„Ah, da ist er ja, der gute...Alberto! Komm doch mal zu uns rüber," hörte ich Opa mit seiner vertrauten, heiteren Stimme sagen, während ich gerade an meinem alkoholfreien Cocktail nippte. Die Eiswürfel klirrten leise im Glas, als ich instinktiv zur Seite blickte, neugierig, wie ich nun mal war.
Ein Mann trat aus dem Schatten der Pergola, das goldene Licht der untergehenden Sonne zeichnete die Linien seines Gesichts. Er wirkte etwas älter, vielleicht in Papas Alter, mit grauen Schläfen und einem ruhigen, selbstsicheren Gang, der sofort Autorität ausstrahlte.
Sein Hemd war sauber gebügelt, aber locker getragen, jemand, der sich nicht über Status definieren musste, sondern ihn einfach verkörperte.
„Ah, Antonio. Schön, dich mal wieder zu sehen! Dass du dich mal für Formel 1 begeisterst, hätte ich nicht gedacht," witzelte der Mann mit einem trockenen Lächeln.
Opa ließ sich davon nicht beeindrucken. „Meine Enkelin fährt dort, da muss ich ja zuschauen," konterte er stolz und klopfte mir auf den Rücken. „Übrigens: Séra, das ist Alberto Morreti. Alberto, das ist meine Enkelin, Séra."
Alberto wandte sich mir zu. Sein Blick war scharf, durchdringend, aber nicht unangenehm. Es war, als würde er mehr sehen als nur die Oberfläche. Mit einem charmanten Grinsen reichte er mir die Hand, seine Bewegungen kontrolliert, fast feierlich.
„Schön, dich endlich kennenzulernen. Wirklich bemerkenswert, was du alles schon erreicht hast."
Ich schüttelte seine Hand, ein wenig verlegen. Seine Stimme war tief, ruhig, die Art von Stimme, der man instinktiv zuhört.
Er setzte sich direkt neben Opa.
Die Stimmung war auf einmal...intensiver. Oma, die sich bislang zurückgehalten hatte, legte nach: „Bemerkenswert ist gar kein Ausdruck. Wäre der Unfall nicht gewesen, wäre sie jetzt ganz vorne mit dabei."
Ich lächelte schwach. Der Unfall. Wie ein Schatten, der immer wieder auf mich zurückfiel, egal, wie weit ich gekommen war. Doch anstatt in Erinnerungen zu versinken, hörte ich aufmerksam zu. Irgendetwas an dieser Begegnung war...bedeutend.
„Séra," begann Alberto und beugte sich leicht vor. „Dein Opa und ich sind ja Geschäftspartner." Ich nickte leicht, nicht sicher, worauf das hinauslaufen würde.
„Was du in den letzten Wochen, nein falsch, in den letzten Jahren, geleistet hast, ist außergewöhnlich. Du bist mehr als nur eine talentierte Fahrerin. Du hast Potenzial. Und das muss gefördert werden." Seine Worte hingen in der Luft, schwer und bedeutungsvoll.
Ich sagte nichts. Nicht aus Desinteresse, sondern aus Respekt. Ich wollte nichts Unüberlegtes sagen. Ich spürte, dass etwas Großes kommen würde.
„Ich weiß, deine Karriere in der Formel 1 hängt derzeit an einem seidenen Faden. Aber das hier, das, was ich dir jetzt anbiete, ist nicht irgendein Angebot. Es ist einmalig. Viele sehen nicht, was ich sehe. Aber du...du hast das Zeug, als erste Frau wirklich Geschichte zu schreiben. So wie Wolff, vielleicht sogar mehr."
Ich spürte, wie mein Herz schneller schlug.
„Ich bin selbst Rennen gefahren," fuhr er fort. „Nicht in der Formel 1, aber ich weiß, was es heißt, alles zu riskieren. Ich habe Fahrer kommen und gehen sehen, viele mit Talent. Aber du? Du bist noch nicht bereit zu gehen, Kleine. Du hast noch nicht das gesagt, was du sagen willst."
Dann wandte sich Opa an mich. Seine Stimme war ruhig, aber ernst. „Séra, dir ist bewusst, wer Alberto ist, oder?"
Ich nickte langsam. Natürlich wusste ich es. Alberto Morreti war nicht irgendwer. Er war, neben Nicolas Todt, eine der vertrautesten Personen von Jules Bianchi gewesen.
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Lights Out
Fanfiction"Frauen haben in dieser Welt nichts zu suchen." Diesen Spruch hörte Séra schon seitdem sie ein kleines Mädchen war. Doch das hielt sie nicht auf darum zu kämpfen ihren Traum wahr werden zu lassen. Die erste Frau in der Formel 1 zu werden. Das die...
