Kapitel 41

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•Wincent•

Gestern war das erste Konzert der Tour. Die Fans flippten regelrecht aus und auch wir gaben unser Bestes. Das Eröffnungskonzert einer Tour war einfach immer etwas speziell. Man probierte Dinge aus und schaute, wie es beim Publikum ankam. Man merkte, was noch nicht funktionierte und was für Umstellungen gemacht werden mussten. Und dieses Mal gab es einige Dinge die in der Praxis doch nicht so funktionierten, wie es für mich in der Theorie aussah. Es war ein tolles Konzert und ich war auch wirklich glücklich damit, wieder auf der Bühne zu stehen. Aber irgendwie war ich einfach nicht ganz zufrieden. Also hatte ich ein Teammeeting einberufen. Alle sassen wir nun im Aufenthaltsraum und warteten auf Mia. Ja auch sie gehörte zum Team, aber eigentlich brauchte ich sie eher hier, damit sie mich beruhigen konnte, wenn ich mal wieder übers Ziel hinausschoss. „Bin da!" sagte sie dann schnell, als sie abgehetzt hereinkam. „Gut, dann fangen wir an." Nickte ich, kaum hatte sie sich gesetzt. „Ich weiss nicht wie ihr es seht, aber für mich passten gestern ein paar Dinge irgendwie nicht. Ich würde gerne von euch hören, ob ihr auch dieses Gefühl habt und wo es für euch nicht passt." Begann ich und sah in die Runde. Unsere Licht und Tontechniker waren eigentlich ziemlich zufrieden mit ihrem Ablauf und für sie stimmte alles. Die Backliner hatten bei der Setlist etwas auszusetzen und auch die Band fand, dass wir da etwas umstellen sollten. Ich hörte allen zu und nickte. „Schmeissen wir alles über den Haufen und machen alles neu? Oder was ist euer Vorschlag?" fragte ich in die Runde und sah sie an. Ein allgemeines Schultern zucken ging durch die Runde und niemand sagte etwas. „Ihr hattet grad alle etwas auszusetzen, aber niemand kommt mit einem Vorschlag?! So kommen wir sicher nicht weit!" sagte ich und war bereits etwas genervt.

„Ähm... Darf ich auch etwas sagen?" hörte ich dann Mias vorsichtige Worte. Wir sahen alle zu ihr und bevor sie begann zu reden, räusperte sie sich kurz. Sie sah die ganze Zeit nur mich an, also würde wohl keine allgemeine Idee kommen, sondern ein Vorschlag direkt an mich. „Dann bin ich ja mal gespannt." Sagte ich. „Scha... Wincent... Vielleicht solltest du auch sagen was dich gestört hat. Woher sollen sie wissen was dich stört, wenn du nichts dazu sagst? Sie haben sich geäussert, aber du nicht. Ich meine wir sollten alle Meinungen hören und ich glaube deine ist fast die Wichtigste. Oder meinst du nicht?" sagte meine Frau. Sie redete schon fast einfühlsam und beruhigend mit mir, dass ich mich direkt wieder entspannte. Und ja, sie hatte recht. Ich hatte vergessen meine Meinung zu sagen und was mein Problem war. Ich sah sie einen Moment an und kratzte mich dann am Hinterkopf. „Das... ist ein guter Punkt." Sagte ich dann und sah wieder zu meinem Team. Alle grinsten sie leicht und auch ich musste schmunzeln. Also begann ich zu reden. In der Theorie, war die Setlist perfekt. Aber in der Praxis gab es trotz Proben, ein paar Holpersteine und die mussten wir beseitigen. Ich äusserte mich zu ein oder zwei weiteren Dingen und musste auch ein paar absurde Ideen von mir selbst beerdigen. Aber dafür war halt die erste Show da, damit man daraus lernte und schauen konnte was man verbessern konnte. Schlussendlich stellte sich heraus, dass es gar nicht solch riesige Dinger waren, wie es erst für mich schien. Ich hatte mich einfach mal wieder zu sehr in etwas reingesteigert und es war alles halb so wild. Ich sass mit der Band und meinen Backlinern zusammen und wir stellten zwei oder drei Songs um. Dann teilte ich das Tom und Tino mit, damit auch sie ihre Lichtshow anpassen konnten. Zum Glück hatten wir bereits den ersten Off-Day und wir arbeiteten an den kleinen Hürden und konnten es so fixen, dass es für uns alle passte.

„Hey..." hörte ich dann Mia hinter mir und ich drehte mich zu ihr. „Alles gut?" lächelte sie mich an und ich nickte zögerlich. „Du hast deine Tour schon den Bach runtergehen sehen oder?" schmunzelte sie leicht und kam auf mich zu. „Was? Neeee." Schüttelte ich den Kopf und sah sie an. „Neeein." Schmunzelte sie und blieb vor mir stehen. „Ja vielleicht etwas." Antwortete ich dann und griff nach ihrer Hand. „Danke." Sagte ich dann und Mia legte ihren Kopf schief und sah mich fragend an. „Dass du einfach immer für mich da bist und im richtigen Moment dich zu Wort meldest." Lächelte ich sie an und da begann auch sie zu lächeln. „Immer wieder gerne mein Schatz." Lächelte sie. „Auch wenn es nach dem ersten Konzert der Tour ist." Schmunzelte sie und da musste auch ich leicht grinsen. „Ja, dieses Mal war irgendwie der Wurm drin. Obwohl es in den Proben für alle passte." Seufzte ich. „Das ist ja jetzt egal, ihr habt es alle eingesehen und gefixt. Und nun könnt ihr entspannt an die Tour ran." Lächelte sie mich an. Sie hatte recht, wir hatten heute einen Durchlauf des Konzertes gemacht und es passte nun wirklich alles. „Gehst du heute Abend mit mir essen?" fragte ich dann meine Frau und sah sie an. „In ein Restaurant?" fragte sie überrascht und ich nickte leicht. „Wenn es für Linda okei ist, sehr gerne." Lächelte Mia und da begann auch ich zu lächeln. „Wird schon. Such dir ein Restaurant aus und ich werd Linda bestechen, mich gehen zu lassen." Schmunzelte ich und küsste meine Frau.

