91. Kapitel

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„Oh man! Oh man! Oh man!," fluchte ich vor mich hin, während ich mit wildem Blick durch mein Hotelzimmer raste. Die Wände schienen mich gerade zu erdrücken, so hektisch durchwühlte ich alles, was sich in meinem Zimmer befand. Mein Koffer war schon fast auseinandergefallen, als ich wieder und wieder meine Sachen durchwühlte, auf der verzweifelten Suche nach einem ganz bestimmten Teil, das einfach nicht auftauchen wollte.

„Séra! Kannst du dich mal beeilen! Wir kommen schon wieder zu spät!," rief mein Bruder etwas sauer. Er stand da, vollkommen unbeeindruckt von dem Chaos, das in meinem Zimmer herrschte. Arme verschränkt, Augen verdreht, die typische „Ich-warte-schon-zu-lange"-Pose. Aber das kümmerte mich gerade wenig. Ich war viel zu beschäftigt damit, jedes Stück Kleidung, jedes Accessoire, und sogar jedes leere Shampoo-Fläschchen umzudrehen, in der Hoffnung, dass sich das Teil, das ich suchte, irgendwo versteckt hatte.

„Hab es gleich! Verflucht! Wo ist das verdammte Ding?!," brummte ich, während ich mich über den Haufen Klamotten, Schuhe und Taschen beugte. Die Zeit schien mich gnadenlos zu verfolgen, jeder noch so kleine Tick der Uhr machte es nur noch schlimmer. Ich konnte den Druck spüren, die Enttäuschung meines Bruders, die schier durch die Wände hindurch zu mir kam.

„Was suchst du überhaupt?," fragte er, und seine Stimme war nicht gerade die geduldigste. Ich konnte die Skepsis in seiner Stimme hören, als er mich mit einem Blick musterte, der eher mitleidig war als hilfsbereit. Doch da hörte ich plötzlich ein leises Rascheln. Mein Blick sprang auf, als ich das silberne Etwas aus dem Koffer erhob.

„Ha! Da hast du dich versteckt!," jubelte ich und hielt es triumphierend in der Luft. Es war genau das Teil, nach dem ich die ganze Zeit gesucht hatte, das kleine, silberne Armband, das ich brauchte. Für einen Moment war ich von dem Erfolg so eingenommen, dass ich das nervöse Zucken in den Augen meines Bruders vollkommen übersah.

„SÉRA!!!," brüllte er nun, als hätte er endlich das Maß seiner Geduld erreicht. Es war der Moment, in dem ich den Blick meines Bruders völlig realisierte und wie blöd wir schon wieder waren, in Sachen Zeitmanagement.

Ich zuckte zusammen, sprang auf und warf das Armband schnell in meine Tasche. „Jaja, wir können," brummte ich und verdrehte genervt die Augen. Doch als ich dann hörte, wie er die Tür in einem Tempo hinter mir zuschlug, als ob die Welt untergehen würde, wusste ich, dass es keinen Sinn hatte, weiter zu streiten.

„Los! Los!," hörte ich ihn weiter schimpfen, und obwohl wir schon längst zu spät dran waren, fühlte ich mich trotzdem ein kleines bisschen erleichtert, als wir endlich die Hoteltür hinter uns zuschmissen und in die frische Luft traten.

Doch dann sah ich, dass mein Bruder sich einfach umdrehte, die Hand an der Tür, und mich mit einem halb genervten, halb amüsierten Blick ansah. „Das nächste Mal packst du einfach alles ordentlich ein, verstanden?," sagte er, und ein kleines Lächeln schlich sich auf sein Gesicht, als er mir die Tür aufhielt.

Ich stöhnte auf, fühlte mich aber trotzdem ein wenig erleichtert, als wir in die weite Hotellobby traten und auf uns der Silverstone Grand Prix wartete.



Die Scheinwerfer der Pressekonferenz in Silverstone strahlten auf mich herab, und ich fühlte mich, als stünde ich in der Mitte eines Wettkampfs, der nichts mit dem Rennsport zu tun hatte. Die Journalisten saßen in den Reihen vor uns, ihre Stifte und Notizblöcke bereit, und die Kameras blitzten fast unaufhörlich. Die Luft war schwer mit Spannung, und ich wusste, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis die unangenehmen Fragen über mein Privatleben auftauchten.

Neben mir saßen Charles Leclerc, Max Verstappen und Oscar Piastri. Alle drei schienen entspannt, aber ich konnte es kaum ignorieren,  ich war die Einzige unter ihnen, die regelmäßig mit Fragen über meine Privatsphäre konfrontiert wurde.

Lights OutWo Geschichten leben. Entdecke jetzt