150. Kapitel Brummschädel

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Charming hat mich währenddessen widerstandslos zu meiner Betthälfte gebracht und drückt mich jetzt sachte darauf nieder. Sobald ich sitze, schnappt der Herr sich meine Beine, um auch diese ins Bett zu legen und mich so sanft aber bestimmt zum Hinlegen zu bekommen. Er setzt sich neben mich auf den Boden und redet dann nach einem tiefen Durchschnaufen weiter "Heute Mittag wolltest du kleines stures Köpfchen dann trotz deiner körperlichen Instabilität allein ins Bad und da hat dein Körper das zweite Mal Tilt gesagt und dich einfach ausgeknockt. Ich konnte dich gerade so noch auffangen, sonst hättest du jetzt wahrscheinlich eine dicke Beule oder zusätzlich noch einen Brummschädel. Der Doc war wieder hier, hat dir noch eine Spritze verpasst und drum gebeten, dass du Ruhe hältst, ißt und trinkst sobald du wach bist. Er hat mir erklärt, dass du zu Hause dringend zu einem Traumatherapeuten oder Psychologen gehen musst, da deine physischen Reaktionen schon lebensbedrohliche Ausmaße annehmen." Was, ich soll zum Seelenklempner, spinnen die. Bestimmt nicht, mir geht es gut und ich werde morgen von Bord gehen, aus seinem Leben verschwinden und meine Kraft und alles was ich für ein zufriedenes Leben benötige, in mir von ganz alleine wieder finden, so wie immer. Ich brauche niemanden, der mir vorheuchelt Interesse an meinem Schicksal zu haben, sich aber im stillen Kämmerlein dann daran aufgeilt, was mir passiert ist und ich doch für ne dumme, naive Trulla bin. Der nur ach so gut gemeinte Ratschläge und Tipps erteilt, aber überhaupt keinen blassen Schimmer einer Ahnung von dem hat, was da wirklich mit einem tief drinnen passiert. Nein, so jemanden brauche ich nicht. Das habe ich all die Jahre ohne geschafft, sogar sehr gut. Bis dieser blonde Charmbolzen neben mir um die Ecke kam und mich den Blick fürs wesentliche hat verlieren lassen. Genau, da haben wir des Pudels Kern, er muss wieder aus meinem Leben verschwinden, dann komm ich wieder alleine gut mit mir klar. Scheiß auf die Liebe, braucht kein Mensch, verursacht nur Schmerzen und bringt Unheil, bestätigt mir mein Verstand, während Engelchen und Teufelchen mit entsetzt weit aufgerissenen Augen vehement ihre Köpfe schütteln und "das stimmt nicht, Charming ist das beste, was uns je passiert ist. Nur wegen ihm Leben und Fühlen wir wieder. Vegetieren nicht nur dahin." lauthals brüllen. Genannter erhebt sich und geht Richtung Schreibtisch. Dort nimmt er ein Glas sowie einen Teller weg und kommt zu mir zurück. Hält mir beides auffordernd hin "Engelchen bitte, du musst etwas zu dir nehmen. Ich weiß, mir zu Liebe wirst du es nicht tun, dann tue es für dich selbst, damit du wieder zu Kräften kommst, bitte" und ich sehe ihn jetzt doch direkt an. Sehe wie eine einzelne stumme Träne seine liebevollen Augen verlässt und über die Wange nach unten tropft. Er wischt sie nicht weg, scheint auch was mich betrifft zu resignieren, da ich einfach nicht reagiere. Denn er stellt den Teller wie auch das Glas auf mein Nachtbord, schüttelt kurz den Kopf, dreht sich um und verlässt geknickt die Kabine. An der Tür angekommen, schaut er nochmal zu mir und wispert leise "ich liebe dich so sehr mein pieni Lumikki, vergiß das bitte nie und ich werde für uns, um dich kämpfen, immer und bis zu meinem Ende". Dann schließt sich auch diese Tür wieder einmal von außen und lässt mich allein zurück.

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