•Mia•
In den letzten zwei Tagen wurde unsere komplette Welt wieder auf den Kopf gestellt. Plötzlich hatten wir ein Motiv, auf einmal war da eine Spur zu Emilia. Wir hatten zwar keine Nanny mehr, aber das war egal. Hanna konnte von mir aus da bleiben wo der Pfeffer wächst. Obwohl sie genau so ein Opfer war wie Wincent und ich, war ich stink sauer auf sie. Hätte sie uns sofort gesagt, was los war nach dem sie die erste Nachricht erhalten hätte, dann wäre Emilia nun vielleicht schon lange wieder hier. Aber Hanna behielt alles für sich, auch dann noch als sie sah, wie Wincents und meine Ehe immer mehr auseinanderbrach. Wincent und ich hatte seit Hannas Geständnis vor zwei Tagen noch nichts Neues von der Polizei gehört. Diese arbeiteten nun mit Hochdruck dran alle möglichen Infos aus Hanna rauszukriegen und alles zu analysieren und untersuchen was sie bereits an Forderungen erhalten hatte.
„Wincent?" rief ich als ich vom Café nach Hause kam. „Wincent wo bist du?!" rief ich erneut. „Psssst!!" kam Wincent die Stufen runter und sah mich an. „Nicht so laut, Leon schläft endlich." Sagte er und kam zu mir. „Was ist denn?" fragte er mich und blieb vor mir stehen. „Ich hab das Café an Julia übergeben." Sagte ich und sah Wincent an. „Das hast du doch schon lange oder nicht? Seit Leon auf der Welt ist schmeisst sie den Laden." Sagte er und ging dann in die Küche. „Ja aber... Wincent ich..." begann ich und folgte ihm dann. „Ich werde die gesamte Verantwortung abgeben. Ich hab heute quasi gekündigt." Sagte ich dann und da drehte sich Wincent blitzartig um. „Hä?" machte er und sah mich an. „Wie jetzt?!" sagte er und kam zurück zu mir. „Ich werde das Café aufgeben. Ich hör auf..." sagte ich und sah hoch in das Gesicht meines Mannes. „Wieso? Ist etwas passiert?" hakte Wincent nach und forschte in meinem Gesicht nach Anzeichen. „Auf Arbeit nicht. Aber wenn wir mal ehrlich drüber reden, dann bin ich doch an dieser ganzen Situation schuld." Sagte ich und zuckte die Schultern. „Welche Situation?" fragte er. „Das mit Mili. Ich me...", „Halt!!! Stopp!!" unterbrach mich Wincent. „Nein. Diese Schuldfrage und so lassen wir einfach fallen.." sagte Wincent und wir sahen uns einen Moment in die Augen. „Aber du hattest recht mit dem arbeiten. Es war zu viel." Murmelte ich und liess meinen Kopf hängen. Wincent schwieg einen kurzen Moment und legte dann seinen Finger an mein Kinn und hob meinen Kopf an. Wir sahen uns an und dann legte er sanft beide Hände an meinen Kopf und sah mir direkt in die Augen. „Mag sein. Aber du warst wieder richtig glücklich und zufrieden. Und das ist mir wichtiger, als recht zu haben." Er zog mich dann zu sich und hauchte mir einen Kuss auf die Stirn und schloss mich danach in seine Arme, in die ich mich nur zu gerne sinken liess.
Mein Mann und ich setzten uns dann an den Tisch und redeten über meine Entscheidung und die bereits eingereichte Kündigung. Er fragte wie die Anderen und vor allem Julia reagiert hatten. Natürlich waren alle geschockt, allen voran Jule. Sie bat mich darum noch mal drüber nachzudenken und nicht direkt zu kündigen. Bot mir an, das wir bestimmt irgendeine Lösung finden würden und kniete schon fast vor mir, dass ich es nicht tun würde. „Aber vielleicht hat Julia recht, Mia. Vielleicht hast du zu vorschnell gehandelt." Sagte Wincent und ich spielte mit einer Strähne. „Ich bin ja eh kaum mehr im Café. Ich arbeite fast nur noch von zu Hause aus. Jule schmeisst den Laden und ist quasi der Chef da. Ich mach nur noch im Hintergrund." Sagte ich zu Wincent. „Und was wenn ihr einfach mal zusammen sitzt? Drüber redete und vielleicht nen Kompromiss eingehen könnt? Oder ne offizielle Lösung dafür." Meinte Wincent. „Und die wäre?" fragte ich. „Mia... dadrüber müsstet ihr halt reden. Aber ich meine, wieso fahrt ihr nicht einfach so weiter wenn es für alle stimmt?" sagte Wincent und ich sah ihn einfach nur an bis ich dann leise seufzte. „Irgendwie... Nach all dem was jetzt war und so... Wincent, wenn wir Emilia wieder haben, dann will ich sie nie wieder wem abgeben müssen der dafür eingestellt wird, ganze Tage auf unsere Kinder aufzupassen. Ich will dann für die Kinder da sein. Wenn sie älter sind kann ich immer noch wieder irgendwas arbeiten." Sagte ich und sah auf meine Hände. Wincent stand auf und setzte sich auf den Stuhl neben mir, da wir davor einander gegenüber sassen. Er schloss seine grossen und warmen Hände um meine und sah mich dann an. „Okei." War das Einzige was er sagte und lächelte mich an. Er hauchte mir ein Kuss auf meine Finger und stand dann auf, weil Leon oben nach seinem Papa rief.
