*Séras Sicht*
„Ja, Carlos, mir geht es wirklich gut," sagte ich mittlerweile sichtlich genervt, meine Stimme schärfer als beabsichtigt. Mein Blick huschte kurz zu ihm, dann wandte ich mich wieder ab.
Ich konnte spüren, wie sich mein Kiefer anspannte, ich war müde, frustriert und einfach nur genervt.
Carlos ließ sich davon nicht beirren.
„Du klingst aber überhaupt nicht so. Eher gestresst und wütend, ehrlich gesagt. Und du sahst schon das ganze Wochenende so aus," sagte er mit einem Seitenblick, während wir durch das Terminal in Richtung Gate liefen.
Ich blieb kurz stehen, ballte die Hände zu Fäusten und atmete hörbar durch die Nase aus.
„Genervt? Ja, verdammt nochmal, das bin ich! Weil ihr alle einfach nicht aufhören könnt zu reden!," fauchte ich ihn an, während ich meinen Schritt wieder beschleunigte.
Die Leute in unserer Nähe warfen mir kurze, neugierige Blicke zu, aber das war mir inzwischen egal. Sollen sie doch sehen das ich nicht gut zu sprechen war.
„Ja, es ist passiert, okay?! Was soll ich denn jetzt noch dagegen machen?" Meine Stimme überschlug sich beinahe, während ich mich an Max' Seite stellte, er wagte es nicht einmal, mir in die Augen zu schauen.
Gut so. Das hatte er sich verdient, nach der Aktion in Texas.
Ich biss mir auf die Lippe.
Die Bilder spielten sich noch immer in meinem Kopf ab, wie ein Film, den ich nicht abschalten konnte.
Nicht nur Lando hatte wegen des Chaos eine Strafe kassiert, sondern auch ich, weil Max, ach so unschuldig, sich geweigert hatte, Verantwortung zu übernehmen. Natürlich war er nicht schuld, nie war er das.
„Wenn ich noch ein einziges Wort von euch höre und ich meine ein einziges, dann setze ich mich persönlich auf euch drauf und köpf euch, ganz egal, was die Teamchefs sagen!"
Ich drehte mich halb zu Carlos und Oscar um, während ich sprach. „Ich will keine Ratschläge, keine Kommentare, keine mitleidigen Blicke mehr. Ich bin nicht euer Projekt zum Reparieren!"
Endlich betraten wir das Rollfeld. Der Wind zerrte an meinem Zopf, der Lärm der Triebwerke vibrierte in meinen Knochen. Der Privatjet wartete bereits, das silberne Logo glänzte im Licht der Nachmittagssonne.
Ein Privileg, das Max sich leisten konnte und ich? Ich war einfach nur froh, dass wir bald abheben würden, weg von allem, was mich an dieses verkorkste Wochenende erinnerte.
„Ich meinte es doch nur gut," hörte ich Carlos hinter mir leise murmeln, fast entschuldigend.
„Wir alle," stimmte Oscar zu, ebenfalls nicht besonders leise. „Immerhin muss sie jetzt ganz von vorne anfangen...aber lassen wir sie lieber in Ruhe."
Ich hörte ihre Stimmen noch, als ich die Treppe zum Jet hinaufstieg, aber ich reagierte nicht. Meine Gedanken waren ein Sturm, mein Herz ein Knoten.
Vielleicht war Ruhe alles, was ich wirklich wollte aber nicht mal darin ließ man mich noch atmen.
Kaum hatte ich den Jet betreten, verzog ich mich sofort in die hinterste Ecke der Kabine. Ohne ein weiteres Wort zog ich mir meine Kopfhörer über die Ohren, drehte die Musik so laut auf, dass sie jeden Gedanken zu übertönen versuchte.
Ich achtete nicht darauf, wo sich die anderen hinsetzten. Ich bemerkte nicht einmal den Moment, in dem wir abhoben.
Erst als der Himmel draußen langsam dunkler wurde und der orangefarbene Glanz der untergehenden Sonne die Wolkenränder vergoldete, fiel mir auf, dass wir schon in der Luft waren.
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Lights Out
Fanfiction"Frauen haben in dieser Welt nichts zu suchen." Diesen Spruch hörte Séra schon seitdem sie ein kleines Mädchen war. Doch das hielt sie nicht auf darum zu kämpfen ihren Traum wahr werden zu lassen. Die erste Frau in der Formel 1 zu werden. Das die...
