Der erste Schultag 1
In ihrer Wohnung angekommen, zeigte Severus seinem Mann als erstes den Zettel, den ihm Winky zugesteckt hatte.
„Die Kleine ist einfach super. Daran, dass auch Schüler hinter mir her sein könnten, habe ich gar nicht mehr gedacht. Ich habe nur befürchtet, dass es wieder so abläuft wie letztes Jahr und ich mir blöde Sprüche anhören darf.“
„Ich habe die unangenehme Vorahnung, dass genau das auch passieren wird. Aber zumindest können sie dir keinen Portschlüssel unterjubeln oder etwas in der Art. Eines kannst du mir allerdings glauben, diese Parasiten, die hier mit gezeichnetem Gesicht herumrennen, werden ihr letztes Schuljahr noch lange in Erinnerung behalten.“
Harry enthielt sich jeglichen Kommentars, er wusste, es würde nichts bringen.
Außerdem, wenn er ehrlich mit sich selber war, hatten diese Schüler nichts anderes verdient. Die kannten ihren Lehrer doch und dann stellten sie solche Anfragen? Einfach nur dumm.
„Gut, ich werde gleich noch kurz zu meinen Schlangen gehen und die neuen begrüßen. Es wird hoffentlich nicht lange dauern.“
„Du gehst am ersten Abend in den Gemeinschaftsraum? Respekt, Professor McGonnagal hat das immer erst am zweiten Tag gemacht.“
„Ich früher auch, aber da der dunk... Riddle wieder auferstanden ist, haben wir bei der Lehrerkonferenz beschlossen, dass es für die Schüler wichtig ist zu wissen, dass sie sich bei Problemen an einen Erwachsenen wenden können. Vor allem damit ihnen die älteren Schüler keine Angst machen oder ihre vergifteten Anschauungen propagieren.“
Harry sah ihn nur mit großen Augen an, sodass sich Severus gezwungen sah, zu erklären:
„Sagen wir so, wir haben aus dem, was damals passiert ist, gelernt. Aus irgendeinem Grund war der erste Abend immer dazu da, die jüngeren in die ‚Gepflogenheiten’ ihres Hauses einzuweihen. Was das in Kriegszeiten bedeutet, muss ich dir sicher nicht erklären.
Deswegen hatte Minerva die Idee, dass die Hauslehrer das ganze im Keim ersticken, indem wir zeigen, dass wir da sind und uns um die Probleme unserer Schüler kümmern.“
Bei den Worten hörte man Severus seinen Unwillen mehr als gut an. Vermutlich hatte der Gute die Befürchtung, dass er sich in Zukunft mit so tollen Sachen wie Beziehungsproblemen oder Schönheitspflege auseinandersetzen musste.
Harry konnte sich nur mit Not ein Lachen verkneifen.
„Gut, ich bin so schnell wie möglich wieder da.“
„Sev?“
„Ja?“
„Darf ich baden?“
„Was? Warum fragst du? Natürlich darfst du baden. Es ist jetzt auch deine Wohnung, schon vergessen?“
„Nein, das nicht. Es ist nur... Letztes Jahr beim Turnier habe ich zum ersten Mal richtig gebadet. Früher, als ich klein war, durfte ich immer erst nach Duddley in die Badewanne. Naja und da war das Wasser immer schon kalt und meistens auch dreckig. Und später durfte ich dann nur noch duschen.“
Dass es sich dabei immer um kaltes Wasser gehandelt hatte, verschwieg Harry lieber.
Severus sah seinen Mann kurz erschrocken an. Dann war er mit zwei schnellen Schritten bei ihm und nahm ihn in die Arme. Warum zum Henker erschütterte ihn diese Neuigkeit nur so? Er hätte sich doch denken können, dass die Dursleys keinen Cent zu viel für ihren Neffen ausgaben.
„Das ist vorbei, hier kannst du so viel baden, wie du willst.“
Sanft küsste der Tränkemeister seinen Kleinen und kraulte ihn nochmal kurz hinter den Ohren. Dann löste er sich und machte sich auf den Weg zu seinen Schlangen.
Harry indessen schnappte sich seinen Schlafanzug und stürmte regelrecht in das Bad. Er war schon beim ersten Blick in diesen Raum verliebt gewesen. Es war hell und freundlich. Auf der einen Seite stand die Dusche, der der Junge allerdings keine Beachtung schenkte.
Seine ganze Aufmerksamkeit galt der großen, in den Boden eingelassenen Badewanne. Sie hatte auf einer Seite Stufen, um das Reinsteigen zu erleichtern. Außerdem gab es viele verschiedene Wasserhähne mit unterschiedlichen Funktionen.
Nachdem er sich diese kurz angesehen hatte, entschied er sich für ein entspannendes Kräuterbad und drehte die Hähne auf.
Hinter sich hörte er leises Zwitschern.
„Na, ihr drei, wollt ihr mitbaden?“
Fawkes und Hedwig nickten eifrig, während der Nager den Schweif seines Herrchens als Turngerät benutzte.
Nachdem das Wasser eingelassen war, stieg Harry mit seinen drei Begleitern ins Wasser. Er hatte aus einem der Badeschwämme eine Art Insel gezaubert, auf diese setzte er nun die Tiere.
Igel war ganz begeistert von den aufsteigenden Blasen. Er setzte sich auf die Hinterbeine und versuchte sich immer wieder einige dieser lustigen Flugdinger zu krallen. Als er eine davon hatte, kletterte er kurzerhand darauf. Da es sich um magischen Badeschaum handelte, zerplatzen die Blasen auch nicht gleich bei der ersten Berührung.
Harry beobachtete den fliegenden Nager, der kleine zeigte nicht die geringste Angst, als sein Transportmittel immer höher stieg.
Irgendwann flatterte dann allerdings Hedwig zu der Blase und ‚holte’ den kleinen Kerl wieder ab.
