*Séras Sicht*
„Ich mag den Grand Prix immer noch nicht, das ist dir klar, oder?," murmelte ich und verschränkte die Arme vor der Brust, während wir endlich vom Hotelparkplatz auf die breite Zufahrtsstraße zum Las Vegas Strip abbogen.
Meine Stimme klang gereizt, brüchig fast, so als hätte ich die Worte schon zu oft gedacht, aber nie laut ausgesprochen.
Alberto warf mir einen kurzen Blick zu, nicht mehr als ein Seitenhieb mit den Augen, aber ich wusste, dass er jedes Wort registriert hatte.
„Was meinst du? Brasilien oder Las Vegas?," fragte er, während er das Lenkrad ruhig, fast gelassen, durch den dichten Verkehr führte. Der Strip war auch um diese Uhrzeit ein einziges flackerndes Chaos aus blinkenden Leuchtreklamen, hupenden Autos und übergroßen LED-Werbetafeln.
Ich atmete tief durch, ließ meinen Blick aus dem Fenster schweifen, wo sich das grelle Neonlicht in den getönten Scheiben spiegelte. „Las Vegas, wenn überhaupt," sagte ich schließlich. „Diese Strecke hat mir noch nie gefallen. Alles wirkt künstlich, grell, zu laut, wie ein überdrehtes Theaterstück, das versucht, Motorsport zu spielen. Aber echtes Racing...fühlt sich anders an."
Alberto lachte leise, fast beiläufig, aber nicht ohne Wärme.
„Du wirst dich schon daran gewöhnen. Letztes Jahr war's für alle das erste Mal, dass macht's doch irgendwie fairer für jeden, oder?"
Ich schüttelte den Kopf, das Kinn leicht vorgestreckt, wie ein Boxer, der sich gegen den nächsten Schlag wappnet.
„Fair? So wie die Situation für nächste Saison? Ich trete auf der Stelle, Alberto. Seit Monaten. Kein klares Angebot, kein Fortschritt. Ich bin müde. Wirklich müde."
„Ich sag's dir doch, Sauber würde dich mit offenen Armen nehmen," antwortete er ruhig, während er das Auto mit einem sanften Ruck auf den offiziellen Teamparkplatz lenkte.
Die Klimaanlage verstummte, und mit dem Abschalten des Motors wurde es plötzlich still im Wagen, abgesehen vom fernen Brummen der Strecke in der Hitze.
Ich starrte stumm durch die Windschutzscheibe, beobachtete das bunte Treiben rund um den Paddock, Mechaniker, PR-Leute, Fahrer in ihren Rennoveralls, die wie bunte Spielfiguren zwischen Trucks und Zelten hin- und herliefen.
Alles wirkte wie eine perfekt durchchoreografierte Show, bei der ich langsam nicht mehr wusste, ob ich überhaupt noch auf der Besetzungsliste stand.
„Ich weiß nicht, Alberto," sagte ich leise, fast mehr zu mir selbst. „Natürlich wäre ich dann wieder in der Formel 1. Aber...es fühlt sich nicht richtig an. Es ist kein Schritt nach vorn, verstehst du? Es ist ein Kompromiss. Eine Zwischenlösung, damit ich nicht ganz vom Radar verschwinde."
Er drehte sich zu mir, legte kurz die Hand auf meine Schulter. Seine Augen waren weich, voller Verständnis.
„Ich weiß, dass du besser fahren kannst als viele von denen da draußen. Besser als einige mit Cockpits in Top-Teams. Aber wer den Mut hat, dir das Vertrauen zu geben...das ist die eigentliche Frage."
Ich nickte langsam, schwieg.
Dann öffneten wir fast gleichzeitig die Türen, die heiße Luft schlug uns entgegen wie eine Wand.
Ich zog meine Jacke enger, obwohl es über 30 Grad hatte.
Die Sonne brannte erbarmungslos vom wolkenlosen Himmel, ließ die Zelte und Trucks in flimmernder Hitze glänzen. Aber mir war kalt. Eiskalt, tief drinnen.
„Hey Séra! Guten Hinflug gehabt?"
Die Stimme kam fröhlich, fast zu fröhlich aus dem Trubel vor dem Paddock, und riss mich brutal aus meinen Gedanken.
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Lights Out
Fanfic"Frauen haben in dieser Welt nichts zu suchen." Diesen Spruch hörte Séra schon seitdem sie ein kleines Mädchen war. Doch das hielt sie nicht auf darum zu kämpfen ihren Traum wahr werden zu lassen. Die erste Frau in der Formel 1 zu werden. Das die...
