Kapitel 68

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•Wincent•

Noch am selben Tag fuhren wir zurück nach Eutin. Ich liess mein Auto bei Kevin stehen und fuhr mit Mias Auto heim. Ich konnte und wollte sie nicht alleine fahren lassen. Sie war noch nicht ganz fit und während ich fuhr, konnte sie sich um Leon kümmern, wenn etwas war. Zwischen uns fielen nicht viele Worte. Die einzigen Male wo wir miteinander geredet hatten, waren dann, als es darum ging, wenn jemand auf Klo musste, oder Hunger hatte. Oder wenn wir Leon wickeln und füttern mussten. Aber ansonsten redeten wir nicht. Es war jetzt keine quälende Stille, aber wir wussten beide, dass wir in unseren Gedanken vertieft waren und jeder drüber nachdachte, wie es nun weitergehen sollte. Ich parkte gegen Abend unser Auto, vor unserem Haus und stieg aus. Auch Mia stieg aus und wollte Leon aus dem Kindersitz nehmen. „Ich mach schon." Sagte ich leise und da trat Mia bei Seite. Sie kramte dann nach dem Hausschlüssel und öffnete die Tür und liess mich mit Leon rein. Ich ging mit meinem Sohn direkt nach oben und wickelte ihn noch mal und zog ihm frische Kleidung an. Dann kam ich mit ihm runter und setzte ihn in seinen Hochstuhl. In der Küche schnitt ich ihm etwas Gurke klein und stellte ihm dann den Teller hin und setzte mich zu ihm. Mia ging ihren eigenen Weg und verschwand kurz nach oben. Ich hörte das Wasser der Dusche und sah dann wie sie später frisch geduscht und angezogen die Stufen runterkam. Wir sahen uns beide kurz an und hielten auch einen Moment Blickkontakt, dann ging Mia in die Küche und ich hörte dann die Kaffeemaschine. „Möchtest du auch einen Tee? Oder Kaffee?" sah sie dann aus der Küche und da sah ich von Leon zu Mia. „Gerne einen Kaffee." Nickte ich und da verschwand sie schon wieder in der Küche. Diese Stimmung war richtig komisch und mir tat es weh, wie wir miteinander umgingen. Aber beide hatten wir nen riesen Vertrauensbruch begannen. Auch wenn wir beide dasselbe getan hatten, waren wir damit nicht einfach quitt. Wir hatten uns gegenseitig betrogen und somit auch verletzt.

Ich wachte aus meinen Gedanken wieder auf, als mir Mia meine Tasse hinstellte und sich dann mir gegenüber an den Tisch setzte. Sie sah zu Leon und strich ihm durch die Haare und reichte ihm dann ein Stück Gurke, welches er versuchte zu greifen. „Wincent?" sagte sie dann leise und sah zu mir. Ich wandte dann meinen Blick ebenso von Leon ab und sah zu meiner Frau. „Hm?" machte ich und trank einen Schluck vom Kaffee. „Darf ich dich etwas fragen?" sagte sie und sah mich abwartend an. „Ja sicher." Nickte ich und hielt dann die Kaffeetasse mit beiden Händen fest. Mia überlegte einen Moment und atmete dann tief durch, dann blickte sie mir in die Augen und fragte: „Hättest du es mir jemals gesagt?", „Was?" fragte ich dann. „Die Sache mit... ihr." Sagte Mia und eigentlich hätte es mir klar sein sollen, dass sie den Betrug meinte. „Ich meine ich bin sofort zu dir nach München gekommen, nach dem ich bei Amelie war und so ein schlechtes Gewissen hatte." Fuhr Mia fort. „Spätestens wenn ich zu Hause gewesen wäre, hätte mich mein schlechtes Gewissen so sehr aufgefressen, dass ich es dir sofort gesagt hätte." Antwortete ich Mia. Mia nickte leicht, ich sah ihr die Enttäuschung an. Aber sie sah es auch mir an. Es war halt nicht einfach nach dem Motto ‚Wie du mir, so ich dir' wir wussten ja nicht mal etwas davon und dass wir es fast beide gleichzeitig getan hatten, war wohl eher ein Zufall.

Wir hatten uns in diesen Wochen so sehr und so schnell auseinandergelebt, dass alles auf die schiefe Bahn geriet. Ich hätte auch nicht gedacht, dass wir uns so sehr verlieren konnten. Für mich schien es immer, dass wir gemeinsam stark waren. Aber jetzt wars einfach nicht so. Wir kamen beide mit der aktuellen Lage nicht klar, dass Emilia weg war. Wir tappten mit allem im Dunkeln und langsam aber sicher war ich mir nicht sicher, ob wir unsere Maus jemals wiedersehen würden. Mia hatte recht, ich hatte mich sehr stark distanziert. Aber so genau sagen wieso, konnte ich nicht. Und es brachte auch nichts mehr, wenn ich mir den Kopf drüber zerbrach. Aber nicht nur ich war an dieser gesamten Situation schuld. Mia hatte auch ihren Beitrag geleistet und beide mussten wir nun einfach daran arbeiten, dass sowas nie wieder passieren würde. Denn ich liebte Mia nach wie vor, ich hatte mit ihr eine Familie gegründet und die wollte ich auch behalten. Dennoch brauchten wir nun einfach Zeit. Zeit um das zu verarbeiten, was in den letzten drei Tagen passiert war. Vor allem brauchten wir auch Zeit um unser zerstörtes Vertrauen wieder aufbauen zu können.

