Das Hotelzimmer war still, fast unnatürlich still. Nur das Summen der Klimaanlage füllte den Raum. Draußen feierte die Welt noch, Boxenlärm, Interviews, Champagner, Motoren aber all das fühlte sich an, als käme es von einem anderen Planeten.
Ich saß auf der Bettkante, die Knie angezogen, barfuß, ein Glas Wasser in der Hand, dass ich kaum angerührt hatte. Mein Körper fühlte sich fremd an, mein Kopf leer und gleichzeitig voller Gedanken, die nicht nebeneinander existieren konnten.
Ich wusste, dass ich es ihm sagen musste. Heute noch. Nicht zwischen Tür und Angel, nicht irgendwo zwischen Funk und Parc Fermé. Sondern hier. Still. Echt. So, wie wir immer alles miteinander geteilt hatten. Der Arzt hatte einen Ultraschall gemacht und tatschlich ich war schwanger und das in der sechsten Woche.
Dann hörte ich die Tür. Nicht das leise Knarren, das man erwartet, wenn jemand vorsichtig eintreten will. Nein. Hastig. Ruckartig. Kein Schlüsselgedrehe, kein vorsichtiges Klopfen. Einfach aufgerissen. So, als könne er es nicht mehr erwarten.
„Schatz?!" Seine Stimme hallte durch den Raum, aufgebracht, fast panisch, voller Sorge und einem Hauch von Verzweiflung.
Ich hob den Blick und da stand er.
Lando. Mein Ehemann, der Vater unseres Kindes.
Noch immer in seiner Teamkleidung, das Shirt durchgeschwitzt und an der Haut klebend. Sein Gesicht war leicht verschwitzt, die Haare klebten ihm unordentlich an die Stirn.
Aber sein Blick? Sofort suchte er mich, und als er mich sah, schien ein Teil der Anspannung aus seinem Körper zu entweichen, als würde er endlich etwas Erleichterung spüren. „Gott sei Dank...," murmelte er leise, fast atemlos, während er die Tür hinter sich zuwarf.
„Warum bist du einfach verschwunden? Ich...ich bin fast durchgedreht. Niemand hat mir etwas gesagt. Nur, dass du dich nicht gut gefühlt hast, dass Toto dich rausgenommen hat..."
„Ich weiß." Ich stellte das Glas, das ich noch in der Hand gehalten hatte, langsam auf dem Nachttisch ab. „Es ging nicht anders."
Langsam kam er näher, Schritt für Schritt, seine Augen suchten die meinen, voll Sorge, ohne jeden Vorwurf. „Was ist los mit dir?," fragte er leise, fast zärtlich, aber auch mit der Intensität eines Mannes, der Angst hat, etwas zu verlieren.
Ich spürte, wie mir die Kehle plötzlich eng wurde, wie mein Herz schneller schlug und gleichzeitig eine eigenartige Ruhe in mir wuchs. Als hätte mein ganzer Körper verstanden: Jetzt ist der Moment.
Jetzt muss ich es sagen. „Ich war beim Arzt," hauchte ich leise, fast unhörbar. Er ließ sich neben mich auf das Bett sinken, seine Stirn legte sich in tiefe Falten. Die Anspannung stand ihm ins Gesicht geschrieben. „Und? Was haben sie gesagt?"
Ich drehte mich langsam zu ihm um, suchte seinen Blick, diese Augen, in denen ich so viele meiner schönsten Momente gefunden hatte. Meine Finger fanden seine Hand, griffen sie sanft, suchten Halt und Stärke zugleich. Ein tiefer Atemzug formte sich in meiner Brust, und mit all der Kraft, die ich aufbringen konnte, ließ ich die Worte los, die mein Leben und unseres für immer verändern würden:
„Ich bin schwanger."
Für einen winzigen Moment entgleiste sein Gesichtsausdruck. Doch es war kein Ausdruck von Schock oder Angst, vielmehr schien es, als würde ihn die pure, ehrliche Wucht dieser Nachricht überwältigen. Als hätte er eine Realität zum ersten Mal greifbar vor sich, die plötzlich alles andere in den Schatten stellte.
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Lights Out
Fanfiction"Frauen haben in dieser Welt nichts zu suchen." Diesen Spruch hörte Séra schon seitdem sie ein kleines Mädchen war. Doch das hielt sie nicht auf darum zu kämpfen ihren Traum wahr werden zu lassen. Die erste Frau in der Formel 1 zu werden. Das die...
