75. Kapitel

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Wenn Monaco ein Ort war, dann der, an dem die Welt kurz stehen blieb – nur um dann doppelt so schnell weiterzulaufen. Es war der Atem der Formel 1, der Glamour, der Druck, das Flimmern in der Luft, wenn Gier auf Können trifft.

Und ich war mal wieder mittendrin. Monaco war an sich ein wirklich schöner Ort aber dieses Wochenende brachte mich immer wieder dazu, genau diese Tage zu hassen. Leute die sich nicht für die Formel 1 interessieren kamen um uns zu, zu sehen, mehr will ich auch gar nicht dazu sagen.

Es war einfach nervenaufreibend.


Seit Donnerstag war ich leider in einem Hotel untergebracht, da wir die Aufmerksamkeit nicht auf uns ziehen wollten. Auch wenn mir Lando angeboten hatte, dass ich bei ihm bleiben konnte. Auch wenn ich wollte, die Fans würden ausrasten, wenn sie erfuhren das wir beide zusammen waren.

Ich saß im Briefing Room, die dunkelblaue Cap zwischen den Händen. Draußen dröhnte ein anderer Wagen gerade durch das enge Straßennetz von Monte Carlo. Ich atmete tief durch.

„P4 im dritten Training. Wenn du den letzten Sektor sauber erwischst, geht mehr und wir schaffen es auf das Podium," sagte Michi über das Funkgerät. Ich nickte nur. Ich wusste das.

Ich wusste alles. Alles, was ich fahren musste. Das Auto hatten wir nun etwas anders eingestellt und ich fühlte mich besser damit. Ich musste nur noch im Quali endlich wieder gut abschneiden und dann sahen wir weiter.

Ich konzentrierte mich voll und ganz auf das Wochenende. Ich durfte mich nicht ablenken lassen, nicht heute. Vor allem nicht, wenn ein gewisser anderer Fahrer aus der benachbarten Garage ebenfalls mit fast unheimlicher Präzision mich durch den Wind brachte.



Die Sonne brannte. Menschen wuselten wie Ameisen über das Gelände. Kameras, Mikrofone, Fans mit Fahnen und Poster. Ich lief zielgerichtet durch die Menge, das Visier meines Helms in der Hand. Ein Laura versuchte neben mir her zu laufen. Da ich jedoch so schnell wie möglich in die Garage wollte, war das alles andere als leicht.

„Séra! Sky bräuchte ein kurzes Statement von dir?," kam es von ihr. „Später," war meine einzigste Antwort. Sie wusste doch genauso gut wie ich das ich mich nun auf das Quali vorbereiten musste. „RTL will dich wegen der Fahrerinnen-Perspektive noch einmal. Vor allem weil du dieses Mal wirklich gut dabei bist," wieder eine Frage die ich lieber nicht beantworten wollte. „Sag ihnen nach dem Quali," brummte ich vor mich hin. „Und die FIA braucht dein Okay fürs Charity-Dinner. Du weißt das dies extrem wichtig ist." Langsam platzte mir der Geduld Faden. „Du weißt meine Antwort also sag ihnen zu," murmelte ich vor mich hin.

Dann stand ich plötzlich vor ihm. Charles. Den ich lieber gerne noch weiter ignoriert und aus dem Weg gegangen wäre.

In voller Montur, das Ferrari Rot stach grell hervor. Sein Blick traf meinen – kurz, fest. Die Welt wurde still.

„Bereit, Rosenberg?," fragte er mit diesem typisch schiefen Grinsen. Ich zog eine Augenbraue hoch. „Ich hoffe, du hast deine Rückspiegel gut geputzt Leclerc. Wir werden es dir heuer auch nicht einfacher machen." „Ich mag's, wenn du aggressiv bist," grinste er vor sich hin.

Ich hoffte nur das Laura das nicht mitbekommen hatte. „Ich mag's, wenn du die Klappe hältst," grummelte ich und verschwand in meine Garage.



Ich spürte jeden Muskel. Jede Bewegung meines Wagens war eine Verlängerung meines Körpers. Ich flog durch den Tunnel, tanzte Millimeter an der Leitplanke vorbei. Der Funk brüllte in mein Ohr:

Lights OutWo Geschichten leben. Entdecke jetzt