Schweifprobleme und andere Katerstrophen
Als Harry und Severus die große Halle verließen, hörten sie hinter sich aufgeregtes Stimmengewirr. Scheinbar war wirklich alles, was die Eheleute betraf, Stoff für heiße Diskussionen.
Severus beschäftigten allerdings ganz andere Fragen und er beschloss, seinem jungen Partner einige davon zu stellen:
„Harry, mir sind in den letzten Tagen einige Dinge aufgefallen, die nicht so ganz zusammenpassen, oder mich verwirren. Hast du was dagegen, wenn ich dich danach frage?“
Harry sah den Tränkemeister mit großen Augen an. Es überraschte ihn immer wieder, wenn jemand, vor allem ein Erwachsener, solche Rücksicht auf ihn nahm. Es kam nicht oft vor, dass er nach seinen Wünschen gefragt wurde.
„Wenn ich kann, beantworte ich dir deine Fragen gerne.“
„Danke. Als erstes, mir ist aufgefallen, dass du Poppy im Krankenflügel mit Du ansprichst, aber außerhalb immer das Sie verwendest.“
„Das hat nichts mit dem Ort zu tun, sondern einfach nur damit, dass ich sie vor anderen nicht so vertraut ansprechen will, es würde nur Fragen aufwerfen und darauf haben weder ich noch Poppy große Lust, aber dir verrate ich es natürlich. Ich war schon so oft im Krankenflügel, dass Poppy irgendwann meinte, ich soll sie doch bitte duzen, da ich durch meine häufigen Aufenthalte bei ihr ja schon fast zur Einrichtung gehören würde. Außerdem sagte sie, wenn ich es nicht täte, würde sie Miete von mir verlangen.“
Harry schnaubte bei der Erinnerung, Severus allerdings fand das ganz typisch für die Medihexe und die beiden Vögel schienen zu lachen, zumindest kam es Harry so vor.
„Gut, eine andere Frage. Ist dir auch schon aufgefallen, dass Dobby, wenn mehrere Leute anwesend sind, mehr Lärm macht, wenn er erscheint oder verschwindet.“
„Oh ja, und auch das hat einen ganz einfachen Grund. Du musst mir allerdings versprechen mit niemandem, außer Luna und magischen Wesen, darüber zu reden.“
Harry wartete ein Nicken ab, ehe er fortfuhr:
„Das ist einfach ein Geheimnis der Hauselfen. Wenn die Zauberer wüssten, dass sich ihre Elfen, die sie ja oft mehr als schlecht behandeln, lautlos bewegen können, würde ihnen das wohl nicht gefallen. Um ehrlich zu sein verstecken die Elfen sehr viele ihrer Fähigkeiten vor den Zauberern. Es stimmt zwar, ein Hauself ist erst dann glücklich, wenn er arbeiten kann, aber das bedeutet nicht, dass sie wie Sklaven behandelt werden wollen. Zum Beispiel verstecken sie ihre Kinder vor den Menschen, genau wie die Kobolde oder Zentauren auch, einfach um sie zu schützen. Und der Grund, warum sie solche Probleme mit der Grammatik haben, ist nicht der, dass sie dumm sind, sondern Elfen haben einfach eine andere Sprache. Und wir hätten wohl auch ziemliche Probleme, wenn wir in ein Land müssten, ohne uns verständigen zu können.“
Während Harrys Erklärungen waren die beiden in ihrer Wohnung angekommen. Fawkes und Hedwig ließen sich sofort auf ihrer neuen Sitzstange nieder und fingen an sich zu putzen. Harry legte die mitgebrachten – und verkleinerten – Geschenke auf den Couchtisch und setzte sich dann in eines der Sofas.
Severus hatte dem Ganzen zwar zugesehen, seine Gedanken waren aber immer noch bei dem, was sein Partner ihm gerade erzählt hatte. Das Wissen des Kleinen war wirklich unglaublich, vor allem da er es nicht aus Büchern hatte wie Ms. Granger, sondern durch Erfahrung.
Nun war ihm auch klar, warum Dobby so gut sprechen konnte, Harry hatte ihm einfach eine Fremdsprache beigebracht.
Bei diesem Verhalten war es auch kein Wunder, dass die magischen Geschöpfe den kleinen Katzenjungen so liebten.
Severus holte eine Decke aus einem Schrank und legte sie über Harry, der sich mittlerweile bequemer hingelegt hatte. Dann setzte er sich daneben und beobachtete seinen Mann. Der war gerade dabei, seine Gliedmaßen, vor allem den verhexten Schweif, zu ordnen, was ihn immer wieder zu leisem Fluchen brachte.
