegten sich mit einer ausgesprochenen Eleganz. Zudem konnten sie nicht im Sonnenlicht wandeln, was Hexen sehr wohl konnten. Ein erfahrener Vampirjäger bemerkte sie sehr schnell unter den schwerfälligen Menschen, gegenüber Vampiren. Merlin hatte immer die Anmut und Eleganz an Arthur bewundert, der sich tänzelnd durch die Menschenwelt bewegen konnte. Was ihnen aber auch zum Verhängnis werden konnte, wenn erfahrene Jäger in der Nähe waren, so wie diese drei. Sie waren keine Anfänger, wenn sie Arthur gestellt hatten.

Arthur beobachtete, wie der Jäger vor ihm die Augen panisch aufriss und an sich herunter sah. So wie die anderen beiden, die auch anfingen zu schreien und an sich heruntersahen. Plötzlich fingen sie an, wie die Verrückten hektisch über ihre Körper zu schlagen, als wollten sie etwas abstreifen und sprangen herum, als würden sie über heiße Kohlen laufen. Jetzt schrien alle drei entsetzt und kratzten sich durch ihr Gesicht und über ihren Körper. Zum Schluss wälzten sie sich auf dem Boden und schrien.

„Geht weg...Geht weg. Oh Gott, hilf uns jemand...geht weg."

Arthur sah sie nur vollkommen verwirrt an. Vergessen war der Vampir, den sie töten wollten. Arthur bewegte sich, er sollte diesen Moment zur Flucht nützen, doch er knickte mit seinen Beinen ein, kniete auf der Straße. Mitten unter den schreienden Jägern, die sich immer noch herum wälzten oder aufgesprungen waren und sich die Kleider vom Leib rissen. Verdammt, er hatte es gewusst. Er würde es nicht schaffen. Und noch immer schrien die drei Menschen entsetzt, als würde der leibhaftige Teufel sie holen. Nach dem Vampir schaute keiner mehr, sie hatten absolute Panik, gepaart mit Grauen.

Merlin kicherte. Wann war er so gemein geworden? Maria hatte da weniger Probleme damit; Frauen waren reizbarer. Doch es tat ihm nicht leid, denn sie hatten zwei Fehler ihres Lebens begannen. Erstens wollten sie den Mann töten, den er liebte und zweitens sollten sie sich nie mit einem Hexer anlegen. Das ging meistens böse aus; für die Menschen. Denn es war nicht der leibhaftige Teufel, der sie heimsuchte, sondern große, eklige, dicke, fette, schwarzhaarige Spinnen, die in Dutzende über ihre Körper und Gesicht krabbelten. Natürlich waren sie nicht wirklich da, aber in ihren Köpfen schon. Serena sagte mal zu Maria und ihm, das die Gabe der Suggestion oft sehr hilfreich wäre und nur mächtige Hexen sie beherrschten. Merlin wie auch Maria beherrschten das exzellent und griffen oft darauf zu. Sie konnten Menschen so ziemlich alles eingeben, was sie wollten. Eine ihrer leichtesten Übungen.

Merlin schaute wieder um die Ecke. Er hoffte, das Arthur jetzt die Möglichkeit wahr nahm, zu verschwinden. Doch er stellte entsetzt fest, das der blonde Vampir dazu nicht mehr in der Lage war. Er hatte keine Angst, das er jetzt sterben würde, denn auch wenn er ausblutete, konnte frisches Blut das wieder richten. Er war tot; er konnte nicht verbluten. Doch Vampire wurden schwach, wenn sie zu viel Eigenblut verloren. Dazu kam das Silber, das ihn quälte und ihn schwächte, immer mehr. Scheiße. Was jetzt?

Doch die Entscheidung wurde Merlin abgenommen, als Arthur schließlich zusammenbrach und auf dem Boden lag. Merlin fluchte, doch er löste sich aus seinem Versteck und ging durch die schreienden Jäger, die ihn gar nicht beachteten, sondern mit Grauen die Spinnen loswerden wollten. Sie rissen sich die Kleider vom Leib und wischen ständig über ihre Körper und schrien.

