*Landos Sicht*
Es wurde nicht besser. Im Gegenteil, mit jedem neuen Tag wurde es schlimmer. Unerträglich fast. Wo man auch hinsah, wo man auch hinhörte, war nur noch eines präsent: Séras Unfall.
Das Mädchen das gefallen war. Gerade noch so einen Unfall überlebt hatte.
Fernsehen, Radio, Zeitungen, Social Media, ein einziger endloser Strom aus Berichten, Spekulationen, Meinungen. Die Medien überschlugen sich in der Jagd nach der dramatischsten Schlagzeile. Reißerische Titel.
Halbwahrheiten. Fragwürdige Expertenanalysen. Und darunter, wie ein ständiger, nagender Unterton: ihr Gesicht.
Ihre Familie hatte keine Ruhe mehr. Ständig hörte man nur die Frage ob es Séra schaffen würde.
Immer wieder ihr Gesicht. Ihr Lächeln auf Pressefotos. Ihr konzentrierter Blick unter dem Helm.
Und dann, der Moment des Aufpralls. Immer und immer wieder wurde die Szene gezeigt, geschnitten, verlangsamt, analysiert, kommentiert. Das Knirschen der Karbonteile, das Aufleuchten der Flammen, die rasende Ungewissheit in der Stimme der Kommentatoren, wie ein schlechter Film, der sich in Endlosschleife wiederholte. Ohne Rücksicht auf Würde. Ohne Anstand. Ohne Pause.
Und als wäre all das nicht schon genug, als hätte man noch nicht tief genug getreten, kam der eigentliche Schlag ins Gesicht: Red Bull hatte bereits entschieden, wer sie ersetzen würde. Für die Rennen wo sie ausfallen würde. Nur wie viele war da noch die Frage.
Noch bevor die Ärzte eine stabile Prognose abgeben konnten. Noch bevor klar war, ob sie überhaupt wieder aufwachen würde. Während sie dort lag, verkabelt, reglos, zwischen Leben und etwas anderem, wurde sie schon ersetzt. Checo.
So kühl. So endgültig. So verdammt schnell.
Phina hatte recht gehabt. Red Bull war gnadenlos effizient, wenn es darum ging, einen Namen zu streichen. Da zählte kein Mensch, da zählte nur das Ergebnis. Nur die nächste Runde. Nur das, was sich gut verkaufen ließ.
Während sich ihr Team noch vor Kameras zuversichtlich gab, während Hashtags mit Genesungswünschen trendeten, fiel im Hintergrund längst die Entscheidung. Ein Vertrag wurde aufgesetzt. Ein Platz neu vergeben.
Wie lange dieser Platz aber vergeben wurde, stand noch in den Sternen.
Als wäre Séra nur ein störender Zwischenfall gewesen. Ein technisches Problem im System.
Es fühlte sich an, als würde man ihr nicht nur das Cockpit nehmen, sondern auch das, was sie ausgemacht hatte, ihre Rolle, ihre Bedeutung, ihren Platz in der Welt und niemand, wirklich niemand, hielt auch nur kurz inne, um zu fragen, ob es ihr überhaupt gut ging.
Ich hatte Zoey geschrieben, gefragt wie es um das Mädchen stand. Sie hatte es gelesen. Mir aber nie zurückgeschrieben. Es war verständlich das sie mich ignorierte. Ich habe sie hintergangen und dann kam auch noch der Unfall. Ihre Familie hatte gerade alles andere im Kopf als über die Wette zu denken.
Dennoch ließ es mich einfach nicht los. Ich musste unbedingt erfahren wie es ihr geht. Ich will mir mein Mädchen wieder zurück holen, koste es was es wolle.
Mit zitternden Fingern stand ich nun vor der Wohnungstür von George. Aus den Storys auf Instagram hatte ich erkannt, dass viele der Fahrer den Tag gemeinsam mit ihren Freundinnen verbrachten. Ein gemütlicher Tag, ein wenig Normalität vor dem nächsten Wahnsinnsrennen. Selbst Alex war da. Nur ich...hatte keine Einladung bekommen.
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Lights Out
Fanfiction"Frauen haben in dieser Welt nichts zu suchen." Diesen Spruch hörte Séra schon seitdem sie ein kleines Mädchen war. Doch das hielt sie nicht auf darum zu kämpfen ihren Traum wahr werden zu lassen. Die erste Frau in der Formel 1 zu werden. Das die...