Als er es endlich geschafft hatte, blickten den Tränkemeister aufgeweckte grüne Augen an.
„Möchtest du sonst noch etwas wissen?“
‚Ja, wie schaffst du es nur, dass ich mich wie ein stammelnder Teenager fühle, wenn ich dich mit diesen schräggestellten Ohren sehe?’ Laut sagte Severus natürlich etwas ganz anderes.
„Ich hoffe, ich trete dir jetzt nicht zu nahe, aber ich habe so das Gefühl, dass Mr. Weasley und Ms. Granger dich nicht wirklich kennen. Wenn ein Außenstehender euch so sieht, würde er nie denken, dass ihr die besten Freunde seit. Was ist passiert?“
Entgegen Severus Befürchtung schien Harry überhaupt nicht gekränkt über seine Feststellung zu sein.
„Als ich zum ersten Mal in die Zauberwelt kam, waren, nach Hagrid, Ron und Hermine die ersten Menschen, die nett zu mir waren. Vor den beiden hatte ich ja noch nie Freunde, darum waren sie mir auch immer so wichtig. Ich wollte auf keinen Fall etwas tun, das sie vertreiben konnte, daher habe ich mich zum Beispiel auch so bei den schulischen Leistungen zurückgehalten, also mehr als ohnehin geplant. Ich hatte Angst, Hermine würde sich von mir abwenden, wenn sie sieht, wie leicht mir das Lernen fällt, und wenn Ron gesehen hätte, dass mir die Schule Spaß macht, hätte das wohl denselben Effekt gehabt.
Ich hatte erst später den Mut, auch auf andere Menschen zuzugehen, nicht nur Luna sondern auch Neville oder die Zwillinge.
Es war auch nie so, dass ich den beiden etwas vorenthalten wollte, sie haben sich einfach nicht interessiert. Es waren Fred und George, die mir im dritten Jahr Mut gemacht haben, nachdem ich nicht nach Hogsmeade konnte und Angst vor Sirius hatte. Und was Luna mir bedeutet, weißt du ja. Hermine und Ron wussten nicht mal, dass ich sie kenne.
Und dann im letzten Jahr ist die Sache eskaliert, als Ron mir vorgeworfen hat, ich hätte meinen Namen in den blöden Pokal geworfen. Und Hermine hat zu mir gesagt, sie wolle keine Nachrichten für mich überbringen, da sie keine Eule sei.“
Bei dieser Bemerkung erklang ein wütendes Geklacker von der Sitzstange. Hedwig hatte sich um das Doppelte aufgeplustert und schien über die Einstellung des Mädchens zu Eulen überhaupt nicht begeistert zu sein.
„Ganz ruhig, meine Schöne, ich weiß, dass Eulen viel mehr sind als Briefträger, für mich bist du ohnehin die beste und Fawkes ist der beste.“
Das schien die beiden Vögel zu beschwichtigen, denn sie begannen auf der Stelle damit friedlich zu tschurren. Harry wandte sich wieder Severus zu.
„Weißt du, mir ist völlig klar, dass Hermine, Ron und ich uns immer weiter auseinanderleben, aber sie sind mir immer noch wichtig, einfach weil wir so viel zusammen erlebt haben. Aber leider scheinen die beiden manchmal zu glauben, sie hätten das Monopol auf mich, Hermine scheint der Meinung, ich müsste ihr über alles Rede und Antwort stehen, und Ron ist immer öfter eifersüchtig. Und Ginny nimmt langsam auch diese Verhaltensweisen an, nur ist es bei ihr eine Mischung aus beiden, Fred und George haben gesagt, sie benimmt sich zu Hause oft so, als wäre ich ihr Eigentum und ich dürfte mich für niemanden außer sie interessieren. Das ist so, seit ich sie vor dem Basilisken und Tom Junior gerettet habe. Sie meint anscheinend, ich hätte es aus Liebe zu ihr getan. Aber vielleicht ändert sich das ja jetzt.“
Severus war sich da nicht so sicher, er wollte seinen Kater aber nicht verängstigen. Außerdem sah der Kleine so aus, als würde er gleich einschlafen, deswegen beschloss der Tränkemeister, ihn bis zum Treffen mit den Zwillingen noch ein bisschen schlafen zu lassen.
Noch ehe er den Gedanken zu Ende gedacht hatte, hörte er auch schon tiefes gleichmäßiges Atmen. Er griff wieder zu Harrys Tränkebuch und lehnte sich gemütlich auf dem Sofa zurück.
