Seit jenem Tag, seit ich in Abu Dhabi über die Ziellinie gefahren war, seit ich den letzten Funkspruch gehört und dann geschrien hatte, weil ich es wirklich geschafft hatte, hatte sich mein Leben schlagartig verändert und ich meine nicht nur ein bisschen.
Nicht nur der Rhythmus. Nicht nur der Kalender. Alles war anders.
Es war, als hätte jemand einen Schalter umgelegt.
Ich konnte in meiner Heimat nicht einmal mehr schnell in die Bäckerei, ohne dass jemand mich ansprach.
Ein Selfie hier, eine Unterschrift da. Menschen sprachen mich mit leuchtenden Augen an, als wäre ich eine Legende, dabei war ich doch einfach nur...ich.
Die Séra, die im Kart angefangen hatte, mit blutigen Knien und zerfetzten Handschuhen.
Die Séra, die in Spa fast alles verloren hätte. Die Séra, die irgendwann geglaubt hatte, nie gut genug zu sein.
Und jetzt?
Jetzt war ich die erste Frau, die die Formel-1-Weltmeisterschaft gewonnen hatte.
Mein Gesicht klebte auf Werbetafeln, auf Zeitschriften, auf Energy-Drink-Dosen.
Im Internet explodierten die Hashtags. #SeraChampion #HistoryMade #TigerinImCockpit
Ich wurde in Talkshows eingeladen, auf Events herumgereicht, bekam plötzlich Anfragen von Marken, die sich früher nie für mich interessiert hatten.
Sogar mein altes Interview von 2023 ging viral, dass, in dem ich mal trotzig gesagt hatte: „Irgendwann steh ich ganz oben. Wartet nur ab."
Jetzt war ich da gewesen. Ganz oben.
Aber mit der Sichtbarkeit kam auch etwas anderes. Etwas...Lautes. und manchmal auch Hartes. Es gab Tage, da fühlte ich mich wie in einem goldenen Käfig. Ein bisschen gefeiert, ein bisschen ausgestellt. Manche wollten plötzlich mit mir reden, die mich früher ignoriert hatten.
Andere hinterfragten, ob mein Titel verdient gewesen war, ob ich vielleicht nur gewonnen hatte, weil ich eine Frau war.
Aber ich hatte gelernt, diesen Stimmen nicht mehr zu viel Raum zu geben.
Denn da war auch etwas anderes.
Etwas Großes. Etwas, das ich mit Worten kaum greifen konnte: Die Mädchen. Die kleinen Mädchen mit Zöpfen und großen Augen, die mir bei Events begegneten und sagten: „Ich will auch mal fahren. So wie du."
Und wenn ich dann ihre Mütter ansah, sah ich Stolz. Mut. Hoffnung.
Ich hatte nie versucht, ein Vorbild zu sein. Ich hatte nur versucht, schnell zu fahren. Aber vielleicht...war genau das der Punkt gewesen.
Ein weiteres verrücktes Jahr lag hinter uns. Vollgestopft mit Rennen, Pressekonferenzen, Adrenalin, Siegen und Niederlagen. Jubel, Tränen, flüchtige Momente auf dem Podium und endlose Nächte im Simulator.
Die Zeit verging. Plötzlich war es wieder Silvester.
Lando und ich standen auf dem Dach eines luxuriösen Hotels mitten in Dubai.
Die Stadt glitzerte unter uns wie ein Ozean aus Sternen, und über unseren Köpfen zogen vereinzelt erste Feuerwerksraketen ihre farbigen Bahnen durch den dunklen Nachthimmel.
Die Luft war warm, salzig vom Meer und doch elektrisch aufgeladen, als würde sie selbst wissen, dass etwas Besonderes bevorstand.
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Lights Out
Fiksi Penggemar"Frauen haben in dieser Welt nichts zu suchen." Diesen Spruch hörte Séra schon seitdem sie ein kleines Mädchen war. Doch das hielt sie nicht auf darum zu kämpfen ihren Traum wahr werden zu lassen. Die erste Frau in der Formel 1 zu werden. Das die...