Schon den ganzen Tag, kamen Wincent und ich uns näher. Immer wieder berührten wir uns, oder lächelten uns an. Es war irgendwie so aufregend. Alles kribbelte in mir und ich fühlte mich etwas in die Zeit zurückversetzt, als wir uns kennengelernt hatten. Gerade war ich mit Leon bei seinem Bällebad und spielte mit ihm. Leon liebte dieses Ding nach wie vor und schmetterte uns die Bälle entgegen. Wincent hatte dazu eine kleine Überdachung mit drei Seitenwänden gekauft, damit wir nicht immer allen Bällen hinterher rennen mussten und sie da blieben wo sie sollten. „Mama holt kurz für dich etwas zu trinken." Sagte ich zu Leon und ging in die Küche und holte Leons Flasche mit kaltem Tee. Als ich aus der Küche kam, kam Wincent die Stufen runter und ich blieb wie angewurzelt stehen. Er trug wie immer seine schwarzen Hosen und ein weisses Shirt. Seine Haare sassen nach dem duschen gerade perfekt, obwohl er zu Hause meistens völlig verwuschelte Haare hatte. Aber nicht heute. Als er mich sah, begann er zu schmunzeln und kam auf mich zu. „Was ist?" fragte er mich und blieb vor mir stehen. „Weisses Shirt? Zu Hause?" war das Einzige was ich raus brachte und Wincent nickte. „Klar. Mal was Neues." Grinste er und zwinkerte mir zu. Er drückte sich an mir vorbei in die Küche, da ich direkt vor der Tür stehen geblieben bin. Ich schloss meine Augen und atmete tief durch. Gerade hatte mich dieser Mann komplett nervös gemacht. „Alles in Ordnung?" hörte ich ihn dann hinter mir und ich hörte bereits in seiner Stimme, dass er grinste. Und als ich mich umdrehte, stand er da, natürlich mit seinem unwiderstehlichen Grinsen von Früher im Gesicht. Ich nickte nur und da lachte er leise. „Ich muss kurz mit Kevin telefonieren." Sagte er dann und schob sich an mir vorbei und liess absichtlich seine Finger über meine streichen und liess mich einfach stehen.
Zurück bei Leon setzte ich mich wieder zu ihm auf den Boden und reichte ihm die Flasche. Ich sah zu wie Leon trank und die Flasche dann auf den Boden stellte und sich wieder in die Bälle fallen liess. Ich schmunzelte und genoss diesen Moment. Irgendwann wollte er raus und ich setzte mich mit ihm, für seinen Trickfilm den er immer schauen konnte auf den Boden. Leon setzte sich zwischen meine Beine und lehnte sich gegen mich. Plötzlich spürte ich, wie sich jemand hinter mich sinken liess und sah wie die Beine von Wincent neben meinen zum Vorschein kamen. Ich spürte seine Brust an meinem Rücken und seine Arme die sich über meine Seiten zu meinem Bauch schoben und da liegen blieben. Ich liess mich direkt gegen Wincent sinken und genoss dieses wilde Kribbeln in meinem Bauch, was er mit diesen Berührungen auslöste. Wir sagten nichts, sondern genossen einfach diesen Moment. Plötzlich schob Wincent meine schwarze Strickjacke von meiner Schulter und Sekunden später spürte ich seine warmen Lippen, die sanfte Küsse auf meiner Haut verteilten. Ich schloss meine Augen und genoss alles in vollen Zügen. Auch als er langsam zu meinem Hals wanderte, streckte ich ihm meinen Hals entgegen und liess ihn machen und liess sanft meine Fingerspitzen über seine Arme streichen. Irgendwann hatte Leon Wind davon bekommen und stand auf. Er drückte Wincents Kopf weg und protestierte dagegen, was sein Papa da tat und machte ihm deutlich klar, dass seine Mama ganz alleine ihm gehörte. Ich musste schmunzeln und auch von Wincent kam ein leises Lachen und liess von mir ab.
Kurz danach stand ich in der Küche und machte Abendessen. Ich war noch immer etwas aufgewühlt von der Situation die vor ein paar Minuten im Wohnzimmer war. Es fühlte sich so gut an und ich merkte wieder, wie sehr ich das vermisst hatte. Ich machte das Abendessen und Wincent beschäftigte sich mit Leon. Ich merkte wie Wincent in der Küche auftauchte und spürte sofort wieder dieses Kribbeln in mir. „Wo ist Leon?" fragte ich und konzentrierte mich aufs Gemüse schneiden. „Hab ich vor den Fernseher gesetzt." Schmunzelte Wincent und begann mir zu helfen. Natürlich waren auch hier immer zufällige Berührungen und kleine Neckereien und alles war einfach mal so unbeschwert. „Autsch..." murmelte ich dann und liess das Messer fallen. „Hast du dich geschnitten?" fragte Wincent und als ich nur nickte, holte er sofort den Erstehilfekasten und begann mich zu verarzten. Ich sah ihm die ganze Zeit zu und beobachtete ihn. Er machte dann ein Pflaster auf den Schnitt und legte den Rest weg. Dann nahm er wieder meine Hand und sah mich an. Während er mir in die Augen sah, hauchte er einen sanften Kuss auf das Pflaster und lächelte mich dann an. „Besser?" fragte er leise. Ich konnte nur nicken, meine Stimme war weg und mein Kopf war leer. Wincent strich mir dann eine Strähne hinters Ohr und liess seine Finger langsam über meine Wange gleiten und schob seine Hand dann in meinen Nacken. Sanft zog er mich dann zu sich und kam mir entgegen. Ich schloss einfach nur noch meine Augen und als unsere Lippen endlich aufeinander trafen, seufzten wir beide leise in unseren längst überfälligen und erlösenden ‚ersten' Kuss.
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Wir beide bleiben
Fanfiction!!Das ist der 4. Teil von Mia & Wincent!! 1. Teil: Was machst du nur mit mir? 2. Teil: Ich krieg nicht genug von dir 3. Teil: Ich folge deinen Schritten