„Wie geht's nun weiter?" fragte sie mich dann weiter und da zuckte ich leicht die Schultern. Es war komisch dieses Gespräch zu führen, während unser Sohn mit uns am Tisch sass und keine Ahnung hatte was Mama und Papa gerade für eine krasse Krise durchmachten. Aber Mia und ich hatten schon lange nicht mehr so ein ruhiges Gespräch geführt wie jetzt, also sollte es nun jetzt wohl so sein. „Wir werden kämpfen... Aufgeben war bei uns noch nie Thema." Sagte ich dann leise und sah zu Mia. „Ich brauch Zeit um zu verarbeiten, was du mir angetan hast..." sagte ich und warf dann, etwas leiser noch ein: „Und was ich dir angetan hab.", „Werden wir uns das nun immer vorwerfen? Oder können wir das irgendwann, irgendwie vergessen?" hakte Mia nach. „Ich weiss nicht. Kannst du?" fragte ich sie. „Jetzt kann ich es jedenfalls noch nicht. Aber irgendwann sicher." Sagte Mia und sah mich an. „War sie... Also... war sie gut?" fragte mich Mia dann und ich sah sie einen Moment einfach schweigend an. War das nun ihr Ernst? Wollte sie wirklich wissen, ob der Sex mit Gina gut war? „Willst du darüber reden?" hakte ich nach und Mia nickte sofort. Ich zuckte erst die Schultern und überlegte. War sie es denn? „Keine Ahnung." Sagte ich dann und sah zu Mia. „Wie, keine Ahnung." Hakte sie nach. „Naja... Mia ich hab einfach nur meine Bedürfnisse befriedigt. Ich habe mir nur das geholt war ich in dem Moment wollte. Eigentlich sollte sie enttäuscht sein, ich bin überhaupt nicht auf sie eingegangen. Von daher, keine Ahnung ob sie gut war." Zuckte ich die Schultern. Mia nickte und bevor ich etwas fragen konnte schob sie noch eine Frage dazwischen. „Habt ihr verhütet?", „Ja natürlich haben wir das." Nickte ich sofort. „Ok." Sagte Mia und sah auf ihre Hände.

„Und bei dir? Wer war es?" fragte ich dann vorsichtig. Ich wusste nicht mal wer der Kerl war mit dem es geschah. „Ist es wichtig zu erfahren wer es war?" fragte mich Mia. „Naja, dann weiss ich, wen ich das nächste Mal umbringen kann." Sagte ich trocken und sah Mia an. „Kenn ich ihn?" hakte ich nach. Mia zögerte erst und dann nickte sie. Sofort schoss mir ein Name durch den Kopf und mir wurde speiübel. „Sag nicht, dass es mit Marco war!" sagte ich und da sah mich Mia geschockt an. „Spinnst du? Ich war ja schon dumm, dass ich das getan hab. Aber so dumm um es mit deinem besten Freund zu tun, war ich nun also doch nicht." Sagte Mia empört. „Wer dann?" wollte ich wissen. „Ein Typ aus dem Fitnessstudio." Sagte sie leise und da begann ich zu überlegen. „Julian." Sagte Mia dann. Mir sagte der Name etwas, ich konnte ihm auch ein Gesicht zuordnen, war mir aber nicht sicher ob ich richtig lag. „Basti wird nicht erfreut sein, wenn er erfährt, dass seine kleine Schwester mit nem Typen in seinem Fitnessstudio geknattert hat." Sagte ich und sah Mia an. „Es war nicht im Fitnessstudio." Antwortete sie mir dann. „Wo denn sonst?" fragte ich und da schwieg Mia einen Moment. „Mia?!" hakte ich nach und dann sah ich, wie ihr Blick kurz zu unserem Sofa schweifte und dann zurück zu mir. Ich sah dann ebenso zum Sofa und dann wieder in die Augen meiner Frau. „Nicht dein Ernst oder?!" hakte ich nach und ich merkte wie es in mir begann zu brodeln. „Du vögelst mit nem anderen Typen in unserem Haus?!" wurde ich laut und stand auf. Leon sah zwischen uns hin und her, aber das versuchte ich zu ignorieren. „Wincent..." Sagte Mia. „Nein!! Es reicht schon, dass DU mich betrogen hast! Aber das nun auch noch auf meinem Sofa?! In meinem Haus?!" sagte ich sauer und starrte meine Frau an. „DU hast MICH ebenso betrogen!! Also stell mich nicht so hin, als wäre ich die Einzige!!" sagte sie scharf und musste sich sichtlich beherrschen nicht auch laut zu werden. Mia nahm sich wegen Leon zurück und versuchte ruhig zu bleiben. „Das darf doch echt nicht wahr sein!" sagte ich sauer und lief davon. Ja, ich lief davon und wohin? Genau, in mein Büro. „Rennst du nun wieder vor allem weg?" fragte mich Mia und folgte mir. „Ich muss etwas erledigen!" sagte ich sauer. „Und was?!" sagte sie und versuchte die Türe offen zu halten, die ich schliessen wollte. „Ich kauf mir ein neues Sofa!!" sagte ich und mit diesen Worten, drückte ich die Tür zu und schloss sie vor Mias Nase.

Wir beide bleibenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt