147. Kapitel

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*Rennen Abu Dhabi*

Die Sonne war längst untergegangen, aber auf dem Yas Marina Circuit war es taghell. Tausende Flutlichter tauchten die Strecke in kaltes, künstliches Licht. In den Tribünen wogten die Farben der Fans, orange, silbern, papaya, ein letztes Mal in dieser Saison. Das letzte Rennen. Die Entscheidung. Oscar gegen Lando um die Weltmeisterschaft. Ich gegen Max, um Platz drei und in Wahrheit...kämpften wir alle um mehr als nur Zahlen auf Papier.

Ich stand in der Startaufstellung. Platz drei. Direkt hinter den beiden McLaren. Oscar auf Pole, Lando daneben. Neben mir: Max Verstappen. Ich konnte seinen Blick spüren, selbst mit Helm und Visier, entschlossen, hungrig, gewohnt, vorne zu sein. Und er würde es mir nicht leicht machen.

Ich atmete tief durch, zog meine Handschuhe fester. Noch fünf Minuten bis zur Einführungsrunde.


Neben mir trat Toto an mein Auto, beugte sich zu mir hinunter. Seine Miene war ernst, aber nicht kalt. Konzentriert, wie immer.

„Séra," sagte er ruhig. Ich hob den Blick zu ihm. „Das ist kein normales Rennen und ich werde dir nicht sagen, dass du sicher fahren sollst. Nicht heute."

Ich blinzelte überrascht.

„Du willst diesen dritten Platz, also hol ihn dir," fuhr er fort. „Max wird kämpfen. Hart. Vielleicht schmutzig. Du weißt wie er tickt. Aber du bist stark genug. Du bist nicht mehr die, die in Spa den Unfall hatte. Du bist jetzt die, die da vorne steht, verdient."

Ich nickte. Die Worte sanken tief. Nicht wie eine motivierende Floskel. Eher wie eine stille Bestätigung von etwas, das ich längst wusste aber noch hören musste.

„Danke," sagte ich leise. Er klopfte mir leicht auf den Helm. „Und wenn du Max überholst, vergiss nicht, ihm zu winken."

Ich grinste. Dann ging er und ich war wieder allein. Nur noch ich, das Lenkrad, der Lärm der Startprozedur.




Die Lichter über der Startlinie flackerten auf. Rot. Eins. Zwei. Drei. Vier. Fünf. Halt den Atem an. Fühl die Vibration des Motors. Hör auf dein Herz.

Lichter aus. Los.

Der Start war explosiv. Ich erwischte einen nahezu perfekten Launch, kam direkt neben Lando aber er war noch einen Hauch schneller und schob sich sofort an Oscar vorbei, der nicht optimal wegkam. Die Vorderräder seines McLaren blockierten leicht, er kam schlecht vom Fleck.

Lando übernimmt die Führung in Kurve eins.

Ich zwängte mich hart innen an Oscar vorbei, der noch nicht in seinem Rhythmus war. Für einen Moment waren unsere Räder gefährlich nah, aber ich ließ ihm Raum, mehr als Max mir je geben würde. Denn der war direkt hinter mir und er war aggressiv.


In Kurve drei kam er neben mich, nutzte das bisschen Windschatten, das ich Oscar noch lieferte. Ich verteidigte die Innenseite, zwang ihn weit raus. Doch er ließ nicht locker. Typisch Max.

In der Haarnadel bremste er brutal spät, versuchte es außen. Ich hielt dagegen. Kein Millimeter geschenkt. Wir fuhren Rad an Rad durch die erste DRS-Zone, aber ich wusste, wo ich ihn schlagen konnte, beim Anbremsen in Kurve acht.

Ich war spät, verdammt spät. Noch später als der Niederländer. Aber es reichte. Ich hielt die Linie, zwang ihn raus. Er funkte: „She's dangerous."

Ich grinste nur.

Vorne zog Lando leicht davon. Ein paar Zehntel hier, ein paar dort. Oscar hatte sich gefangen, war direkt hinter mir und Max immer noch an meinem Heck. Das war kein Rennen für Fehler. Das war ein Rennen für Nerven aus Titan.

Lights OutWo Geschichten leben. Entdecke jetzt