•Wincent•
Wir schwiegen einen Moment, beide wussten wir nicht wie dieses Gespräch verlaufen würde. Möglicherweise hatten wir auch beide richtig Schiss davor zu reden. „Wie geht's dir?" fragte ich dann einfach, da ich nicht wusste, wie das Gespräch weiterlaufen sollte. „Wie es mir geht? Scheisse geht es mir! DU hast mich betrogen!" sagte Mia dann und sah mich enttäuscht an. „Du hast genau dasselbe getan und wenn ich richtig liege, hast du mich zu erst betrogen!" sagte ich laut. „Du warst so abweisend zu mir. Du hast mich seit Wochen kaum umarmt oder geküsst. Du warst so kalt!!" passte sie ihre Lautstärke meiner an. Na dieses Gespräch hatten wir ja sehr gut unter Kontrolle. „Und aus diesem Grund hüpfst du mit dem nächst Besten in die Kiste?! Warum?! Wir haben zwei Kinder!! Hast du schon mal an die zwei gedacht?!" sagte ich sauer und konnte nicht länger am Tisch sitzen bleiben und stand auf. Ich wusste es war unfair, aber ich wusste, wenn ich unsere Kinder ins Spiel brachte, würde ich Mia noch mehr verletzten. Und ja, das tat ich bewusst, nur um meine Enttäuschung zu erleichtern und möglicherweise meinen eigenen Betrug zu überdecken. „Es sind auch deine Kinder! Wie kannst du mich so sehr abweisen und dann mit der nächsten ins Bett steigen?! Bist du deswegen nach München?! Bin ich dir nicht gut genug?!" schrie mich Mia dann an. Mir war klar, dass sie das nicht auf sich sitzen lassen würde. „Es war nur Sex! Mehr nicht!!" antwortete ich ihr stumpf. „Du hast unsere Ehe zerstört!!" weinte Mia dann. „Ich?! Du hast deinen eigenen Betrag dazu geleistet! DU hast damit angefangen!!!" sagte ich laut und ging im Raum auf und ab. „Wie konntest du das tun?!" fragte ich sie und da sprach die Enttäuschung aus mir. „Es war ein schwacher Moment. Ich wollte das Alles doch nicht." Schluchzte Mia und liess sich wieder auf den Stuhl sinken. Wir hatten beide riesen Scheisse gebaut, dennoch verstanden wir den anderen einfach nicht. Ich verstand nicht, warum
Mia mich betrogen hatte und Mia verstand mich nicht, wieso ich sie betrogen hatte. Und eigentlich, verstanden wir uns selbst schon gar nicht.
Ich merkte immer wieder wie Kevin in der Nähe war. Er liess uns streiten, aber ich wusste auch, wenn es eskalieren würde, würde er sofort eingreifen. Ich versuchte mich zu beruhigen und atmete tief durch. Ich stellte mich ans grosse Fenster und sah in Kevins Garten. Es war Februar und noch immer lag Schnee da. „Das war ein grosser Fehler. Ich kann dich nicht verlieren. Bitte Wincent." Schluchzte Mia, doch ich reagierte nicht. Ich schloss lediglich meine Augen und fühlte den Schmerz und die Enttäuschung tief in mir. Ich wollte das alles ja auch nicht. Aber irgendwann geriet unser Leben auf die schiefe Bahn und alles führte zu unserer jetzigen Situation. „Willst du diese Ehe überhaupt noch?" fragte mich Mia dann und da drehte ich mich zu ihr. Ich hatte ihr bisher noch nicht eine richtige Antwort gegeben. Sondern immer nur Gegenfragen gestellt. „Dasselbe könnte ich dich fragen!" sagte ich und sah meine Frau an. Wir schwiegen beide. War das unsere Antwort auf diese Frage? Oder wussten wir es einfach gerade nicht? Es tat weh! Und wie. „Du warst nicht für mich da..." sagte Mia dann nach einem Moment der Stille. „Was?" sagte ich und sah sie an. „Seit Emilia weg ist, hast du dich zurückgezogen und warst nie für mich da!" sagte Mia und da schlitterten wir bereits in die nächste Sache rein die unser Leben so durchschüttelte. „Du hast dich nur noch abgekapselt und dich in deinem Büro verschanzt!" kam der nächste Vorwurf von Mia während sie ebenso wieder aufstand. „Hätte ich auch so rumgeheult wie du, hätte ich auch niemandem geholfen!!!" starrte ich sie an. „Da hab ich mich lieber zurückgezogen!" sagte ich leise. „Du hast mich alleine gelassen!!!" schrie Mia mich an und hielt sich am Stuhl fest. Ich wusste sie hatte keine Kraft mehr, aber ich konnte mich einfach gerade nicht um sie kümmern. „In so einer Situation leidet die Ehe nun mal!!" sagte ich laut und da klinkte sich Kevin ein.
