„Mama! Mama, wach auf!"
Eine helle, drängende Stimme direkt an meinem Ohr.
Ich brummte nur und rollte mich auf die andere Seite, vergrub mein Gesicht tiefer ins Kissen. Meine Lider waren schwer, mein Körper noch halb im Traum, in diesem weichen Nebel zwischen Schlaf und Erwachen.
Doch mein kleiner Wecker hatte andere Pläne. „Mama!! Nicht wieder einschlafen!! Papa fährt doch heute in Silverstone! Das dürfen wir nicht verpassen!," rief Jack aufgeregt, diesmal noch ein Stück lauter, direkt an meinem Ohr. Ich stöhnte leise, ohne die Augen zu öffnen, und murmelte: „Jack, es ist noch viel zu früh, um überhaupt aufzustehen..."
Langsam drehte ich mich zur Seite, zog die Decke bis zum Kinn und blinzelte verschlafen in die Richtung, aus der die Stimme kam.
Und da stand er, mein fünfjähriger Sohn.
Bereits komplett angezogen: seine Mini-Racing-Jacke mit Lando's Startnummer, Jeans, Turnschuhe, die er wahrscheinlich selbst mühsam zugebunden hatte. Sah auch so aus. Seine lockigen Haare standen in alle Richtungen, wie eine Mischung aus Schlaf und Aufregung. Die Wangen glühten leicht vor Vorfreude und seine Augen, diese warmen, leuchtenden Augen, blitzten genau wie die seines Vaters, wenn er am Start stand.
„Nein, Mama! Es ist schon acht Uhr!! Ich will rechtzeitig da sein! Papa meinte, dass es dir zwar nicht so gut geht und du Schlaf brauchst, aber den hast du doch jetzt bekommen!," sagte er, die Hände in die Hüften gestemmt, mit diesem frechen Unterton, den er eindeutig nicht von mir hatte.
Ich blinzelte ihn an. Die Müdigkeit hielt sich hartnäckig, aber als ich sein erwartungsvolles Gesicht sah, konnte ich nicht anders als zu lächeln.
„Na gut...du hast mich erwischt," seufzte ich und schob langsam die Decke zur Seite.
Jack hüpfte sofort aufgeregt vor dem Bett herum, als wäre er selbst gleich auf dem Weg zur Startlinie.
„Jaaa! Zieh dich schnell an, Mama! Ich will bei der Fahrervorstellung dabei sein und vielleicht können wir ja wieder in die Garage und ich darf Papa die Handschuhe bringen!"
Ich grinste. So war er. voller Energie, voller Liebe für das, was sein Vater tat.
Er war wie Lando in klein: frech, charmant, begeisterungsfähig, und manchmal fast ein bisschen zu klug für sein Alter.
„Du bist wirklich wie dein Papa," murmelte ich, während ich mich aufrichtete und langsam aus dem Bett schwang. Mein Körper protestierte zwar noch ein wenig, die Übelkeit der letzten Tage war hartnäckig, aber dieser kleine Mensch, der da vor mir stand, war Grund genug, sich trotzdem aufzuraffen.
„Und du bist wie du, Mama und das ist am besten," sagte Jack grinsend und rannte schon los in Richtung Ankleidezimmer, wo er sich sicherlich seinen Rucksack holte, den ich gestern noch zusammen gepackt hatte.
Ich atmete tief durch und lächelte, müde, aber glücklich. Es war Renntag und unsere kleine Familie war bereit.
Eine Stunde später betrat ich, mit meinem Sohn fest auf dem Arm, den altvertrauten Paddock. Kaum hatte ich den ersten Fuß auf den Asphalt gesetzt, überkam mich eine Welle aus Erinnerungen. Es roch nach Gummi, nach Benzin, nach Adrenalin, vertraut, lebendig.
Jack klammerte sich mit seinen kleinen Armen um meinen Hals, sein Gesicht drückte sich neugierig gegen meine Wange, während seine Augen alles aufsogen, die Boxen, die Leute, die Autos, den Puls dieser Welt.
Der Paddock war derselbe geblieben, auch wenn für mich alles anders war.
Die gleichen Stimmen, das geschäftige Treiben. Crewmitglieder schoben Reifenstapel an uns vorbei, Funkgeräte knisterten, irgendwo hörte ich das Piepen eines Laptimers. Auf den Tribünen saßen bereits hunderte Fans in Teamfarben, mit Schildern und Fähnchen, die sie stolz in die Luft hielten. Die Boxengasse war voller Bewegung, ein vertrauter Tanz aus Vorbereitung, Konzentration und Aufregung.
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Lights Out
Fanfiction"Frauen haben in dieser Welt nichts zu suchen." Diesen Spruch hörte Séra schon seitdem sie ein kleines Mädchen war. Doch das hielt sie nicht auf darum zu kämpfen ihren Traum wahr werden zu lassen. Die erste Frau in der Formel 1 zu werden. Das die...
