148. Kapitel

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„Lando Norris gewinnt den Abu Dhabi Grand Prix und mit ihm, den Weltmeistertitel 2025."

Die Worte hallten über die Strecke wie ein Donnerschlag. Jubel brandete von den Tribünen herüber, ein einziger, gewaltiger Strom aus Stimmen, Schreien, Klatschen, als würde die ganze Welt für einen einzigen Mann toben.

Lando Norris, you are the World Champion!" Die Stimme aus dem McLaren-Funk war nicht mehr nur Technik, sie war purer, überkochender Stolz. Übersteuert, brüchig vor Freude. Fast ungläubig, als könne auch das Team es selbst kaum fassen.

Ich blickte auf den Bildschirm in meinem Cockpit, während ich meine letzte Runde fuhr, ein kurzer Blick auf das Timing, auf die Zeiten, die nicht mehr wichtig waren. Nur noch ein Name stand ganz oben. Sein Name.


Vorne, in langsamer Auslaufrunde, sah ich sein Auto, das vertraute Papaya-Orange, von Scheinwerfern und Flutlichtern silbrig angestrahlt wie ein Filmset. Er hatte den Arm aus dem Cockpit gerissen, die Faust geballt, ein kurzer Schlag aufs Lenkrad. Ein Jubel, ein Aufschrei, der über Funk ging und dann...nichts.

Stille und ich wusste, was das bedeutete.

Er weinte. Er hatte es wirklich geschafft.

Oscar kam als Zweiter über die Linie. Schnell, sauber, ohne Drama. Er hatte alles gegeben und doch, sein Funk blieb ruhig. Kein Wutausbruch. Kein Vorwurf. Nur ein leises, gepresstes: „Tell him congratulations."

Und ich?

Ich kam kurz nach ihm ins Ziel. Dritte. Podium. Dritter Platz in der Weltmeisterschaft. Noch vor Max. Vor ihm, den so leicht keiner schlagen konnte und damit war alles gesagt.

Ein lauter, fast roher Schrei kam aus meiner Kehle, durch das Mikrofon. „YES! Verdammter Wahnsinn!"

Mein Körper zitterte. Die Finger an meinem Lenkrad waren taub. Der Nacken brannte. Aber ich fühlte nichts außer reines, heißes Glück.

„Du hast es verdient," kam Jeffs Stimme über Funk. Seine Tonlage ruhig, aber voller echter Wärme. „Jeder einzelne Meter davon."

„Gratuliere Séra, du hast es dir wirklich verdient," ertönte auch Totos Stimme in meinem Ohr und ich lächelte.

Ich ließ das Lenkrad los, nur für einen Moment. Lehnte mich im Sitz zurück, ließ den Kopf gegen das Polster fallen. Der Himmel über Abu Dhabi war schwarz, voller Sterne und doch strahlte alles um mich herum in gleißendem Licht.


Wir rollten weiter, langsam, wie in Trance. Die Motoren schnurrten leiser. Das Rennen war vorbei aber noch nicht dieser Moment.

Dann sah ich ihn. Lando.

Er fuhr voraus, sein Auto nur wenige Meter entfernt. Langsam, fast zaghaft, als könne er noch nicht glauben, dass das hier echt war. Dass er es wirklich geschafft hatte. Ich gab ein kurzes Gas, ein Signal, fuhr auf seine Höhe.

Er drehte den Kopf und ich sah sie auch wenn sie unter dem Helm versteckt waren, die Tränen, die über seine Wangen liefen, das überstrahlt war von einem Lächeln, das tiefer ging als jedes bisher.

Kein übertriebener Jubel. Kein theatralischer Triumph. Nur ein Mensch, der am Ziel von allem stand, wovon er je geträumt hatte.

Ich hob die Hand, drei Finger ausgestreckt. Dann nur einen.

Du bist die verdammte Nummer eins.

Er lachte und dann zeigte er ein Herz mit seinen Fingern, langsam, sichtbar für mich, nur für mich.

Lights OutWo Geschichten leben. Entdecke jetzt