„Geht weg...Oh nein...weg."

Merlin kniete sich neben Arthur und drehte ihn um.

„Arthur?"

Doch der Vampir war besinnungslos. Merlin sah sich um, nahm nach einem Moment wieder seinen Stadtplan und schaute darauf. Leise flüsterte er.

„Largata shona Via Gattinara,"

Ein roter Punkt leuchtete auf der Karte, der die Straße zeigte, wo Arthurs Haus war. Merlin sah sich das an und nickte. Es war nicht so weit, wie er dachte. Er musste Arthur nach Hause bringen. Es war spät und die Sonne würde ihn verbrennen. Etwas, was Merlin nicht so leicht beeinflussen konnte. Nur war das nicht so einfach, mit einem bewusstlosen Mann auf seinen Armen durch die Stadt zu gehen. Okay, er hatte keine Wahl. Er nahm Arthur hoch, bedacht darauf, nicht seine Wunden oder Pfeile zu berühren. Der junge Hexer setzte Telekinese ein, um ihn leichter zu machen. Er trug Arthur durch die schreienden Jäger, die bald wieder normal wurden und jetzt nackt waren und flüsterte.

„Rekta narran chanino Via Gattinara...zeige mir den Weg", sagte er wieder.

Ein roter schmale Strich erschien auf der Straße, der sich über dem Weg erstreckte und dem Merlin jetzt folgte. Natürlich sah nur Merlin diesen Zauber. Für Menschen sah die Straße normal aus. Als er Menschen von Weitem kommen sah, sprach er ein Verschleierungszauber und verschwand vor dem Antlitz der Menschen, die ihn passierten, ohne ihn zu sehen. Er schaute auf Arthur hinab, der die Augen geschlossen hatte. Himmel, er war so schön. Seine weiße, makellose Haut, die im Mondlicht weiß schien, so glatt wie Marmor und so zart wie Samt, wie Merlin wusste. Und noch weißer, als er normal schon war; jetzt da er sehr viel Blut verloren hatte. Doch seine Lippen waren immer noch so sinnlich schön. Gott, er liebte diesen schönen, blonden Vampir, der beinahe ein Opfer der Jäger geworden wäre.

Und das konnte er nicht ändern, egal wie sehr er es versuchte oder versucht hatte.

Arthur war seine Obsession.



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Eine halbe Stunde später stand er vor dem Haus Nummer zwölf, so wie Maria gesagt hatte. Er ging die Treppe hoch und betätigte mit Telekinese den Türklopfer. Noch war er nicht zu sehen, doch als er Schritte hörte, löste er den Verschleierungszauber und dann wurde die Tür geöffnet. Noel stand darin, der ihn einen Moment anstarrte, erst diesen Anblick realisieren musste. Doch dann sah er auf Arthur und wieder zu Merlin.

„Merlin? Um Himmels Willen; was ist passiert."

„Lass mich erst rein, bevor mich noch jemand sieht. Würde komisch aussehen."

Noel machte ihm sofort Platz, sein Gesicht sorgenvoll und er trat ins Haus und der Vampir rief hinter ihm.

„Dritte Tür links; lege ihn auf das Sofa im Salon."

Als Noel die Tür schloss und ihm folgte, stand Merlin vor dem schönen Sofa in dem exklusiven Salon und sagte, immer noch Arthur auf den Armen.

„Hast du eine Decke? Er blutet und das Sofa ist..."

„Ja, klar."

Er rannte in Vampirgeschwindigkeit raus und war eine Sekunde später wieder da. Er breitete die Decke aus und Merlin legte ihn vorsichtig ab. Wegen den Pfeilen drehte er ihn so, das er seitlich lag und die beiden ihn dann auf den Bauch drehten. Noel schüttelte den Kopf.

„Jäger?"

„Ja, ich habe sie abgelenkt, aber er war zu schwach, um zu fliehen. Ich war zufällig in der Gegend spazieren. Wir müssen die Pfeile herausziehen, denn sie sind aus Silber. Können wir sie einfach herausziehen?", fragte er. Noel sah sich das an.