Mia und ich waren schon lange nicht mehr zusammen Essen. Eigentlich waren wir das noch nie wirklich. Jedenfalls nicht, seit wir verheiratet waren. Ich wartete vor dem Bus auf meine Frau und redete noch etwas mit Tom und Amelie, als dieser mit dem Kopf in meine Richtung nickte um mir zu sagen, dass sich hinter mir etwas getan hatte. Ich drehte mich um und sah Mia an. Sie hatte sich richtig hübsch gemacht und ihre Haare zu einem Zopf gebunden. Ihr sonst schon hübsches Gesicht hatte sie mit dezenter Schminke noch hübscher gemacht und lächelte mich nun an. Ich ging zu ihr und strich ihr über die Wange. „Du siehst so hübsch aus." Lächelte ich sie an. „Danke." Sagte sie lächelnd und erwiderte meinen sanften Kuss den ich ihr gab. „Können wir los?" fragte ich dann und als Mia nickte, griff ich nach ihrer Hand und spazierte mit ihr los. „Viel Spass!" sagte Amelie. Tom legte den Arm um Amelie und seufzte. „Sie werden so schnell gross!" sagte er und da mussten wir alle lachen. Mia und ich drehten uns nochmal um und winkten den beiden zu und spazierten zum Restaurant, welches in der Nähe war.

Nachdem ich Mia geholfen hatte sich zu setzen, setzte auch ich mich auf den Stuhl und sah sie an. „So eine Datenight, sollten wir öfters machen." Sagte ich zu Mia und lächelte sie an. „Da hätte ich nichts dagegen." Nickte sie lächelnd. Wir bestellten uns einen leckeren Rotwein und suchten uns dann etwas richtig Gutes zu Essen aus. Es sollte das volle Programm sein mit Vorspeise, Hauptspeise und Nachtisch. Der Tisch war gut gewählt, wir sassen etwas abseits und im hinteren Teil des Restaurants. Möglicherweise hatte ich darum gebeten, als ich angerufen hatte um einen Tisch zu reservieren. Ich sah Mia immer wieder über den Kartenrand der Speisekarte an und jedes Mal, wenn sich unsere Blicke trafen, lächelten wir uns an. Gerade fühlte es sich so an wie früher, als wir uns kennengelernt hatten. Ich genoss dieses Gefühl, denn nur zu oft hatte ich Angst zu sehr im Alltag gefangen zu sein und dachte dieses Verliebtsein verloren zu haben. Aber es war immer noch da, wir mussten es einfach mehr rauslassen. Nachdem wir unser Essen bestellt hatten, griff ich über den Tisch nach Mias Hand und strich sanft über ihren Handrücken. „Wie geht's dir?" fragte ich meine Frau und diese Frage stellte ich nicht einfach nur um die Stille zu durchbrechen, sondern ich stellte sie, weil ich das Mia schon lange nicht mehr gefragt hatte. Es wurde ein wunderschöner Abend, mit gutem Essen, leckerem Wein und entspannten und langen Gesprächen. Es tat so gut und ich sog jeden Moment in mich auf der sich hier gerade abspielte. Nach dem auch der Nachtisch verputzt war, machten wir uns mit einem kleinen Umweg auf den Rückweg.

Vor dem Bus blieb ich stehen und am liebsten, wäre ich mit Mia die ganze Nacht hier draussen geblieben. Ich wollte nicht in den Bus, wo der ganze Zauber vorbei sein würde. Ich griff nach Mias Handgelenk, damit auch sie stehen blieb und sah sie an. „Danke für diesen schönen Abend." Sagte ich leise und sah die Braunhaarige an. „Danke dir." Lächelte sie mich an und strich sich eine lockere Strähne hinters Ohr. Ich musste automatisch lächeln und beobachtete sie. Irgendwie fühlte es sich gerade so an, wie nach einem ersten Date wo man sich drauf vorbereitete, vielleicht gleich den ersten Kuss zu erleben. Es kribbelte in meinem Bauch, als mich Mia wieder ansah und da machte ich einen Schritt auf sie zu. Mia sah zu mir hoch und hatte ein sanftes Lächeln auf den Lippen. Auch ich musste unwillkürlich lächeln und strich ihr sanft über die Wange. Ich beugte mich dann zu ihr und gab ihr einen sanften und schon fast unschuldigen Kuss, welchen Mia mit einem Lächeln erwiderte. Wir lösten uns langsam voneinander und sahen uns an. Ich schloss Mia für einen Moment in meine Arme und liess sie dann wieder los, als sie mir sagte, dass sie langsam kalt hatte. „Ich geh schon mal rein." Sagte sie leise. „Ist gut. Ich komm auch gleich." Nickte ich leicht und sah dann Mia nach wie sie im Bus verschwand. Ich liess mich mit dem Rücken gegen den Nightliner sinken und seufzte zufrieden und genoss den Moment.

Wir beide bleibenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt