109. Kapitel

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*Landos Sicht*

Die Jungs hatten mir teilweise verziehen. Das Gespräch mit Alex hatte also Wirkung gezeigt. Es war, als hätte jemand ein wenig Druck vom Kessel genommen aber nicht genug. Noch lange nicht genug. In mir rumorte es weiterhin. Die ganze Situation fühlte sich nicht abgeschlossen an, nicht geklärt. Vor allem wegen Séra.

Seit ihrer Nachricht, dass sie endlich aus dem künstlichen Koma erwacht war, zogen sich ständig neue Fragen durch unseren Alltag. Ob wir etwas wussten, wie es ihr ging, ob sie je wieder fahren würde. Fragen, auf die keiner eine wirklich klare Antwort hatte, außer mir und das nagte.

Ich wusste mehr als die anderen. Viel mehr. Séra war längst nicht mehr im Krankenhaus. Sie war bereits wieder zu Hause, versuchte sich dort zu erholen, Kräfte zu sammeln. Alles mit dem Ziel, bald wieder ins Cockpit steigen zu können. Doch bei all dem fragte ich mich: Konnte sie sich wirklich auf ihre Zukunft konzentrieren? Auf das nächste Rennen, die Saison, ihren Traum? Oder war das Zuhause, das eigentlich ein Ort der Ruhe und des Rückzugs sein sollte, der nächste Kampfplatz?



Ich war in Gedanken versunken, als ich gerade meinen Rucksack in eine Ecke der Padel-Halle legte. Es war das erste Mal seit Wochen, dass wir wieder zusammenspielten und überraschenderweise, war ich eingeladen worden. Ein kleines Zeichen, dass sich etwas besserte.

„Lando?," hörte ich plötzlich eine Stimme hinter mir. Ich drehte mich um. Max kam langsam auf mich zu, seine Stirn leicht gerunzelt, als würde ihn etwas schwer belasten.

„Ja?," antwortete ich ruhig, obwohl ich ahnte, was jetzt kam.

„Ich weiß, das klingt gerade ziemlich komisch, aber...weißt du etwas?," fragte er, seine Stimme leiser als sonst. Irgendetwas in seinem Blick wirkte...erschöpft. Suchend.

Ich hielt seinem Blick stand, sagte jedoch erst einmal nichts. Ich konnte nicht einfach alles offenlegen. Nicht jetzt. Nicht so.

„Max...ich weiß genauso wie ihr, dass Séra gerade aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Mehr nicht. Wirklich nicht," erwiderte ich schließlich. Es war nicht ganz gelogen, zumindest nicht vollständig.

Carlos kam dazu, sichtlich aufgebracht. „Die Presse weiß aber offenbar schon mehr als wir. Sie berichten, dass sie in Aserbaidschan wieder starten will. Wie kann das sein, wenn selbst wir im Dunkeln tappen?," sagte er mit einem Anflug von Frustration.

Ich spürte, wie sich Wut in mir zusammenbraute. Nicht auf Carlos. Nicht auf Max. Auf die ganze verdammte Situation. Auf die Leute, die Dinge hinausposaunten, ohne nachzudenken.

„Vom Team kommt das nicht," warf Max ein. „Die halten dicht. Gerade jetzt, wo sie wieder im Titelkampf mitmischen können, wären sie die letzten, die voreilig etwas sagen. Außerdem nach dem Unfall, würde ich auch still bleiben. Ich weiß nicht einmal ob sie sich schon bei ihr entschuldigt haben."

Ich nickte. „Ich weiß nur, dass jemand aus ihrer Familie geplaudert hat," gab ich schließlich leise zu. Meine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. „Mehr kann ich euch wirklich nicht sagen."

Für einen Moment herrschte Schweigen.

Nur das dumpfe Aufprallen eines Balls in der Ferne erinnerte uns daran, wo wir waren. Zwischen dem ganzen Chaos, der Unsicherheit und den Gerüchten war dieses eine Spiel wie ein kurzes Aufatmen. Doch die Schatten der Realität holten uns auch hier ein.




*Séras Sicht*

Lights OutWo Geschichten leben. Entdecke jetzt