„Okei mir reichts! Ich wollte nichts sagen, aber das hier ist kaum auszuhalten!" sagte er und ging zu Mia. „Setz dich hin." Sagte er leise zu ihr. „Und du auch! Arsch auf Stuhl! Jetzt!" sagte er etwas forscher zu mir. Warum war er nur zu mir so ein Arsch und nicht auch zu Mia?! Brummend tat ich aber das, was mein Produzent von mir wollte. „Und jetzt hört ihr mir mal zu!" sagte Kevin und beide sahen wir ihn an. „Was eure Betrügerei angeht, wisst ihr beide selbst, dass das einfach nur dumm war!!! Es bringt nichts, wenn ihr euch deswegen einen Vorwurf nach dem anderen an den Kopf knallt! Ihr habt beide Scheisse gebaut!!!" sagte er sauer. Mia und ich sahen uns kurz an und senkten dann unsere Blicke. „Ihr seid beide nicht besser als der Andere!" schob er hinterher. Und damit hatte er ja nicht mal unrecht. Ich wollte meinen Mund auf machen und etwas sagen, doch Kevin brachte mich mit nur einem Blick wieder zum Schweigen. „Ich rede jetzt!" sagte er. Ich hatte Kevin schon oft genervt erlebt, aber bisher noch nie so. „Hört auf euch gegenseitig Vorwürfe zu machen! Dazu habt ihr beide kein Recht. Und denkt einfach mal dran in welcher Situation ihr steckt. Ich weiss, damit ist es nicht zu entschuldigen was ihr getan habt. Aber verdammt, ihr hättet euch nie betrogen, wenn alles normal gelaufen wäre! Ich habe noch nie zwei Menschen gesehen, deren Liebe so stark und gross ist wie eure!! Und ihr habt euch nicht gegenseitig betrogen, weil ihr euch nicht mehr liebt! Es ist aus Verzweiflung passiert, weil ihr beide nicht damit umgehen könnt, dass eure Tochter weg ist!! Und das ist vollkommen okei!! Nicht der Betrug, aber eure Gefühlslage. Liebst du Mia noch?!" richtete er nun das Wort direkt an mich. „Ja natürlich..." kam es sofort leise über meine Lippen ohne, dass ich nachdenken musste. „Und du? Liebst du Wincent?" fragte er dann Mia. „Ja." Kam auch die sofortige Antwort von ihr.
Kevin sah zwischen uns hin und her. „Mann Leute, ihr steckt in einer beschissenen Lage, das wissen wir alle und wir sind für euch da! Meldet euch doch einfach bevor ihr selbst alles zerstört aus Verzweiflung. Wir sind doch für euch da!! Denkt an Leon und Emilia! Sie brauchen euch. Und vor allem braucht ihr zwei euch auch." Sagte Kevin und stützte sich auf der Tischplatte ab und liess den Kopf hängen. Er hatte recht, mit allem was er gesagt hatte. Als ich meinen Kopf hob und zu Mia sah, sah sie bereits zu mir und unsere Blicke trafen sich. „Er hat recht." Sagte ich leise. „Wir müssen für unsere Kinder an einem Strang ziehen." Sah ich meiner Frau in die Augen. Sie nickte leicht und wischte sich die Tränen weg. „Also... kämpfen wir nochmal?" fragte mich Mia. „Ja! Mia es tut mir leid was ich dir angetan hab. Alles! Und ich bereu meinen Seitensprung. Es tut mir so leid." Sagte ich leise und sah zu Mia. Sie nickte leicht und senkte erneut ihren Kopf. „Mir auch! Ich fühl mich so schlecht! Ich versteh, wenn du mir das nicht verzeihen kannst." Sagte sie leise. „Ihr braucht einfach Zeit." Sagte Kevin dann und beide nickten wir leicht. Ich stand auf und hätte Mia am liebsten in den Arm genommen. Aber irgendwas stellte sich einfach noch dagegen. Ich ging an ihr vorbei, strich ihr aber dabei sanft über die Schulter und ging ins Wohnzimmer. „Wir müssen einfach wieder lernen uns zu lieben." Hörte ich dann Mias Worte. Diese trafen mich direkt ins Herz. Aber sie hatte vollkommen recht. Wir haben es irgendwie verlernt. Wir mussten es einfach zulassen, uns nochmals ineinander zu verlieben. Aber das würde noch etwas dauern.
DU LIEST GERADE
Wir beide bleiben
Fanfiction!!Das ist der 4. Teil von Mia & Wincent!! 1. Teil: Was machst du nur mit mir? 2. Teil: Ich krieg nicht genug von dir 3. Teil: Ich folge deinen Schritten