„Einer ist verdammt nah an seinem Herzen. Wir müssen ihn ganz vorsichtig herausziehen. Die anderen sind nicht so schlimm. Gut, du übernimmst den Pfeil am Herzen, Merlin."

„Was? Ich?"

„Ja und sei vorsichtig. Er darf sein Herz nicht berühren."

„Warum ich? Mach du es. Du bist hier der Vampir. Ich kenne mich damit nicht aus."

Noel schüttelte den Kopf.

„Ich bin zu nervös. Denn wenn Arthur etwas passiert, bringt mich Lance um."

Merlin sah ihn fassungslos an.

„Aber mich kann er umbringen, was? Ich bin ja abkömmlich. Echt aufbauend."

„Hör auf zu quatschen und zieh den Pfeil raus. Ganz langsam", sagte Noel „Keine hektischen Bewegungen."

„Klasse", sagte Merlin leise und umfasste vorsichtig den Pfeil, nahm Luft und zog etwas.

Er steckte fest in seinem Rücken und bewegte sich nicht. Merlin fluchte und zog mehr und jetzt bewegte sich der Pfeil langsam nach oben. Schweiß stand auf seiner Stirn, nicht vor Anstrengung, sondern seine Nerven flatterten. Wenn er nicht aufpasste, war Arthur Geschichte. Merlin hielt die Luft an, ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein. Stück für Stück zog er langsam den Pfeil aus Arthurs Rücken und atmete erleichtert auf, als er ihn in der Hand hielt. Er war komplett mit Silber überzogen. Merlin betrachtete ihn interessiert, denn seine Pfeile waren damals nur an der Spitze aus Silber. Er war schwer und lag ausgewogen in seiner Hand, verschmiert mit Arthurs Blut. Noel zog mit einem Ruck die anderen Pfeile aus Arthur, schaute sie einen Moment an, warf sie auf den Boden, als es in seiner Hand zischte.

„Scheiß Silber", fluchte er „Die werden auch immer fortschrittlicher, diese verdammten Jäger. Jetzt haben sie komplette Silberpfeile."

Merlin warf seinen Pfeil zu den anderen und schaute Noel an.

„Und jetzt?"

„Jetzt muss ich ihm Blut einflössen und das reichlich. Er ist fast ausgeblutet. Bin gleich wieder da."

Kurz darauf kam er mit mehreren Blutbeuteln und sie drehten ihn um. Noel arbeitete schnell und effektiv. Da Arthur bewusstlos war und nicht trinken konnte, legte er eine Kanüle und gab ihm über eine Vene Blut. Als er fertig war, sagte er.

„Die Wunden werden sich schließen, doch werden erst abheilen, wenn er genug Blut hat. Das dauert jetzt, bis er wach wird. Willst du einen Drink?"

Merlin nickte. Konnte er jetzt gut gebrauchen, nach diesem Schreck.

„Brandy, wenn du hast."

„Sicher", sagte er und ging an die Bar. Noel trank auch gerne Wodka, wie Lance. Aber er sagte auch nicht zu anderem nein. Er gab Merlin sein Glas und sie tranken stillschweigend. Schließlich sagte Noel, als er ihn ansah.

„Du hast dich nicht verändert. Nun ja, etwas männlicher, aber das steht dir hervorragend", grinste er „Ich wollte es nicht glauben, als Lance es erzählte. Du siehst...umwerfend aus."

„Willst du mich anmachen?"

Noel lachte.

„Immer noch Merlin, nach all der Zeit. Der Witzbold des Tages. Nein, natürlich nicht. Doch ich sage dir das, wenn ich der Meinung bin, das du sehr attraktiv bist. Da ich auch auf Männer stehe, sehe ich das."

„Na dann, danke", grinste Merlin „Hab doch glatt vergessen, das ihr zweigleisig fahrt."

Tat er ja auch, fiel ihm ein, als er an Serena dachte. Nur nicht regelmäßig. Merlin wählte meistens Männer, eigentlich immer. Serena war die Ausnahme gewesen. Mädchen machten ihn einfach nicht so an wie Männer. Obwohl das mit der Clanhexe gut war, sogar sehr gut.

Noel lachte, doch wurde ernst, als er auf Arthur sah.

„Du hast sein eh schon verkorkstes Leben heute Nacht gerettet. Vielleicht hättest du ihm einen Gefallen getan, es nicht zu tun."

„Nein; das ist keine Option."

Noel sah ihn an.

„Noch immer verrückt nach dem Trottel, ja?"

Merlin antwortete nicht und Noel nickte grimmig.

„Er hat dich nicht verdient, Merlin. Egal, was du jetzt bist. Du liebst ihn ohne Limit, all die vielen Jahre und was tut er? Er verletzt dich nur. Es wäre besser, wenn du ihn vergessen würdest."

Merlin schenkte sich noch Brandy ein.

„Mag sein, aber ich werde ihn nicht sterben lassen. Egal was er tut oder nicht. Vergessen?", er lachte leise, es klang spöttisch „Glaube mir; ich habe es versucht. Nur Gott allein weiß, wie sehr ich es versucht habe. Es hat nicht funktioniert."

„Ich weiß das ja, Merlin. Musst du niemanden sagen, der hier wohnt. Arthur ist nicht besser, nur macht er dabei völlig unlogische Dinge. Ihr beide seid das Absolute. Es kommt mir vor, als wäre Arthur deine Obsession und umgekehrt."

Merlin nickte.

„Gut gesagt und die verfluchte Wahrheit. Wir lieben uns und doch können wir nicht zusammen sein. Und wir können das nicht ändern; beide nicht. So sieht es aus. Toll, nicht?"

„Ja, wirklich toll", antwortete Noel und wechselte das Thema.

„Leben die Jäger noch?"

„Ich habe sie nur abgelenkt."

„Du hättest sie töten sollen."

„Das ist nicht so mein Ding, wenn ich eine Alternative sehe. Ich bin kein Vampir und sie waren zu dritt", antwortete Merlin.

„Und wie hast du sie abgelenkt?"

„Das ist doch jetzt egal und ich möchte nicht schon wieder davon reden. Hauptsache, es hatte den Erfolg, den ich wollte und konnte Arthur retten. Alles andere ist nebensächlich."

„Hast ja recht...entschuldige."

Nach dem dritten Beutel stöhnte Arthur und bewegte sich leicht. Merlin stand aus dem Sessel auf. Er war seit zwei Stunden hier und würde erst gehen, wenn Arthur außer Gefahr war. Noel schaute nach ihm und nickte.

„Er wird wieder der selbe Idiot werden, der er ist."

Merlin lächelte. Er mochte Noel; er sagte, was er dachte.

„Gut, ich gehe dann."

„Willst du nicht warten, bis er aufwacht?"

„Nein."

Er wollte nicht in seine blauen Augen sehen, denn er würde schwach werden. Und er wollte nicht nachgeben, denn wenn er es tun würde, dann würde er noch mehr leiden. Wenn Arthur nachts von seinen sexuellen Abenteuer käme und ihn in den Arm nehmen würde. Nein, er litt schon genug. Merlin war schon aus der Salontür, als Noel rief.

„Vielen Dank für alles, Merlin."

„Schon gut", hörte er Merlin rufen, dann war er weg.

Noel schüttelte den Kopf, als er auf Arthur hinab sah. Was hatte der Idiot getan, das er die Jäger nicht bemerkt hatte? Arthur war von normal so weit entfernt wie die Sonne. Wenn er jetzt auch noch unaufmerksam wurde, dann wusste Noel es auch nicht mehr. Bald konnte man ihn nicht mehr allein losziehen lassen.

Na prima. Lance würde sich freuen, wenn er von seinem Date zurück kam.



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Lance öffnete die Tür kurz nachdem Merlin gegangen war. Er lächelte vor sich hin, als er an die leidenschaftlichen Küsse dachte, die er mit Maria ausgetauscht hatte. Er schwebte auf Wolke sieben wie ein junger, verliebter Teenager. Nach all dem Mist, den er hatte mitmachen müssen, war es eine Erleichterung, jetzt mal etwas Positives zu erleben. Noel trat aus dem Salon.

