* Landos Sicht*
Ich hatte sie im Blick. Die ganze verdammte Zeit obwohl ich ihr vertrauen sollte. Auch wenn ich so tat, als würde ich mich auf das Gespräch mit Oscar konzentrieren. Auch wenn ich mit George über irgendwas diskutierte, mit diesem gezwungenen Grinsen auf den Lippen. Aber meine Augen fanden sie immer wieder.
Phina. Mein Mädchen.
Auch wenn das niemand wusste. Auch wenn wir es versteckten – vor den Medien, vor den Teams, vor dieser seltsamen, goldglitzernden Welt, die mehr Wert auf Schlagzeilen legte als auf echte Gefühle.
Vorhin hatte sie mit Alex geredet und da wusste ich schon das etwas anders war und jetzt? Jetzt stand sie auf dem Balkon. Allein. Der Wind spielte mit einer Strähne ihres Haares, das lose an ihrer Schulter klebte. In dieser Silhouette lag etwas...Zerbrechliches. Ihre Haltung war nicht die von der unerschütterlichen Séra, die sich mit 300 km/h in Kurven warf, die sich gegen Medienfragen durchbiss die letzten Wochen und sich mit Max anlegte, wenn es sein musste.
Das da war meine Séra. Die, die in der Stille kämpfte. Die, die niemand sah – außer mir.
Und dann kam er. Natürlich.
Charles.
Mit diesem mitleidigen Blick, als hätte er das Recht, sie in diesem Moment aufzufangen. Als würde er wissen was sie jetzt dachte. Mit Pierre im Schlepptau, lachend, sorglos und schon einiges getrunken. Als wäre nichts gewesen.
Als wäre da nicht diese Szene gewesen die mir immer sagte das ich gerade alles falsch mache. Das ich ihr sagen sollte das Charles sie nur benutzen wollte, weil wir eine Wette hatten. Weil ich dieser Wette zugestimmt hatte. Als wäre da nicht diese Spannung in der Luft, wann immer sie im selben Raum waren.
Ich biss die Zähne zusammen. Er hatte das Rennen gewonnen. Den Pokal. Die Sektfontäne. Den Jubel auf dem Podium. Aber jetzt? Jetzt auch noch sie?
Ich beobachtete die beiden genau, jede Geste, jede Reaktion. Wie sie zögerte, als Pierre sie ansprach. Ich wusste das Pierre sie nun etwas mehr respektierte aber sie war dennoch vorsichtig bei ihm. Man wusste ja nie was er dachte.
Wie sie Charles nur flüchtig ansah, dann wieder weg. Wie ihr Lächeln versuchte, normal zu wirken – aber es war nicht echt. Nicht in ihren Augen. Und trotzdem... ließ sie sich mitziehen. Lachte kurz. Drehte sich, tanzte, als wäre sie dabei. Aber ich sah es. Ich fühlte es. Sie war woanders. Nicht in der jetzigen Welt, sondern in ihre eigene.
In der sie oft genug flüchtete, wenn ihr etwas zu viel wurde. Schon heute am Morgen viel mir auf das sie etwas blass um die Nase war. Als würde es ihr nicht gut gehen. Mein Blick fing ihren ein, doch dieser löste sich wieder schnell als sie von Charles gedreht wurde. Dieses abartige Arschloch!! Wieso tat ich eigentlich nichts dagegen!! Ich war ihr Freund!!
War ich das überhaupt! Fuck ich habe sie noch nie gefragt oder gar ihr die drei Wörter gesagt!! Eigentlich durfte sie machen was sie wollte aber ich konnte mir das einfach nicht mehr lange anschauen!!
Und dann passierte es.
Ein Moment. Ein einziger Moment – der alles durcheinander schmiss. Alles verlangsamte sich. Ich sah, wie ihr Blick flackerte. Wie sie leicht schwankte. Und dann – als würde jemand auf "Pause" drücken – sackte sie einfach zusammen.
„Séra!," hörte ich die panische Stimme von Oscar neben mir doch ich war auf Automatik geschalten.
Mein Körper bewegte sich schneller, als ich denken konnte. Ich stieß mich durch die Menge, rempelte jemanden an, hörte ein Glas zerschellen – egal. Charles hatte sie reflexartig aufgefangen, aber ich war da, noch bevor sie zu Boden fiel. Ich fiel auf die Knie, ohne zu merken, dass meine Handflächen auf dem harten Steinboden aufschlugen.
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Lights Out
Fanfiction"Frauen haben in dieser Welt nichts zu suchen." Diesen Spruch hörte Séra schon seitdem sie ein kleines Mädchen war. Doch das hielt sie nicht auf darum zu kämpfen ihren Traum wahr werden zu lassen. Die erste Frau in der Formel 1 zu werden. Das die...
