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Felix P.O.V.

Direkt nachdem Chan die Haustür aufgeschlossen und uns alle in den Dorm gelassen hatte, lief ich ohne zu zögern in mein Zimmer. Das Training heute war Mal wieder ein totales Desaster, da ich wie erwartet keine unserer Tänze oder Übungen richtig gemacht hatte. Ständig hatte Minho etwas an mir rumzumeckern, oder Hyunjin und ich hatten Auseinandersetzungen darüber dass ich mich nicht genügend bemühen würde.

Nur Chan hütete seine Zunge, und sprach während den paar Stunden fast gar nicht zu mir. Gerade ein einziges Mal verteidigte er mich vor den Beschuldigungen der anderen Main-Dancer, gab es jedoch ganz schnell wieder auf, als diese sich nicht von ihm überzeugen ließen, dass ich mich sehr wohl anstrengte.

Ich warf mich in meinem Zimmer mit dem Bauch voran auf das weiche Bett, und konnte von Glück reden, dass die Latten unter meinem Gewicht nicht zerbrachen. Chan's Bemerkung heute morgen lag mir noch immer schwer im Magen, auch wenn er kurz darauf ja beteuerte dass es nicht Ernst gemeint war.

Denn, wieso hätte er es dann überhaupt sagen sollen? Ich war mir ziemlich sicher dass er die Wahrheit ausgesprochen hatte, dann aber daran zurück denken musste wie mich soetwas verletzen konnte. Andere Erklärungen hielt ich in diesem Moment einfach nur für falsch und unnötig.

Wie schwer war ich eigentlich wirklich? Denn wenn ich mich Mal so auf den Rücken legte und meinen zugegebenermaßen hässlichen Körper betrachtete, schien dieser sogar gar nicht so fett. Seufzend legte ich meine Hände an die unter dem Pullover spürbaren Rippen und fuhr mit den Fingerspitzen leicht darüber.

Ein weiteres Mal musste ich aus tiefstem Herzen seufzen und drückte mich langsam von der Matratze hoch. Ich hatte mich lange nicht mehr gewogen, weshalb ich umso mehr den Drang verspürte mich auf die Waage zu stellen.

Die letzten Wochen war dies nicht möglich, da Changbin genau wie heute früh, den ganzen Tag in meinem Zimmer verbrachte. Doch heute war er nicht da, denn wie alle anderen war er höchstwahrscheinlich immer noch enttäuscht von meiner miserablen Leistung beim Training.

Langsam setzte ich mich vollkommen auf, ließ den müden Blick durch das Zimmer schweifen, und blieb damit am Kleiderschrank hängen. Neugierig, was mich wohl erwarten würde schwang ich meine Beine aus dem Bett, bevor ich zügig auf die andere Seite des Zimmers zuging, um die Schranktür zu öffnen. Lange musste ich nicht suchen, denn wie immer stand die Waage hinter ein Karton, unter meinem Lieblingsshirt.

Langsam zog ich sie hinaus, und stellte sie zögernd vor mir ab. Egal was diese nun anzeigen würde, ich wusste, dass es mich unnormal runter ziehen konnte. Allerdings war ich zu gespannt auf das Ergebnis, und so zog ich, um das Ergebnis nicht zu verfälschen, schnell meinen Hoodie über den Kopf, atmete tief durch, und stellte einen Fuß auf die Waage. Mit zusammen gekniffenen Augen folgte auch der zweite, doch bevor ich das Ergebnis sehen wollte, dachte ich noch einmal nach.

Ich hatte es auch ohne Waage geschafft mich gut zu fühlen. Hatte gegessen, gelacht und mich sogar einigermaßen amüsiert. Würde ich nicht, sobald ich mein Gewicht nun kannte wieder damit beginnen meinem Körper zu schaden? Ich hob meinen geschundenen Arm vor mein Gesicht und strich langsam über die alten Narben. Lange hatte ich dies nicht mehr getan, weshalb ich stolz auf mich war. Doch, wenn ich jetzt dieses Ergebnis sähe, würde ich nicht so gebrochen sein, dass ich mich wieder selbst verletzte?

Zu viele Fragen ankerten sich in meinen Kopf fest während ich nur den Schrank vor mir begutachtete. Aber ich war stark, das hatte Binnie mir gesagt. Also konnte mir so eine einfache Zahl nicht das Gefühl von Unsicherheit geben, oder? Obwohl Eigentlich alles und jeder meine Selbstzweifel auslösen konnte, wagte ich trotzdem einen Blick nach unten. Der Zeiger zitterte bei meiner Bewegung, doch kam letztendlich zum Stillstand. 55 kg.

Play-acting || ChanglixWo Geschichten leben. Entdecke jetzt