182. Wo bin ich?

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"Du sagst also, sie fängt doch langsam an, ihr Gedächtnis zu verlieren?", fragte mich Hanji gerade, als ich ihr mitteilte, wie Y/N gestern anfing, Dinge zu vergessen, die erst vor kurzem passiert waren. Wenn ich sie darauf ansprach, stritt sie ab, dass sie nie davon gewusst hätte und umso mehr ich darauf beharrte, dass es doch so war, umso wütender wurde sie.

"Das ist absolut nicht gut..."

"Hast du schon ein Gegenmittel hergestellt?!", fragte ich sie harsch.

"Levi. Hanji ist keine Hexe, die mal eben so ein Gegenmittel zusammenbraut", ermahnte Erwin mich wieder. Ja, ich verstand ja, dass es alles nicht so schnell ging, wenn es überhaupt ging. Aber ich wollte nicht, dass sie ihr Gedächtnis verlor.

"Wir haben noch so viele Pläne...sie darf es nicht verlieren...", sagte ich dann.

"Ich verstehe dich, Levi. Aber du musst mich auch verstehen. Auch ich leide darunter. Moblit ist schon fast im Endstadium. Ich kann noch von Glück sprechen, dass er noch weiß, wer er ist, wer ich bin und wer seine Freunde sind. Alles andere ist weg."

Als Hanji das sagte, brach ihre Stimme zusammen. Doch schnell fing sie sich wieder und versuchte sich zu beherrschen. Wir Menschen waren Egoisten. Ständig schauten wir nur auf uns selbst herab und vergaßen dabei völlig die anderen. Aber in solchen Momenten war es auch schwierig noch an die anderen zu denken. Man hatte mit sich selbst zu kämpfen.

"Es ist furchtbar genug. Dennoch frage ich mich, wieso", sagte Erwin.

"Wir haben bisher rausgefunden, dass den Menschen damals eine Flüssigkeit injiziert wurde, die sie in Titanen hat verwandeln lassen. So wird es bei den Stahl Titanen nicht anders gewesen sein. Irgendjemand dort draußen muss ein Mittel in Kirian injiziert haben. Und natürlich auch in gewisse andere Menschen. Und für was? Als Experiment? Ist es ein Nachfolger von Zeke, der Professor spielen möchte?", philosophierte Erwin weiter. 

"Was hatte er mit den Stahl Titanen vor? Etwas Gutes offensichtlich nicht, sonst wären sie wohl kaum in der Lage, Geschosse oder Gifte abzufeuern. Warum sollte jemand etwas erschaffen wollen, was die Menschheit vergessen lässt? Was für einen Zweck sollte das haben? Ein Neuanfang für die Menschheit?"

"Das sind wirklich gute Fragen, Erwin", sagte Hanji.

"Aber darauf werden wir wohl nie eine Antwort finden."

Und doof rum zu philosophieren brachte auch nicht wirklich was. Ich erhob mich und wollte wieder zurück zu Y/N, die gerade im Zimmer saß und ein Buch las. Verwundert ging ich ins Zimmer.

"Seit wann liest du Bücher?!", fragte ich sie dann skeptisch. Leicht überrascht schaute sie erst das Buch und dann mich an.

"Hm? Weiß nicht? Ich denke, schon immer."

"...nein", sagte ich dann nur zu mir selbst und setzte mich dann auf ihr Sofa.

"Hm? Was ist denn los? Bedrückt dich was?"

Ich schüttelte nur den Kopf.

"Möchtest du ein wenig Spazieren gehen?!", fragte ich sie dann.

"Na klar. Wohin denn?"

"Ich dachte an den Tümpel."

"Tümpel? Welchen Tümpel?"

Es traf mich wie ein Stich ins Herz. Sie hatte mittlerweile schon einige Orte vergessen. Und jetzt auch noch diesen, ziemlich besonderen. Ich versuchte mir nichts anmerken zu lassen, stand auf und hielt ihr meine Hand hin.

"Ich zeige ihn dir. Komm."

Sie nahm meine Hand und zusammen liefen wir dann zum Tümpel. Nie waren wir dort am helllichten Tage gewesen. Aber vielleicht würde sie es dennoch wiedererkennen. Es dauerte zwar eine Weile, aber irgendwann waren wir da. Allein dieser Anblick musste so einiges in ihrem Kopf wieder hervorrufen, aber anscheinend war das nicht Fall.

Attack on Titan - Eine Reise zwischen zwei WeltenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt