Ein Malfoy im Scheideweg

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Ein Malfoy am Scheideweg

Am nächsten Schultag ging Harry wie auf Wolken. Er war immer noch völlig hin und weg von dem gestrigen Tag, und vor allem was passiert war. Allein wenn er daran dachte, was Sev und er alles getan hatten, wurde er rot.
Etwas was seine „Garde“ natürlich bemerkte. Sie sagten aber nichts.
„Du, Harry, kommt Professor Snape eigentlich zu unserer Weihnachtsfeier?“
Die Frage wäre nicht überraschend gewesen, wenn es nicht Neville gewesen wäre, der sie gestellt hätte.
Als ihn nun alle ansahen, wurde er dann doch verlegen.
„Ich meine ja nur. Er lässt dich doch nun fast gar nicht mehr aus den Augen.“
„Stimmt, wo ist er denn?“
Harry hatte sich schon gefragt, wann Hermine das fragen würde.
„Es gibt eine Notfallsitzung. Und bevor ihr fragt, nein, es hat nichts mit dem Überfall dieser Idioten zu tun. Und nein, ich weiß auch nicht, worum es genau geht. Nicht mal Severus weiß es. Er meinte einfach nur, dass es vermutlich mit dem Krieg zu tun hat.“
Verstehendes Nicken war die Antwort.
„Also kommt er zur HA-Weihnachtsfeier?“
„Ich hätte ihn gerne dabei. Dimitrius hat ja auch seine Frau eingeladen. Also wenn es euch nicht stört, und er ja sagt, dann schon.“

Vor einem Jahr hätte es die Schüler sehr wohl gestört. Aber mittlerweile hatten sie nichts mehr gegen den düsteren Mann aus den Kerkern.
Klar, Snape war, außer zu Harry und Luna, immer noch der Alte. Er konnte bissige Kommentare abgeben, dass einem Hören und Sehen verging.
Und sein verjüngtes Aussehen hatte seinem berüchtigten „Killerblick“ keinen Abbruch getan. Die Schüler fingen immer noch zu winseln an, wenn er sie damit ansah.
Allerdings hatte sich der Unterricht dieses Jahr um einiges verbessert. Ihr Lehrer erklärte mehr, und es gab auch immer drei verschiedene Rezepte für einen Trank. So konnte man selber entscheiden, welchen Weg man nahm.
Auch konnten die Schüler den Mann jetzt viel besser verstehen. Keiner konnte sich erklären, wie er die ganzen Jahre ein Doppelleben führen konnte, ohne verrückt zu werden.

So war es beschlossen. Die HA würde sich am Abend vor den Ferien im Raum der Wünsche treffen um zu feiern. Verdient hatten sie es allemal. Auch einige Hauselfen hatten zugesagt zu kommen. Immerhin hatten die kleinen Wesen tatkräftig mitgeholfen die Schüler vor Umbridge zu schützen. Und nachdem sie in einer der Stunden etwas mehr über ihr Volk erklärt hatten, waren auch Freundschaften entstanden.
Etwas, das es früher nie gegeben hätte.

Severus unterdessen hatte ganz andere Probleme. Er hasste diese Lehrerkonferenzen. Vor allem jetzt nach dem Angriff auf seinen Kleinen. Es fiel ihm alles andere als leicht, Harry nicht ständig in seiner Nähe zu haben. Merlin, wann war er eigentlich so besitzergreifend und überängstlich geworden? Aber ändern konnte er es auch nicht. Er machte sich einfach Sorgen um seinen Mann. Vor allem hatte er Angst, dass es nochmal jemand wagen würde, sozusagen, die Lichter auszudrehen. Deswegen hatte jetzt auch Fawkes „Dauerdienst“, Phönixflammen würden jede Dunkelheit durchdringen.
Mit schlechter Laune und einem Blick der selbst seine Kollegen zur Vorsicht mahnte, setzte er sich an seinen Platz.

„Schön, dass ihr alle gekommen seid.“
„Als hätten wir eine andere Wahl gehabt.“
„Severus bitte, ich weiß, dass du dir Sorgen um Harry machst, aber er ist bei seinen Freunden in guten Händen. Das haben sie ja auch schon eindrucksvoll bewiesen.“
„Aber gefallen muss es mir deswegen noch lange nicht.“
„Ich stimme der Fledermaus zu.“
„Sirius, bitte nicht auch noch du.“
Dumbledore massierte sich die Schläfen. Er verstand die beiden Männer ja. Aber wie er schon gesagt hatte: Es ging nicht anders.
„Bevor das noch lange so weitergeht, komme ich besser gleich zum Punkt. Es geht um unseren Einsatz von vorgestern.“
„Was meinst du Albus? Ich dachte, die Familien wären jetzt geschützt.“
„Das sind sie, Minerva. Darum geht es auch nicht. Wir haben uns gefragt, warum Tom nur niedere Todesser zu den Überfällen geschickt hat. Durch Kingsley weiß ich es jetzt. Die Angriffe waren nur ein Ablenkungsmanöver.“
„Bitte?“, kam es von allen Lehrern und Sirius gleichzeitig.
„Ihr habt richtig gehört. Zwar bin ich davon überzeugt, dass Tom wirklich vor hatte einige Neu-Zauberer in seine Gewalt zu bringen, aber das war nicht das Hauptziel. Er hat gewusst, dass wenn er Zivilisten angreift, sich unsere Aufmerksamkeit auf deren Rettung richten wird. Ich vermute, dass wurde ihm klar, nachdem wir Arthur und Bill gerettet haben.“
„Verdammt Albus, jetzt rede nicht um den heißen Brei. Was hatte Riddle eigentlich vor?“
„Einen Überfall auf Askaban.“
Der Satz wirkte wie ein Peitschenhieb. Völlige Ruhe herrschte in dem Raum. Selbst die Bilder an den Wänden waren still.
Remus fing sich als erstes wieder.
„Bitte sagen Sie das noch mal.“
„Es ist leider genauso. Während der Orden und die Auroren mit dem Schutz der Familien beschäftigt waren, hat Tom mit seinen anderen Todessern Askaban angegriffen und seine Gefolgsleute befreit. Dabei sind einige Wachposten ums Leben gekommen. Zum Glück ist es ihm nicht gelungen die Dementoren auf seine Seite zu ziehen. Dazu hatte er nicht genügend Zeit. Aber ich bin mir sicher, er wird es noch versuchen.“

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