„Lance?"

„Ja? Was ist los? Ist etwas passiert?", fragte er schon mit einer Vorahnung.

Das war ja nicht auszuschließen, seit Arthur wieder Merlin getroffen hatte. Vielleicht hat er einige Männer getötet, die angeblich mit Merlin zusammen waren oder drei Leichen lagen wieder im Keller. Der blonde Vampir war im Moment nicht einzuschätzen; er reagierte nur; oft irrational.

„Arthur."

Lance stöhnte und verdrehte die Augen.

„Was hat er jetzt schon wieder angestellt?", fragte er, als er seinen Mantel auszog.

„Er wäre beinahe umgekommen."

Lance verharrte in der Bewegung und schaute Noel entsetzt an. Er zog den Mantel aus und warf ihn über den Sessel, der im Foyer stand und kam auf Noel zu.

„Was? Von was redest du denn?"

Noel zeigte auf das Sofa im Salon, als sie vor dem Salon standen, auf dem Arthur immer noch bewusstlos lag. Lance stürzte hinein und schaute auf ihn hinab, begutachtete die Nadel in seinem Arm, in den ständig Blut floss. Er schaute wieder fragend zu Noel, der jetzt sagte.

„Das ist schon die fünfte Blutkonserve, die an ihm hängt. Als Merlin ihn brachte, hatte er..."

„Merlin?"

Noel nickte.

„Er brachte ihn mit drei Silberpfeilen im Rücken, davon einer verflucht nah an seinem Herzen. Er trug ihn auf seinen Armen, denn er war bewusstlos. Keine Ahnung, wo er ihn gefunden hat, aber hätte er es nicht, wäre Arthur jetzt tot. Jäger hatten ihn erwischt und wollten ihm anscheinend gerade den Garaus machen, als Merlin ihn wohl eher zufällig traf. Er lenkte die Jäger ab und brachte ihn nach Hause. Er war fast ausgeblutet."

Lance schaute ungläubig auf Arthur hinunter.

„Jäger?", fragte er wieder „Das verstehe ich nicht. Arthur hatte nie groß Probleme mit Jäger. Meistens atmeten sie nicht mehr lange, wenn sie ihm zu nah kamen."

„Ich weiß auch nicht, wieso er sie nicht bemerkt hatte."

„So ein Idiot", fluchte Lance „Der Abend war so toll und dann komme ich nach Hause und muss erfahren, das der Vollidiot beinahe den Löffel abgegeben hätte. Wann hat das alles mal ein Ende; ich werde noch wahnsinnig."

Er machte sich einen Wodka und trank ihn in einem Zug, machte sich noch einen. Ja, mit Arthur zusammen zu leben, hatte man gute Chancen, das man irgendwann zum Alkoholiker wurde, um das alles einigermaßen zu ertragen. Oder man trank sich zu Tode, aber das Glück hatte er leider nicht mehr. Das war er schon.

„Wo ist Merlin?"

„Gegangen, als Arthur Anzeichen machte, aufzuwachen. Anscheinend wollte er nicht mit ihm reden."

Noel trat an Arthur heran.

„Das ist die letzte Blutkonserve, aber er wird noch mehr Blut brauchen", sagte er, als er die Nadel aus Arthurs Arm zog und den leeren Blutbeutel nahm. In dem Moment schlug der blonde Vampir die Augen auf und fragte.

„Wo...Wo bin ich?"

„Zuhause und in Sicherheit", antwortete Noel, nahm die medizinischen Dinge, schaute zu Lance und ging davon. Arthur wollte aufstehen, doch er war noch ziemlich wackelig.

„Liegenbleiben, du Vollidiot", sagte Lance vorwurfsvoll und kam näher, als Arthur sich stöhnend wieder zurücksinken ließ. Seine Wunden am Rücken schmerzten; sie hatten sich geschlossen, doch heilten noch nicht vollständig.

„Was ist passiert?"

Lance kam näher und setzte sich neben ihn auf das Sofa.

„Was passiert ist? Das fragst du mich? Jäger, du Idiot. Seit wann bemerkst du die Jäger nicht mehr? Was tust du nur?"

Ach ja, er erinnerte sich wieder an die drei Männer, die ihn töten wollten. Langsam kam seine Erinnerung zurück. Sie hatten ihn in die Enge getrieben und er hatte keine Möglichkeit mehr. Arthur hatte sich noch nie so hilflos gefühlt wie in diesem Moment. Und er wollte nicht sterben; jetzt da Merlin in greifbarer Nähe war. Jung und schön. Er schaute wieder Lance an, der auf eine Antwort wartete.

„Ich hab sie nicht bemerkt, weil ich...Ich suchte Merlin und war irgendwie abgelenkt. Ich weiß auch nicht, ich sah sie erst, als ich das Zischen der Pfeile hörte. Zu spät."

Wie kam er hierher? Diese Frage schien ihm viel wichtiger zu sein. Ihm fehlten einige Bruchstücke. Er wusste noch, das er zusammenbrach und alles schwarz wurde. Aber was passierte danach? Er setzte an, das zu fragen, doch wurde von Lance abgelenkt.

Lance schüttelte den Kopf. Das nahm irgendwann kein gutes Ende. Hätte es heute auch nicht genommen, wenn Merlin nicht da gewesen wäre. Warum oder wieso war er in der Nähe? Egal, Hauptsache, er war es. Lance stellte das Glas auf den Tisch und öffnete sein Hemd, zog es etwas herunter. Arthur beobachtete ihn.

„Was hast du vor?"

„Was schon? Komm her und trinke."

„Von dir?"

Lance schnaubte.

„Siehst du sonst noch jemanden hier? Du brauchst noch Blut und Menschen sind nicht in der Nähe, sonst heilen die Wunden nicht. Und du bist noch zu schwach zum Jagen, abgesehen davon, das bald Sonnenaufgang ist. Du bringst es auch noch fertig, als Fackel herumzulaufen. Also; ist noch jemand hier?"

„Nein."

„Zumindest deine Augen funktionieren noch; im Gegensatz zu deinem Gehirn", sagte Lance sarkastisch.

„Schon gut, brauchst ja nicht gleich auszurasten."

Lance lachte.

„Du hast mich noch nie gesehen, wenn ich ausraste. Und du willst es nicht sehen, glaube mir. Aber du machst mich seelisch fertig."

„Wieso? Was mach ich denn?"

Lance seufzte.

„Trink jetzt und halt den Mund."

„Ich weiß nicht, ob..."

Lance schaute ihn ernst an und sagte eindringlich.

„Arthur, du brauchst noch Blut, du bist fast ausgeblutet. Würdest du jetzt bitte trinken und aufhören mit dem Scheiß? Wir müssen gleich runter."

Arthur setzte sich mühsam auf und Lance half ihm. Seine Augen wurden grün, als er seine Fänge bleckte und über Lances Halsschlagader leckte. Dieser nahm genervt Luft.

„Hör auf mit deinen Spielchen und beiße endlich zu. Ich will dich nähren und nicht mit dir schlafen."

„Nicht?", grinste Arthur an seinem Hals.

„Arthur!" Warnend.

Und Arthur biss zu und trank das Blut von Lance, das jetzt aus der Wunde trat. Es erinnerte Lance an den Tag, als er im Wald von dem Vampir gebissen wurde und starb. Arthur nahm viel Blut, doch Lance war erfolgreich auf der Jagd gewesen und dementsprechend sehr kräftig. Nach einer Zeit löste sich Arthur von seinem Hals, dessen Wunde sich sofort schloss. Er nickte.

„Ich habe genug. Danke."

Lance drehte sich nach ihm um und Arthur fragte grinsend.

„Bist du hart geworden?"

„Oh, Arthur. Ist das deine einzige Sorge, du Idiot? Natürlich nicht. Was für eine idiotische Frage; also manchmal zweifle ich an deinem Verstand. Hast du nichts im Kopf außer vögeln?", fragte Lance genervt und leicht sauer.

„Okay, war ja nur Spaß. Was bist du denn so empfindlich?"

„Meine Nerven liegen blank und frag jetzt bloß nicht wieso", sagte Lance warnend.

„Ja, gut. Ich sag nichts mehr."

„Ist auch besser so", nickte Lance grimmig „Hast eh heute Nacht wieder den Vogel abgeschossen."

Arthur sagte nichts; er hatte ja recht. Heute war es knapp gewesen; sehr knapp. Wie durch ein Wunder hatte er überlebt.

Lance musterte ihn; er war froh, das er hier noch lag. Trotz allem. Etwas ruhiger sagte er jetzt.

„Lass mal deinen Rücken sehen."

Arthur drehte sich etwas, denn Noel hatte ihm schon das blutige Hemd ausgezogen. Die Wunden waren fast verschwunden. Morgen, nachdem er geruht hatte, würden sie nicht mehr zu sehen sein, keine einzige Narbe. Seine Haut wäre wieder so glatt und geschmeidig wie eh und je. Lance nickte zufrieden.

„Fast weg. Morgen werden sie verschwunden sein."

Arthur sah ihn einen Moment an. Er hatte noch Fragen.

„Hast du mich nach Hause gebracht?"

„Nein, es war Merlin."

„Merlin?", er sah sich hektisch um.

„Du brauchst nicht auszuflippen; er ist schon gegangen. Was hast du getan, als sie dich erwischten?", wollte Lance wissen. Arthur erzählte ihm, das er auf der Jagd war, als es passiert ist und alles andere, bis er nach einem Moment Schweigen noch sagte.

„Es war seltsam."

„Was?"

Er erzählte von dem Feuer und das diese Jäger panisch geschrien hatten. Das alles wusste er wieder; jetzt, da es ihm besser ging.

„Sie kratzten und schlugen auf ihrem Körper herum, als wollten sie etwas abschütteln. Aber da war nichts. Sie rissen sich ihre Kleider vom Leib und schrien, als würden ihnen die Kehlen aufgeschlitzt. Und die Waffen verbrannten...nein, sie schmolzen, wenn ich mich richtig erinnere. Ich wollte flüchten, als sie abgelenkt waren, doch ich verlor das Bewusstsein. Von da an wusste ich nichts mehr, bis ich hier aufgewacht bin. Und Lance, ich sage die Wahrheit. Drei Jäger, ich in einer Sackgasse mit dem Rücken zur Wand und sehr schwach. Es ist wirklich geschehen; ich schwöre."

Lance dachte nach.

„Hhm, hört sich seltsam an. Und du bist dir ganz sicher? Ich meine...vielleicht warst du ja nicht mehr so klar, wenn man bedenkt, wie viel Blut du verloren hast."

„Ja, wäre ein Argument, aber ich weiß, was ich gesehen habe. Ich schwöre auf alles, das es so war. Wie hätte ich sonst überleben können? Merlin mag mich gefunden haben, aber wäre das nicht passiert, wäre ich eine Mumie gewesen und sie hätten mich verbrannt, bevor er mich gefunden hatte. Das waren keine Anfänger, diese Jäger. Sie wussten sehr genau, was sie taten. Und sie hätten mich erwischt, wenn diese...Vorfälle nicht gewesen wären. Diese Jäger waren nicht mehr so jung und sahen nicht aus, als machten sie das nur manchmal. Das waren Profis, die schon sehr viel Erfahrung hatten. Glaube mir, denn ich habe schon viele von ihnen getroffen, doch alle leben nicht mehr. Ich habe sie getötet. Diesmal hätte es mich erwischt."

„Ich glaube dir ja, Arthur. Es ist ja nicht so, als würdest du dir diese Geschichten ausdenken, um dich aus der Schuld zu nehmen."

Arthur lachte leise und schüttelte den Kopf.

„Das wäre ja Schwachsinn. Ich war unaufmerksam und abgelenkt und bin selbst schuld. Ich gebe ja zu, das es meine Schuld war. Natürlich sind Jäger immer irgendwo und ich erkenne sie in der Regel auch. Aber heute...", er seufzte „Heute war ich wirklich trottelig. Ich sah und bemerkte sie viel zu spät."

