131. Kapitel

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Der Club war ein einziger Rausch aus Licht, Musik und Hitze. Die Basslinien wummerten durch den Boden, schossen wie elektrische Impulse durch die Körper der Feiernden. Überall Lachen, Stimmen, Bewegungen.

Bunte Scheinwerfer zerschnitten die Dunkelheit, tauchten Gesichter in flüchtiges Neonblau, Violett, Feuerrot.

Es war das Saisonende und jeder, wirklich jeder, ließ los. Fahrer, Mechaniker, Manager, Freundinnen. Carlos tanzte mit einem Glas Tequila in der Hand, Oscar lag halb auf einer Couch mit einem grölenden Carlos daneben, und selbst Max wirkte locker, lachte über irgendetwas, das Pierre ihm zuraunte.

Die Musik war laut, hemmungslos, pulsierend.

Und mitten unter ihnen war ich.


Ich bewegte mich zur Musik, als gehörte ich dazu, als würde der Rhythmus mich tragen. Mein schwarzes Kleid schmiegte sich an meinen Körper, bei jeder Bewegung blitzte etwas Haut auf, ein Schulterblatt, ein Hauch Rücken, der Nacken, auf dem sich Schweißperlen sammelten.

Meine Wangen glühten, meine Augen glänzten im Licht, und doch, wer genau hinsah, sah es: den Schatten dahinter.

Ich lachte, ich tanzte, aber irgendwo tief in mir war ein Riss.

Der Blick streifte ihn nur flüchtig: Lando. In der Nähe der Bar, halb versteckt in einer Gruppe.

Seine Haare zerzaust, das weiße Hemd aufgeknöpft, Ärmel hochgekrempelt. Er lachte. Aber seine Augen suchten. Unsere Blicke trafen sich für einen Moment. Kurz. Viel zu kurz.


Ich wandte mich ab. Weiter. Mehr Musik. Noch ein Drink. Noch ein Tanz. Aber je länger die Nacht wurde, desto enger fühlte es sich an. Die Hitze, der Lärm, die Erinnerungen, alles mischte sich zu einem Wirbel, der mich schließlich erstickte.

Ich schob mich durch die Menge, an verschwitzten Körpern vorbei, ignorierte die Rufe nach mir. „Séra! Bleib doch!" Doch ich brauchte kurz Luft. Stille. Nur für einen Moment.

Die Tür zur Dachterrasse öffnete sich mit einem dumpfen Klick, und im nächsten Augenblick war ich draußen.

Stille. Dunkelheit. Freiheit.



Die Luft war warm, aber frisch im Vergleich zur Hitze drinnen. Über mir spannte sich der Himmel wie ein schwarzes Tuch, durchzogen von Sternen. In der Ferne glitzerten die Lichter der Stadt, das Meer rauschte irgendwo jenseits der Häuser, und der Klang des Clubs war nur noch ein leises Dröhnen, wie ein ferner Herzschlag.

Ich trat an das Geländer, legte die Arme darauf und schloss die Augen. Meine Schultern sanken, mein Atem wurde ruhiger.

„Ich wusste, dass ich dich hier finde."

Die Stimme war leise, fast vorsichtig. Aber ich erkannte sie sofort.

Langsam drehte ich sich um.

Lando trat auf die Terrasse, in den Händen zwei Gläser. Nicht Alkohol, Wasser. Wie immer. Er blieb ein paar Schritte entfernt stehen, als würde er prüfen, ob er willkommen war.

„Ich wollte dir deinen Moment nicht nehmen," sagte er. „Aber... ich konnte nicht anders."

Ich schwieg, sah ihn nur an.

Er trat näher, stellte die Gläser auf den kleinen Stehtisch. Die Nachtluft spielte mit dem Stoff seines Hemdes. Unsere Augen trafen sich und diesmal wich keiner aus.

„Du hast getanzt wie früher," sagte er leise. „Als wir noch..."

„Als ich dir noch geglaubt hab," unterbrach ich, meine Stimme rau, aber nicht kalt. Nur müde.

Lights OutWo Geschichten leben. Entdecke jetzt