51. Kapitel

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Ich saß auf dem breiten Balkon meines Hotelzimmers, die Knie an die Brust gezogen, während meine Gedanken immer wieder um das gleiche Thema kreisten. Das schimmernde Licht der großen Stadt auf mich herab und tauchte den Raum in eine melancholische Stimmung. Irgendwo da draußen, feierten sie. Max hatte mal wieder gewonnen. Ein Triumph, ein unvergesslicher Abend für das Team, doch für mich war es das Gegenteil. Mein Herz war schwer, mein Magen ein einziger Knoten.

Lando.

Der Unfall hatte sich in meinen Kopf eingebrannt, als wäre er in Endlosschleife abgespeichert. Der schrille Klang der aufheulenden Motoren, der dumpfe Aufprall, das aufwirbelnde Chaos aus Funken und Rauch. Und dann? Funkstille. Sekunden, die sich wie eine Ewigkeit anfühlten, bevor endlich das erlösende Zeichen kam: Er bewegte sich. Er lebte. Doch das bedeutete nicht, dass es ihm gut ging.


Mit einer fahrigen Bewegung griff ich nach meinem Handy, entsperrte es und starrte auf den dunklen Bildschirm. Keine Nachrichten. Kein Anruf. Keine Updates. Oscar hatte mir versprochen mir zu schreiben wie es dem Briten ging, doch es kam nichts.

Niemand schien sich Gedanken zu machen. Vielleicht wollten sie sich den Abend nicht verderben lassen, vielleicht war ich die Einzige, die sich so sehr um ihn sorgte. Ich legte das Handy wieder weg und seufzte.

Lando war ins Krankenhaus gebracht worden. Erste Untersuchungen, einige Checks, doch niemand hatte mir gesagt, wie es ihm wirklich ging. Mir war nicht nach Feiern zumute obwohl ich einen vierten Platz eingefahren hatte. Stattdessen saß ich hier, gefangen zwischen meinen Sorgen und der dumpfen Musik, die aus dem unteren Stockwerk heraufdrang.



Nach einer weiteren halben Stunde, in der ich mich nur weiter in meine Gedanken verstrickte, entschied ich mich, etwas frische Luft zu schnappen. Vielleicht würde mir das helfen, den Kopf frei zu bekommen. Ich zog mir eine leichte Jacke über und verließ mein Zimmer. Der Flur war menschenleer, die Stimmen und das Gelächter aus der Bar erklangen in der Ferne. Ich nahm den Aufzug nach oben zur Dachterrasse, die um diese Zeit meistens verlassen war.

Die Nacht war mild, die Stadt lag wie ein funkelndes Meer aus Lichtern vor mir. Ich lehnte mich an das Geländer und atmete tief durch. Der kühle Wind strich durch mein Haar, beruhigte mich ein wenig.

Doch meine Gedanken ließen sich nicht so leicht vertreiben. Ich dachte an seine Stimme, sein Lachen, die Art, wie er manchmal den Kopf schief legte, wenn er nachdachte. Wieso hatte es ihn ausgerechnet erwischt?

Gerade als ich mich wieder in meine Gedanken verlor, hörte ich Schritte hinter mich. Ich drehte mich um – und mein Herz setzte einen Schlag aus.

Lando.

Er trug einen dicken Pullover, seine Haare waren ein wenig zerzaust, und er wirkte erschöpft, aber da war er. Hier. Zurück und es schien ihm gut zu gehen.

„Hey," sagte er leise, ein müdes Lächeln auf den Lippen.
Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Stattdessen musterte ich ihn, suchte nach Anzeichen für Schmerzen oder Verletzungen. „Wie geht es dir?," war das Erste, was mir herausrutschte.

Er zuckte mit den Schultern. „Besser als erwartet. Sie haben mich ein paar Stunden dabehalten, Tests gemacht. Nichts Ernstes, ein paar Prellungen. Ich hatte Glück," antwortete er mir was mich schon etwas beruhigte.

Er sprach so locker darüber, als wäre es nichts gewesen. Aber ich hatte die Angst gespürt, die sich in mein Herz gebrannt hatte, als ich seinen Wagen in die Begrenzung krachen sah. Ich biss mir auf die Lippe und wandte den Blick kurz ab. „Was machst du eigentlich hier? Solltest du nicht deinen vierten Platz feiern oder den Sieg von Max?," fragte er mich als er sich ebenfalls auf das Geländer lehnte.

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