Lance wollte etwas sagen, doch beide sahen wie auf Kommando zum Fenster. Es war Sonnenaufgang und ihre Vampirinstinkte warnten sie. Lance stand auf.

„Wir reden morgen darüber. Sonnenaufgang und du musst ruhen. Auch wenn du stark bist, hat dich diese Aktion mitgenommen. Morgen bist du wieder der alte Trottel wie immer."

„Hey", beschwerte sich Arthur „Du bist wirklich unverschämt."

„Ich sage nur die Wahrheit. Komm, ich helfe dir, bevor du noch nach verbranntem Fleisch riechst."

„Danke", sagte Arthur zynisch, ließ sich aber helfen.

Er war schon noch schwächlich, als er mit Lances Unterstützung nach unten ging. Lance blieb bei ihm, half ihm sein Blut abzuwischen, als er ein schnelles Bad nahm. Danach legte sich Arthur in sein Bett und Lance ging zur Tür.

„Danke", sagte Arthur nochmal, doch Lance winkte nur ab und ging.

Wenn er auch so tat, als wäre er genervt, war er doch sehr froh, das diese Nacht so glimpflich abgelaufen war. Auch wenn Arthur ihm im Moment den letzten Nerv nahm, würde er am Boden zerstört sein, wenn es anders ausgegangen wäre. Was diese seltsame Dinge anging, die Arthur erzählt hatte, darüber machte er sich schon Gedanken. Sein bester Freund mag vieles sein, aber er hatte noch nie fantasiert oder sich so etwas ausgedacht. Wozu auch? Es würde keinen Sinn machen.

Aber es machte Sinn, das er dadurch entkam. Aber was war das gewesen und noch etwas beschäftigte Lance. Und wieso war Merlin da? Mailand war nicht riesengroß, aber auch nicht klein. Und trotzdem war er zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Als würde es ihn immer zu Arthur ziehen. Das war alles sehr seltsam. Er beschloss, diese Gedanken auf später zu schieben und noch mit Merlin zu reden. Da gab es noch einige Fragen, wie zum Beispiel...

Wie wurde er mit drei gut trainierten Jäger fertig, die sich überwiegend mit Vampiren und Meistervampiren herumschlugen.

Das war ihm allerdings ein Rätsel. Denn Merlin war nur ein Mensch und nicht ansatzweise so gut ausgebildet wie diese Jäger.

In ihrem Geschäft musste man auf Draht sein, geschickt und gut kämpfen können, denn Vampire waren was Menschen anging, ihnen weit überlegen. Diese drei waren schon nach Arthurs Aussagen älter, was hieß, das sie gut waren.

Denn wer es nicht war, der atmete nicht sehr lange.

Er musste mit Merlin reden, denn auch das war ein Mysterium, wie die Vorfälle, die Arthur seine Existenz gerettet hatten.

Lance legte sich hin und sah zur Decke. Es gab einfach so viele Fragen, auf die er keine Antwort hatte. Allein die Geschwister waren ein einziges, großes Geheimnis. Sie müssten Greise sein und schwächlich, doch sie waren jung und verdammt gutaussehend, beide.

Was war ihr Geheimnis?

Lance legte sich auf die Seite und seufzte. Er würde noch verrückt werden.

Arthur auf Abwege und zu viele nicht geklärte Fragen. Er schloss die Augen...ruhen.

Wenigstens in dieser Zeit wurde er nicht von tausend Fragen gequält und nicht von Arthur.

So wie das aussah, musste er sich jetzt auch noch Sorgen machen, wenn er abends ausging. Kein Jäger hatte Arthur je erwischt; nicht so, das er fast ausgelöscht geworden wäre. Viele Vampire hatten schon Zusammenstöße mit Jägern, aber die meisten konnten entkommen. Außer vielleicht blutjunge Vampire. Doch Arthur war sehr geschickt, was Jäger anging und er tötete sie ausschließlich; manchmal sehr grausam, wenn er übel drauf war.

Was kam noch?

Endlich schlief er ein und bekam etwas Ruhe.

Dunkles SchicksalWo Geschichten leben. Entdecke jetzt