*Ein paar Wochen später*
Es waren ein paar Wochen vergangen, seit Lando und ich das Gespräch mit unseren Teamchefs geführt hatten. Seitdem hatte sich vieles verändert und gleichzeitig auch wieder nicht.
Wir lebten unser Leben weiter wie zuvor, nur mit einem neuen Bewusstsein im Hinterkopf: Es war jetzt kein Geheimnis mehr für alle. Zumindest nicht für diejenigen, die wirklich Bescheid wissen mussten.
Wir waren vorsichtiger geworden, ja. Unsere Blicke, Berührungen, selbst unsere Wortwahl, alles war ein bisschen kontrollierter. Aber es war kein Versteckspiel mehr, sondern eher ein geschützter Raum, den wir uns geschaffen hatten.
Oscar hatte für seinen fast-Verrat einen gut gemeinten, aber unübersehbaren Schlag auf den Hinterkopf von Lando kassiert, begleitet von einem theatralischen „Das war fürs Quatschen, Bro!" Alle im Team hatten gelacht, sogar Oscar, obwohl er danach ein paar Tage auffällig darauf achtete, keine halben Andeutungen mehr in Teambesprechungen zu machen.
„Ich schwör's, ich wollte nichts sagen!," hatte er sich verteidigt, als wir ihn zur Rede stellten. „Ja ja," hatte ich nur gemeint, mit einem gespielt bösen Blick. „Du bist wie eine schlechte Netflix-Charakterbeschreibung: Spoiler durch pure Unbedachtheit.
Auch die anderen Fahrer hatten reagiert, aber überraschend gelassen. Es gab ein paar hochgezogene Augenbrauen, ein paar wissende Blicke, aber niemand behandelte uns anders. Keine komischen Kommentare, kein Tuscheln hinter dem Rücken. Im Gegenteil: Es fühlte sich fast so an, als würde man uns jetzt mit einem leicht amüsierten Lächeln beobachten.
Natürlich blieben unsere Familien nicht lange im Dunkeln.
Unsere Eltern, nun ja, sie hatten es nicht sofort mit Begeisterung aufgenommen.
Seitdem war es...ruhig. Wir taten, was wir schon die ganze Zeit getan hatten: Rennen fahren. Trainieren. Medienrunden überleben und irgendwo dazwischen, wir selbst sein und obwohl wir weiterhin in einem Fahrerlager voller Augen lebten, voller Mikrofone und Schlagzeilen, fühlte es sich nicht mehr so schwer an.
Vielleicht, dachte ich manchmal, war es genau das, was wir brauchten. Nicht ein Drama, keine heimlichen Fluchten, sondern einfach nur dieses stille, hart erarbeitete Okay.
„Bist du nervös?," fragte ich Lando, während wir Seite an Seite die Strecke entlanggingen, meine Heimstrecke, Spielberg. Die Geräusche der Vorbereitungen hallten leise über das Gelände: das ferne Dröhnen eines Generators, das metallische Klirren von Werkzeugen, vereinzelte Stimmen.
Er sah kurz zu mir rüber, die Sonnenstrahlen spiegelten sich in seiner Sonnenbrille, die er sich nach oben geschoben hatte. „Du meinst wegen der WM?," erwiderte er, und ich nickte.
Er zog die Schultern leicht hoch. „Etwas schon. Immerhin habe ich durch ein paar dumme Fehler Oscar die WM-Führung überlassen." Seine Stimme war ruhig, aber ich kannte ihn gut genug, um zu hören, was dahinter lag: Frust. Zweifel.
Ich schob die Hände in die Taschen meiner Jacke. „Dafür bist du wieder ganz vorn, Lando. Du holst auf und das ist doch das Wichtige, oder nicht?"
Er nickte langsam, sein Blick auf die Asphaltlinie vor uns gerichtet. „Schon, aber...du kennst mich. Ich verliere bei sowas schneller die Nerven, als mir lieb ist."
Ich seufzte leise. „Hinter dir stehen Leute, die dich tragen, Lando. Du weißt, dass du es kannst. Außerdem, jeder Mensch ist anders. Du musst nicht so sein wie Oscar. Du bist du und du bist verdammt gut darin."
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Lights Out
Fanfiction"Frauen haben in dieser Welt nichts zu suchen." Diesen Spruch hörte Séra schon seitdem sie ein kleines Mädchen war. Doch das hielt sie nicht auf darum zu kämpfen ihren Traum wahr werden zu lassen. Die erste Frau in der Formel 1 zu werden. Das die...
